Zum Hauptinhalt springen
Fahrbericht

500 km im VW ID. Polo: Große Testfahrt im kleinen Stromer

Mit dem neuen ID. Polo muss Volkswagen zeigen, weshalb man sich trotz chinesischer Discount-Konkurrenz auch in Zukunft noch für einen VW entscheiden sollte: Ist der vollelektrische Kleinwagen-Klassiker hochwertig, solide, sympathisch und trotzdem Preis-Wert? Die ersten 500 km sind vielversprechend!

(1/17)
Der VW ID. Polo fahrend von schräg vorne rechts.
Ersteindruck: Der ID. Polo ist schnörkellos und hochwertig, modern und dabei trotzdem zeitlos. Foto: Hardy Mutschler
Der VW ID. Polo fahrend von schräg hinten links.
Form folgt Funktion: beleuchtetes Marken-Logo über versenkter Heckklappen-Griffmulde, prägnante Heckleuchten und klares VW-Design. Foto: Hardy Mutschler
Das Cockpit des VW ID. Polo.
Klare Cockpitstruktur mit stoffbespanntem Armaturenträger und aufgesetztem Instrumentendisplay sowie 12,9-Zoll-Zentraldisplay. Foto: Hardy Mutschler
Der Digitaltacho im Cockpit des VW ID. Polo im Detail.
Früher war alles besser? – Mit dem „Retro“-Skin simulieren die ID. Polo-Instrumente den Look der Cockpit-Uhren des Golf I. Das geht auf jeden Fall ans Herz. Foto: Hardy Mutschler
Die Armanlage in der Türtafel der Fahrertüre des VW ID. Polo im Detail.
Früher war alles besser! Die Ideal-Ergonomie für Fensterheber und Spiegeleinstellung ist zurück, VW hat genug von fummeligen Pseudo-Innovations-Experimenten. Foto: Hardy Mutschler
Der VW ID. Polo fahrend von schräg seitlich links vor einer Stadtkulisse.
Kompakt, antrittsstark und wendig – der ID. Polo ist ein Held in der Stadt, kann aber auch raus aufs Land. Und wie … Foto: Hardy Mutschler
Eine Hand bedient den Türgriff der hinteren rechten Türe des VW ID. Polo.
Verstecken spielen: Die Klapptürgriffe für die Fondtüren im Scheibendreieck sind eine Stilfrage, aber problemlos zu bedienen. Foto: Hardy Mutschler
Blick unter die geöffnete Fronthaube des VW ID. Polo.
Nie wieder Zylinderkopf: So sieht APP290 aus, einen Frunk hat der ID. Polo nicht. Foto: Hardy Mutschler
Blick in die geöffnete Ladeklappe des VW ID. Polo.
Wertiges Detail: Die DC-Stecker der Ladebuchse sind durch eine stabile Kappe geschützt. Foto: Hardy Mutschler
Der VW ID. Polo fahrend in einer Linkskurve, aufgenommen im Profil von links aus dem Kurveninneren.
Kurvenwedeln im Wienerwald: Sein hoch entwickeltes Fahrwerk bringt dem Polo Fahrspaß, Sicherheit und Gelassenheit. Foto: Hardy Mutschler
Blick von der Rückbank auf die Person am Steuer des fahrenden VW ID. Polo.
Die Mittelkonsole ist zweistöckig ausgelegt und bietet so viel Stauraum auf zwei Ebenen. Fahren kann der neue Polo wie ein echter Wildfang. Foto: Hardy Mutschler
Eine Person sitzt auf der Rückbank des VW ID. Polo, fotografiert durch die geöffnete linke Hintertüre.
Die Sitze im Fond nehmen auch Großgewachsene auf. Foto: Hardy Mutschler
Der VW ID. Polo fährt an Windrädern vorbei, fotografiert von der Seite rechts.
Zwischen Neusiedler See und Wiener Neustadt: Kilometer feilen für möglichst vielfältige Testeindrücke. Und Spaß hat es auch gemacht. Foto: Hardy Mutschler
Der Kofferraum des VW ID. Polo mit umgeklapptem rechtem Sitzbankteil im Verhältnis 60:40 durch die geöffnete Heckklappe fotografiert.
Raumwunder durch platzsparende Verbundlenkerhinterachse: Hier lassen sich für diese Klasse erschütternde Gepäck- und Einkaufsmengen transportieren. Foto: Hardy Mutschler
Die Kofferraummulde unter dem doppelten Ladeboden im VW ID. Polo.
Neben den Subwoofer des optionalen harman/kardon-Soundsystems passt noch eine Sprudelkiste in den Kofferraum-Keller. Foto: Hardy Mutschler
Eine Hand hält die abnehmbare Anhängerkupplung des VW ID. Polo an die Aufnahme unter dem hinteren Stoßfänger.
1200 kg Anhängelast und 75 kg Stützlast: Die abnehmbare Anhängevorrichtung kostet 810 Euro extra. Foto: Hardy Mutschler
Der VW ID. Polo statisch auf einem Schotterparkplatz an einem Aussichtspunkt. Eine Person lehnt sich neben dem Auto an eine Holzreling.
Wienerwald: Die adrenalinhaltige zweite Hälfte der Testfahrt führt rein ins Höllental, rauf zur Kalten Kuchl und rüber bis Mariazell. Foto: Hardy Mutschler

