Familienhelden im Vergleichstest: Kia PV5 gegen VW ID. Buzz
Die Auswahl an elektrischen Großraum-Vans wächst stetig. Kia bringt mit dem PV5 ein praktikables Reiseauto für preisbewusste Familien. Wie gut der Koreaner geraten ist, zeigt der Vergleichstest gegen den VW ID. Buzz Pro mit langem Radstand.
- Im Vergleichstest: Kia PV5 gegen VW ID. Buzz
- Karosserie: Der Kia fällt bei der Materialwahl deutlich einfacher aus
- Fahrkomfort: Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert der VW gelassen
- Motor/Getriebe: Beide Modelle sind mehr als ausreichend motorisiert
- Fahrdynamik: Hier kann der Kia dem VW nicht das Wasser reichen
- Umwelt/Kosten: Der Preisunterschied zwischen VW und Kia ist enorm
- Fazit
- Technische Daten und Messwerte von Kia PV5 Passenger und VW ID. Buzz Pro LWB
- Ausstattung/Preise
- Gesamtbewertung
Im Vergleichstest: Kia PV5 gegen VW ID. Buzz
Der bedingungslose Fokus auf Nutzwert hat dem seligen VW Bulli zu einer beispiellosen Karriere verholfen. Fans vergöttern den Van schon seit vielen Jahrzehnten – trotz einer durchaus beachtlichen Mängelliste, die beispielsweise in der jüngeren Vergangenheit wenig belastbare Motoren beinhaltete.
Der seit 2022 angebotene VW ID. Buzz sollte den Charme des Ur-Bullis mit seinem gefälligen Retro-Design ins elektrische Mobilitätszeitalter hinüberretten. Doch so ganz will der Funke bei den Bus-Jüngern noch nicht überspringen; die Verkaufszahlen liegen hinter vorgehaltener Hand noch ein Stück weit hinter den Erwartungen zurück, was sicher auch an der bisherigen Preisgestaltung liegt.
Zu allem Überfluss bekommt der ID. Buzz stetig neue Konkurrenten dazu – etwa den Kia PV5. In der fünfsitzigen Passenger-Variante startet der Koreaner bereits bei schlanken 38.390 Euro. Selbst mit dem 71,2 kWh großen Akku, so wie der Kia in seinen ersten Vergleichstest startet, kostet der PV5 verhältnismäßig günstige 42.390 Euro. Ober er mit seinem niedrigen Preis den erheblich teureren VW ID. Buzz Pro LWB ärgern oder gar besiegen kann?
Der VW ID. Buzz (2022) im Fahrbericht (Video)

Karosserie: Der Kia fällt bei der Materialwahl deutlich einfacher aus
Ob batterieelektrisch oder mit einem Verbrenner bestückt: Wer sich für einen großen Van interessiert, benötigt vor allem Platz satt. Und zwar für Mensch und Gepäck. Serienmäßig mit fünf Sitzgelegenheiten ausgestattet, bietet der VW ID. Buzz seinen Passagieren ein geradezu fürstliches Maß an Bewegungsfreiheit. Dies gilt uneingeschränkt für die Vornsitzenden, aber auch für die Fondgäste. Selbst in der dritten Sitzreihe, die unser Testwagen an Bord hat, halten es Erwachsene gut längere Strecken aus, ohne sich eingeengt zu fühlen.
Umstieg in den neuen Kia PV5: Was sofort auffällt ist, dass die Materialien erheblich einfacher und Nutzfahrzeug-artiger sind als im VW. Auch die Verarbeitungsgüte der Karosserie-Anbauteile und des Interieurs kann im Vergleichstest nicht mit jener im ID. Buzz mithalten. Die gebotene Kopf- und Ellenbogenfreiheit ist dagegen vorn wie hinten konkurrenzfähig. Allerdings stören sich sehr großgewachsene Fahrer an dem eher geringen Einstellbereich von Lenkrad und Sitz und am eingeschränkten Fußraum durch die wuchtige Mittelkonsole. Der Knieraum im Fond ist zwar ebenso gewaltig wie beim Wolfsburger, doch wissen sehr große Mitreisende nicht, wohin mit ihren Füßen. Unter den Vordersitz passen sie jedenfalls nicht.
Im Gegenzug bietet der Asiate unfassbar viel Platz fürs Gepäck. Bei aufgestellten Lehnen der zweigeteilten Rückbank stehen 1330 l für Transportgut zur Verfügung. Legt man sie um, bleibt zwar eine dicke Stufe im Ladeboden, doch 3615 l Fassungsvermögen stehen dann als Entschädigung zur Verfügung. Damit überbietet der große Kia selbst den gewaltigen Gepäckraum des VW (1121 bis 2469 l) deutlich.
