Tempolimit 130 (Autobahn): Umwelt/Sicherheit/Studien Mehrheit laut Studie für Tempolimit

von AUTO ZEITUNG 21.07.2020
Inhalt
  1. Diskussion um Tempolimit 130 & Sicherheit auf Deutschlands Autobahnen
  2. Studie: Mehrheit der Deutschen für ein Tempolimit
  3. Nur jeder dritte Autofahrer schneller als 130 km/h unterwegs (Studie)
  4. Tempolimit und seine Auswirkungen auf die Umwelt
  5. Grünen im Falle einer Regierungsbeteiligung für Tempolimit 130 km/h
  6. So stehen die anderen Parteien zum Tempolimit auf der Autobahn
  7. Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) ebenfalls für Tempolimit
  8. ADAC rückt von Nein zum Tempolimit 130 km/h in Deutschland ab

Bundestag und Bundesrat haben ein generelles Tempolimit von 130 km/h in Deutschland abgelehnt. Im Falle einer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl 2021 möchten die Grünen dennoch ein Tempolimit durchsetzen. Aber wie würde sich eine feste Maximalgeschwindigkeit tatsächlich auf die Umwelt und die Sicherheit im Straßenverkehr auswirken? Wir lassen ein paar Fakten und Studien sprechen!​

Es gibt wenige Themen, auf die die Deutschen so emotional reagieren wie auf ein generelles Tempolimit auf Autobahnen: Doch was würde die Beschränkung des Autobahntempos auf 130 km/h überhaupt bedeuten – für die Umwelt und die Sicherheit? Zunächst muss man berücksichtigen, dass Deutschland zwar auf der ganzen Welt für seine unbeschränkten Autobahnen bekannt ist, dies aber nur noch für knapp die Hälfte aller Strecken gilt: Während rund ein Drittel aller Autobahnkilometer bereits beschränkt sind, müssen auch noch die Baustellen auf Strecken ohne Tempolimit abgezogen werden – im Januar 2019 waren das immerhin 1667 Kilometer. Das heißt: Nur auf 57,2 Prozent aller Autobahnstrecken gibt es kein Tempolimit – hier gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Zudem ist die Autobahn bereits ohne Tempolimit die sicherste Straßenart in Deutschland: So gab es 2017 auf Landstraßen mehr als drei Mal so viele Verletzte und mehr als viermal so viele Getötete bei Unfällen. Auch in den Innenstädten ist der Straßenverkehr wesentlich gefährlicher. Rechnet man die Opferzahlen auf die gefahrenen Kilometer um, ergibt sich ein ähnliches Bild: Gibt es innerorts pro einer Milliarde gefahrener Kilometer 4,8 Verkehrstote, sind es auf der Landstraße sogar 6,6. Auf der Autobahn liegt die Quote bei 1,75. Überraschend: Während die Anzahl der Verletzten innerorts in den vergangenen Jahren wieder deutlich ansteigt, fällt der Zuwachs auf der Autobahn deutlich geringer aus. Generell hat sich die Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland seit 1990 jedoch stark reduziert – auf der Autobahn um 72 Prozent. Die Ursachen: bessere Straßen (vor allem im Osten) und technischer Fortschritt in Sachen Sicherheitstechnik bei Neuwagen. Dank Airbags, soliderer Crashstrukturen, ESP und zahlreicher Assistenten sind unsere Autos heute sicherer als je zuvor. Wachsende Gefahren entstehen dagegen in der zunehmenden Ablenkung von  Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern durch Smartphone und Co. Deren oft tödliche Auswirkungen betreffen aber den Verkehr in den Städten und auf den Landstraßen deutlich schwerer als auf den Autobahnen. Ein generelles Tempolimit würde daran nichts ändern.

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Diskussion um Tempolimit 130 & Sicherheit auf Deutschlands Autobahnen

Dass ein generelles Tempolimit auf Autobahnen nicht unbedingt mehr Sicherheit bedeutet, zeigt auch der internationale Vergleich: So gibt es in den meisten Ländern mit Tempolimits mehr Verkehrstote pro einer Milliarde gefahrener Kilometer als in Deutschland – sogar in Belgien, wo die Neuwagendichte ähnlich hoch ist wie in Deutschland. Unfallforscher erklären das mit der erhöhten Monotonie auf Autobahnen mit niedrigem Tempolimit. Hier erreichen Menschen ihren Leistungszenit, wenn sie weder über- noch unterfordert sind. Mit weniger Überholvorgängen und ohne deutliche Tempounterschiede zwischen den Fahrspuren wären die eingelullten Fahrer im Ernstfall nicht reaktionsbereit. Zudem würde die Gefahr von Müdigkeit am Steuer deutlich erhöht. Und die dadurch ausgelösten Unfälle enden oft tödlich. Außerdem sind an den schweren Unfällen auf Autobahnen mit Verletzten und Getöteten überdurchschnittlich häufig Lastwagen beteiligt. So geschehen 58,9 Prozent aller fatalen Lkw-Unfälle auf Autobahnen, bei Autos sind es nur 15,7 Prozent. Und für Lastwagen gilt bereits ein Tempolimit.

