Wohnmobil/Wohnwagen: Konzept-Vergleich Wohnmobil oder Wohnwagen?

von Martin Urbanke 18.08.2020

XXL-Wohnmobil oder Doppelachs-Wohnwagen – mit dem Dethleffs Globetrotter XXLA und dem Dethleffs Nomad 650 RQT haben wir zwei sanfte Riesen im Konzept-Vergleich!

Sie wollen mit fünf Personen auf große Tourgehen und auch im Camping-Urlaub nicht auf ein gewisses Maß an Luxus und Bequemlichkeit verzichten? Dann stellt sich die Frage, ob es das klassische Gespann mit voluminösem Wohnwagen am Haken sein soll oder vielleicht doch ein Wohnmobil jenseits der 3,5-Tonnen-Klasse. In jedem Fall erfordern beide Varianten einiges Einfühlungsvermögen in die Handhabung, das zeigt der Vergleich, belohnen dies jedoch mit reichlich Bewegungsfreiheit und erstklassiger Ausstattung. Aber: Es gilt, die ein oder andere "Kleinigkeit" im Umgang mit den Fullsize-Freizeitbegleitern zu beachten. Besonders die Fahrt im knapp 7,5 Tonnen schweren Wohnmobil birgt einige Tücken, die man vor Reiseantritt in Ruhe bedenken sollte. Zunächst einmal gilt: Darf ich überhaupt so ein großes Mobil fahren? Für Wohnmobile über 3,5 Tonnen benötigt man mindestens den Führerschein der Klasse C1. Doch auch wer einen Caravan ziehen möchte, muss wenigstens die Klasse BE eingetragen haben. Und wo wir schon mal bei den Regularien sind: Sonntagsfahrverbote und Fahrerkarten muss man selbst mit schweren Wohnmobilen nicht fürchten. Durchfahrverbote, Überholverbote und Streckensperrungen für Kraftfahrzeuge ab 3,5 Treffen treffen hingegen auch die Wohnmobilisten. Genau wie die meist teureren und komplizierteren Mautregelungen. Zudem dürfen Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen nicht auf Gehwegen parken und unterliegen generell dem Tempolimit von 80 km/h außerorts sowie 100 km/h auf Autobahnen. Wohnwagen-Gespannfahrer müssen da insgesamt weniger Einschränkungen hinnehmen. Ist ihr Gespann für 100 km/h frei gegeben, dürfen sie dieses Tempo auch auf Landstraßen fahren – zumindest hierzulande. Die jeweiligen Regelungen im Ausland muss man gesondert betrachten, aber das trifft beide Fahrzeugarten.

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Wohnmobil gegen Wohnwagen im Konzept-Vergleich

Das klingt in diesem Konzept-Vergleich zunächst nach einem klaren Vorteil für die Wohnwagen-Lösung. Doch mal ehrlich: Wer will (und kann) mit einem großen Gespann auf Landstraßen den Tempovorteil wirklich nutzen? Zumal die Fahrt mit einem solchen Zug schon einiges an Erfahrung bedarf, um schadlos um die ein oder andere "Ecke" zu kommen. Denn während sich die schiere Länge des von uns exemplarisch bewegten Dethleffs Globetrotter XXLA bereits auf fast neun Meter erstreckt, summiert sich die Gesamtlänge des im Foto abgebildeten Tandems aus Mercedes E-Klasse und Dethleffs Nomad 650 RQT auf mehr als 13,5 Meter. Und der 650er ist noch nicht einmal der längste Vertreter der Nomad- Serie. Da ist bei Rangier-, Wende- und Abbiegemanövern Augenmaß gefordert. Zwar muss man sich auch an die Größe des riesigen Wohnmobils gewöhnen, doch fällt der Umgang mit dem Iveco im Verkehrsgeschehen erheblich leichter als mit dem sperrigen Gespann aus Wohnwagen und Zugfahrzeug. Im direkten Vergleich agiert das Gespann trotz des kräftigen Zugfahrzeugs (E 220 d mit 194 PS) zudem kaum spritziger als der Globetrotter mit seinem 205 PS starken Dreiliter-Diesel. Es dreht sich immer ums Gewicht: träge Masse, Zuladung, Verteilung Ein bisschen überraschend ist das schon, wenn man bedenkt, dass es das Mercedes T-Modell und der Nomad-Anhänger zusammen auf ein Leergewicht von 3475 Kilogramm bringen, während der Iveco mit Alkoven-Aufbau unbeladen bereits auf 4990 Kilogramm kommt. Doch gerade beim Anfahren aus dem Stillstand rührt der Pkw-Antrieb zunächst kräftig im Drehmomentwandler seiner Automatik, bevor es tatsächlich losgeht. Der Lkw hingegen profitiert hier von der insgesamt viel kürzeren Übersetzung seines Automatik-Getriebes.

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Wohnmobil nimmt mehr Gewicht, Pkw dafür komfortabler

Einmal in Fahrt, legt das Wohnwagen-Gespann aber doch flotter nach als das wuchtige Wohnmobil, dessen Vortrieb ab etwa 60 km/h spürbar nachlässt und das auch wegen des kernigen Diesel-Sounds eher Trucker-Feeling als dynamische Ambitionen verbreitet. Für Campingreisende noch entscheidender als das Leergewicht ist indes die mögliche Zuladung. Hier spielt das Wohnmobil mit dem robusten Lkw-Chassis in diesem Vergleich seine Trumpfkarte aus: 1710 Kilogramm! Der Nomad bringt es je nach Ausstattung auf nur 265 bis 765 Kilogramm. Und dabei muss der Globetrotter erkennbar weniger auf sein Gewicht achten: Alle Einbauten wirken noch einmal solide und wertiger als beim Nomad, der an der einen oder anderen Stelle (etwa den Schiebetüren zum Schlafbereich und der Nasszelle) mehr Leichtbau-Kompromisse hinsichtlich der Verarbeitungs- und Materialgüte eingehen muss. Zu guter Letzt spielt die Verteilung der Zuladung im Gespann mit Wohnwagen eine noch entscheidendere Rolle als beim Wohnmobil. Wer zu wenig (Stütz-)Last auf die Hinterräder des Zugfahrzeugs packt, muss trotz Schlingerdämpfung und Gespannstabilisierung des ESP-Systems mit einem ungewohnt instabilen Fahrverhalten rechnen. Das massige Wohnmobil erweist sich diesbezüglich als weit unempfindlicher. Ein unbestrittener Vorteil der Pkw/Anhänger-Kombi ist indes der Geräusch- und Sitzkomfort während der Fahrt. Die Schwingsitze im Iveco-Fahrerhaus bieten zwar einen exzellenten Langstreckenkomfort, doch wer längere Zeit auf den Wohnpolstern angeschnallt ist, womöglich gegen die Fahrtrichtung, sehnt sich rasch nach der ergonomischen Kontur eines konventionellen Autositzes. Verreist man jedoch mit mehr als vier Personen, kann es je nach Zugfahrzeug auch im Pkw anstrengend werden.

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Unser Fazit

Es gibt keinen klaren Gewinner in diesem Vergleich zwischen Wohnmobil und Wohnwagen: Für das Riesen-Mobil sprechen die solidere Bauart, die höhere Zuladung und die gelasseneren Fahreigenschaften. Mit dem Caravan bleibt man vor Ort mobiler, muss weniger Vorschriften beachten – und fährt vor allen Dingen erheblich günstiger.

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