SUV des Jahres 2020: Vergleich Die besten SUV 2020 im Vergleich

von Johannes Riegsinger 11.12.2020
Inhalt
  1. AUTO ZEITUNG sucht das SUV des Jahres 2020
  2. Hybrid-Ford Explorer ST & Revolverheld Dodge Durango SRT
  3. VW Touareg V8 TDI unauffällig & BMW X6 M hochemotional
  4. Grand Tourer Audi RS Q8  & Maserati Levante Trofeo mit Old-School-Charme
  5. Range Rover Velar SV – der Beckham unter den SUV
  6. Lamborghini Urus ist ein Drama-Wunder
  7. Präzisionsgerät Porsche Cayenne GTS
  8. Bentley Bentayga durch Facelift gereift
  9. Mercedes-AMG GLC 63 & Alfa Romeo Stelvio QV streiten um SUV-Krone

Zwölf SUV mit den Parametern "Performance", "Sport", "Luxus": Schneller, stärker und opulenter geht kaum. Wer hier das SUV des Jahres 2020 wird, klärt die Jury der AUTO ZEITUNG mit unbestechlicher Subjektivität.

 

AUTO ZEITUNG sucht das SUV des Jahres 2020

Vierhundertsiebenundfünfzig PS. Wenn das nicht die Eintrittskarte für den neuen Ford Explorer zum subjektiven und emotionalen Schaulaufen der AUTO ZEITUNG mit den "SUV des Jahres 2020" ist. Dass es ihn ausschließlich als Plug-in-Hybrid gibt, soll da nicht stören. Wir sind nämlich ziemlich angetan. Von der schieren Größe des Explorer, seiner soliden Machart, seinem Komfort. Seinem Talent zum lässigen Cruisen, seiner Ausstrahlung. Wie Testredakteur Caspar Winkelmann im Ford am vereinbarten Treffpunkt zur Ausfahrt der Jury anrollt, ist er jedenfalls breit am Grinsen. Und der Akku leer. Der Kollege wollte wohl den vollen Elektro-Zusatzschub, das ganze Drehmoment-Pfund, hat aber die Hybrid-Steuerung nicht auf Erhaltungsladungsmodus gestellt. Also muss der Explorer erst einmal an die Ladesäule, wir wollen ja nicht ins Fettnäpfchen der Plugin-Hybrid-Technologie tappen, heißt: die Batterie mit Fossilien während der Fahrt laden. Das wäre richtig blöd. Allzu lange dauert es aber nicht, bis das Batteriesymbol "Voll" zeigt, dann dürfen wir auch im Ford den Fahrmodus "Sport" einlegen – und ein Bad der gemischten Gefühle erleben. Das Hybrid-System schiebt heftig an, macht den großen Ford in Längsrichtung bestechend dynamisch, ist aber in Sachen Querdynamik im wahrsten Sinn des Wortes eine Last: Zweieinhalb Tonnen SUV mit Akku-Pack, E-Motor und Leistungselektronik machen sich beim Einlenken richtig breit, da hilft auch die prinzipiell gepflegt-flüssige Auslegung des Explorer nicht weiter. Obendrein wirkt das Hybrid-System bei fordernder Fahrt eher gehetzt und aufgescheucht als aus einem Guss. Aber hey: Für diese Art der Fortbewegung ist der Ford Explorer einfach nicht gedacht. Sein Metier ist der Alltag einer großen Familie, die Langstrecke, komfortables Unterwegssein. Und vermutlich sollte er einfach nur ganz rational betrachtet das "SUV des Jahres 2020“ werden. Mehr zum Thema: Das ist der Ford Explorer ST

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Hybrid-Ford Explorer ST & Revolverheld Dodge Durango SRT

