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Geht auch ganz einfach:

Alfa Stelvio QV vs. AMG GLC 63 S: Power-SUV im Test-Duell

V6-Alfa trifft auf AMG-Hybrid

Martin Urbanke Geschäftsführender Redakteur Test & Reifen
Inhalt
  1. Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 & Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance im Vergleichstest
  2. Motor/Getriebe: Mercede-AMG GLC 63 S E Performance trumpft mit Hybrid-Power auf
  3. Fahrdynamik: Der Leichtere wirkt schwerfälliger
  4. Fahrkomfort: Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio-Sitze fallen ab
  5. Karosserie: Mercedes mit besserer Assistenz, Alfa mit mehr Laderaum
  6. Kosten/Umwelt: Alfa Romeo Stelvio QV Q4 deutlich günstiger
  7. Technische Daten & Messwerte von Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 & Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance
  8. Ergebnis in Punkten 
  9. Fazit

Sowohl der heißblütige Alfa Romeo Stelvio QV als auch der kraftstrotzende Mercedes-AMG GLC 63 S sind von uns schon zum SUV des Jahres gekürt worden – im Vergleichstest treffen beide in neuer Bestform aufeinander.

 

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 & Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance im Vergleichstest

Seit Herbst 2023 bietet Stellantis den bulligen Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4, oder auch QV für "Quadrifolglio Verde", mit überarbeitetem Biturbo-V6 und nun 520 PS (382 kW) Leistung an. Außerdem hat das italienische Power-SUV dezente optische Retuschen sowie einige Technik-Upgrades erfahren. Der aktuelle Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance ist dagegen ein komplett neues Auto, bei dem der harzige V8 des Vorgängers einem noch stärkeren Plug-in-Hybrid-Antrieb mit satten 680 PS (500 kW) gewichen ist. Allerdings trägt der Boller-Benz jetzt nur noch vier Zylinder unter der Haube. Genügt das, um die Herzen der Fans zu gewinnen und den Vergleichstest der beiden Sport-SUV für sich zu entscheiden? Probieren wirs aus!
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Leslie & Cars fährt das Mercedes GLC Coupé (2023) im Video:

 
 

Motor/Getriebe: Mercede-AMG GLC 63 S E Performance trumpft mit Hybrid-Power auf

Die zehn zusätzlichen Pferdchen des Alfa Romeo Stelvio QV fallen bei der immensen Gesamtleistung ehrlicherweise kaum ins Gewicht. Dennoch legt er sich im Vergleichstest bei höherem Tempo noch stärker ins Zeug als der Vorgänger, während der Standardspurt von null auf 100 km/h mit 3,9 s nahezu identisch ausfällt (alt: 3,8 s). Auch Klang und Charakter des V6-Biturbo zeigen sich unverändert: In den zahmen Fahrmodi (a und n) klingt der Sechszylinder im Teillastbetrieb etwas gewöhnungsbedürftig, bevor erab etwa 4000 Touren und unter Volllast jenes helle Crescendo entfesselt, das Alfisti zu höchster Glückseligkeit verhilft. Der satte Schub von 600 Nm sorgt zudem dafür, dass der Stelvio stets druckvoll anschiebt und das Leergewicht von knapp zwei Tonnen bestmöglich ausgleicht. In Sachen Laufruhe ist der V6 sicherlich nicht das Maß der Dinge, doch seine Manieren sind geschliffen genug, dass man auch längere Touren genussvoll abspult.

Und der Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance? Der muss sich, statt aus dem vollen Volumen seines früheren bärenstarken V8 zu schöpfen, auf die Potenz eines wenig repräsentablen 2,0-l-Vierzylinders verlassen. Das erschüttert die Fans der Affalterbacher Kraftmaschinen natürlich bis ins Mark. Doch bevor sich nun die gusseisernen Petrolheads mit Grausen abwenden, werfen wir rasch einen Blick auf die komplexe Antriebstechnik: Denn dank elektrisch unterstütztem Turbolader und einem 150 kW (204 PS) starken E-Motor an der Hinterachse wirft der Plug-in-Hybrid beeindruckende 680 PS (500 kW) in die Waagschale und übertrumpft den V8-Vorgänger damit um 170 PS (125 kW). Außerdem addieren sich die Kräfte beider Motoren auf konkurrenzlose 1020 Nm. Der ach so bullige V8 brachte es dagegen "lediglich" auf 700 Nm – dies nur zur Einordnung.