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Studie: Mehrheit der Deutschen für ein Tempolimit

Die Mehrheit der Deutschen ist für ein Tempolimit auf der Autobahn. Das hat eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Civey 2020 im Auftrag des Nachrichtenportals t-online.de herausgefunden. Von 5061 befragten Menschen sprachen sich 41 Prozent für ein Tempolimit aus, 31 Prozent waren dagegen. Die repräsentative Umfrage geht sogar noch einen Schritt weiter und beschäftigt sich auch mit der konkreten Höchstgeschwindigkeit eines möglichen Tempolimits: 15 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, dass ein Tempolimit auf der Autobahn sinnvoll wäre, jedoch oberhalb der geplanten 130 km/h liegen müsste. Für ein Tempolimit von 120 km/h sprachen sich weitere neun Prozent aus. Eine Umfrage von Autoscout24 befasst sich wiederum mit der Frage, ob Neuwagen – nach dem Vorbild von Volvo – auf 180 km/h begrenzt werden sollten. Dabei sprechen sich 60 Prozent der 1041 Befragten für eine Drosselung aus, 41 Prozent dagegen. Jeder Zweite glaubt, dass dadurch die Verkehrssicherheit steigen würde. 37 Prozent der Befragungsteilnehmer sehen außerdem eine Chance auf eine niedrigere CO2-Belastung, sollte die Höchstgeschwindigkeit von Neuwagen begrenzt werden.

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Nur jeder dritte Autofahrer schneller als 130 km/h unterwegs (Studie)

In einer Studie von 2010 bis 2014 hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) herausgefunden, dass ein Tempolimit den Verkehr auf der Autobahn kaum ausbremsen würde. Die meisten Autofahrer halten sich nämlich ohnehin an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Nur jeder dritte Verkehrsteilnehmer fährt auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen schneller als 130 km/h. Schneller als 150 km/h ist wiederum nur jeder Zehnte unterwegs. Des Weiteren vergleicht die Studie die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit mit dem jeweils erlaubten Tempo – mit erstaunlichen Ergebnissen: Bei erlaubten 80 km/h betrug die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit 87,4 km/h. Bei Tempo 100 waren es 103,3 km/h im Durchschnitt. Auf Autobahnabschnitten mit erlaubten 120 km/h wurden durchschnittlich lediglich 115,6 km/h gemessen. Bei erlaubten 130 km/h wurden im Durchschnitt sogar nur 118,3 km/h gefahren. Auf Strecken ohne Tempolimit betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit 124,7 km/h. Die Daten der BASt-Studie wurden an 100 Messstellen zwischen den Jahren 2010 und 2014 gesammelt. Erkenntnisse, ob ein Tempolimit Auswirkungen auf die Umwelt und die Sicherheit hätte, liefert die Studie allerdings nicht. Laut einer Umfrage von Autoscout24 aus dem Juli 2020 beträgt die höchste je gefahrene Geschwindigkeit der Deutschen im Schnitt übrigens 194 km/h. Nur 15 Prozent der Befragten sind jemals schneller als 240 km/h unterwegs gewesen.

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Tempolimit und seine Auswirkungen auf die Umwelt