Aber rational betrachtet – das wird hier eben rein gar nichts. Sonst dürfte der zweite Amerikaner im Testfeld überhaupt nicht dabei sein: Der Dodge Durango SRT reißt mit seinem 6,4-Liter-Hemi-V8 und druckvollen 481 PS an wie ein Berserker. Mächtiges Hinlangen im Drehzahlkeller und danach kumpelhaft-großzügiges Nachlegen, burschikose Drehfreude – der Durango SRT gefällt uns in Teilen sogar besser als die brachialen Leistungs-Koffer mit Kompressor, die der deutsche Dodge-Spezialist AEC in den Charger- und Challenger-Muscle-Cars serviert. Einfach, weil der Saugmotor feiner auflöst und trotz aller Kraft auch laufen kann. Dass die Fahrzeugbasis jedoch bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat, lässt sich der Dodge in jeder Situation anmerken: Kräftige Fahrzeugbewegungen, breitbeiniges Fahren – der Durango kommt daher wie ein Revolverheld. Und hat gerade deshalb eine Menge Fans unter den Redakteuren, rational hin oder her. Vielleicht schafft ja der VW Touareg V8 TDI den Spagat aus Moderne und saftigem Drehmoment, aus Dynamik und Alltagsfinesse? Der neue AUTO ZEITUNG-Chef Stefan Miete empfiehlt jedenfalls eine wohlwollende Inaugenscheinnahme des großen VW: "Der Touareg ist auf fabelhafte Weise unauffällig und der V8-Diesel ein Traum. Am Lambo dranbleiben kannst du zwar nicht, aber wurscht. Am Ende bist du mit dem Touareg immer als Erster am Ziel." Wir reiben uns Augen und Ohren – solche Sätze wären dem Chefredakteur der letzten Jahrzehnte und Nun-Herausgeber Volker Koerdt nur selten über die Lippen gekommen, aber natürlich hat der neue Mann im Chefbüro recht: Unter 7,5 Liter Diesel Normverbrauch auf 100 Kilometern und dabei mit 422 PS und 900 Newtonmeter zwischen Hamburg und München andrücken wie das Raumschiff Enterprise, das ist ein wahrhaft überlegenes Konzept. Und genau deshalb nimmt VW diesen Traummotor demnächst aus dem Programm … Diesel ist out. Genießen wir also die letzten Kilometer des Über-Diesels und stellen erfreut fest, dass der Touareg V8 TDI auf der Flucht vor dem Zeitgeist einen erfreulich schlanken Fuß macht: offenes, freundliches Handling, kultiviertes Vollstrecken ohne Aggression – toll. Wir sind Freunde des Touareg geworden. Aber Fans? So richtig? On fire? – Hrmnjö. Mehr zum Thema: Das ist der Dodge Durango ST

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VW Touareg V8 TDI unauffällig & BMW X6 M hochemotional

Irgendwer meint, für echte Leidenschaft müsse es eben ein hochemotionales Konzept wie das des BMW X6 M Competition sein, aber die redaktionsinterne BMW-Fankurve schweigt dazu nur betreten und macht süß-saure Gesichter. Der große Michael Godde druckst etwas von "irres Biest, aber ..." Und am Ende muss der vollgasfeste Kollege Paul Englert den Verdruss mit dem BMW X6 M stenografieren: "Zu hohes Rückstellmoment in der Lenkung. Viel Bewegung in schnellen, lang gezogenen Kurven, Freude am Fahren kommt da nicht auf. Der Motor ist zwar bärenstark, aber die Kompakten von Alfa und AMG gehen genauso gut." Und dann sind alle ganz lange ruhig. Nur Marcel Kühler schnieft leise. Der X6 M ist doch sonst so ein Prachtstück. Glamourös und gierig, druckvoll und charakterstark. Mit seinen subtil individualisierbaren M-Fahrmodi lässt er dem gefühlten Rennmechaniker in dir genug Spielmöglichkeiten für die Feinst-Abstimmung auf der Rennstrecke … An dieser Stelle macht es Johannes Riegsinger kurz und herzlos: "Auf die Rennstrecke gehst du mit so einem Trumm eh nie. Das ist in dieser Klasse alles reine Unterhaltungs-Elektronik, braucht kein Mensch. Dann doch lieber ein Auto wie den Maserati Levante Trofeo. Der klingt herrlich, geht wie das Jüngste Gericht, hat einen sämigen Old-School-Charme und ein wirklich aufgewecktes Handling." Dann lässt er den Kühler beim Levante hinter den Kühler schauen, worauf der emotional eh schon angegriffene Kollege erst richtig losschluchzt. Wenn das nicht der schönste Motor der Welt ist … Auch Volker Koerdt klinkt sich jetzt ein. Er tut sich zwar mit der "synthetischen und indirekten Lenkung" des Maserati Levante Trofeo schwer, hat aber bereits vor der Jury-Ausfahrt viele Stunden und Kilometer im Maserati verbracht und dabei sein Herz für den stets leicht unterschätzten Nobel-Italiener entdeckt. "Ein schönes, stilvolles Auto – und der Trofeo-V8-Motor ist der Hammer!" Mehr zum Thema: Das ist der BMW X6 M