Erste Testfahrt im Elektro-Kleinwagen: 500 km im VW ID. Polo

Software-Probleme, Kosten-Klemme, China-Konkurrenz – dass es bei Volkswagen unrund läuft, wird gerade landauf, landab diskutiert. Echte Autofans dürften aber andere Fragen stellen: Haben die Produkte der Marke ihre Überzeugungskraft verloren? Hat VW zu stark sein Fähnchen in den Trend-Wind gehängt und durch Funktionalitäts-Experimente, Effekt-Design oder Bauchladen-Modellpolitik die klare Linie verloren? Zu beliebig, zu ersetzbar? Früher hatte VW immer das beste Angebot in jeder Klasse, kam nach dem Motto „gut Ding will Weile haben“ zwar stets etwas später zur Party, setzte dann aber den Maßstab. Heute hechelt VW oft nur mit der Meute, kämpft mit klug gemachten, charakterstarken Koreanern und muss sich von gesichtslosen Discount-Chinesen erklären lassen, dass billig das neue Gut ist …

Anscheinend sieht man das in Wolfsburg ganz genauso, denn mit dem neuen VW ID. Polo vollzieht die Marke einen wahrnehmbaren Bruch mit der bisherigen Strategie. Das Auto ist schnörkellos und hochwertig, modern und dabei trotzdem zeitlos. Es steht prima da mit ausgewogenen Proportionen, perfekter Balance zwischen Karosserie- und Scheibenflächen sowie gleichermaßen unaufgeregtem wie kraftvollem Design. Der wird gut altern, er hat das Zeug zum Klassiker.

Der VW ID. Polo im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Zeitloser Kleinwagen-Klassiker mit ausgezeichneter Funktionalität

Auch der erste Händedruck stimmt, statt windiger Klappgriffe gibt es solide Türgriffe. Die Karosseriequalität wirkt unerschütterlich, die Spaltmaße sitzen, Heckklappe und Türen fallen mit sattem Ploppen ins Schloss. Und dann kommt das Beste: ein Interieur, das klar strukturiert und hochwertig gemacht ist ohne Klavierlack, Fake-Materialien und digitale Schwülstigkeit. Auf dem moderat großen Zentraldisplay bündelt der ID. Polo gut sortiert und schnell verständlich alle Funktionen. Es gibt eine beleuchtete Tastenleiste für Klimafunktionen, einen satt laufenden Drehregler für die Audio-Lautstärke, vier Fensterhebertasten für vier Seitenscheiben und einen klassischen Joystick zur Außenspiegeleinstellung. Gute Ergonomie-Standards also, die einen gelassen und in Kontrolle bleiben lassen. Nicht antreiben, beschäftigen, überfordern, wie es heute in der Mehrheit aller Autos oft die Regel ist.

