EU: Strengere CO2-Werte bis 2030 (Auto/Lkw) Strengere CO2-Grenzwerte endgültig beschlossen

von Alexander Koch 16.04.2019
Inhalt
  1. EU: Strengere CO2-Werte für Autos beschlossen
  2. EU: Strengere CO2-Werte für Lkw gefordert
  3. CO2-Ziele: Hersteller müssen sich schnell umstellen
  4. Kritik an schärferen CO2-Grenzwerten
  5. CO2 ist das umstrittenste Treibhausgas

Strengere CO2-Werte bis 2030 für neue Autos, darauf haben sich im April 2019 die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten geeinigt. Auch für Lkw soll es verbindliche Grenzwerte geben. Das sind die Details!

Die strengeren CO2-Werte für Neuwagen sind beschlossene Sache: Der Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen soll bis 2030 um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken, für leichte Nutzfahrzeuge ist eine C02-Reduktion von 31 Prozent vorgesehen. Dafür stimmten die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten abschließend am 15. April 2019 bei einem Ministertreffen in Luxemburg, das Europaparlament hatte bereits Ende März zugestimmt. Außerdem wurde für beide Fahrzeugklassen eine Zwischenetappe festgelegt: Bis 2025 soll jeweils eine Minderung um 15 Prozent erreicht sein. Zur Diskussion beziehungsweise Abstimmung standen drei Vorschläge: die Forderungen der EU-Kommission, die CO2-Grenzwerte bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren, die Forderung des EU-Parlaments nach einer Reduktion um 40 Prozent und der Kompromiss der EU-Umweltminister, die Grenzwerte für Neuwagen bis 2030 um 35 Prozent zu reduzieren. Die deutsche Autoindustrie und die Bundesregierung hatten ursprünglich strengere CO2-Werte für Neuwagen mit einer Minderung von nur 30 Prozent gefordert. Bundesumweltministerin Svenja Schulze begrüßte die beschlossene Neuregelung allerdings: Sie sei "nicht nur gut für den Klimaschutz, sondern auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher". Mehr zum Thema: Das sind die Euro-Normen

News
EU-Urteil zu Euro-6-Norm (Grenzwerte) EU-Gericht erklärt Abgaswerte für nichtig

Alles zur Blauen Plakette im Video:

 
 

EU: Strengere CO2-Werte für Autos beschlossen

Die vereinbarten und strengeren CO2-Werte legen fest, wie viel CO2 die verkauften Neuwagen eines Autobauers im Schnitt ausstoßen dürfen. Für jeden Hersteller werden eigene Werte festgelegt. Wer vor allem schwere und große Autos produziert, dessen Flotte darf auch mehr Kohlendioxid ausstoßen. Hauptsache, am Ende wird im Schnitt der europaweit festgelegte Grenzwert eingehalten. Die Klimavorgaben sollen dazu beitragen, Emissionen aus dem Straßenverkehr zu drücken und so die Klimaziele der EU zu erreichen. Rund ein Viertel aller Klimagase der EU stammt aus dem Verkehr, Autos und Lastwagen haben daran den größten Anteil. Bisher sollen Neuwagen im EU-Flottendurchschnitt im Jahr 2021 nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Das ist die Basis, von der aus die festgelegte Senkung von 37,5 Prozent erfolgen soll. Allerdings liegen für viele Hersteller noch nicht einmal diese aktuellen Grenzwerte in Reichweite: Zuletzt lag der europäische Durchschnitt bei 118,5 Gramm pro Kilometer. 

News Kleinstwagen-Aus
CO2-Grenzwerte: Kleinstwagen droht das Aus Das Ende der Kleinstwagen

 

EU: Strengere CO2-Werte für Lkw gefordert

Die EU-Länder wollen nicht nur verbindliche CO2-Grenzwerte für Neuwagen, sondern auch Nutzfahrzeuge, um den Ausstoß von Kohlendioxid auch bei neuen Bussen und Lastwagen bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu drücken. Bereits im Frühjahr 2018 hatte die EU-Kommission ein entsprechendes Minderungsziel vorgeschlagen – allerdings sollte die Zielmarke dem Vorschlag nach zunächst unverbindlich sein und 2022 nochmals geprüft werden. Laut des Beschlusses der EU-Umweltminister im Dezember 2018 soll der Grenzwert für 2030 nun aber verbindlich sein, falls nicht 2022 etwas anderes entschieden wird. Teil des Kompromisses ist zudem ein Zwischenziel für das Jahr 2025: Schon dann sollen neue Nutzfahrzeuge 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen, Vergleichjahr für das Minderungsziel ist 2019. Werden die verbindlichen Ziele verfehlt, drohen Geldstrafen. Die Umweltminister aller EU-Länder sprachen sich für die Grenzwerte aus – mit Ausnahme der deutschen Ressortchefin Svenja Schulze (SPD). Sie enthielt sich nach eigenen Angaben auf Druck des Kanzleramts. Nun folgen Verhandlungen mit dem Europaparlament. Das EU-Parlament hat sich im November 2018 ebenfalls auf strengere CO2-Grenzwerte für Lkw festgelegt, der aber seiner Meinung nach ab 2019 bis 2030 um 35 Prozent sinken soll – also fünf Prozent mehr als die Umweltminister und die EU-Kommission fordern.

