Nürburgring Touristenfahrt: Preis & Versicherung Runde auf dem Nürburgring? Das muss man wissen!

von Alexander Koch 07.03.2019
Inhalt
  1. Touristenfahrt über Nürburgring: Regeln
  2. Was kosten die Tickets für die Grüne Hölle?
  3. Was sind die Öffnungszeiten am Nürburgring?
  4. Wie schnell darf ich fahren?
  5. Wie laut darf mein Auto sein?
  6. Was im Not- oder Pannenfall machen?
  7. Wer haftet im Schadensfall?
  8. Was sagt die Versicherung zur Nordschleifen-Fahrt?
  9. Kann ich ein Auto für die Touristenfahrt mieten?
  10. Erfahrungsbericht: AZ-Redakteur Sven Kötter fährt zum ersten Mal über den Nürburgring

Eine Touristenfahrt über die Nürburgring-Nordschleife ist verlockend, sollte aber nicht ohne Vorbereitungen geschehen: Was ist in der Grünen Hölle zu beachten, welche Regeln gibt es und wie steht die Versicherung dazu? Außerdem nennen wir Preise und Öffnungszeiten!

Einmal die Strecke des 24h-Rennens abfahren, sich wie ein Rennfahrer fühlen und über die Nürburgring-Nordschleife brettern – die meisten werden wohl wissen, dass es dank der Touristenfahrten tatsächlich möglich ist. Allerdings wird die Grüne Hölle gerade in den Sommermonaten stark befahren, dementsprechend hoch ist natürlich auch das Risiko für einen Unfall. Überhaupt sollten sich Nordschleifen-Bezwinger der Risiken wie auch der Pflichten bewusst sein, die sie mit einer Touristenfahrt über die malerisch in der Eifel gelegenen Rennstrecke eingehen. Wir nennen die Basis-Informationen zu den Touristenfahrten über die Nürburgring-Nordschleife. Etwa, wann die Rennstrecke geöffnet hat, mit welchen Preisen zu rechnen ist und welche Regeln bei der Fahrt über die legendäre Rennstrecke gelten. Wir erklären aber auch, wie sich Hobby-Rennfahrer im Pannen- oder Notfall in der Grünen Hölle verhalten sollten und ob bei einem Unfall überhaupt noch ein Versicherungsanspruch besteht. Schließlich soll die Fahrt über die Norschleife zum Erlebnis, und nicht zum Fiasko werden!

Rekordfahrten über Nürburgring-Nordschleife (Video):

 
 

Touristenfahrt über Nürburgring: Regeln

Die Grundvoraussetzung, eine Touristenfahrt über die Nürburgring-Nordschleife absolvieren zu dürfen, ist ein Mindestalter von 18 Jahren, ein gültiger Führerschein und ein straßenzugelassenes Auto. Auch Führerschein und Kraftfahrzeugschein müssen immer mit dabei sein. Ausländische Fahrzeuge müssen zudem einen Versicherungsnachweis mit sich führen. Nicht nur der fahrbare Untersatz muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen, auf der Strecke gilt auch die StVZO. Regeln wie das Rechtsfahrgebot und links überholen finden also auch in der Grünen Hölle ihre Anwendung. Darüber hinaus weisen die Betreiber auf weitere Grundregeln hin: Auf der gesamten Strecke gilt ein absolutes Halteverbot, bestehende Geschwindigkeitsbegrenzungen sind immer einzuhalten. Die gelbe Flagge weist auf eine Gefahrenstelle hin: Dann ist strengstes Überholverbot angesagt und es gilt ein Tempolimit von 50 km/h. Sollte das eigene Auto Öl, Benzin oder andere Flüssigkeiten verlieren, muss es sofort am Streckenrand abgestellt werden. Wie sich in einem Pannen- oder Unfall zu verhalten ist, erklären wir weiter unten.

 

Was kosten die Tickets für die Grüne Hölle?

Tickets für die Touristenfahrt über die Nürburgring-Nordschleife sind vor am Ticket-Office an der Strecke oder am Infocenter (von 9 bis 18 Uhr geöffnet) erhältlich. Kostet die Runde durch die Grüne Hölle von Montag bis Donnerstag 25 Euro, steigt der Preis von Freitag bis Sonntag auf 30 Euro. Auch die Formel-1-Strecke ist für Touristenfahrten geöffnet, da kosten 15 Minuten 30 Euro. Eine Saisonkarte will mit 2200 Euro bezahlt werden. Wer nicht vor Ort ein Ticket kaufen mag, hat die Möglichkeit, online über die Green Hell Card oder über die App Green Hell Driving Guthaben aufzuladen und die entsprechenden Tarife zu buchen. Hierfür ist allerdings ein Benutzerkonto notwendig. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Eintrittskarten sind die Online-Tickets nicht übertragbar.