Auch die anderen Basics passen perfekt: Im Cockpit kommen selbst großgewachsene Fahrende unter, im Fond sitzt man mit angenehmer Bein- und Kopffreiheit. Durch die ausgesprochen kompakt bauende Verbundlenker-Hinterachse wird zwischen den Hinterrädern ein derart großes Ladevolumen frei, dass man für diese Klasse erschütternde Gepäck- und Einkaufsmengen transportieren kann. Bis beinahe zur Fahrbahn reicht das Kellergeschoss, darüber lässt sich der Ladeboden auf Tiefniveau einziehen – wir sprechen hier also über Getränkekisten unten und umfangreiches Kleinfamilien-Urlaubsgepäck oben.

Das Cockpit des VW ID. Polo. - Foto: Hardy Mutschler
Funktional, ergonomisch und sympathisch – das Cockpit des ID. Polo

Klare Cockpitstruktur mit stoffbespanntem Armaturenträger und aufgesetztem Instrumentendisplay sowie 12,9-Zoll-Zentraldisplay. Tasten zur Klimabedienung, großes Ladeschalen- und Ablagefach für Smartphones, breite Mittelkonsole mit Cupholdern und USB-C-Ladebuchsen sowie Drehknopf für Audio-Lautstärke. Bedientasten auf den Lenkradspeichen mit definiertem Druckpunkt, bewährte Bedien-Logik ohne zweifelhafte Experimente. Die „Innovision Pro“-Sonderausstattung bietet IDA-Sprachbedienung und Echtzeitnavigation mit spurgenauer Darstellung und erweiterten 3D-Stadtmodellen. Zusätzlich kann das System Informationen zu Reichweite und Ladestellen anzeigen. Android Auto oder Apple CarPlay verbinden sich serienmäßig.

Viel Platz im Innenraum und ein ausgezeichnetes Fahrwerk

Für den Alltag dürfte sich natürlich das oberste Ladeboden-Niveau empfehlen, das Einkäufe in rückenschonender Höhe aufnimmt und mit den umgelegten Fondsitzlehnen eine ebene Fläche bildet. Nur eine umlegbare Beifahrersitzlehne fehlt, die den Polo beim Studentenumzug fit für den Schrankklassiker Billy machen würde. Vielleicht legt VW das bei der ersten Modellpflege nach …

Unser Testwagen ist ein voll ausgestattetes „Style“-Exemplar, Volkswagen lässt uns aber auch einen Blick auf die Basisvariante „Trend“ werfen: Stimmig zu den Proportionen passende Radgrößen, hochwertiges Stoff-Interieur, kluge Serienausstattungen – hier spart man ohne Reue. Wer einen bezahlbaren Alltags-Allrounder für die Stadt, fürs Pendeln und gelegentliche Wochenendausflüge sucht, dürfte mit dem 24.995 Euro teuren Trend und seiner 37 kWh großen LFP-Batterie ein überzeugendes Angebot finden. Mit dem leistungsfähigeren 155-kW-Antrieb samt 52-kWh-NMC-Batterie (ab 33.795 Euro, ID. Polo Life) wird der neue ID. Polo aber zu einem Allroundtalent für Reise und Alltag – regelrecht klassenlos.

Alle Versionen liefern etwas, das die oft nicht zu Ende entwickelten Billigheimer aus Fernost nicht können: Technik mit hoher Güte, wo es wirklich zählt. An der kompakt bauenden Vorderachse des ID. Polo kommen zum Beispiel hochwertige McPherson-Federbeine mit großzügig dimensionierten Kolben und innovativer Druckstufendämpfung zum Einsatz, aufwendig abgestimmte Federbeinlager optimieren Rollkomfort und Anfederverhalten. Zusammen mit einem vergleichsweise steif angebundenen Stabilisator ermöglicht der ID. Polo so bemerkenswert guten Komfort und präzise Handlingeigenschaften.

