Fahrbericht

VW kann anders: Erste Testfahrt im ID. Unyx 08 & ID. Era 9X

Mit dem VW ID. Era 9X und dem VW ID. Unyx 08 will sich Volkswagen in China zurück an die Spitze kämpfen. Während bei uns gerade das Volks im Wagen wiederentdeckt wird, gibt es dort jede Menge Raum, Technik und Prestige zum kleinen Preis.

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Blick von schräg vorne auf den fahrenden VW ID. Era 9X (2026).
Über 5,20 m lange Mega-SUV wie der neue VW ID. Era 9X sind in China keine Seltenheit. Foto: VW
Blick von schräg hinten auf den VW ID. Era 9X (2026).
Im steil aufragenden Aufbau des ID. Era 9X verteilen sich sechs Sitzplätze auf drei Sitzreihen. Foto: VW
Blick auf die Armaturen im Innenraum des VW ID. Era 9X (2026).
Das Cockpit des 9X entspricht mit den beiden großen, auch für den Beifahrer nutzbaren Touchdisplays dem China-Stil. Foto: VW
Blick von schräg vorne auf den VW ID. Unyx 08 (2026).
Der Fünf-Meter-Komfort-Elektriker VW ID. Unyx 08(800 V) schafft bis zu 730 km Reichweite (China-Norm) und schwebt mit seiner per Kamera vorausschauenden Luftfederung selbst über grobe Unebenheiten hinweg. Foto: VW

Erste Testfahrt: VW ID. Era 9X und VW ID. Unyx 08

VW kämpft gerade an zwei Fronten um seine Zukunft. In Europa sollen günstige Elektroautos wie ID. Polo, ID. Cross und später ID. Up zurück zu den Wurzeln führen. In China dagegen, wo VW längst kein Marktführer mehr ist und den lokalen Marken wie BYD, Geely, Nio oder Xpeng hinterherhinkt, fährt man einen entgegengesetzten Kurs: Neuheiten wie ID. Unyx 08 und ID. Era 9X strotzen nur so vor Hightech, sind digital und voll vernetzt, fahren fast von allein und bieten mehr Luxus als bei uns die vornehmen VW-Töchter.

Den Anfang unserer ersten Testfahrt macht hier der ID. Unyx 08. Entstanden im Joint Venture mit JAC und technisch eng mit Xpeng verwandt, lässt das knapp fünf Meter lange SUV seine europäischen MEB-Modelle auf einen Schlag alt aussehen: Erstmals setzt die Marke dort auf eine moderne 800 V-Architektur. Ladeleistungen von bis zu 315 kW ermöglichen es, innerhalb von fünf Minuten Energie für rund 150 km zu bunkern. Mit den 82 oder 95 kWh großen Batterien sind im China-Zyklus (CLTC) Reichweiten von bis zu 730 km möglich. Die Antriebspalette reicht vom 230 kW (313 PS) starken Hecktriebler bis zum Allradmodell mit 370 kW (503 PS) und 200 km/h Spitze.

Der VW ID. Cross (2026) im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Der VW Unyx fühlt sich ganz anders an als seine europäischen Geschwister

Doch in China sind Fahrleistungen kein entscheidendes Verkaufsargument. Schon auf den ersten Kilometern unserer Testfahrt fällt auf, dass der VW ID. Unyx 08 anders fährt als ein klassischer VW. Während die Wolfsburger traditionell Wert auf Präzision, direkte Rückmeldungen und etwas Spaß am Steuer legen, orientiert sich der China-Stromer anderweitig.

Das Fahrwerk federt weich, Schlaglöcher und Querfugen verschwinden nahezu unbemerkt unter den Rädern, die Lenkung arbeitet schön leichtgängig. Für europäische Fahrende mag das eher synthetisch wirken, es passt aber zum chinesischen Alltag mit Stau, dichtem Verkehr und oft mäßig gepflegten Straßen. Überhaupt steht beim Unyx weniger das Fahren als das Fahrenlassen im Vordergrund. Das Assistenzsystem NOA übernimmt große Teile der Fahraufgaben, navigiert durch Innenstädte, wechselt Fahrspuren, biegt ab, fädelt sich in den Verkehr ein und sucht am Ende selbstständig den Parkplatz.

Auch im wohnlichen, mit wertigem Stoff statt Hartplastik ausgekleideten Innenraum pflegt der VW den China-Stil. Riesige Displays, Smartphone-Grafiken, ein KI-gestützter Avatar als digitaler Begleiter und Lounge-Sessel mit Beinauflagen prägen das Bild.

