EU: CO2-Grenzwerte für Autos & Lkw (bis 2030) Das steckt hinter den CO2-Grenzwerten

von Christina Finke 10.10.2019
Inhalt
  1. EU: Strengere CO2-Grenzwerte für Autos beschlossen
  2. EU-Parlament: Strengere CO2-Werte für Lkw
  3. CO2-Ziele: Hersteller müssen sich schnell umstellen
  4. Kritik an schärferen CO2-Grenzwerten
  5. Was ist CO2 eigentlich?
  6. Wie ist es überhaupt zur Festlegung von CO2-Grenzwerten gekommen?
  7. CO2-Grenzwerte: Wie berechnet sich der Flottendurchschnitt?
  8. Elektro- und Hybridautos werden bis 2020 doppelt eingerechnet
  9. Welche Strafen drohen, wenn Hersteller die CO2-Grenzwerte nicht einhalten?

Strengere CO2-Grenzwerte bis 2030 für neue Autos, darauf haben sich im April 2019 die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten geeinigt. Auch für Lkw soll es verbindliche Grenzwerte geben. Das sind die Details und die Hintergründe zu den CO2-Grenzwerten!

Die strengeren CO2-Grenzwerte für Neuwagen sind beschlossene Sache: Der Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen soll bis 2030 um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken, für leichte Nutzfahrzeuge ist eine C02-Reduktion von 31 Prozent vorgesehen. Dafür stimmten die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten abschließend am 15. April 2019 bei einem Ministertreffen in Luxemburg, das Europaparlament hatte bereits Ende März 2019 zugestimmt. Außerdem wurde für beide Fahrzeugklassen eine Zwischenetappe festgelegt: Bis 2025 soll jeweils eine Minderung um 15 Prozent erreicht sein. Zur Diskussion beziehungsweise Abstimmung standen drei Vorschläge: die Forderungen der EU-Kommission, die CO2-Grenzwerte bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren, die Forderung des EU-Parlaments nach einer Reduktion um 40 Prozent und der Kompromiss der EU-Umweltminister, die Grenzwerte für Neuwagen bis 2030 um 35 Prozent zu reduzieren. Die deutsche Autoindustrie und die Bundesregierung hatten ursprünglich strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen mit einer Minderung von nur 30 Prozent gefordert. Fest steht: Alle in der Europäischen Union neu zugelassenen Pkw sollen ab 2020 im Durchschnitt den CO2-Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer einhalten. Mehr zum Thema: Das sind die Euro-Normen

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EU: Strengere CO2-Grenzwerte für Autos beschlossen

Die vereinbarten und strengeren CO2-Grenzwerte legen fest, wie viel CO2 die verkauften Neuwagen eines Autobauers im Schnitt ausstoßen dürfen. Für jeden Hersteller werden eigene Werte festgelegt. Die Klimavorgaben sollen dazu beitragen, Emissionen aus dem Straßenverkehr zu drücken und so die Klimaziele der EU zu erreichen. Rund ein Viertel aller Klimagase der EU stammt aus dem Verkehr, Autos und Lastwagen haben daran den größten Anteil. Bisher sollen Neuwagen im EU-Flottendurchschnitt im Jahr 2021 nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Das ist die Basis, von der aus die festgelegte Senkung von 37,5 Prozent erfolgen soll. Allerdings liegen für viele Hersteller noch nicht einmal diese aktuellen CO2-Grenzwerte in Reichweite: Zuletzt lag der europäische Durchschnitt bei 118,5 Gramm pro Kilometer. 

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EU-Parlament: Strengere CO2-Werte für Lkw

Die EU-Länder wollen nicht nur verbindliche CO2-Grenzwerte für Neuwagen, sondern auch für Nutzfahrzeuge, um den Ausstoß von Kohlendioxid auch bei neuen Bussen und Lastwagen bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu drücken. Bereits im Frühjahr 2018 hatte die EU-Kommission ein entsprechendes Minderungsziel vorgeschlagen – allerdings sollte die Zielmarke dem Vorschlag nach zunächst unverbindlich sein und 2022 nochmals geprüft werden. Nach einem Votum des EU-Parlaments im April 2019 sind die CO2-Grenzwerte auch verbindlich. Teil des Kompromisses ist zudem ein Zwischenziel für das Jahr 2025: Schon dann sollen neue Nutzfahrzeuge 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen, Vergleichjahr für das Minderungsziel ist 2019. Werden die verbindlichen Ziele verfehlt, drohen Geldstrafen. Die Umweltminister aller EU-Länder sprachen sich für die Grenzwerte aus – mit Ausnahme der deutschen Ressortchefin Svenja Schulze (SPD). Sie enthielt sich nach eigenen Angaben auf Druck des Kanzleramts. Mehr zum Thema: Dieselfahrverbote auch in Paris

