Umweltbonus: Kaufprämie für E-Autos beantragen e.Go-Chef kritisiert Erhöhung der Kaufprämie

von Max Sonnenburg 11.11.2019
Inhalt
  1. So wird die E-Auto-Kaufprämie (Umweltbonus) beantragt
  2. Für diese Autos wird die Kauprämie am häufigsten beantragt
  3. Neben Kaufprämie (Umweltbonus) auch Steuerbefreiung für E-Autos
  4. e.Go-Chef kritisiert Elektroauto-Kaufprämie
  5. Bundesrechnungshof: Rügen wegen E-Auto-Kaufprämie
  6. Streit um Umweltbonus für Tesla Model S

Die Kaufprämie für E-Autos, der sogenannte Umweltbonus, stößt noch immer auf wenig Interesse. Für diese Marken wird die E-Prämie besonders häufig beantragt. Und: Der Chef der Elektroautoherstellers e.Go kritisiert die Erhöhung der Prämie. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Trotz des Abgas-Skandals und erster Diesel-Fahrverbote wird die Kaufprämie für E-Autos nur mäßig in Anspruch genommen. Wie aus der Zwischenbilanz des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BaFa) hervorgeht, wurde der Umweltbonus in der Zeit vom 2. Juli 2016 bis zum 30. April 2019 insgesamt 113.993 mal beantragt. Am häufigsten wurde die E-Prämie für den VW e-Golf (6689), den Renault Zoe Life (6351) und den Smart EQ Fortwo (5876) nachgefragt. 18.640 der gestellten Anträge gingen für Fahrzeuge von BMW ein. 14.917 für Autos von Renault. 14.389 der Anträge entfallen auf Pkw von VW. Für Autos des Elektro-Pioniers Tesla wurde die Prämie insgesamt 5464 mal beantragt. 28.954 der Anträge wurden in Nordrhein-Westfalen gestellt, 22.053 gingen aus Berlin und 19.232 Anträge aus Baden-Württemberg ein. Von Privatpersonen wurde die Kaufprämie für E-Autos 50.290 mal nachgefragt, Unternehmen haben den Umweltbonus 61.784 mal in Anspruch genommen. Der Rest entfällt unter anderem auf kommunale Betriebe, Vereine und Stiftungen. Die Kaufprämie für E-Autos, der sogenannte Umweltbonus, sollte zum 30. Juni 2019 auslaufen. Anfang November 2019 gaben Politik und Autoindustrie jedoch bekannt, den Zuschuss bis Ende 2025 verlängern zu wollen. Auch eine Erhöhung der E-Auto-Kaufprämie soll demnach in Kraft treten. Mehr zum Thema: Antriebsarten der E-Mobilität

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So wird die E-Auto-Kaufprämie (Umweltbonus) beantragt

Bei der Kaufprämie für E-Autos gilt das Prinzip: Wer zuerst beantragt, wird zuerst gefördert. Die Aktion läuft, bis alle Fördergelder aufgebraucht sind, spätestens aber bis Ende 2025, sofern die geplante Verlängerung tatsächlich in Kraft tritt. Wie man von der E-Auto-Prämie profitieren kann, erklären wir hier:

1.) Wer kann die Förderung beantragen? Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird, können Anträge stellen.

2.) Welche Autos werden wie hoch gefördert? Nur Neuwagen mit einem Netto-Listenpreis von nicht mehr als 65.000 Euro werden durch die E-Auto-Prämie gefördert. Für reine Elektroautos bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro gibt es künftig 6000 Euro. Für Fahrzeuge mit einem Listenpreis über 40.000 Euro steigt der Zuschuss auf 5000 Euro. Sogenannte Plug-in-Hybride können via Stecker aufgeladen werden, verfügen aber über einen ergänzenden Verbrennungsmotor. Sie werden mit insgesamt 4500 Euro (unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro) bezuschusst. Liegt der Listenpreis darüber, soll es einen Zuschuss von 4000 Euro geben. Die Förderung der Industrie ergibt sich über den entsprechend niedriger ausgewiesenen Kaufpreis, die andere Hälfte gibt es auf Antrag. Die Förderung gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 18. Mai 2016 gekauft wurden. 