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Grand Tourer Audi RS Q8  & Maserati Levante Trofeo mit Old-School-Charme

Spätestens jetzt merkt der seit Jahren auf deutsche Makellosigkeit oder US-Derbheit statt weiche Kriterien oder Italo-Feuer pochende Boss, dass er im Levante auf für ihn ungewohnt dünnes Eis geraten ist und wechselt nahtlos zum Audi RS Q8: "Ein beinahe perfektes Performance-SUV – extrem hoch angesiedelte Fahrdynamik, makellose Verarbeitung, raumgreifender Spagat zwischen entspanntem Grand Tourer und im Bedarfsfall aggressiv zündendem Fahrspaß-Gerät. Etwas emotionslos, aber das ist Gefühlssache." Zack, das sitzt. Der Routinier Koerdt liegt eindeutig richtig. Und es ist der Tester-Althase Elmar Siepen, der die Diskussion in Schwung halten möchte: "Audi RS Q8 gleich Lamborghini Urus gleich Porsche Cayenne gleich Bentley Bentayga. Ganz prinzipiell. Wer der Beste auf dieser Plattform ist, könnte jetzt endgültig und für alle Zeiten geklärt werden." "Du hast den VW Touareg vergessen", mäkelt Caspar Winkelmann, aber das kann der Siepen schnell wegbügeln: "Nö. Diesel. Passt nicht." Ende der Diskussion. Oder auch: Anfang. Denn jetzt rempelt sich Michael Godde in die Debatte: "Überall tadellose Konzernfunktionalität, leider aber auch ein wenig gleichförmig? Mein Geheimfavorit wäre ja der Dodge …" – Netter Störversuch, Kollege. Und ungültig. Findet eine grinsende Mehrheit, die dann den Audi für seine sensiblen Seiten und die edle Machart preist – umgehend aber einen zweiten Überrundungsversuch des hartnäckigen Testchefs abwehren muss, der den direkten Vergleich der VW-Konzernphalanx so gar nicht sehen kann: "Der Range Rover Velar und der neue Bentley Bentayga erfüllen jede Vorstellung, wie ein Brite fahren muss: leicht distanziert, aber dennoch verbindlich und dabei total entspannt. Lasst uns erst einmal diese beiden sortieren." Jetzt hat Godde die Kollegen. Mehr zum Thema: Das ist der Audi RS Q8

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Range Rover Velar SV – der Beckham unter den SUV

Auf einmal brechen die Dämme, wird vor allem der Range Rover hochgelobt. Gerade so, als ob man den sagenhaft eleganten Velar das erste Mal sehen und wahrnehmen würde. Was vielleicht daran liegt, dass einem der futuristisch durchgestylte Velar Minderwertigkeitskomplexe macht: So cool wie er bist du einfach nicht. Sixpack antrainieren, Tantra-Kurs absolvieren, Achtsamkeits-Seminar besuchen und "Grooming for Men"-Initiative liegen zwischen dir und dem Velar – dachtest du. Und jetzt merkst du, wie erreichbar dieses Auto für dich Durchschnittstyp sein könnte. Dass er darüber hinaus verdammt gut fährt: lebendig und flink, aufgeweckt und souverän. Mit einem hubraumstarken Kompressor-V8, der brachial marschiert und dabei herrlich dreckig klingen kann, der aber auch unfassbar sanft ein wahres Wohlfühlprogramm aus dem Ärmel schüttelt. Er ist ein entspannter Langstrecken-Tourer, ein Straßenfeger mit Offroad-Kompetenz. Was dieser Velar nicht alles kann. Unter der schicken Schale steckt ein alltagstauglicher Funktionsheld. Nur eben im Anzug. Und mit tollem Aftershave. Er ist eben der Beckham unter den SUV. Und ja: Wir alle wären gern mit ihm befreundet. Aber vermutlich hätte die ganze Zeit unsere Frau den Schlüssel vom Velar. So sieht's aus.

