Faszination Supersports: Diese Bentley trennen 100 Jahre
Unglaubliche 100 Jahre liegen zwischen diesen beiden Bentley Supersports. Auf der Rennstrecke in Laguna Seca muss sich der neue Luxus-Sportler seinem Vorfahren gegenüber als würdig erweisen.
- Faszination: Der Bentley Continental Supersports trifft seinen Urahn, den Bentley Super Sports
- Unter der eleganten Supersports-Karosse steckt ein Renntriebwerk der Extraklasse
- Zwischen den beiden Bentleys liegen rund 100 Jahre
- Trotz Leichtbau: Im Continental Supersport steht Verzicht nicht auf dem Programm
- Technische Daten des Bentley Supersports und Bentley Continental Supersports
Faszination: Der Bentley Continental Supersports trifft seinen Urahn, den Bentley Super Sports
Die Frage, warum der 1926er Bentley Super Sports auf den Namen „Smoky“ hört, beantwortet sich überraschenderweise nicht, wenn man ihn anlässt. Der 4,5 l große Reihen-Vierzylinder erwacht zwar geräuschvoll zum Leben, seine Ventile zischen, die Wellen schwirren, und die Schutzbleche vibrieren. Doch aus dem flachen Endrohr kommen keine schwarzen Wolken oder dergleichen. Nur ein ballerndes Geräusch, dass die Vögel in der Nähe aufschreckt. Vielleicht war es eher seine schwarze Lackierung, die dem 100 Jahre alten Bentley den Namen „Smoky“ (Rauch) verpasste.
Aber jetzt, wo wir uns einmal kennengelernt haben, wollen wir auch eine Runde drehen. Schließlich sind wir auf dem Laguna Seca Raceway in Kalifornien, einer der berühmtesten Rennstrecken der USA. Also einsteigen – oder besser reinklettern: Der enge Zweisitzer verlangt gymnastisches Talent. Kaum zu glauben, dass sein Fahrgestell damals vom Besitzer tiefergelegt wurde. Hat man „Smoky“ einmal erklommen, sitzt er jedoch wie angegossen.
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Auch das Fahren verlangt Eingewöhnung, denn das Gaspedal sitzt in der Mitte, und der archaische Schalthebel will langsam, aber mit Nachdruck bewegt werden. „Smoky“ fordert von seinem Piloten Ehrfurcht ein: Schließlich ist er einer von nur 18 Super Sports-Modellen, die 1926 debütierten. Als erste Bentley überhaupt trugen sie das ikonische Emblem mit dem geflügelten „B“.
Zudem waren sie die ersten Modelle der britischen Marke, für die das Werk eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde garantierte. Doch die vollen 160 km/h müssen heute nicht sein. Der Geradeauslauf ist wegen der dünnen Reifen nicht der beste, und die Lenkkräfte sind ohnehin schon unglaublich hoch. Auch wenn „Smoky“ keinen Zweifel daran lässt, dass er die 160 Spitze auch nach einem Jahrhundert noch erreichen kann …
Unter der eleganten Supersports-Karosse steckt ein Renntriebwerk der Extraklasse
Fahrspaß gibt es auch darunter satt: Das offene Cockpit der stilvollen Karosserie von Jarvis aus Wimbledon lässt einen die Strecke und den Fahrtwind ungefiltert genießen. Der Blick schweift immer wieder an der Motorhaube entlang zu den riesigen, freistehenden 21-Zoll-Rädern mitsamt der soliden Aufhängung und den üppig dimensionierten Bremsen.
Dass „Smoky“ eher Renn- als Sportwagen ist, verdankt er seinem Besitzer Kit Baker-Carr. Dieser rüstete den Super Sports 1934 für Renneinsätze um: Statt des serienmäßigen 3,0-l-Vierzylinders erhielt „Smoky“ einen 4,5-l-Motor in voller Le Mans-Spezifikation, der bereits bei den 24 Stunden von 1927 zum Einsatz gekommen war. Jenem Rennen, das Bentley von 1924 bis 1930 fünfmal gewinnen konnte und das den Grundstein des sportlichen Images der Marke legte. 1937 verschlug es den Super Sports dann nach Südafrika. Und heute besucht er zum ersten Mal in seinen 100 Jahren die USA, um in Laguna Seca seinen jüngsten Nachfahren zu treffen.
