Verbrennungsmotor (Zukunft): Hersteller Verbrenner ohne Zukunft?

von Markus Bach 26.03.2021

Die Zukunft des Verbrennungsmotors sieht nicht allzu rosig aus: Immer mehr Hersteller verkünden das Ende ihrer Verbrenner. AUTO ZEITUNG erklärt, was hinter diesem radikalen Einschnitt steckt.

Ausgerechnet der Erfinder des Automobils mit Verbrennungsmotor machte den Anfang: Schon 2019 verkündete Daimler-Chef Ola Källenius, dass Mercedes spätestens 2039 nur noch CO2-neutrale Neuwagen produzieren wird. Das bedeutet das Ende des klassischen Verbrennungsmotors bei den Stuttgarter:innen. "Aktuell liegt unser Fokus auf der Batterie-elektrischen Mobilität", sagt Källenius. Bereits 2022 soll es in jedem Segment ein elektrifiziertes Angebot geben – vom Smart bis zum SUV. Dafür investiert Mercedes rund zehn Milliarden Euro in den Ausbau seiner Elektro-Flotte und kauft Batteriezellen für mehr als 20 Milliarden Euro. 2030 soll dann über die Hälfte des Auto-Absatzes aus Plug-in-Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen bestehen. Mercedes lässt sich beim Ausstieg aber noch eine Hintertür offen: So ist es für Källenius wichtig, auch an weiteren Antriebslösungen zu arbeiten, etwa an der Brennstoffzelle oder synthetischen E-Fuels, die in konventionellen Verbrennungsmotoren verwendet werden können. Aktuell macht beim Verbrenner-Ende sowieso Jaguar den Anfang: Schon ab 2025 will die britische Premiummarke nur noch Elektro-Autos bauen. Dafür entwickelt Jaguar Land Rover eine eigene Stromer-Architektur und steckt rund 2,8 Milliarden Euro jährlich in die Elektrifizierung und die Einführung vernetzter Dienste. Land Rover bleibt dem Verbrennungsmotor jedoch weiter treu, obwohl auch dort 2030 rund 60 Prozent des Absatzes auf Modelle ohne Abgas-Emissionen entfallen sollen. Mehr zum Thema: Elektromobilität in Deutschland

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Verbrennungsmotor (Zukunft): Diese Hersteller verkünden den Ausstieg

Fünf Jahre nach Jaguar wird Volvo ebenfalls zur rein elektrischen Premiummarke. Schon 2025 sollen Stromer die Hälfte der weltweiten Verkäufe der Schweden ausmachen und der Rest auf Hybride entfallen. "Anstatt auf ein schrumpfendes Geschäft zu setzen, investieren wir lieber in die Zukunft", sagt Volvo-Chef Hakan Samuelsson. Auch die Luxusmarke Bentley will 2030 ihr gesamtes Modellangebot auf rein Batterie-elektrische Antriebe umstellen – als erste Marke im VW-Konzern. Damit würde der heute (Stand: März 2021) weltgrößte Produzent von Zwölfzylinder-Motoren zur E-Auto-Marke werden. Eine stückzahlenmäßig viel schwerere Aufgabe nimmt der größte US-Autokonzern General Motors in Angriff: Bis 2035 wollen die Amerikaner:innen bei ihren neuen Autos und Nutzfahrzeugen alle Auspuff-Emissionen eliminieren. Zu letzteren zählen auch die in den USA sehr gut verkauften großvolumigen Pick-ups. Eine Ansage, die aufhorchen lässt. Wie das gehen könnte, zeigt GM aktuell mit der Neuauflage des Hummer – er ist jetzt ein rein elektrischer Pick-up. Bereits 2025 wollen die Amerikaner:innen weltweit 30 Stromer anbieten. Insgesamt investiert GM umgerechnet rund 22 Milliarden Euro in elektrische und autonom fahrende Autos. Konkurrent Ford geht hier etwas weniger ambitioniert zu Werke. Zwar verkündete auch der zweitgrößte US-Autobauer ein Enddatum für seine Verbrenner-Produktion. Das betrifft allerdings nur die in Europa verkauften Pkw, die ab 2030 komplett vollelektrisch werden sollen. Dafür investiert Ford umgerechnet rund 18 Milliarden Euro, 830 Millionen Euro davon gehen in das Kölner Werk. Es wird zur ersten Elektro-Auto-Fabrik des Konzerns in Europa. 2023 soll hier das erste Ford-Modell vom Band laufen, das auf dem elektrischen MEB-Baukasten von Kooperationspartner VW basiert. Als Zwischenschritt bis zum Ende der Verbrenner werden bis 2026 alle Ford-Pkw in Europa eine rein elektrische oder eine Plug-in-Hybrid-Variante bekommen. Auch BMW verstärkt den Fokus auf die Elektromobilität und hat in diesem Zuge den Abschied vom Verbrenner-Mini verkündet. Der letzte Mini mit Verbrennungsmotor soll demnach 2025 auf den Markt kommen. Ab 2031 fahren alle Modellvarianten rein elektrisch, selbst Hybridantriebe wird es für Mini dann nicht mehr geben.

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Zukunft: Gründe für das Verbrenner-Ende bei vielen Herstellern

Doch warum entscheiden sich die Autokonzerne gerade jetzt zu diesem radikalen Umsteuern, also der Abkehr vom Verbrennungsmotor? Es gibt zwei triftige Gründe: Zum einen wird die klare Fokussierung auf die Elektromobilität von Investoren belohnt. Das sieht man am Beispiel der Aktienkurse von Tesla und dem chinesischen E-Auto-Start-up Nio: Während Tesla an den Börsen mittlerweile mehr wert ist als VW, Daimler, BMW, General Motors und Ford zusammen, hat sich der Kurs von Nio in einem Jahr verzwölffacht. Gerade nachhaltige Investoren und Öko-Fonds setzen in der Autobranche meist nur auf Hersteller mit einer Modellpalette ohne Verbrennungsmotoren. Der andere gewichtige Grund sind verschärfte staatliche Vorgaben: In immer mehr Ländern drohen Verkaufsverbote für Verbrenner. Los geht es schon 2025 in Norwegen. 2030 folgen dann Indien, die Niederlande und Großbritannien. Kein Wunder, dass gerade britische Hersteller wie Jaguar und Bentley auf die Verbrenner verzichten. Zehn Jahre später sollen auch in Frankreich und Spanien Autos mit Auspuff aus den Verkaufsräumen verschwinden. In Deutschland ist ein Verbot erst 2050 vorgesehen. Die Grünen wollen jedoch schon 2030 Schluss machen. Selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder brachte beim CSU-Parteitag das Ausstiegsdatum 2035 ins Spiel. In den beiden größten Automärkten der Welt ist man dagegen zurückhaltender: So haben in den USA bisher nur zehn von 50 Bundesstaaten Verbrenner-Verbote beschlossen, darunter Umwelt-Vorreiter Kalifornien für 2035. Und in China soll nach dem Willen der Zentralregierung sogar erst 2060 Schluss ein. Autohersteller, die dort viele Neuwagen verkaufen, müssen also noch Jahrzehnte mehrgleisig fahren. Das ist sicher auch ein Grund dafür, warum mit VW und Toyota die beiden größten Autokonzerne der Welt immer noch zögern, das Ende ihrer Verbrennungsmotoren auszurufen.

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