News Diesel-Fahrverbot
Dieselfahrverbote (Städte): Messstationen & EU-Urteil Berlin führt Dieselfahrverbote ein

 

CO2-Ziele: Hersteller müssen sich schnell umstellen

Zu erreichen sind die schärferen CO2-Grenzwerte nur, wenn immer mehr Fahrzeuge ohne Emissionen verkauft werden – also reine Elektroautos statt Benzin- und Dieselfahrzeuge. Bis 2030 sei bei den Pkw-Neuzulassungen ein Anteil von E-Fahrzeugen von 35 bis 40 Prozent notwendig. Sonst würden die CO2-Ziele wohl verfehlt und es könnten herbe Bußgelder drohen. Für die Hersteller bedeutet das, dass sie sich schnell umstellen und ihre Produktion umbauen müssen. Trotzdem werde der Diesel als Brückentechnologie benötigt, heißt es in der Branche. Doch Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben die Neuzulassungen von Selbstzündern auf Talfahrt geschickt. Da viele Diesel bei vergleichbarer Leistung aber mittlerweile weniger CO2 ausstoßen als Benziner, droht den Herstellern jetzt die CO2-Falle. Denn je weniger Diesel verkauft werden, umso schwieriger wird es, die CO2-Ziele zu erreichen.

Ratgeber Umweltzonen und Fahrverbote in der EU
Fahrverbote & Umweltzonen: Europa/Ausland Strenge Regeln in EU-Metropolen

 

Kritik an schärferen CO2-Grenzwerten

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagierte auf die künftigen Klimavorgaben für Neuwagen im März 2019 äußerst kritisch: "Diese Regulierung forder zu viel und fördert zu wenig." Ähnlich scharfe CO2-Ziele gebe es nirgendwo sonst, so dass die europäische Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet werde und Arbeitsplätze deswegen in Gefahr seien. Auch der europäische Herstellerverband ACEA kritisiert die neuen Vorgaben: "Eine CO2-Minderung um 37,5 Prozent zu liefern, mag sich plausibel anhören, aber gemessen am heutigen Stand ist es völlig unrealistisch." Die österreichische Umweltministerin Elisabeth Köstinger, die die Verhandlungen als derzeitige Ratsvorsitzende führte, weist die Kritik zurück: Die für 2030 vorgesehenen Kohlendioxid-Werte seien "ambitioniert, aber machbar". Noch seien elf Jahre Zeit, die neuen CO2-Flottenwerte zu erreichen und die Automobiltechnik sei schon sehr weit. Und weiter: Hätten die Autobauer die Versprechen der Vergangenheit eingehalten, hätte man jetzt weniger Diskussionen. Mehr zum Thema: Dieselfahrverbote auch in Paris

News
IAB-Studie: Elektroautos könnten viele Jobs kosten IAB-Studie und IG Metall warnen vor Jobverlusten

 

CO2 ist das umstrittenste Treibhausgas

Kohlendioxid ist ein geruch- und farbloses Gas, das unter anderem bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas entsteht. Als wichtigstes Treibhausgas – sein Anteil an den Treibhausgas-Emissionen beträgt 87,8 Prozent – ist es für die globale Erwärmung mit verantwortlich. Die durchschnittliche Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre liegt bei 120 Jahren. Seit 2000 konnte der Kohlendioxid-Ausstoß des Verkehrs von 181 auf 159 Mio. Tonnen reduziert werden.

News Die wahren Umweltsünder
Feinstaub/NOX: Schiffsabgase (Update) Die wahren Klimasünder

Tags:
NEWSLETTER
Melden Sie sich hier an!
Beliebte Marken

AUTO ZEITUNG 19/2019AUTO ZEITUNGAUTO ZEITUNG 19/2019

Copyright 2019 autozeitung.de. All rights reserved.