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Lamborghini Urus ist ein Drama-Wunder

"So lange ich den Schlüssel des Lamborghini Urus habe – kein Problem", süßholzraspelt Riegsinger jetzt mit Unschuldsmiene, der Autor scheint seinen langen Weg des Fremdelns mit der theatralischen SUV-Urgewalt aus Sant'Agata Bolognese endgültig überwunden zu haben. Vielleicht ist es auch die abenteuerliche Farbkombination des Testwagens aus knallgelbem Lack und himmelblauem Leder-Interieur, die dem Autor die Augen geöffnet hat. Und jetzt – endlich – kann er den Urus so sehen, wie er wirklich ist: ein Drama-Wunder mit zart schmelzendem Innenleben, das dem martialischen Äußeren zum Trotz herrlich geschmeidig, rund und sensibel fahren kann. Im "Strada"-Modus. Sobald der Fahrdynamik-Schalter allerdings auf "Sport" rückt oder gar weiter auf "Corsa", bricht freilich die Hölle los. Das Monster watscht dich mit Sprint-Eruptionen bis zur Besinnungslosigkeit, massiert dank knochentrockener Racing-Abstimmung jedes Splitkorn bis ins Gehirn, sprengt mit brodelnden Motorsound-Salven den Putz von allen Hauswänden – und will doch ein ganz Netter sein. Mit Platz für Kinder. Das freut den Familienmenschen Riegsinger. Heute hat er nur eines zu kritisieren: Dass es den Urus nicht mit einem diabolischen V12 gibt. Denn Motorleistung kann man nie genug haben. Riegsinger atmet tief durch, wischt sich Schaum aus den Mundwinkeln und hört auf, mit den Augen zu rollen. Die Kollegen schweigen verdattert.

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Präzisionsgerät Porsche Cayenne GTS

Dann nickt Winkelmann ergriffen: "Stimmt. Der Porsche zeigt, dass Leistungsmangel echt ein Problem sein kann. Der Cayenne GTS mit seinen 460 PS geht nicht voran, da war der Cayenne Turbo S letztes Jahr wirklich ein anderes Kaliber …" – Auf diesen Einsatz scheint Paul Englert gewartet zu haben, er spuckt den nächsten Satz nur so zwischen den Zähnen aus: "Der Cayenne GTS fährt derart sauber, präzise und genial, dass ich dir an der ersten Kurve sekundenweise die Zeit abnehme – auf der Bremse, beim Einlenken. Durch seine Stabilität und seine Fahrbarkeit. Sitzposition und Ergonomie sind in keinem anderen Auto besser, der Motor hat außerdem definitiv mehr als genug Dampf. Der GTS …" – Elmar Siepen hat fleißig mitgeschrieben und hebt nun interessiert den Kopf: "... ist also besser als der Urus. Aber auch besser als der neue Bentayga?" Englert seufzt desillusioniert, allein die Frage scheint ihm absurd. Der große Jury-Rest schaut nun aber nachdenklich auf die mächtige englische Maschine und wirkt angetan, angerührt, freundlich. Vielleicht weil alle wissen, dass es ja nicht um "den Besten" geht, sondern um Es. Um DAS "SUV des Jahres 2020" eben. Gefühlssache.

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Bentley Bentayga durch Facelift gereift