Eine solche Leichtfüßigkeit hätten wir dem Era nicht zugetraut

Doch der Unyx dient letztlich nur als Aufwärmübung für das eigentliche Flaggschiff. Der neue VW ID. Era 9X überragt mit 5,21 m Länge sogar den ehemaligen europäischen SUV-König VW Touareg deutlich. Entwickelt wurde der südlich von Shanghai gebaute Koloss gemeinsam mit SAIC. Seine Dimensionen mögen europäische Kund:innen zunächst erschrecken, in den Metropolen Chinas wirkt der 9X dagegen beinahe selbstverständlich und konkurriert mit Lokalhelden im gleichen Format. Innen erinnert der VW ID. Era 9X an eine Business-Class-Lounge. Captain Chairs in der zweiten Reihe, Liegefunktionen, aus dem Dach ausfahrende Großbildschirme, intelligente Touchflächen in den Türverkleidungen und Fächer für Regenschirme spiegeln die Wünsche der chinesischen Kundschaft wider.

Noch beeindruckender als die schieren Ausmaße ist allerdings die Art, wie sich der 9X bewegt. 
5,21 m Länge und rund 2,7 t Gewicht lassen eigentlich ein schwerfälliges SUV erwarten. Doch stattdessen verblüfft der große Volkswagen während der ersten Testfahrt mit einer Leichtigkeit, die man ihm niemals zutrauen würde. Die Zweikammer-Luftfederung erkennt per Kamerasensorik Unebenheiten bereits im Voraus und bügelt selbst grobe Fahrbahnschäden glatt. Der 9X fährt sich eher wie eine luxuriöse Reiselimousine – ein wenig wie der selige VW Phaeton, aber handlicher. Denn die Hinterachslenkung verkleinert den Wendekreis spürbar. Natürlich spürt man die Masse bei schnellen Richtungswechseln oder beim harten Anbremsen. Doch der 9X ist kein Racer, sondern zum entspannten Cruisen geboren. Und genau wie beim Unyx nimmt einem dabei auch im VW Era die Elektronik auf Wunsch so viel Arbeit ab, dass die Hände nur pro forma am Lenkrad bleiben.

Der Große setzt auf einen Range-Extender

Passend dazu arbeitet der Antrieb. Volkswagen setzt hier erstmals auf einen Range Extender. Zwei Elektromotoren mit zusammen bis zu 517 PS (380 kW) treiben alle vier Räder an. Die Energie stammt aus einer 800 V-Batterie mit maximal 65,2 kWh Kapazität. Ergänzt wird sie durch einen 1,5-l-Benziner, der allerdings immer nur als Generator arbeitet. Ohne dass man auf das typische Elektro-Gefühl verzichten müsste, verliert man deshalb den Ladestand schnell aus dem Sinn und macht sich über die Infrastruktur unterwegs keine Gedanken mehr. Wenn’s keine Ladesäule gibt, tankt man halt einfach und ist trotzdem in drei Minuten wieder flott.

Auftritt, Ausstattung und Antrieb sind an sich schon beeindruckend. Doch spätestens beim Blick auf die Preise platzen die Menschen in Europa vollends vor Neid. Denn der ID. Unyx 08 startet umgerechnet bei knapp 30.000 Euro, der nochmals größere ID. Era 9X ist ab etwa 38.000 Euro zu haben. Da kann uns VW den ID. Polo oder den ID. Cross noch so lange als bezahlbare Volkswagen anpreisen – so viel Auto fürs Geld bieten die Niedersachsen nirgends sonst.

Fazit

VW ID. Unyx 08 und VW ID. Era 9X zeigen uns ein ganz anderes, unbekanntes Bild von Volkswagen. Beide sollen helfen, verlorenen Boden in China zurückzugewinnen, beide orientieren sich kompromisslos an den Erwartungen der dortigen Kundschaft, und beide bieten bei Antrieb, Ausstattung und Assistenz so viel mehr als die Modelle für Europa. Schade nur, dass die Niedersachsen vom Lehrmeister zum Schüler geworden sind und die ganzen Highlights von SAIC oder Xpeng kommen. Und noch viel bedauernswerter ist, dass wir hier in Europa davon wohl erstmal nichts haben werden.

Technische Daten des VW ID. Era 9X

AUTO ZEITUNG 15/2026

VW ID. Era 9X

Technische Daten

Motor

Elektroantrieb mit Range-Extender; zwei permanenterregte Synchronmaschinen

Antrieb

Konstantübersetzung; Allradantrieb

Leistung

380 kW / 517 PS

Max. Drehmoment

660 Nm

Kapazität / Spannung

65,2 kWh / 800 V

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

5207 / 1997 / 1810 mm

Leergewicht

2700 kg

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

k.A.

Höchstgeschwindigkeit

k.A.

Verbrauch auf 100 km

0,15 l S + k. A. kWh

Reichweite (elektrisch / gesamt)

321 / 1260 km

Kaufinformationen

Grundpreis

rund 38.000 € (umgerechnet)

Marktstart

2026

Alle Daten Werksangaben