PSA: Fusion mit Fiat Chrysler (FCA) Giganten-Fusion PSA und FCA

von Markus Bach 04.12.2019

Mit der Fusion von Opel-Mutterkonzern PSA und Fiat Chrysler (FCA) entsteht der viertgrößte Autobauer der Welt. Warum beide Konzerne die Fusion brauchen!

Beide Fusionspartner – PSA und FCA – kennen den Blick in den Abgrund: PSA mit seinen Kernmarken Peugeot und Citroën war 2014 am Ende und konnte nur durch Investitionen des französischen Staats und des chinesischen Autoherstellers Dongfeng gerettet werden. Dann jedoch sanierte der neue Konzernchef Carlos Tavares den Konzern im Eiltempo: Er reduzierte Kosten, schloss Werke, investierte in neue Plattformen und Fahrzeuge. Mit der Konzentration auf renditestarke Modelle formte er PSA zu einem der profitabelsten Volumenhersteller. Drei Jahre später konnte Tavares bereits Opel übernehmen und sanieren. Fiat stand 2004 am finanziellen Abgrund, Chrysler musste 2009 Insolvenz anmelden. Daraufhin schloss Fiat-Chef Sergio Marchionne beide Krisenfirmen zu einem Konzern zusammen. Geschickt nutzte er die vorhandenen Plattformen und Motoren für neue Modelle. Bis zu seinem Tod 2018 gelang es ihm auf diese Weise, Fiat Chrysler (FCA) zu sanieren und wieder Gewinne zu erwirtschaften. Doch FCA lebt von der Substanz, Investitionen in Technik und Plattformen unterblieben. Dabei steht die Autoindustrie vor riesigen Herausforderungen: Der Umstieg zur Elektromobilität, Konnektivität sowie das Autonome Fahren verursachen enorme Entwicklungskosten. Dazu kommen ehrgeizige Abgasziele, die – besonders in der EU – mit hohen Strafzahlungen im Milliardenbereich einhergehen. Um diese Herausforderungen zu meistern, schließen sich PSA und FCA zu einer Fusion zusammen.
Mehr zum Thema: Carlos Tavares im Interview

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Die Geschichte von PSA im Video:

 
 

Fusion zwischen PSA und FCA

In der Fusion sollen PSA und FCA je 50 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen erhalten. Damit entsteht der nach VW, Renault-Nissan und Toyota viertgrößte Autobauer mit einem jährlichen Absatzvolumen von über 8,7 Millionen Fahrzeugen. Der Umsatz des neuen Giganten mit insgesamt 14 Marken würde bei 170 Milliarden Euro liegen, der Gewinn bei mehr als elf Milliarden Euro im Jahr. PSA-Chef Carlos Tavares soll den Konzern als Vorstandsvorsitzender leiten. Durch die Zusammenarbeit bei Plattformen, Motoren und Technologien erwarten beide Partner jährliche Einsparungen von 3,7 Milliarden Euro. Die Zusammenlegung der beiden Konzerne soll ohne Werksschließungen auskommen. Allerdings rechnen die Verantwortlichen damit, dass 80 Prozent der Synergien erst vier Jahre nach dem Zusammenschluss wirksam werden. Die einmaligen Kosten für die Fusion beziffern PSA und FCA mit 2,8 Milliarden Euro. Beide Konzerne ergänzen sich markentechnisch gut, es gibt kaum direkten Wettbewerb. Selbst Fiat ist mit der Konzentration auf die 500er-Familie und Billigautos für den Mittelmeerraum und Südamerika kein Konkurrent zu den PSA-Volumenmarken Peugeot, Citroën und Opel. Im Gegenteil: FCA bringt in den neuen Konzern hochspezialisierte Marken ein, die PSA fehlen, etwa RAM für Pick-ups oder Jeep für Geländewagen und SUV. Und die FCA-Premiummarken Alfa Romeo sowie Maserati sind vom Image her international meilenweit von der sich erst im Aufbau befindenden PSA-Marke DS entfernt. FCA gewinnt durch die Fusion Zugang zu neuen Plattformen und Motoren sowie zur Elektromobilität. Damit ließe sich auch das Emissionsproblem der US-Italiener angehen, das durch die erfolgreich laufenden Jeep-SUV und RAM-Pick-ups entstanden ist. Mehr zum Thema: Opel-Chef Michael Lohscheller im Interview

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PSA-Strategie: Wachstum durch Einstieg auf US-Markt?

Für PSA dürfte dagegen der gewonnene Zugang zum US-amerikanischen Markt über das Chrysler-Vertriebsnetz entscheidend sein. Aus heutiger Sicht ist die Fusion für beide Konzerne gewinnbringend, für FCA sogar überlebenswichtig. Alle Probleme werden damit jedoch nicht gelöst: So zeigt sich der neue Gigant ausgerechnet in China, dem größten Automarkt der Welt, in schlechter Verfassung: Während PSA mit Citroën in der Volksrepublik stagniert, ist FCA mit Ausnahme von Jeep auf dem Markt überhaupt nicht präsent.

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