 

CO2-Ziele: Hersteller müssen sich schnell umstellen

Zu erreichen sind die schärferen CO2-Grenzwerte nur, wenn immer mehr Fahrzeuge ohne Emissionen verkauft werden – also reine Elektroautos statt Benzin- und Dieselfahrzeuge. Bis 2030 sei bei den Pkw-Neuzulassungen ein Anteil von E-Fahrzeugen von 35 bis 40 Prozent notwendig. Sonst würden die CO2-Ziele wohl verfehlt und es könnten herbe Bußgelder drohen. Für die Hersteller bedeutet das, dass sie sich schnell umstellen und ihre Produktion umbauen müssen. Trotzdem werde der Diesel als Brückentechnologie benötigt, heißt es in der Branche. Doch Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben die Neuzulassungen von Selbstzündern auf Talfahrt geschickt. Da viele Diesel bei vergleichbarer Leistung aber mittlerweile weniger CO2 ausstoßen als Benziner, droht den Herstellern jetzt die CO2-Falle. Denn je weniger Diesel verkauft werden, umso schwieriger wird es, die CO2-Grenzwerte zu erreichen.

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Kritik an schärferen CO2-Grenzwerten

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) reagierte auf die neuen CO2-Grenzwerte für Neuwagen im März 2019 äußerst kritisch: "Diese Regulierung fordert zu viel und fördert zu wenig." Ähnlich scharfe CO2-Ziele gebe es nirgendwo sonst, so dass die europäische Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet werde und Arbeitsplätze deswegen in Gefahr seien. Auch der europäische Herstellerverband ACEA kritisiert die neuen Vorgaben: "Eine CO2-Minderung um 37,5 Prozent zu liefern, mag sich plausibel anhören, aber gemessen am heutigen Stand ist es völlig unrealistisch." Die österreichische Umweltministerin Elisabeth Köstinger, die die Verhandlungen als derzeitige Ratsvorsitzende führte, weist die Kritik zurück: Die für 2030 vorgesehenen Kohlendioxid-Werte seien "ambitioniert, aber machbar". Noch seien elf Jahre Zeit, die neuen CO2-Flottengrenzwerte zu erreichen und die Automobiltechnik sei schon sehr weit. Und weiter: Hätten die Autobauer die Versprechen der Vergangenheit eingehalten, hätte man jetzt weniger Diskussionen. Mehr zum Thema: CO2-Preis auf Benzin und Diesel

 

Was ist CO2 eigentlich?

Kohlendioxid ist ein geruch- und farbloses Gas, das unter anderem bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas entsteht. Eigentlich ist es eines der seltensten Spurengase und nur zu etwa 0,0407 Prozent in der Atmosphäre vorhanden. Neben Sauerstoff ist es das wichtigste Gas für Leben auf der Erde. Da der CO2-Anteil an den Treibhausgas-Emissionen 87,8 Prozent beträgt, ist es gleichzeitig aber auch zum Großteil für die globale Erwärmung mit verantwortlich. Die durchschnittliche Verweildauer von CO2 in der Atmosphäre liegt bei 120 Jahren. Seit 2000 konnte der Kohlendioxid-Ausstoß des Verkehrs von 181 auf 159 Millionen Tonnen reduziert werden.

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Wie ist es überhaupt zur Festlegung von CO2-Grenzwerten gekommen?

Bereits auf der Pariser Klimaschutzkonferenz in 2015 haben sich 195 Länder auf ein weltweites Klimaschutzübereinkommen geeinigt. Damals wurde ein globaler Aktionsplan erstellt, mit dem der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius pro Jahr begrenzt werden soll. Dabei spielt die Reduzierung der Treibhausgase eine wichtige Rolle. Um die Abschwächung des Klimawandels mittels Emissionsminderung zu erreichen, haben die beteiligten Länder umfassende nationale Klimaschutzpläne vorgelegt, die bei Bedarf alle fünf Jahre gemeinsam noch verschärft werden. Die EU steht bei den Bemühungen um ein weltweites Klimaschutzüberinkommen schon seit langem an der Spitze und unternahm auch mit als erster führender Wirtschaftsraum Schritte, um ihr Ziel einer Senkung der Emissionen zu erreichen. Die Bundesregierung formulierte Ende 2016 mit ihrem Klimaschutzplan 2050 erstmals das Ziel, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Mehr zum Thema: Alles zur Umstellung von NEFZ auf WLTP

 

CO2-Grenzwerte: Wie berechnet sich der Flottendurchschnitt?