Auch die neue Verbundlenker-Hinterachse leistet einen positiven Beitrag: Verklebte Gummiunterlagen der Schraubenfedern verbessern Komfort und Akustik, ein passiver Schwingungstilger schluckt niederfrequente Abrollgeräusche im Innenraum spürbar. Schräggestellte Achsführungslager mit innovativer Zwei-Komponententechnik reduzieren ebenfalls Geräusche und Vibrationen, sorgen aber auch für eine verbesserte Achsführung und damit für ein sicheres Fahrverhalten.

Der Mehrwert ist spürbar, bereits auf den ersten Metern strahlt der ID. Polo eine vertrauenerweckende Solidität aus. Er federt trockene Fahrbahnstöße gelassen weg, rollt gut komponiert über Kopfsteinpflaster und macht selbst engagierte Fahrweise auf Rumpel-Strecken möglich, wo sich nicht wenige Wettbewerber bereits klappernd und bockend in alle Einzelteile aufzulösen scheinen. Lange Bodenwellen? Kein Problem, der ID. Polo bleibt auch hier in souveräner Kontrolle. Dass man in einem Kleinwagen der Viermeter-Klasse sitzt, ist kaum zu glauben.

Vernunftsauto mit Fahrfreude-Momenten

Auch, weil im ID. Polo herrlich vergnügte Fahrfreude-Momente möglich sind: Sein Handling ist engagiert und leichtfüßig, ohne durch aufgejazzte Hektik oder Nervosität zu nerven. Seine „One-Box“-Bremse sorgt für strenge Verzögerungsleistungen bei zugleich staubtrocken-humorloser Dosierbarkeit – kaum zu glauben, dass große Brems-Anteile durch die Rekuperation der E-Maschine erledigt werden. Bis hinaus in den Grenzbereich ist der kleine VW immer gut zu kontrollieren, reagiert selbst gestresst noch transparent und willig auf Lenkbefehle. Die Lenkung ist flüssig und spontan abgestimmt, künstliche Effekt-Schärfe ist ihr fremd: sicher um die Mittellage, nachvollziehbar und wach beim Einlenken. Der Polo hat Hummeln im Hintern!

Der VW ID. Polo fahrend in einer Linkskurve, aufgenommen im Profil von links aus dem Kurveninneren.
Foto: Hardy Mutschler

Genau das interessiert Sie aber überhaupt nicht? Sie wedeln nie durch Slalomgassen, und einen inneren Walter Röhrl haben Sie ebenfalls nicht? Sie sehen den Handling-Bedarf der meisten Fahrertypen daher auch durch die Passt-schon-Fahrwerksabstimmungen des momentanen Mainstreams der Preiswert-Klasse abgedeckt? Dann kennen Sie aber vielleicht die Situation, in der sie neben einem immer breiter werdenden Vierzigtonner in die Fahrbahnverschwenkung einer Autobahnbaustelle rollen und schwitzend unter ständigen Mini-Lenkkorrekturen durch die Baustelle schlingern. So fühlt es sich an, wenn ein Autohersteller zwar in ein großes Tatsch-Display samt „Angry Birds“-Gaming-App investiert, aber das Fahrwerk nicht zu Ende entwickelt hat … Der VW ID. Polo zeigt in solchen Situationen, wie es geht, bleibt gelassen, entspannt und sicher. Gut gemacht, VW!

Übrigens: Dass man mit einer recht simplen Verbundlenkerhinterachse so ausgezeichnete Fahr- und Komforteigenschaften realisieren kann, lässt aufwendigere (und teurere) Adaptiv-Fahrwerke beinahe überflüssig dastehen. Mehr Sportlichkeit dürfte in der Praxis zu reiner Gefühligkeit verkommen, ohne echte Vorteile zu bringen. Und selbst (etwas praxisrelevantere) Komfort-Zuwächse dürften angesichts der soliden Fahreigenschaften des Polo eher Kür denn echtes Must-have sein.