Fahrkomfort: Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert der VW gelassen
Vielleicht kann der Kia nach dem etwas ernüchternden Vergleichstest-Einstieg im Komfort-Kapitel ja etwas Boden auf den VW gutmachen. Bereits beim Platznehmen verfliegt diese Hoffnung jäh. Sämtliche Sitzgelegenheiten des Kia PV5 sind eher schlabbrig weich gepolstert, verfügen über eine ziemlich kurze Sitzfläche und weisen keinerlei Seitenführung auf. Schlimmer noch: Fahrgästen in Reihe zwei bietet der koreanische Van nicht einmal eine Ablagemöglichkeit für die Arme. Lange Strecken werden auch dadurch für sie zur Herausforderung.
Dagegen sitzt man im ID. Buzz VW-typisch kommod. Die optionalen vorderen Komfortsitze weisen eine ergonomisch passende Konturierung sowie eine herausragend bequeme Polsterung auf. Letzteres gilt im Übrigen auch für die gemütliche Rückbank, die geradezu zum Verweilen einlädt. Und auch beim Fahren hinterlässt der Wolfsburger einen erheblich weniger Nutzfahrzeug-artigen Eindruck. Während der Kia PV5 im Vergleichstest bereits auf kleineren Anregungen reichlich vor sich hin zittert und rappelt, gleicht der VW ID. Buzz die meisten Unebenheiten sehr wirkungsvoll aus. Nicht einmal einseitige Anregungen veranlassen den Aufbau dazu, unangenehm um die Längsachse zu wanken.
Auf arg verschlissenen Oberflächen wird zudem offensichtlich, wie torsionssteif die Karosserie des VW geraten ist. Der Kia hingegen neigt zu kernigen Verwindungen, was sich im Vergleichstest auch durch erhebliche Klappergeräusche im Innenraum bemerkbar macht. Außerdem sind die Reserven seiner Feder-Dämpfer-Elemente erheblich früher aufgebraucht als die des Wettbewerbers.
Motor/Getriebe: Beide Modelle sind mehr als ausreichend motorisiert
Wie gut ein elektrischer Antrieb zu großen Reiseautos passt, beweisen beide Testkandidaten. Selbst die vergleichsweise zahmen 120 kW (163 PS) des Kia PV5 sorgen im Vergleichstest für angemessenes Fortkommen – die mickrige Endgeschwindigkeit von 135 km/h mal ausgenommen. Landstraßentempo erreicht der Koreaner derweil in knapp unter zehn Sekunden, was für diese Fahrzeugklasse absolut ausreicht. Natürlich bereitet die ungleich stärkere Antriebseinheit des VW ID. Buzz noch mehr Freude, wirklich nötig sind seine 210 kW (286 PS) und das damit verbundene rasante Beschleunigungsvermögen (von null auf 100 km/h in 7,1 s) im Alltag jedoch nicht.
Viel wichtiger ist bei solchen Fahrzeugen allerdings die gebotene Effizienz. Und hier hat der Kia mit seinem zurückhaltenden Energiekonsum die futuristische Nase vorn: Auf unserer Verbrauchsrunde kommt der PV5 mit 20,7 kWh 100 km weit. Das entspricht einer gemessenen Reichweite von durchschnittlich 344 km.
Der ID. Buzz verbraucht zwar mit 23,2 kWh mehr Energie, schafft aber dank seines größeren Akkus 371 km am Stück. Wer dann an die Ladesäule muss, freut sich in seinem Fall über das für ein 400-V-Fabrikat wirklich herausragende Lademanagement, das nicht nur mit maximal 199 kW Saft in das Batteriepaket saugt, sondern selbst über einem Akku-Stand von mehr als 80 Prozent geradezu rasant Strom in den Speicher pumpt. Vor diesem Hintergrund kann es durchaus passieren, dass der Toilettengang der Familie beim Zwangsstopp länger dauert als das Laden selbst.
Fahrdynamik: Hier kann der Kia dem VW nicht das Wasser reichen
Im Fahrdynamik-Kapitel kommt es für den neuen Kia PV5 dann richtig dicke. Auf der Handlingstrecke des Contidroms legt der Koreaner eine selten erlebte Unlust an den Tag. Obwohl mit 2117 kg Leergewicht deutlich leichter als der ID. Buzz (2719 kg), lenkt der Koreaner im Vergleichstest extrem unwillig ein und zeigt bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten eine ausgeprägte Tendenz zum Untersteuern.