3.) Gilt die Prämie für mein potentielles Auto? Auf der Liste der förderungswürdigen Autos kann nachgesehen werden, ob das Auto der Begierde aufgeführt wird. Achtung: Die Liste für die E-Auto-Prämie wird von Zeit zu Zeit verändert.

4.) Wo bekommt man den Antrag? Den Antrag zur Förderung kann beim Bafa gestellt werden. Das Bafa weist darauf hin, dass die Anträge für die E-Auto-Prämie nur elektronisch gestellt werden können. Ein schriftliches Verfahren wie bei der Abwrackprämie wird nicht angeboten. Möglicherweise kann aber auch der Automobilverkäufer diese Schritte erledigen.

5.) Welche Unterlagen sind nötig? Für die Antragstellung muss eine Kopie des Kaufvertrages im Online-Portal hochgeladen werden. Hierbei ist wichtig, dass auf der Rechnung des Autohändlers vermerkt ist, dass der Hersteller seinen E-Auto-Prämienanteil vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat. Vor der Auszahlung ist noch eine Kopie der Rechnung und der Zulassungsbescheinigung nachzureichen. Darüber hinaus ist es wichtig zu wissen, dass von der Prämie nur profitiert, wer sein gefördertes Elektromobil mindestens neun Monate nach Kauf behält.

6.) Wie lange wird gefördert und welche Fristen gelten? Laut Angaben des Bafa gibt es die E-Auto-Prämie auch rückwirkend für Kauf- oder Leasingverträge, die ab oder am 18. Mai 2016 abgeschlossen wurden und die Bedingungen der Förderrichtlinie erfüllen. Nach erfolgreicher Prüfung wird das Geld auf das Konto des Antragstellers überwiesen. Der Umweltbonus läuft voraussichtlich noch bis Ende 2025.

 

Für diese Autos wird die Kauprämie am häufigsten beantragt

Top 10 der Anträge je Hersteller
PlatzHerstellerAnzahl der Anträge
1BMW18.640
2Renault14.917
3VW14.389
4Smart12.948
5Streetscooter7247
6Mitsubishi6586
7Hyundai6586
8Audi6333
9Tesla5464
10Kia5222
 

Neben Kaufprämie (Umweltbonus) auch Steuerbefreiung für E-Autos

Neben der Kaufprämie schafft der Staat weitere Anreize für den Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen: Alle Autos, die seit dem 17. November 2016 zugelassen werden, erhalten eine Steuerbefreiung für zehn Jahre. Seit dem 1. Januar 2017 gilt außerdem, dass das Aufladen eines Elektro- und Hybridfahrzeugs beim Arbeitgeber nicht mehr als geldwerter Vorteil angeben werden muss. Das Aufladen ist dann steuerfrei genauso wie die Überlassung der Ladevorrichtungen seitens des Arbeitgebers. Was übrigens auch für Elektro-Fahrräder gilt. Die E-Auto-Kaufprämie für Elektroautos und Hybridfahrzeuge soll der umweltfreundlichen Mobilität eine bessere Position auf dem Markt verschaffen. Insgesamt teilen sich Bund und Autoindustrie die Kosten in einer Gesamthöhe von 1,2 Milliarden Euro.

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e.Go-Chef kritisiert Elektroauto-Kaufprämie

Günther Schuh, Chef des Aachener Elektroautoherstellers e.Go, kritisierte im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger die Erhöhung der Elektroauto-Kaufprämie und sieht sein Unternehmen sogar existenziell bedroht. Warum sich der kleine Hersteller, der sich unter anderem mit dem Streetscooter einen Namen gemacht hat, nicht über die Aufstockung der Prämie freut, erläutert Schuh wie folgt: Das extrem kostenoptimierte Modell e.Go Life ließe keinen Spielraum bei den Margen zu. Und da sich die Prämie je zur Hälfte auf Staat und Hersteller verteilt, müsse man seinen Anteil (3000 Euro) wohl auf den Kaufpreis aufschlagen. Das entspricht einer Preissteigerung für das Basismodell von rund 20 Prozent. Eine Querfinanzierung der E-Auto-Prämie mit Verbrenner-Modellen, wie es die großen Hersteller praktizieren können, ist für reine E-Auto-Hersteller und Start-ups schlicht nicht möglich, so Schuh auf eine Nachfrage von Spiegel Online. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, springt dem Aachener E-Auto-Pionier zur Seite und schlägt eine Zuschuss-Befreiung für Hersteller von Elektroautos unter 20.000 Euro vor. Inwiefern die Forderungen Gehör finden, bleibt abzuwarten.

