Verpflichtende Assistenzsysteme: Neuwagen (EU/2022) Unfallforschung fordert Alkohol-Wegfahrsperre für alle Neufahrzeuge

von Christina Finke 28.01.2020
Inhalt
  1. Unfallforschung fordert Alkohol-Wegfahrsperre für alle Neufahrzeuge
  2. EU-Neuwagen: Vorrichtung für den Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre ab 2022 Pflicht
  3. Verpflichtende Assistenzsysteme: Vertrauen und Akzeptanz verbessern

Die EU-Staaten haben endgültig für verpflichtende Assistenzsysteme gestimmt: Ab 2022 müssen in der EU alle Neuwagen unter anderem mit Notbrems- und Spurhalteassistenten ausgestattet sein. Außerdem wird eine Vorrichtung zum Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre verpflichtend – Unfallforschern geht das allerdings nicht weit genug!

Noch vor Beginn des Verkehrsgerichtstags in Goslar (29. bis 31. Januar 2020) hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ihre Forderung nach dem grundsätzlichen Einbau einer Alkohol-Wegfahrsperre als Teil der verpflichtenden Assistenzsysteme für Neufahrzeuge erneuert. Die EU-Staaten hatten im November 2019 bereits beschlossen, dass ab dem Jahr 2022 in Neuwagen eine Vorrichtung für den Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre eingebaut werden muss. "Die Fahrzeuge sollten verbindlich jedoch nicht nur eine solche Schnittstelle, sondern auch eine Alkohol-Wegfahrsperre bekommen", fordert nun UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Autofahrer müssten dann vor dem Losfahren zur Kontrolle in ein Röhrchen pusten. "Dies würde schrittweise dazu führen, dass es kaum noch alkoholbedingte Unfälle gibt", so Brockmann weiter. Bereits 2019 hatte sich der Verkehrsgerichtstag mit dem Thema Wegfahrsperren für Alkohol-Sünder befasst. Damals plädierte das Gremium dafür, dass Ersttätern mit Alkoholwerten unter 1,6 Promille die Möglichkeit gegeben werden solle, durch den Einbau einer Alkohol-Wegfahrsperre in ihr Fahrzeug ein Fahrverbot verkürzen oder die vollständige Entziehung der Fahrerlaubnis zu vermeiden. In Deutschland müssten dafür aber Gesetze geändert werden, sagte Brockmann. Es sei aber nicht ersichtlich, dass daran gearbeitet werde. Einfacher wäre es, eine entsprechende EU-Richtlinie zu erweitern. Mehr zum Thema: Abbiege-Assistenten zur Nachrüstung für Lkw

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Unfallforschung fordert Alkohol-Wegfahrsperre für alle Neufahrzeuge

Hintergrund des Vorstoßes ist, dass neue Autos in Europa ab 2022 verpflichtend mit einer Reihe elektronischer Assistenzsysteme wie etwa einer Vorrichtung für den Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre ausgestattet werden müssen. Das haben die EU-Staaten Anfang November 2019 endgültig beschlossen, die politische Entscheidung zwischen Unterhändlern des EU-Parlaments und der EU-Staaten war bereits im Frühjahr 2019 gefallen. Die Alkohol-Interlock-Systeme sollen künftig dafür sorgen, dass neue Autos nicht mehr anspringen, wenn der Fahrer betrunken ist. Darüber hinaus müssen alle neu verkauften Kraftfahrzeuge nach den neuen Vorschriften ab 2022 weitere neue Sicherheitsfeatures haben. Dazu gehören Warnsysteme, die fehlende Aufmerksamkeit und Müdigkeit erkennen. Außerdem soll es einen Unfalldatenspeicher geben, ähnlich einer Blackbox bei Flugzeugen. Autos und Lieferwagen müssen zusätzlich Notbrems- und Spurhalteassistenzsysteme an Bord haben. Außerdem soll mit "erweiterten Kopfaufprallschutzbereichen" die Gesundheit und das Leben von Fußgängern und Radfahrern besser geschützt werden. 

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EU-Neuwagen: Vorrichtung für den Anschluss einer Alkohol-Wegfahrsperre ab 2022 Pflicht

Das Europaparlament hatte bereits Mitte April 2019 Pläne zur Einführung einer automatischen Tempobeschränkung für Neuwagen ab 2022 gebilligt. Die Intelligent Speed Adaption sollte demnach Autofahrer zukünftig daran hindern, Geschwindigkeiten zu überschreiten. Die Elektronik des Fahrzeugs sollte dabei anhand von digitalen Straßenkarten oder einer Verkehrszeichenerkennung Tempolimits sowie eventuelle Geschwindigkeitsüberschreitungen erkennen und den Fahrer mit Hilfe von akustischen und visuellen Warnhinweisen darauf aufmerksam machen. Fährt der Wagen trotzdem über einen längeren Zeitraum schneller als erlaubt, könnte das System die Geschwindigkeit reduzieren, indem es die Motorleistung drosselt. Für Überholvorgänge sollten Fahrer dennoch noch kurzfristig beschleunigen können, außerdem ließe sich das System bei allen Fahrzeugen übersteuern. Angst vor einer Zwangsbremsung durch die automatische Tempobeschränkung müssten Autofahrer folglich nicht haben.

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Verpflichtende Assistenzsysteme: Vertrauen und Akzeptanz verbessern

Der EU-Komission zufolge kamen 2017 rund 25.300 Menschen auf Europas Straßen ums Leben, 90 Prozent aller Unfälle führt sie auf menschliches Versagen zurück. Daher geht die Behörde davon aus, dass mithilfe der vorgeschlagenen Maßnahmen auf europäischen Straßen im Zeitraum bis 2038 25.000 Menschenleben gerettet werden und mindestens 140.000 schwere Verletzungen vermieden werden können. Die geplante Pflicht für elektronische Kontrollsysteme wie die automatische Tempobeschränkung sollen Autofahrern außerdem dabei helfen, sich allmählich an die neuen Fahrerasisstenzsysteme zu gewöhnen und das Vertrauen sowie die Akzeptanz automatisierter Fahrzeuge verbessern, um so den Weg in eine fahrerlose Zukunft zu ebnen. Die Pflicht soll in Europa ab dem Jahr 2022 für neu entworfene Fahrzeugtypen gelten. Ab 2024 sollen dann sämtliche Neuwagen mit den Sicherheitsausstattungen wie der automatischen Tempobeschränkung ausgestattet sein. Zur finalen Umsetzung der verpflichtenden Hightech-Hilfen fehlt nur noch die Zustimmung des EU-Minsterrats.

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