48-Volt-Bordnetz im Auto: Vorteile/Nachteile Was bringt das 48-Volt-System?

von Jürgen Voigt 09.11.2018

Neue Autos werden häufig mit einem 48-Volt-Bordnetz, statt mit einer zwölf-Volt-Batterie ausgestattet. Welche Vor- und Nachteile eine höhere Bordspannung hat, erklären wir hier!

Wer ein neues Auto mit 48-Volt-Bordnetz kauft, bekommt quasi ein Hybridauto light, ohne dass er davon weiß. Denn neben dem Verbrennungsmotor arbeitet unter der Haube oft eine zusätzliche Elektromaschine, entweder als Nebenaggregat mit Riemenantrieb (Riemen-Startergenerator, z.B. Audi) oder zwischen Motor und Getriebe (integrierter Startergenerator, z.B. Mercedes). Diese E-Maschine dient weniger dem rein elektrischen Fahren, sondern ersetzt sowohl den Anlasser als auch die stromerzeugende Lichtmaschine, ist dabei aber deutlich leistungsfähiger, weil sie mit der Betriebsspannung von 48 statt den üblichen zwölf Volt läuft. Damit lässt sich beim Bremsen viel Energie zurückgewinnen (rekuperieren), die dann in einer eigenen 48-Volt-Batterie gespeichert wird und nicht mehr vom Verbrennungsmotor erzeugt werden muss, was zur Verbrauchs- und CO2-Reduzierung führt. Bis zu zwölf Prozent Verbrauchsersparnis kann der Umstieg von zwölf auf 48-Volt-Bordnetz bringen. Zudem kann die leistungsfähige E-Maschine auch den Antrieb unterstützen. So rekuperiert der Riemen-Startergenerator im neuen Audi A6 55 TFSI mit bis zu zwölf kW Leistung, kann aber als E-Motor auch ein Drehmoment von 60 Newtonmeter aufbringen. Mehr zum Thema: Alles zur weißen Plakette

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48-Volt-Bordnetz​ im Video:

 
 

Verbrauch mit 48-Volt-Bordnetz verringern

Das 48-Volt-Bordnetz hat noch mehr Vorteile. Es erleichtert die Start-Stopp- und Segel-Funktion, also das Abstellen des Verbrennungsmotors an der Ampel und in Bergab-Phasen. Die 48-Volt-Maschine startet den Verbrennungsmotor wieder blitzschnell, zuverlässig und ruckfrei. Zudem kann die leistungsfähige Elektrik bei abgestelltem Verbrenner sämtliche Nebenfunktionen übernehmen wie Lenkunterstützung oder Klimatisierung. Auch leistungsintensive Antriebs- und Fahrwerks-Features wie elektrische Verdichter (E-Turbo) und aktive Wankstabilisierung sind mit 48 Volt möglich – oder ein preisgünstiger Allradantrieb, indem man z.B. die Hinterachse eines Fronttrieblers mit ein oder zwei 48-Volt-Motoren ausrüstet. Ganz ohne Zwölf-Volt-Spannung geht es aber nicht, da die meisten der vielen Verbraucher an Bord noch mit zwölf Volt laufen und auch keine höhere Spannung benötigen. Insgesamt ist das 48-Volt-Bordnetz also aufwendiger, teurer und bringt auch mehr Gewicht mit sich. Nicht zuletzt deshalb wollen japanische oder US-amerikanische Auto-Entwickler bislang wenig von der neuen Technologie wissen. Hier setzt man jetzt und in Zukunft lieber auf Vollhybrid-Antriebe, die ohnehin mit Spannungslagen um die 200 Volt und mehr arbeiten.

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POSITIVBessere Rekuperation, weniger Verbrauch und CO2, zusätzliche Funktionen wie Segeln, Boosten, Standklimatisierung und mehr
NEGATIVAufwendigeres Netz, höhere Kosten, mehr Gewicht, 48-V-Komponenten nur eingeschränkt verfügbar

 

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