Elektroautos: Vor- und Nachteile Was spricht für, was gegen Stromer?

von Christina Finke 20.11.2020
Inhalt
  1. Die Vorteile von Elektroautos im Überblick
  2. Das sind die Nachteile von Elektroautos
  3. Umstrittene Umweltbilanz von Elektroautos: Vor- oder Nachteil?
  4. Elektroautos bei Energiekosten im Vor- oder Nachteil?

Elektroautos polarisieren: Auf der einen Seite spricht einiges für die moderne Antriebstechnik. Andererseits gibt es aber auch genügend Gründe, die gegen die Stromer sprechen. Wir stellen die Vor- und Nachteile gegenüber und ordnen sie ein!

Wohl kaum ein Thema wird unter Autofahrerinnen und Autofahrern so kontrovers diskutiert wie Elektroautos. Während es zahlreiche Argumente gibt, die für die moderne Antriebstechnik sprechen, gibt es auch genügend Gründe dagegen. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, stellen wir die Vor- und Nachteile gegenüber. Mehr zum Thema: Vor- und Nachteile von Hybrid- und Elektroautos

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Die Vorteile von Elektroautos im Überblick

  • Förderungen durch Staat und Industrie: Elektroautos sind vor allem wegen ihrer Antriebstechnik immer noch teurer in der Anschaffung als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor – auch wenn sich die Preise immer mehr annähern. Einen echten Vorteil haben die Stromer hier erst seit der Einführung der E-Auto-Prämie. Der sogenannte Umweltbonus wurde zuletzt am 7. Juli 2020 erhöht und im November 2020 bis Ende 2025 verlängert. Der Zuschuss beim Kauf eines Elektroautos kann bis zu 9000 Euro betragen. Darüber hinaus wird auch der Einbau privater Ladestationen, sogenannter Wallboxes, mit einer Gesamtfördersumme von 200 Millionen Euro gefördert. Ab dem 24. November 2020 können entsprechende Anträge bei der KfW eingereicht werden. Hier winken bis zu 900 Euro. Mehr zum Thema: Staatliche Förderung für private Ladestationen (Wallbox)

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  • Steuervorteile: Elektroautos, die zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2020 zugelassen wurden, sind für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit – auch nach einem Halterwechsel. Und wer sein Elektroauto als Dienstwagen auch privat nutzt, muss seit Januar 2019 monatlich nur noch 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Mehr zum Thema: Elektroauto als Dienstwagen & Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos

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  • Geringere Wartungskosten: Anders als bei Pkw mit Verbrennungsmotoren gibt es bei Elektroautos kaum Verschleißteile. So lassen sich etwa Kosten für Öl-, Filter- oder Zündkerzenwechsel einsparen, ein klarer Vorteil. Und auch die Wartungskosten für die Inspektion fallen durch den Wegfall der Verschleißteile etwa um ein Drittel geringer aus als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Auch größere Ausgaben wie ein Zahnriemenwechsel oder eine neue Kupplung fallen weg. Zudem verschleißen auch die Bremsbeläge dank der Bremskraftrückgewinnung (Rekuperation) deutlich langsamer. 

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  • Keine Angst vor Fahrverboten: Sich über Dieselfahrverbote oder Umweltzonen keine Gedanken machen zu müssen, ist ein weiterer Vorteil von Elektroautos. Von eventuellen Einschränkungen bleiben die Stromer verschont, da sie lokal emissionsfrei unterwegs sind. Mehr zum Thema: Fahrverbote & Umweltzonen in Europa

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  • Parkprivilegien: Elektroautos dürfen in einigen Städten in öffentlichen Zonen gratis parken und teilweise gibt es auch kostenlosen Strom zum Aufladen. Voraussetzung ist, dass die Stromer ein E-Kennzeichen besitzen. Das Elektromobilitätsgesetz schafft zudem die Grundvoraussetzung dafür, dass Bus- und Taxispuren auch für Elektroautos freigegeben werden können. Allerdings schaffen bislang kaum Kommunen und Städte die hierfür nötigen Voraussetzungen, da sie häufig eine Beeinträchtigung des öffentlichen Nahverkehrs befürchten. Mehr zum Thema: E-Kennzeichen beantragen