Und dieser neue Bentley Bentayga scheint plötzlich verdammt dicht dran zu sein. Er ist ein alter Bekannter, wir haben eine sentimentale Schwäche für ihn – aber so richtig vom Hocker hat er uns immer nur in seltenen Momenten gerissen – wenn diese zu seinem stillen, soliden Charakter passten, zu seiner vielleicht urbritischen Verschrobenheit, zum Verschmelzungsversuch von Porsche-Ausgefeiltheit mit Bentley-Coolness. Und jetzt steht er da, ganz neu, wirkt mit dem prägnant überarbeiteten Design sagenhaft drahtig und dynamisch, hat ein Interieur, dessen lederduftende Intimität, seidige Funktionalität und edle Haptik man schlichtweg nicht fotografieren kann – wenn es einen der VW-Konzernbrüder gibt, in dem man wegfahren und nie wiederkommen möchte, dann ist es der neue Bentley Bentayga. Und unterwegs würdest du dann auch noch feststellen, dass er sogar noch besser fährt als bisher: Dank mehr Spur an der Hinterhand ein Quäntchen präziser, leichter, dichter und duftiger – und das ist wunderschön. Genau in diesem Moment wird der Jury klar, dass dieser Austragungsmodus einer völlig subjektiven Schwarmintelligenz aus verschiedenen Gasfüßen, Meinungen, Geschmäckern und vielen Jahrzehnten Testerfahrung vermutlich ein kleiner Geniestreich ist. Oder komplette Selbstüberschätzung. Zielsicher und instinktiv haben wir nämlich zwei Autos ins Finale gelotst, die wir beide schon einmal mit unserer höchsten Auszeichnung dekoriert hatten: "SUV des Jahres". 2018 ging dieses Prädikat an den Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio – nun tritt er nach einem sanften Facelift wieder an.

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Mercedes-AMG GLC 63 & Alfa Romeo Stelvio QV streiten um SUV-Krone

2019 traf der Mercedes-AMG GLC 63 S+ uns mitten ins Herz, auch er ist zurück, nur dieses Mal als Coupé. Und sie haben eine Gemeinsamkeit, die tief in unsere rabenschwarzen Testerseelen blicken lässt: Im Zweifel geben wir kompakten, wendigen Fahrzeugen stets den Vorzug. Wie war das, Paul? – Leistungsgewicht sticht Leistung? Frivolerweise entfesseln sowohl der Alfa Romeo als auch der AMG satte Power, nur eben mit vollkommen gegensätzlichen Charakteren. Da ist das feinnervige Wesen des Biturbo-V6 im Stelvio Quadrifoglio, der mit gutturalem Knurren und zuschnappendem Punch bei Drehzahlen knapp über Standgas zuckrig dahinschnürt, dann beinahe fiebrig auf Gasbefehle reagiert, bellend und feurig und durchgedreht losstürmt. Totale Eskalation bis an den Drehzahlbegrenzer, explosives Anpacken, frenetische Energie. Und dann dieses Chassis: Wie ein Wirbelwind schneidet der Stelvio durch die Radien, auf und zu, eng und weit, verflixt und zugenäht. Die Lenkung des Alfa Romeo Stelvio ist eine Droge, ein scharfes Messer, an das man sich gewöhnen muss und dann grimmig lächelnd dünnes Papier schneidet. Mit der Faser. Es sind vor allem die Kollegen mit inhalierter Motorrad-DNA, die den Stelvio besonders feiern, weil der Alfa so dicht am reinen, puren Fahren ist. Der AMG macht alles ganz anders, völliges Kontrastprogramm. Donnernd hämmert er los, schlurft dann aber mit lässigem V8-Beat durch den Auto-Alltag, ist freundlich und umgänglich, schlenzt mit überlegener Kraft dahin. Erst wenn man ihn fordert, steigen dunkle Götter auf die Erde und läuten apokalyptische Glocken. Brutale Power dreht jetzt die Felgen in den Reifen, drischt diesen Schlegel erbarmungslos voran und lässt die Welt zu klein werden. Der AMG GLC fühlt sich an wie ein DTM-Renner auf Stelzen und mit Straßenzulassung, ganz trocken und humorlos, auf den Punkt analytisch und herrlich gewalttätig. Wer wird es also werden, das "SUV des Jahres 2020"? Ein Tester nach dem anderen notiert seine ganz eigene Reihenfolge, dann steht das Ergebnis fest: Ein rundes Facelift hat den Stelvio reifen lassen, seine unnachahmliche Leichtigkeit und spielerische Emotion ist für das Team der AUTO ZEITUNG das ideale Gegengift in einem sonst so bleiernen Jahr. Wieder einmal nimmt Alfa Romeo den Titel mit nach Hause: "SUV des Jahres". Mehr zum Thema: Das ist das Mercedes-AMG GLC 63 Coupé Facelift

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Alfa Romeo Stelvio QV Facelift (2020): Preis & 0-100 Alfa hält den Stelvio QV fit

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