Nachdem die umstrittene Forderung nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen im Bundesrat gescheitert ist, liefern Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) den Befürwortern neue Argumente. Demnach würde der Ausstoß von Treibhausgasen durch eine generelle Geschwindigkeitsbgrenzung nämlich deutlich gemindert. 1,9 Millionen bis 5,4 Millionen Tonnen CO2 könnten je nach Ausgestaltung pro Jahr eingespart werden, wie die Behörde am 28. Februar 2020 mitteilte. Bei erlaubten 120 km/h pro Stunde würden demnach 2,6 Millionen Tonnen CO2 vermieden, ein Tempolimit von 130 km/h noch 1,9 Millionen Tonnen – "und zwar sofort und ohne Mehrkosten", wie UBA-Präsident Dirk Messner sagte. Und wenn höchstens Tempo 100 erlaubt wäre, ließen sich sogar 5,4 Millionen Tonnen CO2 sparen. Für die Berechnungen, die dem UBA zufolge auf aktuellen Verbrauchsdaten von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen basieren, seien Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen zu Geschwindigkeiten auf der Autobahn herangezogen worden. Demnach hatten Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf deutschen Autobahnen in 2018 Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 39,1 Millionen Tonnen CO2 verursacht, teilte das UBA mit. Bei einem Autobahn-Tempolimit von 120 km/h gebe es in Deutschland damit eine Einsparung von 6,6 Prozent in diesem Bereich. Allerdings muss jedoch beachtet werden, dass die Verkehrsdichte auf unseren Autobahnen mittlerweile so hoch ist, dass ohnehin im Durchschnitt kaum mehr als Richtgeschwindigkeit gefahren werden kann. Apropos Ersparnis: Von 2012 bis 2016 ging der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Neuwagen auf allen Straßen um 10,2 Prozent zurück. Wegen der Abkehr vom Diesel steigt er seitdem wieder. Bei Stickoxiden würde ein Tempolimit auf Autobahnen nicht zu einer messbaren Reduktion führen: Durch die starke Verwirbelung bei hohem Tempo wandelt sich das reaktionswillige NOX sowieso viel schneller in ungefährlichen Stickstoff um. Befürworter eines Tempolimits versprechen sich, dass die Käufer dann kleinere und schwächer motorisierte Neuwagen kaufen würden. Dem stehen die Erfahrungen aus Österreich und der Schweiz entgegen, wo seit Jahren streng überwachte Tempolimits gelten – trotzdem werden dort häufiger leistungsstarke  Modelle gekauft. Von den spritfressenden Pick-ups und den SUV in den USA ganz zu Italien USA schweigen.

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Grünen im Falle einer Regierungsbeteiligung für Tempolimit 130 km/h

Im Falle einer Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl 2021 wollen die Grünen möglichst schnell ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen durchsetzen. Grünen-Chef Robert Habeck sagte dem Nachrichtenportal "The Pioneer" Mitte Juli 2020: "Das ist wahrscheinlich die erste Maßnahme einer neuen Regierung, wenn die Grünen dabei sind." Dafür brauche es nur eine Gesetzesänderung. Und man werde dies auch gegen einen möglichen Koalitionspartner durchsetzen. Mittlerweile gebe es mehr Leute, die das Tempolimit wollen, so Habeck weiter. "Selbst der ADAC ist dafür. Wer argumentiert eigentlich noch dagegen", fragte der Grünen-Parteichef. Der Blick auf das Thema habe sich durch die Corona-Pandemie gewandelt. "Der Vorwurf, ein Tempolimit sei eine ungebührliche Einschränkung der bürgerlichen Freiheit auf der Autobahn, klingt jetzt irgendwie noch lächerlicher als ohnehin schon – jetzt nach der Schließung von Kirchen, Schulen und so weiter." Außerdem kritisierte Habeck, dass es unter anderem in Schleswig-Holstein Streckenabschnitte gebe, zu denen Raser extra führen, "um mal auf 40 Kilometern 250 km/h zu fahren. Das ist nicht zu rechtfertigen." Jeder solle sein Hobby haben. "Aber nicht andere gefährden, um selber mal Spaß zu haben. Dafür gibt's keinen Rechtsanspruch", so Habeck. "Es gibt kein Recht auf Rasen in Deutschland." Nur wenige Wochen zuvor, im Juni 2020, hatte die Bundestagsfraktion der Grünen in einem Antrag dazu aufgefordert, ein Tempolimit von 130 km/h auf allen deutschen Autobahnen einzuführen. Stichtag sollte der 1. Januar 2021 sein. Einem Bericht des "Spiegel" zufolge hieß es zur Begründung im Antrag, dass die Bundesregierung sich nicht ausreichend um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer kümmere und die Zahl der Verkehrstoten deshalb auf hohem Niveau stagniere. Teil des Antrags seien zudem Forderungen nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf zweispurigen Landstraßen und ein Limit von 30 km/h innerorts, worüber die Kommunen selbst entscheiden dürfen. Zuvor war die umstrittene Forderung nach einem Tempolimit von 130 km/h in Deutschland im Februar 2020 im Bundesrat gescheitert.

