EU-Reifenlabel: Das muss man wissen! Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum EU-Reifenlabel

von Sarah Siepelmeyer 11.10.2018
Inhalt
  1. Das EU-Reifenlabel gilt seit 2012 und ist Pflicht
  2. Angabe des Rollwiderstands
  3. Nasshaftungsklasse trifft Aussage zur Haftung
  4. Geräuschemission: Externes Rollgeräsch (Messwert)
  5. EU-Reifenlabel in der Kritik

Das EU-Reifenlabel ist für alle neuen Reifen (seit 2012) Pflicht. Rollwiderstand, Nasshaftungsklasse und externes Rollgeräusch informieren den Verbraucher beim Kauf über Kraftstoffeffizienz und andere wichtige Parameter.​

Das EU-Reifenlabel soll dem Verbraucher Informationen über die drei wichtigesten Parameter beim Reifenkauf geben: Rollwiderstand, Nasshaftungsklasse und externes Rollgeräusch. Reifen für Pkw der Klasse C1 sowie der Klassen C2 und C3, die seit 2012 gefertigt wurden, müssen mit dem EU-Reifenlabel gekennzeichnet sein. Das legte die Verordnung zur Kennzeichnung von Reifen in Bezug auf die Kraftstoffeffizienz und andere wesentliche Parameter der europäiuschen Union fest. Diese Vorschrift bringt für den Endkunden keine weiteren Verpflichtungen mit sich, im Gegenteil, es ergeben sich vielmehr neue Informationsmöglichkeiten. Gekennzeichnet sind die Reifen anhand einer Plakette, diese sieht dem bekannten Energielabel recht ähnlich. Entweder ist die Plakette auf der Lauffläche des Reifens selbst oder als gedrucktes Etikett auf einem identischen Reifensatz geklebt.  Mehr zum Thema: Schneeflocke bei Winterreifen Pflicht

So werden Reifen montiert (Video):

 
 

Das EU-Reifenlabel gilt seit 2012 und ist Pflicht

Zwischen 2006 und 2008 beschloss die EU-Komission in den Mitteilungen "Ökologisierung des Verkehrs" sowie im "Aktionsplan für Energieeffizienz: Das Potential ausschöpfen", dass angesichts des Klimawandels nachhaltige Mobilität mehr gefördert werden muss. Die beiden Aktionspläne dienten dabei als Vorlage für eine Reihe gezielter Maßnahmen, darunter die Kennzeichnung von Reifen, um bis 2020 den Gesamtenergieverbrauch um 20 Prozent zu senken. Bei den wichtigsten Parametern des EU-Reifenlabels geht es vor allem um die Optimierung des Kraftstoffverbrauchs. 20 bis 30 Prozent des Kraftstoffverbrauchs entfallen, vorwiegend aufgrund des Rollwiderstandes, auf die Reifen. Eine Verringerung des Rollwiderstandes kann somit zur Energieeffizienz im Straßenverkehr und damit zu weniger Schadstoffemissionen beitragen. Beim EU-Reifenlabel geht es aber auch um Sicherheit im Straßenverkehr. Da bestimmte Reifenparameter in einer Wechselwirkung zueinander stehen, kann sich die Verbesserung beim Rollwiderstand nachteilig auf andere Parameter wie die Nasshaftung auswirken und die Verbesserung der Nasshaftung kann sich wiederum negativ auf das externe Rollgeräusch auswirken. Die Parameter Rollwiderstand, Nasshaftungsklasse und externes Rollgeräusch sollen daher Reifenhersteller dazu anhalten nicht nur eine Eigenschaft des Reifens zu verbessern, sondern sämtliche Parameter gleichermaßen zu optimieren. Die neue EU-Verordnung bringt vor allem für den Verbraucher etwas Gutes mit sich: Kraftstoffeffiziente Reifen sind kostengünstig. Höhere Anschaffungskosten werden durch die Kraftstoffeinsparungen gedeckt und lassen den Verbraucher am Ende sogar mit einem Plus aus dem Reifenkauf gehen.