Sympathischer Allrounder mit ausgeprägtem Vielseitigkeitsanspruch

Volkswagen tritt mit dem neuen ID. Polo aber noch einen weiteren Beweis an: Auch für einen Kleinwagen ist ein klug konfigurierter Elektroantrieb die Zukunft. Im Vergleich zum schütteren Phlegma eines immer nach fleißigem Schalten verlangenden Verbrenners mit kleinem Hubraum wirkt der Elektroantrieb um ein Vielfaches erwachsener. Gerade der APP290-Antrieb sorgt dafür, dass man den VW ID. Polo eher wie ein ausgewachsenes Premium-Allroundfahrzeug zum bezahlbaren Preis wahrnimmt, nicht über seine Größe.

Unsere Testfahrt beginnt mitten in Wien: Der unmittelbar verzögerungsfreie Antritt der E-Maschine macht beim Ampelstart direkt die ersten Meter, mit denen man seiner Ortsunkenntnis die entscheidende Luft zum Orientieren verschaffen kann, bevor die anbrandende Welle der Locals von allen Seiten kommt.

„Herrlich vergnügte Fahrfreude-Momente: Die Lenkung ist flüssig und spontan abgestimmt, künstliche Effekt-Schärfe ist ihr fremd.“
Johannes Riegsinger

Falsche Spur vorm Abbiegen? Einfach kurz aufs Gaspedal drücken, und schon hechtet der ID. Polo in die passende Verkehrslücke. Ganz ohne Drama, Schalten, Drehen, Schwitzen. Wenn du das einmal gehabt hast, willst du es nie wieder anders. Unser Spitzen-Polo soll in der Stadt fast 600 km weit kommen, das dürfte sich auf die eine oder andere Woche Alltagsfahrten ohne Laden umlegen lassen. Mit dem kleinen Akku sollen innerstädtisch rund 460 km drin sein, selbst das ist absolut Laternenparker-kompatibel. Eine Tankstelle hat man ja schließlich auch nicht Zuhause, und den ab und zu notwendigen Ladevorgang erledigt man eben beim Einkaufen.

Stabiles und zügiges Laden, erfreulich geringer Verbrauch

Aber zurück zu unserer Testfahrt, die soll ja zeigen, ob der neue VW ID. Polo in der Praxis dann doch nur ein Kleinwagen für die Stadt ist oder auch deutlich mehr kann. Also raus auf die Autobahn in Richtung Flughafen, erst hinter dem Abzweig nach Bratislava drehen wir südwärts ab, Kurs Neusiedler See. Im Hauen und Stechen der vielspurigen Ausfallstraßen, dem stetigen Wechsel der Tempolimits, dem Tohuwabohu des Navigierens in unbekannter Umgebung bist du dann doch ziemlich froh, dass VW dem neuen ID. Polo den ganzen Satz an (eh vorgeschriebenen) und empfehlenswerten Assistenz-Systemen mitgegeben hat. Hinter den Kulissen läuft hier die Entwicklung stetig weiter, dem ID. Polo ist das deutlich anzumerken: Er gehört zu einer Fahrzeuggeneration, in der man nicht ständig von Warnungen und unwillkürlichen Lenk- oder Bremseingriffen geplagt sofort nach dem Ausschalten-Knopf sucht, sondern das Regeln, Warnen und Nachhelfen tatsächlich als Assistenz empfindet. Merken, dass man nichts merkt.

Nun geht es auf Landstraßen vorbei am Neusiedler See bis zur Grenze nach Ungarn: Während aus der Pannonischen Tiefebene trockene Hitze herüberweht, fahren wir zwischen Weinreben und Maisfeldern unsere Komfort-Wertung ein. Und philosophieren dabei über Ausstattungs-Moden, auf die man eigentlich auch verzichten könnte. Das 830 Euro teure Glas-Panoramadach vielleicht, von dem man auf dem Fahrersitz außer einem warmen Skalp kaum etwas mitbekommt? Das schicke Ambientelicht mit Warn- und Info-Modi?

Der VW ID. Polo fährt an Windrädern vorbei, fotografiert von der Seite rechts.
Foto: Hardy Mutschler

Bevor wir hinter Wiener Neustadt in die Kurven und Berge des Wienerwalds hineinfahren, legen wir nach rund 230 km den ersten Ladestopp ein, bei 44 Prozent SoC geht es los. Die Verbindung steht blitzschnell, dann rauscht die Ladeleistung des Polo nach oben, erreicht statt der theoretisch möglichen 105 kW sogar kurz einen Peak bei 113 kW. 24 kWh laden wir innerhalb von 18 min – von 44 auf 88 Prozent. Nicht schlecht für einen Kleinwagen und definitiv reisetauglich.