Überhaupt ist das ganze Fahrverhalten wenig präzise, woran die stoßempfindliche und synthetisch anmutende Lenkung einen großen Anteil trägt. Zudem ist die Traktion des Fronttrieblers geradezu unterentwickelt. Selbst bei mäßigem Lenkeinschlag singen die Nexen-Reifen des Testwagens ein lautes Klagelied, während sie vergeblich um Haftung ringen und infolgedessen wortwörtlich in Rauch aufgehen. Ebenfalls ein Stück weit auf das Konto der Bereifung dürften die zu langen Bremswege gehen, die die klare Niederlage im Dynamik-Kapitel endgültig besiegeln.
Der ID. Buzz ist aus völlig anderem Holz geschnitzt. Im direkten Vergleich wirkt der VW deutlich agiler, lenkt zackiger ein, erreicht höhere Kurventempi und vermittelt durch seine mitteilsame und präzise Lenkung durchaus eine ordentliche Portion Fahrfreude – keine Selbstverständlichkeit in dieser Fahrzeugklasse. Darüber hinaus arbeiten seine Assistenzsysteme im Bedarfsfall erheblich situationsgerechter und sanfter, was der Fahrsicherheit insgesamt zugute kommt.
Umwelt/Kosten: Der Preisunterschied zwischen VW und Kia ist enorm
Der Kia PV5 ist erheblich günstiger als der VW ID. Buzz Pro. Das betrifft sowohl den Grund- als auch den bewerteten Preis. Inklusive der testrelevanten Ausstattung kostet der Koreaner satte 20.314 Euro weniger als sein Widersacher. Den Sieg im Kostenkapitel sichert sich der Asiate zudem mit den niedrigeren Wartungskosten, dem deutlich geringeren Wertverlust und den traditionell großzügigen Garantieleistungen des Herstellers. Allein in der Versicherung fährt der ID. Buzz-Besitzer etwas günstiger. Für knallharte Rechner ist der PV5 somit erste Wahl. Für alle, die das bessere Auto haben möchten, hingegen nicht.
Fazit
Ja, der VW ID. Buzz Pro ist ein reichlich teures Vergnügen. Im Gegenzug bekommt der Kunde für sein Geld aber auch ein ausgereiftes Elektro-Reisefahrzeug mit top Komfort, sicheren Fahreigenschaften und einer wirklich guten Lade-Performance, die Angst vor langen Fahrten im E-Auto jeden Wind aus den Segeln nimmt. Der Kia PV5 punktet mit seinem effizienten Antrieb, dem Turnhallen-großen Laderaum und dem günstigeren Preis. Ansonsten kann er dem übermächtigen Rivalen nichts entgegensetzen. Dafür wirkt er zu wenig wie ein Passagier-Gefährt, sondern eher wie ein pragmatisches Handwerker-Fahrzeug.
Technische Daten und Messwerte von Kia PV5 Passenger und VW ID. Buzz Pro LWB
AUTO ZEITUNG 17/2026 | Kia PV5 Passenger | VW ID. Buzz Pro LWB |
|---|---|---|
Technik | ||
Motoren | Permanenterregte Synchronmaschine vorn | Permanenterregte Synchronmaschine hinten |
Systemleistung | 120 kW / 163 PS | 210 kW / 286 PS |
Systemdrehmoment | 250 Nm | 560 Nm |
Batterie | Lithium-Ionen | Lithium-Ionen |
Spannung / Kapazität netto | 400 V / 71,2 kWh | 400 V / 86,0 kWh |
Max. Ladeleistung AC / DC | 11 kW / 150 kW | 11 kW / 199 kW |
Kraftübertragung | ||
Getriebe | Konstantübersetzung | Konstantübersetzung |
Antrieb | Vorderrad | Hinterrad |
Fahrwerk | ||
Radaufhängung | v: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabi.; hinten: Verbundlenkerachse, Federn, Dämpfer; ESC (ESP) | v: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabi.; hinten: Mehrfachlenkerachse, Federn, Dämpfer, Stabi.; ESC (ESP) |
Lenkung | Zahnstange; Servo, elektrisch | Zahnstange; Servo, elektrisch |