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Bundesrechnungshof: Rügen wegen E-Auto-Kaufprämie

Der Bundesrechnungshof hat die Bundesregierung für die Kaufprämie für E-Autos gerügt. "Die deutsche Automobilindustrie hat die Entscheidung der Bundesregierung zum Umweltbonus und zu dessen Ausgestaltung wesentlich beeinflusst", steht es in einem entsprechenden Prüfbericht geschrieben. Die Bonner Behörde stellt bewusst fest, dass das Bundeswirtschaftsministerium unbefangen und neutral sein und seine Entscheidungen nachvollziehbar und transparent sein müssen. Weiter kritisiert der Bundesrechnungshof den hohen Personalaufwand für die Kaufprämie für Elektroautos und dass die Automobilindustrie ihren Beitrag offensichtlich minimiere, während von staatlicher Seite Steuergelder für die Prämie zugeschossen werden. Des Weiteren legt kritisiert der Bundesrechnungshof, dass der von Hersteller-Anteil an der Kaufprämie häufig mit bereits bestehenden Rabatten verrechnet würde. Kritiker des Umweltbonus argumentieren darüberhinaus, dass sich der Erfolg einer solchen Prämie erst einstellen werde, wenn man die Kunden mit E-Autos überzeugen und faszinieren könne. Die Grünen warnen, die Kaufprämie käme gar nicht bei den Endkunden an. Das Problem: Die Prämie wird zu gleichen Teilen von Herstellern und Staat getragen. Der Hersteller gibt seinen Anteil dazu, indem er ihn vom Nettolistenpreis abzieht. Gleichzeitig haben sie aber keine Handhabe zu welchen Preisen die Elektro- und Hybridautos bei den Händlern angeboten werden. So bestehe laut den Grünen die Gefahr, dass die Händler einen Teil der Prämie für sich behielten.


 

Streit um Umweltbonus für Tesla Model S

Tesla ist mit einem Eilantrag, hunderte Kunden vor der Rückzahlung der Kaufprämie für E-Autos zu bewahren, gescheitert. Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat am Freitag, 19. Oktober 2018, den Antrag als unzulässig zurückgewiesen. Die Rechte des Herstellers würden durch die Überprüfung des Model S nicht berührt, ein möglicher Imageschaden sei kein einklagbares Recht. Nur die Käufer als Empfänger des staatlichen Zuschusses könnten klagen. Hintergrund ist, dass das Tesla Model S zwischenzeitlich von der Liste für Kaufprämien für E-Autos gestrichen worden war. Das Elektroauto war ursprünglich zu teuer für die Gewährung der Kaufprämie E-Prämie. Daraufhin hatte Tesla zugesagt, das Auto auch ohne "Komfort-Paket" anzubieten und damit die Preisgrenze von 60.000 Euro einzuhalten. Im Herbst 2017 hatte die Bafa dann das Modell von der Liste der förderberechtigten Autos genommen, da es in der Basisversion nicht am Markt erhältlich gewesen sei. Eine Frist, bis Anfang Juli 2018 eine einvernehmliche Lösung zu finden, hätte der Konzern verstreichen lassen, so das Bafa im Sommer 2018. Daher musste nun die "Rückabwicklung der Kaufprämie erfolgen". Kunden, die nach dem Stichtag (6. März 2018) das Auto gekauft haben, könnten indes die Prämie beantragen. Sie müssen aber neben dem Kaufvertrag auch eine Bestätigung einreichen, welche Teile des Komfortprogramms gesperrt beziehungsweise aktiviert seien.

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