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Was sind die Öffnungszeiten am Nürburgring?

In der Regel hat die Nürburgring-Nordschleife von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Je nach Rahmenprogramm auf der Rennstrecke sind die Öffnungszeiten aber auch verkürzt oder die Strecke ist komplett gesperrt. Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, prüft die Öffnungszeiten im Internet auf greenhelldriving.nuerburgring.de.

 

Wie schnell darf ich fahren?

Unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung und der abschnittsweisen Geschwindigkeitsbegrenzungen erlaubt die Nürburgring-Nordschleife den Touristenm so schnell zu fahren, wie es "der Streckenabschnitt, Dein Auto, Deine Fahrerfahrung und der Verkehr zulassen". Gefahrenstellen sollten mit maximal 50 km/h passiert werden, bei als "Baustelle" gekennzeichneten Abschnitten ist die jeweils angegebene Geschwindigkeitsbeschränkung . Tipp: Generell lieber etwas langsamer fahren, die Strecke genießen und das Risiko meiden.

 

Wie laut darf mein Auto sein?

Die Nürburgring-Nordschleife ist verpflichtet, Schall-Grenzwerte einzuhalten. Daher gibt es auch bei den Touristenfahrten Lärmmessungen. Generell gilt: Bei der Nahfeldmessmethode ist ein Lärmgrenzwert von 95 dB(A) einzuhalten, bei der Vorbeifahrt dürfen nicht 130 dB(A) überschritten werden. Der Veranstalter behält sich vor, jene Autos, die diese Werte überschreiten, von Touristenfahrten auszuschließen. Auch dann, wenn die Grenzwerte im Fahrzeugschein eingetragen sind. Gleiches gilt bei defekter oder unzulässig veränderter Auspuffanlage.

 

Was im Not- oder Pannenfall machen?

Bei einem Unfall, einem Notfall oder einer Panne auf der Nürburgring-Nordschleife soll nicht weitergefahren werden, schreiben die Betreiber der Rennstrecke auf ihrer Website. Ohne sich in Gefahr zu bringen, sollten die Betroffenen selbst oder die Zeugen das Auto oder die Unfall- beziehungsweise Gefahrenstelle absichern. Handelt es sich nicht um einen Unfall, bei dem Erste Hilfe zu leisten ist, sollte man sich möglichst schnell hinter der Leitplanke in Sicherheit begeben. Unter der Notrufnummer 0800/0302 112 dem Gesprächspartner die Situation schildern und die Anzahl der Verletzten nennen. Tipp: Es empfiehlt sich, die Nummer noch vor der Fahrt durch die Grüne Hölle im Handy abzuspeichern. 

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Wer haftet im Schadensfall?

Bei Touristenfahrten über die Nürburgring-Nordschleife gilt, dass jeder Fahrer für sich selbst haftet. Wie der Betreiber weiter erklärt, sind verursachte Schäden an der Strecke sofort zu melden. Die entstandenen Kosten für die Reparatur und den Einsatz des Streckensicherungspersonals müssen vom Verursacher bezahlt werden.

 

Was sagt die Versicherung zur Nordschleifen-Fahrt?

Wer mit gutem Gewissen über die Nürburgring-Nordschleife fahren möchte, schaut vorher in seine Versicherungsunterlagen: Viele Versicherer haben nämlich eine Klausel im Vertrag, in der Versicherungsleistungen im Falle eines Unfalls auf einer Rennstrecke ausgeschlossen sind. In diesem Falle sollte man besser auf das eigene Auto verzichten und einen Rennwagen für die Runde mieten – die Erklärung dazu folgt im nächsten Absatz. Was die Versicherungsklausel für die Praxis bedeuten kann, zeigte die Klage eines Ford-Fahrers gegen seine Versicherung (Az.: 20 U 213/16): Sie hatte die Zahlung mit dem Hinweis verweigert, dass "Touristenfahrten auf offiziellen Rennstrecken" vom Versicherungsschutz ausgenommen seien. Das Argument des Ford-Fahrers, die Touristenfahrten der Nürburgring-Nordschleife werde als "mautpflichtige Einbahnstraße" und nicht als Rennstrecke bezeichnet, wiesen die Richter mit der Begründung ab, dass es sich um eine offizielle Rennstrecke handele , die dem öffentlichen Verkehr nicht zugänglich sei. Wer solch eine Klausel nicht im Vertrag hat, sich an die Straßenverkehrsordnung hält, defensiv fährt und somit keine Angriffsfläche bietet, der hat auch eine faire Chance, eventuelle Schäden bezahlt zu kriegen. Tipp: Wer ganz sicher gehen möchte, wendet sich an seine Versicherung und klärt vorab, ob ein Schadensfall auf der Nürburgring-Nordschleife gedeckt wäre.