Bremsen | v: innenbel. Scheiben; h: Scheiben; ABS, Bremsass. | v: innenbel. Scheiben; h: Trommeln; ABS, Bremsass. |
Serienbereifung | rundum: 215/65 R 16 | v: 235/60 R 18; h: 255/55 R 18 |
Testbereifung | rundum: 215/65 R 16 H | v: 235/50 R 20 T XL; h: 265/45 R 20 T XL |
Reifen | Nexen N Blue S | Continental EcoContact 6Q |
Maße & Gewichte | ||
Außenmaße (L / B / H) | 4695 / 1895 (2255)* / 1898 mm | 4962 / 1985 (2213)* / 1924 mm |
Radstand | 2995 mm | 3239 mm |
Kofferraumvolumen | 1330–3615 l | 1121–2469 l |
Leergewicht Werk / Test | 2070 / 2117 kg | 2577 / 2719 kg |
Zul. Gesamtgewicht* | 2600 kg | 3340 kg |
Effektive Zuladung | 483 kg | 621 kg |
Anhängelast* (gebr. / ungebr.) | 1500 / 750 kg | 1000 / 750 kg |
Dachlast** / Stützlast** | 100 / 150 kg | 100 / 75 kg |
Wendekreis links / rechts | 11,7 / 11,8 m | 11,7 / 11,7 m |
Fahrleistungen | ||
0 – 50 km/h | 3,6 s | 2,8 s |
0 – 100 km/h | 9,8 s | 7,1 s |
0 – 150 km/h | – | 13,4 s |
0 – 200 km/h | – | 19,4 s |
Höchstgeschwindigkeit** | 135 km/h | 160 km/h |
Handlingkurs | 2:06,3 min | 1:56,7 min |
Slalom (Pylonenabstand 18 m) | 55,5 km/h | 57,3 km/h |
Bremswege | ||
aus 100 km/h kalt / warm | 38,9 / 39,9 m | 36,8 / 37,0 m |
aus 50 / 150 km/h kalt | 9,9 / 66,0 m | 9,2 / 61,6 m |
Innengeräusche | ||
Standgeräusch | – | – |
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 55 dB(A) |
bei 100 / 130 km/h | 69 / 71 dB(A) | 64 / 69 dB(A) |
Verbräuche | ||
Testverbrauch | 20,7 kWh / 100 km | 23,2 kWh / 100 km |
WLTP-Verbrauch** | 19,3 kWh / 100 km | 19,4 kWh / 100 km |
CO2 Test*** / WLTP | 71 / 0 g/km | 80 / 0 g/km |
Reichweite gesamt | 344 km | 371 km |
Reichweite Test max. / WLTP | 344 / 424 / 412 km | 371 / 462 / 496 km |
*Breite inklusive Außenspiegel **Werksangaben ***Äquivalent gemäß deutschem Strommix (CO2: 420 g/kWh) | ||
Ausstattung/Preise
Kia PV5 Passenger | VW ID. Buzz Pro LWB | |
|---|---|---|
Grundpreis | 42.390 € | 57.888 € |
Testwagen-Optionen | ||
Reifen | – | 2957 € |
Sitze | 3050 € | 4909 € |
Aufpreis | 3050 € | 7866 € |
Bewerteter Preis | 45.440 € | 65.754 € |
Ausstattung | ||
Anhängerkupplung | 980 € | 982 € |
Massagesitze | – | Serie (mit Komfortsitze-Paket) |
Wartung / Rabatt / Wertverlust | ||
Werkstattkosten* | 300 € | 389 € |
Rabatt** | 23,5 % / 10.385 € | 16,5 % / 9552 € |
Wertverlust (DAT) nach 4 Jahren / 20.000 km p.a. | 56,4 % / 23.908 € | 60,3 % / 34.907 € |
Versicherung / Steuern pro Jahr | ||
HP / VK / TK Typklassen | 20 / 27 / 27 | 20 / 24 / 23 |
HP / VK / TK Kosten | 793 / 1315 / 411 € | 793 / 1084 / 186 € |
Abgasnorm / Steuer | Elektro / befreit | Elektro / befreit |
* Wartungskosten pro Jahr einschl. üblicher Verschleißteile ohne Reifen, ermittelt durch den ADAC **Quelle: www.meinauto.de; zzgl. eventueller Überführungskosten | ||
Gesamtbewertung
Punkte max. | Kia PV5 Passenger | VW ID. Buzz Pro LWB | |
|---|---|---|---|
Karosserie | 1000 | 662 | 753 |
Fahrkomfort | 1000 | 634 | 717 |
Motor / Getriebe | 1000 | 675 | 724 |
Fahrdynamik | 1000 | 427 | 568 |
Eigenschaftswertung | 4000 | 2398 | 2762 |
Kosten / Umwelt | 1000 | 373 | 307 |
Gesamtwertung | 5000 | 2771 | 3069 |
Platzierung | 2 | 1 | |
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate Link bzw. mit Symbol) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.


