Motor des Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4
Foto: Zbigniew Mazar

Auf der anderen Seite wiegt der Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance gut 250 kg mehr, weshalb der Sprint von null auf 100 km/h im Vergleichstest mit 3,5 s nur um drei Zehntel schneller abläuft als zuvor. Bis 150 km/h nimmt der Schwabe dem Italiener eine halbe Sekunde ab, doch bei Tempo 200 liegt dann wieder der Alfa mit einer halben Sekunde vorn. Überdies rennt der Alfa Romeo Stelvio QV mit 285 km/h noch schneller als der AMG GLC, der bei 275 km/h die Segel streicht. Dafür fährt der Daimler auch rein elektrisch (bis 140 km/h), er kommt so im Vergleichstest aber bloß zehn Kilometer weit. Der kleine Akku des AMG ist eher darauf ausgelegt, im Handumdrehen seine Energie abzugeben und unterwegs möglichst rasch wieder zu laden, sodass selbst bei hemmungslosem Leistungseinsatz auf der Rundstrecke dem E-Motor nie der Saft ausgeht. Im Alltag gefällt der Antrieb mit ruhigem Lauf und stets verfügbarem E-Boost. Wer allerdings auf einen signifikanten Verbrauchsvorteil hofft, wird enttäuscht.

 

Fahrdynamik: Der Leichtere wirkt schwerfälliger

Statt mit Effizienz überzeugt der Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance mit Vehemenz – nicht nur im Antritt. Auch auf kurviger Straße oder gar der Rundstrecke setzt sich der AMG im Vergleichstest eindrucksvoll in Szene. Dank Allradlenkung, aktivem Wankausgleich und einem phänomenalen mechanischen Grip wetzt der Mercedes um die Ecken wie ein Sportwagen: präzise, neutral, traktionsstark und mit ausgesprochen spontanen Reaktionen auf Lenkbefehle. Wer will, kann zudem das ESP abschalten und nach Herzenslust quer treiben. Die standfeste Carbon-Keramik-Bremse punktet mit guter Dosierbarkeit und knackigem Ansprechen.

Detailaufnahme des linken Vorderrades des Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance
Foto: Zbigniew Mazar

Der Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 wirkt im direkten Vergleich trotz des 400 kg geringeren Gewichts weniger leichtfüßig und agil. Am Limit neigt er sich spürbar zur Seite und taucht beim Bremsen sowie Beschleunigen deutlich ein. Insgesamt gibt er sich überraschend kopflastig und besonders in engen Kehren sperriger als der deutsche Rivale. Das liegt sicher auch am Q4-Allradsystem, dss nur 2,5 Prozent Schlupfunterschied zwischen Vorder- und Hinterachse toleriert. Der Mercedes regelt seine Momentenverteilung flexibler und gestattet so mehr Überschuss am Heck. Die Traktion selbst ist aber in beiden Fällen sehr gut.

 

Fahrkomfort: Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio-Sitze fallen ab

Die Performance des Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance ist umso beachtlicher, da er dennoch nur geringe Einbußen im Komfort verlangt. Sein Vierzylinder brüllt und faucht bei Vollgas im Sport-, Sport+ - oder Race-Modus so gut er kann, um über den Verlust des V8 hinwegzutrösten. Im Alltag aber schmeichelt er mit leisem Arbeitsgeräusch, wo der V6 des Alfa Romeo Stelvio QV irritierend tackert, schnurrt und tuckert. Nur im Leerlauf tönt der 63er nun etwas brummig. Auch wenn beide Autos laut der Vergleichstest-Messung nahezu gleich laut sind, klingt der Mercedes auf Dauer einfach dezenter.

Ähnliches gilt für die Abstimmung der Fahrwerke: Für sich genommen bietet der schöne Romeo einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Abrollkomfort. Doch neben dem Benz mit adaptivem Luftfederfahrwerk wirkt er unruhig und zuweilen bockig, wo der Mercedes sanft gleitet. Dessen Achillesferse bilden Querfugen, die er bei voller Beladung knochentrocken weitermeldet. Ansonsten filtert der AMG jedoch das Gros störender Impulse souverän heraus.

Ausblick Alfa Romeo Stelvio (2024)
Alfa Romeo Stelvio (2025) Brandneue Plattform

Und dann sind da noch die Sitze, die hier wie dort mit ausgeprägter Kontur und gutem Seitenhalt glänzen. Aber auch wenn die Polster im GLC martialisch aussehen, erweisen sie sich im Vergleichstest selbst nach mehreren Stunden als sehr bequem, wohingegen die Polster der Alfa-Sportsitze auf Dauer etwas zu weich sind und man zudem irgendwie zu hoch im Auto sitzt.

 

Karosserie: Mercedes mit besserer Assistenz, Alfa mit mehr Laderaum

Infolge dessen sitzt man im Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 dichter unterm Dach, worunter das Raumgefühl leidet. Im Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance engen die wuchtige Mittelkonsole und die dickeren Türtafeln den Platz ein. Außerdem erschweren der hohe Schweller und die stabile Wange des Performance-Sitzes den Zustieg in den AMG. Im Fond dagegen bietet der Affalterbacher mehr Freiraum, ärgert aber auch hier mit der recht hohen Türschwelle. Übersichtlichkeit und Bedienung des Deutschen sind klar besser als beim etwas angejahrten und rundlich gestylten Italiener.