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  • Geringere Geräuschemissionen: Noch immer ist der Straßenverkehr eine dominierende Lärmquelle in Deutschland. Hier sind Elektroautos also deutlich im Vorteil, da Motorengeräusche und Vibrationen vor allem bei geringem Tempo massiv reduziert sind. Der damit einhergehenden Gefahr für Fußgänger und Radfahrer wird seit dem 1. Juli 2019 mittels einer EU-Verordnung entgegengewirkt: Seitdem müssen alle neuen Typen von Elektroautos und Hybridfahrzeugen in der EU zwischen dem Anfahren und dem Erreichen einer Geschwindigkeit von 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren einen künstlichen Sound von sich geben. Ab dem 1. Juli 2021 ist der Einsatz des sogenannten AVAS – kurz für Acoustic Vehicle Alerting System – dann bei allen Neuwagen mit Elektro- und Hybridantrieb verpflichtend.

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Das sind die Nachteile von Elektroautos

  • Geringe Reichweite: Für eine längere Urlaubsfahrt eignen sich Elektroautos bislang weniger – auch wenn es immer mehr Modelle gibt, die elektrische Reichweiten von 300 bis 400 Kilometer ermöglichen. Letztendlich hängt die Reichweite aber auch vom individuellen Fahrstil, der Nutzung von Stromfressern an Bord (Klimaanlage, Heizung, Radio etc.) sowie den jeweiligen Witterungsbedingungen ab. Elektroautos sind hier also immer noch deutlich im Nachteil. Mit Fortschritten in der Batterieforschung dürfte sich hier jedoch noch einiges tun. Mehr zum Thema: Diese E-Autos bieten die beste Reichweite fürs Geld​

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  • Lange Ladezeiten: Im Vergleich zum Tankvorgang bei einem Diesel oder Benziner dauert das Aufladen von Elektroautos immer noch sehr lange, was den Stromern klar als Nachteil auszulegen ist. Zwar sollen Schnellladesäulen mit Ladeleistungen von bis zu 300 Kilowatt relativ kurze Stopps ermöglichen, allerdings sind bislang die wenigstens Elektroautos in der Lage, tatsächlich derart schnell zu laden. Selbst wenn die OnBoard-Lader eine entsprechende Ladeleistung zulassen, kommt es letztlich auf den individuellen Zustand der Batterie, die Witterungsbedingungen und das Stromnetz an, ob diese Maximalgeschwindigkeit auch wirklich erreicht werden kann. Mehr zum Thema: Schnellladesäulen an Tankstellen

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  • Ausbaufähige Ladeinfrastruktur: Die bislang nicht ausreichend ausgebaute Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist nach wie vor ein großer Nachteil der Stromer und für viele ein ausschlagebendes Argument gegen den Kauf eines elektrisch angetriebenen Pkw. Laut Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft gibt es in Deutschland derzeit rund 33.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Dem gegenüber stehen 136.617 zugelassenen Elektroautos (KBA, Stand: 1. Januar 2020). Die meisten Ladevorgänge finden also zu Hause oder am Arbeitsplatz statt. Allerdings haben vor allem in städtischen Gebieten nur die wenigsten die Möglichkeit, eine private Wallbox zu installieren. Hinzu kommt, dass das Bezahlen an öffentlichen Ladestationen häufig problematisch ist, die Preise teils stark variieren und allzu oft, teils erheblich über dem Haushaltsstrompreis von rund 0,30 Euro pro Kilowattstunde liegen. Mehr zum Thema: Mieter hat Recht auf Ladestation

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  • Hohe Kosten bei Batteriedefekt: Das mit Abstand teuerste Bauteil von Elektroautos ist die Batterie. Und ist der Akku mal defekt, kann das schnell teuer werden. Das gilt vor allem nach Ablauf der Garantie. Wenn es nicht möglich ist, einzelne Zellmodule auszutauschen, müsste die Batterie komplett ersetzt werden. Zeitwertgerechte Reparaturlösungen können heutzutage jedoch die meisten Werkstätten noch nicht anbieten. Um diesem Nachteil von Elektroautos zu entgehen, bieten sich Modelle mit der Möglichkeit zur Batterie-Miete an. Mehr zum Thema: So funktioniert das Recycling von E-Auto-Akkus