Zwischen den beiden Bentleys liegen rund 100 Jahre
Dieser hätte den Namen „Smoky“ eher verdient: Der neue Bentley Continental Supersports erweist sich auf der Strecke nämlich als Meister im Rauch-Erzeugen. Allerdings nicht aus seinen zwei Doppelendrohren – das würden die Abgasregularien nicht mehr erlauben. Nein, der Bentley produziert seinen feinen Qualm beim lustvollen Driften in Laguna Seca. Wie „Smoky“ unterscheidet sich auch sein Urenkel deutlich von den normalen Continental GT. So verzichtet Bentley auf alle Elektro-Komponenten der Plug-in-Hybride und setzt allein auf den vier Liter großen V8, dessen Leistung auf 666 PS (490 kW) gesteigert wurde. Damit wird der Supersports zum leichtesten Continental GT in der Geschichte der Marke und bleibt haarscharf unter der Schwelle von zwei Tonnen.
Was dem Bentley ebenfalls einen ganz neuen, dynamischen Charakter verleiht: Der Supersports ist der erste in Serie gebaute Continental GT mit Hinterradantrieb. Seine Allradlenkung und die besonders sportlich ausgelegte 48-V-Wankstabilisierung lassen die Person am Steuer dabei stets die Kontrolle behalten. Immerhin stehen 800 Nm Drehmoment zur Verfügung. Vom Start weg tritt der Bentley dank seines Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes mit vollem Punch an und erreicht in 3,6 s Tempo 100. Die großen Carbon-Keramik-Bremsen verzögern seine zwei Tonnen zudem stabil und zuverlässig, sodass das Vertrauen mit jeder Kurve in Laguna Seca wächst. Dabei treten das für einen Sportler immer noch satte Gewicht und der lange Radstand des Briten stets weiter in den Hintergrund.
Trotz Leichtbau: Im Continental Supersport steht Verzicht nicht auf dem Programm
Nach (gefühlt) zu wenigen emotionalen Runden auf der Strecke bleibt noch etwas Zeit, sich den Bentley genauer anzuschauen: Während „Smoky“ von Jarvis aus Wimbledon eingekleidet wurde, besitzt unser Supersports ein exklusives „Dragon“-Design von Mulliner. Vor allem die Zweifarblackierung im namensgebenden Dragon-Rot und Crystal-Schwarz passt gut zum besonderen Charakter des Modells. Die Startnummer im feinmaschigen Kühlergitter fand sich auch schon auf den Le Mans-Siegerwagen der 1920er-Jahre.
Obwohl im Innenraum ebenfalls deutlich Gewicht gespart wurde – so fehlen etwa die Rücksitze –, lässt der Bentley keinen Verzicht spüren. Carbon und Leder dominieren das edle Cockpit. Neben den Sportsitzen umschließt auch das Rot der Ausstattung die Person am Steuer. Diesen Kokon aus rotem Leder hat der aktuelle Supersports mit „Smoky“ gemein. Zwar liegen unfassbare 100 Jahre zwischen den beiden Bentley, und doch haben sie den gleichen Charakter: Sie sind für die Rennstrecke optimiert, verleugnen abseits der Piste jedoch nicht ihre luxuriös-erhabene Herkunft.
Technische Daten des Bentley Supersports und Bentley Continental Supersports
AUTO ZEITUNG 19/2026 | Bentley Super Sports | Bentley Continental Supersports |
|---|---|---|
Technische Daten | ||
Motor | 4-Zylinder, 4-Ventiler, 4398 cm3 | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, 3996 cm3 |
Antrieb | 4-Gang, manuell; Hinterrad | 8-Gang, Doppelkupplung, Hinterradantrieb |
Leistung | 81 kW / 110 PS | 490 kW / 666 PS |
Max. Drehmoment | k.A. | 800 Nm |
Karosserie | ||
Außenmaße (L / B / H) | k.A. | k.A. |
Leergewicht | k.A. | 1999 kg |
Fahrleistungen | ||
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | k.A. | 3,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 320 km/h |
Kaufinformationen | ||
Grundpreis | k.A. | 352.941 € |
Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel | ||
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