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4/Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance; dynamisch von der linken Seite
Foto: Zbigniew Mazar

Wer moderne Assistenzsysteme eher lästig als hilfreich einschätzt, freut sich im Alfa darüber, dass sich etwa der Spurhalteassistent dauerhaft abschalten lässt, wohingegen Tempoalarm und Spurhaltung im Daimler – wie neuerdings verpflichtend gefordert – bei jedem Start neu deaktiviert werden müssen, um ihr penetrantes Eingreifen und Piepsen zu unterbinden. Im teilautonomen Fahrbetrieb indes funktionieren sie im Vergleichstest um Welten besser als die Pendants im Alfa, dessen Elektronikkomponenten entschieden mehr Jahre auf dem Buckel haben. Entsprechend erdrückend ist die Überlegenheit des Mercedes bei den Sicherheitsfeatures.

Der unter dem Kofferraumboden montierte E-Motor sowie der Hochvolt-Akku schränken allerdings den verfügbaren Stauraum im GLC ein, dessen Kofferraumvolumen auf 410 l schrumpft. In der aufrechten Cargo-Position der Rückbank passen immerhin 470 l ins Heck, mit umgeklappten Sitzen sind es 1530 l. Der Alfa verstaut 525 bis 1600 l – kann aber nicht mit Anhängerkupplung ausgerüstet werden.

Vergleichstest So testet die AUTO ZEITUNG
So testet die AUTO ZEITUNG 5000 Punkte in fünf Kapiteln

 

Kosten/Umwelt: Alfa Romeo Stelvio QV Q4 deutlich günstiger

Die nicht verfügbare Anhängerkupplung macht die Optionsliste des Alfa Romeo Stelvio QV noch kürzer. Es gibt auf Wunsch größere Räder, eine stärkere Bremse, einen Sportauspuff, Rennsportsitze und Metallic-Lacke. Auch wenn die Aufpreise teils happig ausfallen, ist der Italiener erheblich günstiger als der Mercedes-AMG GLC 63 S, der allein beim Grundpreis über 20.000 Euro teurer angeboten wird. Des Weiteren summieren sich die für den Vergleichstest relevanten Optionen auf mehr als 17.000 Euro – ein kostspieliger Spaß.

 

Technische Daten & Messwerte von Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4 & Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance

AUTO ZEITUNG 11/2024Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance
Technik
MotorV6-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, Partikelfilter; 2891 cm³4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo (elektrisch), Startergenerator; 1991 cm³
Antrieb8-Stufen-Automatik; Allrad9-Stufen-Automatik (hinten: 2-Gang); Allrad
Systemleistung382 kW/520 PS, 6500 /min500 kW/680 PS
Leistung Verbrenner/E-Motor350 kW (476 PS), 6750 /min/150 kW (204 PS)
Systemdrehmoment600 Nm, 2500 /min1020 Nm
Drehmoment Verbrenner/E-Motor545 Nm, 5250-5500 /min/320 Nm
Spannung; Kapazität brutto/netto400 V; 6,1/4,84 kWh
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)4701/1995 (2163)*/1689 mm4749/1920 (2076)*/1635 mm
Leergewicht (Werk/Test)1850/1929 kg2235/2327 kg
Kofferraumvolumen525-1600 l470-1530 l
Fahrleistungen
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)3,9 s3,5 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)285 km/h275 (elektrisch: 140) km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,4/35,3 m34,6/34,1 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)12,4/11,8 l SP11,9 l SP+2,4 kWh/7,5 l SP+17,0 kWh
Elektrische Reichweite (Test/WLTP)10/12 km
Preise
Grundpreis101.500 €121.856 €
Testwagenpreis101.500 €139.160 €
*Breite mit Außenspiegel  
 

Ergebnis in Punkten 

Gesamtbewertung (max. Punkte)Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Q4Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance
Karosserie (1000)668718
Fahrkomfort (1000)679727
Motor/Getriebe (1000)649650
Fahrdynamik (1000)736800
Eigenschaftswertung (4000)27322895
Kosten/Umwelt (1000)186170
Gesamtwertung (5000)29183065
Platzierung21

 
Martin Urbanke Martin Urbanke
Unser Fazit

Auch wenn eingefleischte AMG-Fans dem V8 sicher nachtrauern, schlägt sich der Mercedes-AMG 63 S E Performance in diesem Vergleichstest mit Bravour. Er kann alles besser als der Alfa, liefert eine enorme Power, zeigt ein sportliches Handling und überzeugt sogar im Komfort. Allerdings ist er enorm teuer und seine EV-Reichweite ein Scherz. Mit 101.500 Euro entpuppt sich der Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio Verde Q4 da schon fast als Angebot. Er begeistert mit klassischen Tugenden und schnürt ein betörendes Paket aus Stil und Leistung, untermalt von einem unnachahmlich feurigen V6-Sound.

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