Fünfzylinder: Technikgenie oder Sackgasse der Entwicklung?

Motoren mit ungerader Zylinderanzahl wirken auf den ersten Blick ungewöhnlich. Während der Dreizylinder in Kleinwagen allerdings Standard geworden ist, stirbt der Fünfzylinder aus. Aber warum eigentlich?

Ein 2,5-l-Fünfzylinder aus dem Audi RS 3 im Querschnitt.
2,5-l-Fünfzylinder aus dem Audi RS 3 Auch das 2024 erfolgte Facelift des Audi RS 3 setzt noch auf einen 2,5-l-Fünfer mit 400 PS (294 kW). Foto: Audi
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Fünfzylinder: Audi als Wegbereiter

Berechtigterweise gilt Audi als Wegbereiter des Fünfzylinders (Hier die legendärsten Autos mit 5-Ender in der Übersicht). Allerdings war Ingolstadt nicht als Erstes dran: 1974 feierte der Fünfer als Diesel im Mercedes 240 D 3.0, einem "Strich Acht" also, seine Premiere. Der Dreiliter-Reihenmotor vom Typ OM 617 mobilisierte die für einen nicht aufgeladenen Selbstzünder beachtliche Leistung von 80 PS (59 kW). Audi allerdings griff bereits früh konsequent auf das Konzept zurück und warb in den 1980er-Jahren mit einer angeblichen Effizienz wie im Vierzylinder bei der Raffinesse eines Sechszylinders.

Für viele Autofans klang das wie eine logische Kombination. Technisch betrachtet liegt der Vorteil eines Fünfzylinders zunächst in seiner Kompaktheit. Audi, wo man traditionell auf längs eingebaute Motoren setzt, konnte mit einem Fünfzylinder eine kompaktere Bauweise als mit einem Sechszylinder erreichen. Eine Notwendigkeit angesichts der engen Platzverhältnisse in Kombination mit dem Quattro-Allradantrieb.

Warum der Fünfzylinder besonders klingt

Bis heute sind Fünfzylinder vor allem für ihren markanten Sound berüchtigt. Dieser typische Frequenzmix resultiert zum einen aus der krummen Zylinderzahl, die pro Kurbelwellenumdrehungen 2,5 Arbeitstakte – also geräuschvolle Expansionen des Luft-Kraftstoffgemischs – zur Folge hat. Beim Sechszylinder kommen zum Beispiel komplette drei Arbeitstakte auf eine Umdrehung. Das klingt dann schön rund und regelmäßig, einige sagen: langweilig.

Zum anderen ist es die Zündfolge (1-2-4-5-3), die dem Fünfzylinder den typischen Sound verleiht. Schon beim Ansaugen erzeugen die Druckschwankungen der in der Zündabfolge relativ weit auseinanderliegenden Zylinder eine Mischung aus überwiegend tiefen Frequenzen, die sich in unserem Gehörsinn festbeißen. Die fünfzylindertypische akustische Präsenz, die damals noch irritierte, wird bei modernen Autos als Spielwiese für ein ausgeklügeltes, anpassungsfähiges Sounddesign genutzt, etwa mithilfe von geregelten Klappenauspuffanlagen.

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Herausforderungen und Aussterben

Der Fünfzylinder bietet durchaus Potenzial für starke Saugmotoren oder gar Kompressor-Motoren – Ansätze, die allerdings kaum verfolgt wurden. Ein bemerkenswerter Versuch stammt von Saab, wo man den Prototyp eines Fünfzylinders mit Kompressor und variabler Verdichtung entwickelte. Dieses Projekt wurde jedoch von General Motors gestoppt. Auch andere Hersteller wie Volvo, Ford oder Fiat, die für Fünfzylinder bekannt waren, stampften entsprechende Motoren nach und nach ein.

Einer der Gründe: Um im modernen Automobilbau zu bestehen, braucht es in vielen Fällen Turboaufladung – die bringt beim Fünfzylinder allerdings Herausforderungen mit sich. So sorgt der unregelmäßige Zündabstand von 144 Grad bei Turbomotoren für erhebliche Abgasprobleme: Interferenzen beim Ausstoßen der Abgase können zu Rückständen im Brennraum und dem gefürchteten Klopfen des Motors führen. Daher müssen bei aufgeladenen Fünfzylindern an anderer Stelle Kompromisse eingegangen werden. Solche Effekte lassen sich bei Vier- oder Sechszylindern umgehen, was beim Fünfzylinder aufgrund der Bauweise kaum möglich ist. Audi experimentierte mit unterschiedlichen Auspuffanordnungen und -längen, doch die grundlegenden physikalischen Einschränkungen konnten nicht überwunden werden. Daher ist der Fünfzylinder auch dort zur Seltenheit geworden.

Trotzdem hatte Audi 2024 als einziger Hersteller noch zwei Modelle mit Fünfer im Programm: als quer eingebauter 2,5-l-Turbo mit 400 PS (294 kW) in den Spitzenmotorisierungen von Audi RS 3 und RS Q3. Der RS Q3 ist 2025 aber aus den Bestellbüchern verschwunden. Auch im limitierten Cupra Formentor VZ5 aus demselben Konzern durfte der legendäre Fünfzylinder mit 390 PS (287 kW) kurzzeitig grollen.

2025 hat Audi-CEO Gernot Döllner zudem klargestellt, dass der Motor nur noch bis 2027 überleben wird. Spätestens mit der Einführung der Euro-7-Norm für alle Neuwagen soll der 2,5-l-Fünfzylinder auslaufen. Damit endet eine Tradition, die Audi seit 1976 geprägt hat.

Fünfzylinder-Fans müssen sich also künftig wohl oder übel mit Gebrauchtwagen zufriedengeben ...
Mit Jamie Turner