Elektroauto als Dienstwagen (Steuervorteil) Wohlfühlpaket für E-Auto-Fahrer

von Christina Finke 12.08.2019
Inhalt
  1. Dienstwagensteuer halbiert: Steuervorteil für Elektroauto
  2. Welche Entwicklungen ist durch den Steuervorteil zu erwarten?
  3. Pivatkäufer: Welche Vorteile hat die Förderung?
  4. Kritik am Steuervorteil für E-Autos als Dienstwagen?

Wer ein Elektroauto als Dienstwagen auch privat nutzt, profitiert von einer milliardenschweren Förderung der Bundesregierung. Für E-Autos wird der Steuersatz für den geldwerten Vorteil seit Januar 2019 halbiert. Diese Dienstwagen-Sonderregel soll nun bis 2030 verlängert werden. Weitere Maßnahmen sind geplant!

Wer ein Elektroauto oder Hybridfahrzeug als Dienstwagen auch privat nutzt, muss seit Januar 2019 monatlich 0,5 statt ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Die Bundesregierung beschloss die milliardenschwere Förderung im August 2018, um die weiterhin schleppende Nachfrage bei E-Autos ankurbeln. Ursprünglich sollte diese Regelung Ende 2021 auslaufen, nun soll die Dienstwagen-Sonderregel bis zum Jahr 2030 verlängert werden, wie Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) Ende Juli 2019 bekanntgab. Daneben plant das Finanzministerium weitere Maßnahmen. So soll es auch für die Anschaffung neuer, rein elektrisch betriebener Lieferfahrzeuge von 2020 bis 2030 eine Sonderabschreibung geben. Diese soll einmalig 50 Prozent der Anschaffungskosten betragen und damit die reguläre Abschreibungsmöglichkeit ergänzen. Ebenso sollen die Steuervorteile von Diensträdern bis 2030 verlängert werden: Seit Anfang 2019 ist die kostenfreie Überlassung eines Dienstfahrrades auch für private Zwecke für den Beschäftigten steuerfrei. Zudem soll es steuerliche Verbesserungen beim Job-Ticket geben, damit Arbeitnehmer verstärkt öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Geplant ist eine neue Pauschalbesteuerung ohne Anrechnung auf die Entfernungspauschale. Das Klimakabinett will am 20. September 2019 ein Maßnahmenpaket beschließen. Mehr zum Thema: Kaufprämie für Elektro- und Hybridautos

 

Dienstwagensteuer halbiert: Steuervorteil für Elektroauto

Der Grund für die Idee, Elektroautos als Dienstwagen steuerlich zu fördern, ist dem immer noch überschaubaren Anteil von Elektroautos geschuldet. Zwar sind die Neuzulassungen von E-Autos im ersten Halbjahr 2019 um 58 Prozent auf rund 16.900 Pkw gestiegen. Trotz des Abgasskandals sind aber weiterhin vor allem Dieselfahrzeuge als Dienstwagen beliebt. Rund 4 Millionen als Firmenwagen zugelassene Pkw gab es nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Dataforce zum Jahresanfang in Deutschland – rund 52.000 davon waren vollelektrisch oder Plug-in-Hybride. Beim Hochlauf der Elektromobilität spielten Dienstwagen eine Vorreiterrolle, so der VDA: Bereits nach zwei bis drei Jahren kämen sie als Angebote auf den Gebrauchtwagenmarkt und würden dann meist von privaten Haltern erworben.

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Welche Entwicklungen ist durch den Steuervorteil zu erwarten?

Eine derartige Stuerpaket fördert zunächst das Gesamtbild der Elektromobilität. Laut Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg machen Dienstwagen in Deutschland einen Anteil von zwanzig Prozent aus. Ersetze man alle Fahrzeuge durch Elektroautos, "hätten wir auf einen Schlag 60.000 Elektroautos im Jahr". So wachse die absolute Zahl der E-Autos auf unseren Straßen und gleichzeitig würde Druck auf die Autoindustrie ausgeübt, die Ladeinfrastruktur zu verbessern. Mehr zum Thema: E-Ladesäulen im Test

 

Pivatkäufer: Welche Vorteile hat die Förderung?

Für Arbeitnehmer, die keinen Dienstwagen fahren, dürfte sich die milliardenschwere Förderung trotzdem auszahlen: Da Dienstwagen meist nach ein paar Jahren auf dem Privatmarkt weiterverkauft werden, dürfte der Anteil gebrauchter Elektroautos am Markt steigen und die Preise sinken.

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Kritik am Steuervorteil für E-Autos als Dienstwagen?

Die Initiative der Bundesregierung, Elektroautos als Dienstwage steuerlich zu fördern, stößt auch auf Kritik. So argumentiert die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus, dass die Förderung von umweltschädlichen Hybrid-Dienstwagen "industriepolitischer Irrsinn" sei und nur komplett emissionsfreie Autos in den Genuss der 0,5-Prozent-Regel kommen sollten. Für alle anderen Fahrzeuge sollte die Besteuerung am CO2-Ausstoß ausgerichtet werden. FDP-Fraktionsvize Christian Dürr sagte, Scholz liefere kein nachhaltiges Konzept: "Allein die benötigten Ladestationen sind in Deutschland nicht ansatzweise ausreichend und werden bei seinem Vorschlag nicht genügend berücksichtigt." Zudem übte der Umweltverband BUND Kritik an den Steuerplänen der Regierung zur E-Mobilität. Die Bundesregierung unterstütze damit weiter Fehlentwicklungen der Autobranche, sagte Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Denn mit dem Steuergeld werde auch weiterhin der Kauf großer, schwerer Plug-in-SUV gefördert, die im Realbetrieb jedoch oft ein Vielfaches der offiziellen Angaben verbrauchten. Vor allem die Entwicklung leichter und sparsamer E-Autos müsse stattdessen gefördert werden. Mehr zum Thema: Kommt die europäische E-Auto-Quote?

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