Reifen-Test Ganzjahresreifen-Test 2017
Ganzjahresreifen-Test: Größe 205/55 R 16 (2017)  

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Angabe des Rollwiderstands

Der Rollwiderstand ist die Kraft, die aufgebracht werden muss, um den Reifen am Laufen zu halten. Die Kennzeichnung für den Rollwiderstand befindet sich links oben auf der Plakette des EU-Reifenlabels und wird durch einen Reifen mit einer Zapfsäule dargestellt. Bei Pkw ist es möglich durch die Bereifung eine Verbrauchsminderung von bis zu 7,5 Prozent zu erzielen, dass ist bei den meisten Pkw in etwa ein Unterschied von 0,5l/100 km/h. Um die Reifen je nach Kraftstoffeffizienz zu kategorisieren, wurden wie beim Energielabel auch, Kategorien von A (größte Effizienz) bis G (geringste Effizienz) angelegt. Zusammengefasst wird hier in zwei Bereiche:

  • A bis C: hohe Effizienz
  • E bis G: geringste Effizienz

Zu beachten ist hier, dass sich die Effizienz auch innerhalb der zusammengefassten Bereiche je nach Kategorie (Buchstabe) unterscheidet. So hat Reifenklasse B Beispielsweise einen höheren Widerstand als Reifenklasse A und ist damit weniger Energieeffizient.

 

Nasshaftungsklasse trifft Aussage zur Haftung

Bei der Nasshaftung wird der Grip des Reifens auf nasser Fahrbahn bewertet. Die entsprechende Kennzeichnung ist rechts oben auf dem EU-Reifenlabel zu finden und ist durch einen Reifen und einen Tropfen gekennzeichnet. Durch eine effiziente Nassbremseigenschaft ist es möglich bei einer Vollbremsung mit einem Pkw, ausgehend von einer Geschwindigkeit von 100 km/h, den Bremsweg bis zu 30 Meter zu verkürzen. Während das Fahrzeug mit Reifenklasse A bereits steht, fährt das Fahrzeug mit Bereifung der Klasse F noch 50 km/h. Wer auf sicheres Fahren viel Wert legt, sollte auf eine bessere Reifenklasse zurückgreifen. Das EU-Reifenlabel teilt die Qualität der verschiedenen Eigenschaften der Reifen in Kategorien von A bis F eingeteilt und werden grob in zwei Effizienzbereiche zusammengefasst:

  • A bis C: große Effizienz
  • E bis F: geringe Effizienz

Zu beachten ist hier, dass sich die Effizienz auch innerhalb der zusammengefassten Bereiche je nach Kategorie (Buchstabe) unterscheidet. So hat Reifenklasse A Beispielsweise eine bessere Nasshaftung als Reifenklasse B.

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Billige Winterreifen im Test: Größe 205 55 R 16  

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Geräuschemission: Externes Rollgeräsch (Messwert)

Die Stärke des Außengeräusches des Reifens wird, anders als bei Rollwiderstand und Nasshaftungsklasse, durch das Symbol eines Reifens und eines Lautsprechersymbols auf dem EU-Reifenlabel dargestellt. Je mehr Anteile des Symbols ausgefüllt sind, desto lauter ist der Reifen.

  • 3/3 ausgefüllt: Der Reifen hält den gültigen Grenzwert ein.
  • 2/3 ausgefüllt: Reifen hält den ab 2016 gültigen Geräuschgrenzwert ein, bzw. unterschreitet diesen um bis zu 3 dB(A)
  • 1/3 ausgefüllt: Reifen unterschreitet den gültigen Geräuschgrenzwert von 2016 um mehr als 3 dB(A).

Da der exakte Dezibel Schallpegel bei jedem Reifen unterschiedlich ist, wird dieser separat zur symbolischen Darstellung mit dem exakten dB(A) Wert (Messwert) angegeben.

 

EU-Reifenlabel in der Kritik

Das EU-Reifenlabel informiert den Verbraucher über insgesamt drei wichtige Parameter des Reifens: Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräuschemission. Kritisiert wird, dass ebenfalls wichtige Leistungsfaktoren wie Beispielsweise Trockenhaftung, Lebensdauer oder Fahrstabilität gar nicht berücksichtigt werden. Ebenfalls in der Kritik steht die Durchführung der Tests für die EU-Reifenlabels. Kritisiert wird, dass die EU die Labeltestes nicht selbst durchführt. Die Messwerte werden von den Herstellen selbst durch nicht einheitliche Tests durchgeführt. Kritiker behaupten, dass das Siegel so maßgeblich an Verlässlichkeit einbüße, da sich der Verbraucher nicht in vollem Umfang auf die vom Herstellersteller gemachten Angaben verlassen könne.

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