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Kann ich ein Auto für die Touristenfahrt mieten?

Wer sein eigenes Auto auf der Nürburgring-Nordschleife nicht nutzen möchte oder es aus Versicherungsgründen nicht nutzen darf, der hat unter anderem bei diesen beiden Anbietern www.rentracecar.de oder www.rent4ring.de die Möglichkeit, sich ein für die Rennstrecke fit gemachtes Auto zu mieten. Die Preise für einen Suzuki Swift Sport etwa beginnen bei 179 Euro. Je nach Anbieter sind zwei Runden, aber nicht das Rundenticket und der Kraftstoff oder eine Runde einschließlich Ticket und Kraftstoff enthalten. Beide Anbieter haben auch stärkere Autos für entsprechend teurere Konditionen im Programm.

 

Erfahrungsbericht: AZ-Redakteur Sven Kötter fährt zum ersten Mal über den Nürburgring

Einmal selbst über die Nordschleife fahren – ein Traum vieler, für den es gar nicht viel braucht. Der wichtigste Punkt ist natürlich das Auto. Wer sein eigenes nicht unnötigen Gefahren aussetzen will, ist mit einem Mietauto, die es direkt an der Strecke gibt, gut beraten. Und nicht zu Beginn dem PS-Rausch verfallen – weniger ist hier mehr. Die Nordschleife ist anspruchsvoll und will im wahrsten Sinne des Wortes "erfahren werden". Ein gut beherrschbares Auto ist also von Vorteil. Das Auto meiner Wahl für die ersten Nordschleifen-Kilometer: ein Skoda Octavia RS mit 245 PS,  Frontantrieb und Handschaltung. Eine sehr gute Wahl, weil ich bereits nach wenigen Metern ein gutes Vertrauen in das Auto habe. Die ersten Runden soll es darum gehen, die Strecke kennenzulernen. Gar nicht so einfach, bei knapp 20 anspruchsvollen Kilometern durch die Eifel. Sich Bremspunkte merken, Kurven-Abfolgen einprägen und ein Gefühl für die richtigen Geschwindigkeiten bekommen sind die Basics, die sich jeder Neuling erst einmal aneignen sollte. Bei Touristenfahrten ist man dabei in der Regel auf sich allein gestellt, muss die Strecke aber dennoch mit vielen anderen teilen. Daher ist der zweite wichtige Punkt: Rücksicht nehmen und die Regeln befolgen. Auf der Nordschleife gilt die Straßenverkehrsordnung, überholt wird also stets links. Es wird kein Rennen gefahren, es gibt immer mindestens einen der schneller ist. Das muss man akzeptieren. Dann macht die Fahrt auch tatsächlich mehr Spaß. Runde für Runde wird man warm mit Auto und Strecke. Knifflige Stellen verlieren ihren Schrecken und die Suche nach der eigenen Ideallinie wird zum motivierenden Element. Ich lasse mich weder von den anderen Fahrzeugen, noch von den zahlreichen Besuchern an der Strecke ablenken oder zu abenteuerlichen Manövern ermutigen. Erstaunlich, wie vielfältig und anspruchsvoll die Nordschleife auch nach mehreren Runden bleibt. Grüne Hölle, Eifel-Achterbahn – ihre Spitznamen trägt sie definitiv zu recht. Als ich den Wagen unbeschadet wieder abstelle, habe ich mein Ziel erreicht. Ich muss weder für frische Leitplanken aufkommen, noch Crash-Videos im Internet fürchten. Aber endlich kann ich mitreden, wenn meine Kollegen wieder über Schwedenkreuz, Karussell oder Pflanzgarten fachsimpeln.

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