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So stehen die anderen Parteien zum Tempolimit auf der Autobahn

Die SPD spricht sich in der Debatte über ein mögliches Tempolimit von 130 km/h in Deutschland für eine Geschwindigkeitsbegrenzung aus: "Ein Tempolimit auf unseren Autobahnen ist gut für den Klimaschutz, dient der Sicherheit und schont die Nerven der Autofahrer", sagt die Parteivorsitzende Saskia Esken Ende Dezember 2019. Außerhalb Deutschlands sei ein Tempolimit der Normalfall. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hält derweil nichts von einer neuen Debatte: "Wir haben weit herausragendere Aufgaben, als dieses hoch emotionale Thema wieder und immer wieder ins Schaufenster zu stellen – für das es gar keine Mehrheiten gibt." Es gebe ein funktionierendes System der Richtgeschwindigkeit, rund ein Drittel der Autobahnen habe bereits Geschwindigkeitsbeschränkungen und die meisten Unfälle passierten auf Landstraßen. Er fordert stattdessen eine bessere Verkehrsbeeinflussung und Verkehrslenkung durch digitale Systeme, um den Verkehr zu steuern. Auch FDP-Chef Christian Lindner lehnte ein generelles Tempolimit ab: "Verbote sollten nur da ausgesprochen werden, wo sie auch tatsächlich gebraucht werden." Statt einer Geschwindigkeitsbegrenzung brauche man ein CO2-Limit für Deutschland: "Das würde dazu führen, dass Wasserstoff oder andere klimafreundliche Treibstoffe in Zukunft Benzin und Diesel ersetzen können." Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat unterdessen einen großangelegten Praxistest vorgeschlagen. Der Leiter der dortigen Unfallforschung Siegfried Brockmann erklärte, dass es noch zu wenig belastbare Untersuchungen gibt, die den Effekt eines Tempolimits auf die Fahrsicherheit thematisieren. Erst im Oktober 2019 waren die Grünen im Bundestag mit einem Vorstoß zur Einführung eines Tempolimits von 130 km/h in Deutschland gescheitert.

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Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) ebenfalls für Tempolimit

Mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat die Forderung nach einem Tempolimit von 130 km/h auf Deutschlands Autobahn im Mai 2020 einen neuen Fürsprecher gewonnen, wie der Spiegel online berichtet. Der DVR hat sich die Senkung der Anzahl von Schwerverletzten und Toten im Straßenverkehr zur Hauptaufgabe gemacht und beschloss deswegen bereits vor zehn Jahren die "Vision Zero" von null Verkehrstoten. Nach anfänglichen Anfeindungen steht diese heute im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung. Nun sieht der DVR auch in einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung eine kostengünstige und schnell umsetzbare Option, um die Sicherheit im Straßenverkehr weiter zu erhöhen. Vor allem auf den rund 70 Prozent der deutschen Autobahn ohne Tempolimit würde dies dem DVR zufolge zu kürzeren Anhaltewegen und weniger schweren Unfällen führen. In besonderen Fällen wolle der DVR aber auf geeigneten Streckenabschnitten ein höheres Tempolimit als das generell angepeilte Tempolimit von 130 km/h erlauben, so der Spiegel weiter. Die Stimme des DVR hat in der Diskussion um ein Tempolimit auf der deutschen Autobahn durchaus politisches Gewicht, da dort zahlreiche Organisationen, die mit dem Thema Verkehrssicherheit zu tun haben – etwa der ADAC und der Verband der Automobilindustrie – Mitglied sind.

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ADAC rückt von Nein zum Tempolimit 130 km/h in Deutschland ab

Der ADAC, mit gut 21 Millionen Mitgliedern der größte Automobilclub Deutschlands, rückt von seiner jahrzehntelangen ablehnenden Haltung gegenüber einem Tempolimit in Deutschland ab. Der ADAC "sei nicht mehr grundsätzlich" gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, sagte der Vizepräsident Verkehr, Gerhard Hillebrand, im Januar 2020 der Deutschen Presse-Agentur. Aber auch wenn der ADAC von seinem strikten Nein abrückt – ein Ja bedeutet das auch nicht. Hillebrand erläutert, dass die Diskussion um Tempo 130 emotional geführt werde und bei den Mitgliedern polarisiere. 50 Prozent der Mitglieder hatten in einer Umfrage gegen ein Tempolimit votiert, 45 Prozent dafür. "Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest", so Hillebrand weiter. Die Auswirkungen eines Tempolimits sollten ihm zufolge dringend in einer umfassenden Studie geklärt werden. "Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern." Die Autoindustrie hält derweil an ihrem Nein zu einem generellen Tempolimit in Deutschland fest. Die Haltung sei unverändert, sagte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und verwies dabei auf eine Mitteilung aus dem Dezember 2019. Der VDA hatte damals erklärt, die Debatte sei "nicht hilfreich" und helfe weder der Umwelt noch der Sicherheit. Zudem seien deutsche Autobahnen die sichersten Straßen.

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