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  • Vergleichsweise kleine Modellpalette & hohe Preise: Auch wenn die Hersteller ihr Angebot an Elektroautos kontinuierlich erweitern, stehen noch längst nicht so viele verschiedene Modelle zur Wahl, wie bei Pkw mit Verbrennungsmotoren. Dieser Nachteil dürfte sich in den kommenden Jahren jedoch immer weiter relativieren. Gleiches gilt für die immer noch vergleichsweise hohen Anschaffungspreise für Elektroautos, die sich vor allem mit Fortschreiten der Batterieforschung zukünftig deutlich denen von diesel- oder benzinbetriebenen Fahrzeugen annähern dürften. Mehr zum Thema: Versicherungen für Elektroautos

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  • Geringe Anhängelast: Unter den reinen Elektroautos sind Modelle mit vernünftiger Anhängelast noch Mangelware. Ein weiterer Nachteil: Die wenigsten von ihnen besitzen überhaupt eine Anhängerkupplung, meist zudem nur gegen Aufpreis. Spitzenreiter unter den E-Autos ist in Sachen Anhängelast derzeit das Tesla Model X, mit dem man bis zu 2250 Kilogramm an die Kupplung hängen kann.

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Umstrittene Umweltbilanz von Elektroautos: Vor- oder Nachteil?

Der wohl umstrittenste Punkt beim Thema Elektroautos ist nach wie vor die Umweltbilanz der Stromer. Ein klarer Vorteil liegt auf der Hand: Elektroautos erzeugen im Gegensatz zu Verbrennungsmotor während der Fahrt keine direkten Emissionen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der geladene Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird.  Je sauberer der Betriebsstrom generiert wird, umso schneller können elektrisch angetriebene Fahrzeuge ihren CO2-Nachteil gegenüber anderen Antriebsarten ausgleichen. Zu häufig entstehen bei der Stromproduktion jedoch CO2-Emissionen sowie Schadstoffe. Und auch die energieaufwendige Produktion der Batteriezellen kann Elektroautos als Nachteil ausgelegt werden. Vor allem die Verwendung von Lithium, Kobalt und anderen für die Batterien erforderlichen Rohstoffe sind nicht unumstritten. Ihr Abbau beeinträchtigt nachweislich den Brunnenbau sowie die Grundwasserversorgung in den Ursprungsregionen, bei denen es sich überwiegend um Entwicklungsländer handelt. Darüber hinaus werden auch die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen als nicht vertretbar eingestuft. Hier sind vor allem die nationalen Regierungen und die Hersteller von Elektroautos gefragt, die Förderung von Rohstoffen strenger zu kontrollieren, dabei auf Nachhaltigkeit zu achten und ihre Zulieferer dementsprechend auszuwählen. Und um eventuellen Engpässe des Rohstoffvorkommens entgegenzuwirken, ist es für eine gesicherte Zukunft der Elektromobilität zwingend notwendig, die Forschung zu Alternativen zur Lithium-Ionen-Batterie weiter voranzutreiben. Mehr zum Thema: Recycling von E-Auto-Akkus

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Elektroautos bei Energiekosten im Vor- oder Nachteil?

Darüber, ob Elektroautos im Vergleich mit Verbrennern hinsichtlich der Betriebskosten im Vor- oder Nachteil sind, lässt sich streiten. Denn: Die Antwort hängt vor allem vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Auch wenn die Stromkosten zumindest an privaten Ladeanschlüssen meist deutlich geringer ausfallen als die Kraftstoffkosten für Benzin und Diesel an der herkömmlichen Tankstelle, variieren die Tarife an öffentlichen Ladesäulen stark. So wird an Schnellladesäulen teilweise der doppelte Preis und mehr für die Kilowattstunde abgerufen als an der heimischen Steckdose. Ob man mit dem Elektroauto oder einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug günstiger unterwegs ist, sollte daher jeder für sich unter der Berücksichtigung der persönlichen Lademöglichkeiten und des eigenen Fahrverhaltens berechnen. Mehr zum Thema: So viel kosten 100 Kilometer im E-Auto

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