Nicht jedes in der EU neu zugelassene Fahrzeug muss den CO2-Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer ab 2020 einhalten, da es sich dabei um einen Flottendurchschnitt pro Hersteller handelt. Heißt: Jeder Autobauer muss mit dem Durchschnitt seiner in Europa zugelassenen Pkw diesen Wert erfüllen oder unterbieten. So können zwar auch nach 2020 noch Autos mit einem höheren CO2-Ausstoß verkauft werden, wenn dies mit Autos die weniger oder – etwa im Falle von reinen Elektroautos – gar kein CO2 ausstoßen, kompensiert werden kann. Zur Berechnung des Durchschnittswerts der CO2-Emissionen wird die Summe der für die einzelnen Fahrzeuge ermittelten CO2-Werte durch die Anzahl der verkauften Neufahrzeuge im jeweiligen Kalenderjahr geteilt. Bis 2020 sind die Flottenziele nach NEFZ definiert, ab 2021 werden sie dann im realitätsnäheren WLTP-Verfahren überprüft. Und damit Hersteller, die überwiegend schwere Pkw produzieren nicht schlechter gestellt werden als die, die kleinere und leichtere Autos bauen, wird der CO2-Grenzwert auch noch herstellerspezifisch je nach Durchschnittsgewicht der zugelassenen Fahrzeuge korrigiert. Wer vor allem schwere und große Autos produziert, dessen Flotte darf demnach auch mehr Kohlendioxid ausstoßen. Hauptsache, am Ende wird im Schnitt der europaweit festgelegte Grenzwert eingehalten. So soll erreicht werden, dass auch Hersteller mit umfangreichem Kleinwagen-Portfolio in effizientere Antriebe investieren. 

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Elektro- und Hybridautos werden bis 2020 doppelt eingerechnet

Bis 2022 rechnet die EU bei der Ermittlung des jeweiligen CO2-Flottenwerts für einen Hersteller sogenannte Supercredits mit ein. 2020 wird jedes dieser Fahrzeuge für den Autobauer doppelt eingerechnet, so dass bereits ein neu zugelassenes Auto mit reinem Elektroantrieb mehrere Zulassungen mit CO2-Werten über 95 Gramm pro Kilometer kompensieren kann. Ab 2021 zählen Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß unter 50 Gramm pro Kilometer dann noch 1,67-mal, in 2022 noch 1,33-mal. Darüber hinaus sollen mit den sogenannten Öko-Innovationen Technologien wie Abgaswärme-Rückgewinnung und Solardächer mit einem Nachlass von bis zu sieben Gramm pro Jahr beim CO2-Ausstoß belohnt werden. Mehr zum Thema: Erhöhung der Kfz-Steuer geplant

 

Welche Strafen drohen, wenn Hersteller die CO2-Grenzwerte nicht einhalten?

Hersteller oder Gruppen von zusammengeschlossenen Herstellern und Marken, die den für sie festgelegten CO2-Grenzwert nicht einhalten, müssen künftig mit Strafzahlungen an die EU rechnen. 95 Euro werden dann pro Gramm CO2 über dem Grenzwert von 95 Gramm fällig – und zwar pro zugelassenem Auto in Europa. Zur Verdeutlichung: Für einen Hersteller wie Mercedes, der pro Jahr rund eine Million Fahrzeuge in Europa verkauft, könnte schon eine Grenzwert-Überschreitung von nur einem Gramm Strafzahlungen in Höhe von rund 100 Millionen Euro fällig werden. Ausnahmeregelungen gibt es lediglich für kleine Hersteller, die weniger als 300.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. Autobauer, die zwischen 10.000 und 300.000 Einheiten pro Jahr liegen, können bis 2020 einen Grenzwert beantragen, der einer durchschnittlichen CO2-Ausstoß-Reduzierung von 45 Prozent entspricht. Eine Ausnahme von den CO2-Grenzwerten können Hersteller mit weniger als 10.000 Fahrzeugen pro Jahr bei der EU beantragen, Hersteller mit weniger als 1000 Fahrzeugen sind generell ausgenommen.

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