Jetzt kann sie also losgehen, die Adrenalin-haltigere zweite Hälfte der Fahrt: rein ins Höllental, rauf zur Kalten Kuchl, rüber bis Mariazell. Und dann geradewegs nach Norden – so gerade das hier eben geht. Bei Sankt Pölten landen wir wieder an der Autobahn und haben dann auf dem Weg zurück nach Wien genug Zeit, um uns die vielen lichten Momente des neuen ID. Polo noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Feierabendverkehr, quer durch die Stadt zum Flughafen wühlen, weil der Fotograf zum nächsten Termin muss und die Autobahnen rappelvoll sind. Zurück in der Hotel-Tiefgarage schließt ein Blick auf den Bordcomputer den ersten Test ab: 14,5 kWh Verbrauchs-Schnitt trotz Attacke-Etappen in den Bergen. Sauber.

Das spricht für und gegen den VW ID. Polo

Positiv

Gutes Raumangebot, hervorragend abgestimmtes Fahrwerk und starker Charakter: Der „Retro-Skin“ für die Instrumente ist ein guter Fingerzeig – mit dem ID. Polo bringt VW fast vergessene Tugenden zurück, der Neue dürfte alten VW-Fans sofort sympathisch sein. Das Raumangebot ist ausgezeichnet, der Kofferraum eignet sich selbst für den Urlaub einer Kleinfamilie. Das Fahrwerk verbindet ausgewogenen Komfort mit flüssigem, freundlichem Handling.

Negativ

Kein Frunk fürs Ladekabel, 25.000 Euro Einstiegspreis nur für die kleine Batterie: Die konsequente Auslegung auf eine Frontmotor-Konfiguration füllt den Vorderwagen des ID. Polo satt, für einen praktischen Frunk blieb da kein Platz mehr. Dass der VW mit großem 52-kWh-Akku die magische 30.000-Euro-Grenze reißt, war zu erwarten, ist aber trotzdem schade. Puristische Vielfahrer:innen sparen dann einfach an der Optionsliste, der ID. Polo wird nie „einfach“ oder „billig“.

Fazit

Bei Volkswagen kriselt es gewaltig, da kommt der neue ID. Polo gerade recht. Mit schnörkellosem Design, hoher Wertigkeit, kompromisslos guter Funktionalität und Ergonomie knüpft er an alte VW-Tugenden an. Für viele Elektro-Auto-Skeptiker:innen könnte dieser klassenlose Kleinwagen von altem Schrot und Korn vielleicht sogar Einstiegsdroge ins mühelose und bezahlbare E-Auto-Fahren sein. Wenn in Wolfsburg so instinktsicher weitergedacht wird, muss man sich keine Sorgen um die deutsche Traditionsmarke machen – derart punktgenau auf gute Markenwerte einzahlende Autos gibt es auch anderswo nur selten. Und schon gar nicht aus China. Digitale Discount-Blender mit Wegwerfcharakter sind eben doch nicht die Zukunft des Automobils.

Technische Daten des VW ID. Polo (52 kWh)

AUTO ZEITUNG 19/2026

VW ID. Polo (52 kWh)

Technische Daten

Motor

Permanentmagnet-Synchronmaschine (PSM)

Antrieb

Konstantübersetzung; Vorderrad

Leistung

115 kW / 211 PS

Max. Drehmoment

290 Nm

Kapazität / Spannung

55,0 kWh (netto) / 400 V

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4053 / 1816 (2000)* / 1530 mm

Leergewicht / Zuladung

1576 / 444 kg

Kofferraumvolumen

441 – 1240 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

7,1 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Verbrauch auf 100 km

13,3 kWh

Reichweite

454 km

Kaufinformationen

Grundpreis

33.795 €

Marktstart

im Handel

Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel