Berühmte Filmautos von James Bond: Aston Martin & Co. Automobile Geheimwaffen: die Dienstwagen von 007

von Karsten Rehmann 22.02.2019
Inhalt
  1. Berühmtestes Bond-Filmauto: Aston Martin DB5
  2. Rarität: Bonds Dienstwagen Toyota 2000 GT
  3. Aston Martin DBS Vantage: ein weiteres Bond-Film-Auto 
  4. 007-Film-Star: Ford Mustang Mach I mit viel Power
  5. Roger Moore fuhr als Bond zweimal Lotus Esprit
  6. Auch ein Esprit Turbo diente als Bonds Filmauto
  7. Der BMW Z8 überlebte den Bond-Film nicht
  8. 007 fährt wieder Aston Martin – den V12 Vanquish

Der berühmte britische Agent James Bond nutzte oft Luxusliner von Aston Martin & Co als Dienstwagen – unvergessen ist der der DB5 aus "Goldfinger". Doch 007 fuhr auch andere spektakuläre Filmautos wie Toyota 2000 GT, Ford Mustang Mach I, Lotus Esprit oder BMW Z8

Sie wollen also die berühmten Filmautos von James Bond wie Aston Martin & Co. fahren? Also spielen wir das Ganze nochmal durch: Sie melden sich am Haupttor. Werden Sie nach Ihrem Namen gefragt, sagen Sie "Bond, James Bond". Damit ist sogar dieser Daniel Craig reingekommen. Major Boothroyds Garage liegt auf der Rückseite des Gebäudes. Sie können in jedes Auto einfach einsteigen und losfahren. Zündschlüssel und Toröffner liegen auf dem Beifahrersitz. Ich schlage vor, Sie halten sich an die Chronologie und starten mit dem Aston Martin DB5 aus "Goldfinger" und "Feuerball". Keine Angst vor den eingebauten Gimmicks und Gags. Wir haben keine Originalautos mehr hier, seit Pierce Brosnan als James Bond vor dem Starten des Aston Martin DB5 versehentlich die Eject-Taste des Schleudersitzes drückte und wir danach ein Loch im Garagendach hatten. Mehr zum Thema: James Bond

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Berühmtestes Bond-Filmauto: Aston Martin DB5

Dieser in "Silberbirke" lackierte Aston Martin war übrigens das erste von Major Boothroyd alias „Q“ frisierte James Bond-Auto. Heute klingt uns bei seinem bloßen Anblick die Fanfare der Bond-Titelmelodie in den Ohren, dabei war der DB5 (1963 bis 1965)  für den Film "Goldfinger" angeblich gar nicht erste Wahl. Es heißt, das Produktionsteam sei zuvor bei Jaguar abgeblitzt und wurde erst danach bei Aston Martin vorstellig. Dort habe man lange mit der Zustimmung gezögert, zwei Autos für den Dreh bereitzustellen. Und dann wurde der DB5 zum berühmtesten Auto der Filmgeschichte. Ich glaube, bei Aston Martin können sie ihren Dusel bis heute nicht fassen. Der 1963 vorgestellte DB5 ist eine Weiterentwicklung des DB4. Er fällt größer und schwerer aus. Seine Karosserie besteht nach dem Superleggera-Prinzip aus einem Flickenteppich dünner Alu-Bleche, die einen Rohrrahmen verkleiden.  Der Vierliter-Sechszylinder leistet nach britischer Norm 282 PS, im Vantage-Trimm sogar 325. Unser DB5 hat das als Option erhältliche Fünfgang-Getriebe von ZF. Wenn Sie den DB5 fahren, werden Sie sich fragen, warum James Bond kein wendigeres Auto bekam. Der Aston fühlt sich an, als sei er aus dem Vollen gefräst. Die Lenkung erfordert Kraft, den Schalthebel müssen Sie entschlossen über lange Wege führen, die Bremse verlangt stramme Waden, und die Dämpfer führen ein straffes Regiment, um die Masse des Autos im Zaum zu halten. Dennoch werden Sie seinem Charme erliegen. Ein DB5 ist der ultimative Gentleman-Express. Und er hat noch zwei Trümpfe im Ärmel, die Ihnen eine Jagd über kurvige Straßen versüßen werden: den vollmundigen, mit einer Stimme wie Shirley Bassey ausgestatteten Reihensechser und die schlanke Taille von Bond-Girl "Pussy Galore". Der DB5 prescht im Film so elegant durchs Nadelöhr wie Sean Connery als 007 durch eine halb geöffnete Schlafzimmertür.

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Rarität: Bonds Dienstwagen Toyota 2000 GT

Die gleiche Gelenkigkeit brauchen Sie, um in James Bonds Toyota 2000 GT (1967 bis 1970) einzusteigen. Das Coupé ist fast 20 Zentimeter flacher als der Aston Martin, und die stark gewölbte Frontscheibe ragt weit in die Flanken hinein. Damit Connery flinker hineinkam, schnitten die Japaner ihren zwei Filmautos die Dächer ab. Dabei fuhr Bond den Toyota nicht selbst. Er ließ sich von der liebreizenden Aki Wakabayashi chauffieren, die sich ihm in vollendeter japanischer Höflichkeit mit den Worten vorstellte: "Es ist mir ein Vergnügen, unter Ihnen zu arbeiten." Ich verspreche Ihnen: Sind Sie erstmal drin im Toyota 2000 GT, wollen Sie nicht wieder aussteigen. Er sitzt wie Bonds Maßanzug, und sein Armaturenbrett mit Rosenholz-Furnier ist eine Augenweide. Werfen Sie einen Blick unter die Haube, bevor sie starten. Der von Yamaha konstruierte Sechszylinder ist einer der feinsten und kräftigsten Zweiliter seiner Zeit. Für 150 PS brauchten andere anno ’66 tausend Kubik mehr. Halten Sie ihn auf Drehzahl, dann bedankt er sich mit spritziger Kraftentfaltung und einem göttlichen Sound. Die Klick-Klack-Schaltung ist ein Gedicht, aber Vorsicht in Kurven: Die Lenkung braucht Bizeps, und das Einlenkverhalten ist von der zögerlichen Art. Behandeln Sie den Toyota 2000 GT bitte sehr respektvoll, denn er ist eine kaum ersetzbare Rarität, das wertvollste Serienmodell, das Japans Autoindustrie je hervorgebracht hat.

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Aston Martin DBS Vantage: ein weiteres Bond-Film-Auto 

Ihr drittes James Bond-Filmauto ist wieder ein Aston Martin – der DBS Vantage (1967 bis 1972). Genau wie George Lazenby alias James Bond fiel auch der DBS Vantage bei den Fans durch den Rost. Dabei gaben beide "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" eine passable Figur ab – wenn wir darüber wegsehen, dass sich der australische Ersatz-Bond zu Beginn des Films von Diana Rigg in einem Mercury Cougar abhängen ließ. "Das wäre dem anderen nie passiert", knurrte Lazenby, das Auto in Schutz nehmend. Der erste DBS ließ in der Tat die Aggressivität seiner Vorgänger vermissen. Das neue Coupé war größer und schwerer, musste jedoch mit dem alten Sechszylinder auskommen, weil der neue V8 nicht fertig wurde. Sie werden Ihren Fahrstil schnell an den Charakter des Wagens anpassen. Lehnen Sie sich zurück und gewöhnen Sie sich an die zu leichtgängige Servolenkung und die sehr sperrigen Maße. Denken Sie dabei an einen Wodka Martini: Den kippen Sie auch nicht in einem Zug runter. Die DeDion-Hinterachse sorgt für ein stabiles Kurvenverhalten, und der Vierliter gurgelt wie Louis Armstrong im Filmsong "We have all the time in the world". Doch gegen den DB5 steht der frühe DBS auf verlorenem Posten, genau wie James Bond-Darsteller Lazenby im Vergleich zu Connery.

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007-Film-Star: Ford Mustang Mach I mit viel Power

Dem guten alten Sean Connery spendierten wir als Filmauto zu seiner Rückkehr als James Bond ein größeres Kaliber, den Mustang Mach I (1972). "Diamantenfieber" war beinahe ein Juxfilm. Es wurde viel gescherzt, und niemand störte sich daran, dass der Mustang bei einem Stunt auf den zwei rechten Rädern in eine Gasse hineinfuhr, doch auf den beiden linken wieder herauskam. Es gab damals schon so viele Mustang-Varianten, dass heute auch die nachträglich aufgemotzten Autos für Originale gehalten werden. Doch die sind so echt wie Connerys Toupet, und deshalb erkläre ich Ihnen, welcher Version Sie gleich die Sporen geben: Unser Ford Mustang Mach I stammt aus dem Modelljahr ’72 und hat den 351 cubic inch großen Cobra Jet-V8 mit Vierfachvergaser und Ram Air-Lufthutzen. Er ist die reinste Dampfmaschine. Selbst die primitive Drei-Gang-Cruise-O-Matic verhindert nicht, dass hier spontan die Post abgeht, sobald Sie aufs Gas treten. Der Innenraum ist eine Retrokitsch-Kathedrale, voll verkleidet mit Vinyl, Holzimitaten und anderen Dingen, von denen Sie nicht zugeben würden, dass Sie Gefallen daran finden. Behalten Sie die Tankanzeige im Auge. Schon beim lässigen Cruisen verbrennt er auf neun Meilen eine Gallone Sprit. Mehr als 4000 Umdrehungen werden Sie diesem Drehmoment-Monster kaum abverlangen, und spätestens wenn die Straßenführung die Kurven von Bond-Girl Jill St. John nachahmt, beherzigen Sie ganz freiwillig den "Langsam-rein-und-dann-sanft-aufs-Gas"-Stil, denn die Hinterachse hat ein cholerisches Gemüt. Wird es ihr zu bunt, lässt sie sich weder vom stärkeren Stabilisator noch den härteren Dämpfern des "Drag Packs" besänftigen. "Diamantenfieber" wirkte wie eine Parodie auf "Goldfinger" – inklusive Titelsong von Shirley Bassey, und wie Sean Connery als James Bond hatte auch der Mustang seinen Zenit überschritten. Wir brauchten danach einige Bedenkzeit, bis Bond wieder ein adäquateres Filmauto bekam. Aber das soll Ihnen den Spaß an der Kraftmeierei nicht verderben.

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Roger Moore fuhr als Bond zweimal Lotus Esprit

Wenn Sie sich in den kleinen gelben Keil einfädeln, der in der Bucht neben dem Mustang parkt, denken Sie an Roger Moore alias James Bond und den Titelsong zum Film "Der Spion, der mich liebte": "Nobody does it better" von Carly Simon. Als Lotus-Chef Colin Chapman hörte, die Produktionsfirma EON suche ein neues Auto für James Bond, ließ er kurzerhand einen Lotus Esprit (1977 bis 1978) vor deren Büro parken. Der Trick klappte, EON biss an, und Lotus erhielt eine perfekte Bühne für seinen neuen Hoffnungsträger. Mitte der 70er-Jahre war Lotus nämlich nicht gut dran. In der Formel 1 ging es bergab, mit der britischen Wirtschaft auch, und die  Modelle Seven, Elan und Europa warfen zu wenig Profit ab. Nun musste mitten in der Ölkrise ein neuer Sportwagen her. Doch die Zeit reichte nicht mehr für eine saubere Entwicklung, und das merkt man dem Esprit S1 an. Geschenkt. Wenn Sie vor dem Lotus Esprit stehen, wollen Sie nur noch eins wissen – wie man da hinein kommt! Er hat ein atemberaubend konsequentes Design von Giugiaro, und in der nur 1977/78 gebauten Serie 1 kommt es unverwässert zur Geltung. Achten Sie beim Fahren auf Passanten: Der Esprit zieht Blicke auf sich wie ein Magnet, und wenn sich an der Ampel die Mädchen zu Ihnen herunter beugen, dann wohl kaum, weil Sie aussehen wie Roger Moore. Es liegt eher an dieser kanariengelben Keilform und dem schrägen Karo-Muster der Sitze, dessen Farben bei Instrumenten, Schalthebel und Teppichboden aufgegriffen werden. Wir glaubten damals, die psychedelische Ära habe mit Verspätung auch das Lotus-Werk in der Provinz Norfolk erreicht und orderten die Filmautos in Weiß – auch weil wir bei den Unterwasser-Szenen die Fische vor den Bahamas nicht zu Tode erschrecken wollten. Der Lotus Esprit ist tatsächlich eng wie ein U-Boot. So eng, dass an der zweiten Ampel Ihre Schläfen dem Frontscheibenrahmen das „Du“ anbieten werden. Also aufgepasst, wenn Sie zum weit vorn platzierten Handbremshebel greifen.

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Auch ein Esprit Turbo diente als Bonds Filmauto

Und wie für James Bond im Film gilt: In der Zwischenzeit sollten Ihre Füße üben, im engen Fußraum Lotus Esprit die Pedale auseinanderzuhalten. Das aus der Citroën/Maserati-Kooperation stammende Getriebe schaltet sich besser als erwartet, und die Lenkkräfte werden erträglich, sobald Sie die Parkbucht verlassen haben. Den Vierventil-Motor müssen Sie zu seinem Drehzahlglück zwingen, freiwillig ruft er seine 162 PS nicht ab. Am besten Sie machen einen Sport daraus und attackieren Kurven, als sei außer den Killern im Helikopter auch noch der Geist von Curd Jürgens im schwarzen Taunus hinter Ihnen her, um die im Wesentlichen mit einer roten Geschenkpapierschleife bekleidete Barbara Bach von Ihrem Beifahrersitz zu entführen. Der fabelhafte Grip und die sensible Lenkung des Esprit werden Ihre Flucht in ein Vergnügen verwandeln. Der Esprit durfte noch einmal mit Roger Moore die Welt retten, 1981 "In tödlicher Mission" und in der dazu passenden Farbe Kupfer-Metallic. Das ist der zweite Keil in Q’s Garage. Dieses Auto besitzt neben diversen die Reinheit der Linie störenden Spoilern, Lufteinlässen und goldigen BBS-Kreuzspeichenrädern auch sinnvolle Modifikationen wie einen auf 2,2 Liter vergrößerten Vierzylinder mit Turbolader und Trockensumpfschmierung sowie eine neue Hinterradaufhängung.
Er ist der Schnellere der beiden Keile und dazu deutlich leiser dank besserer Geräuschdämmung. Was vom Gegröle des Zweiliter-Motors übrig blieb, verschwindet im Rauschen des Turboladers, der ab 3500/min in seinem Element ist. Achten Sie auf das hyperaktiv zwitschernde Überdruckventil, wenn Sie die Kupplung treten. Durch die breiteren Reifen wird das Rangieren noch anstrengender, aber die Lenkung revanchiert sich mit Linearität, Sensibilität und gefühlsechter Rückmeldung. Das Auto klebt auf der Straße wie Carole Bouquet an James Bonds Lippen. Abbremsen vor Kurven erübrigt sich weitgehend. Sie werden es begrüßen, denn die Lotus-Bremsen taugen auch im Esprit Turbo nicht allzu viel. Das großzügig mit crèmefarbenem Leder übergossene Cockpit wirkt so einladend wie die Schaltzentrale des Bond-Widersachers "Ernst Stavro Blofeld", doch die gegenüber dem Esprit S1 deutlich verbesserte Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit macht den Esprit Turbo zu einer überlegenswerten Alternative für pragmatische Bond-Imitatoren. Besonders viel Geld brauchen Sie dafür nicht, nur starke Nerven nach der Anschaffung, denn auch die späteren Jahrgänge des Esprit stehen im Ruf, ihrem Besitzer mit spontanen Elektrik-Schocks, Öllachen und unter der Kunststoffhülle gammelnden Stahlchassis die freien Wochenenden zu verderben.

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Der BMW Z8 überlebte den Bond-Film nicht

Nachdem die Produzenten Roger Moore als James Bond hinauskomplimentiert hatten, indem sie ihn in britischer Vieldeutigkeit zwangen, in dem Film "Im Angesicht des Todes" in Renault 11-Taxis Jagd auf die Ganoven um Christopher Walken zu machen, und Nachfolger Timothy Dalton wohl aus Angst vor einer Wiederholung dieser französischen Folter zustimmte, den stilvoll in "Gunmetal" ergrauten Aston Martin V8 abzustauben oder einen Kenworth Truck zu mieten, schlossen wir die Garage ab und machten sechs Jahre Ferien. Wir dachten, mit Bond sei’s zuende, schlimmer ging’s nimmer. Doch es kam schlimmer, zuerst in Form eines Anrufs aus München; dem folgten Plaudertasche Pierce Brosnan und sein James Bond-Bobbycar: der Z3. Immerhin lernte BMW dazu, ließ den 750i im nächsten Film verschrotten und stellte Major Boothroyd endlich ein Auto vors Tor, das niemals auf deutschen Zeichenbrettern entstanden sein kann: den BMW Z8 (1999 bis 2003). Er geht auf die ominös Z07 getaufte BMW-Studie von Henrik Fisker zurück. BMW nannte sie verklärend eine Hommage an den 507, und es kann einfach kein Zufall sein, dass Fisker danach als Designchef zu Aston Martin wechselte. Ich glaube, er wollte von Anfang an immer nur Autos für James Bond entwerfen. Unser Filmauto war wie der DB5 vollgestopft mit Spezialeffekten und Sex-Appeal. Er konnte ferngesteuert werden und Missiles abfeuern. Wirklich schade, dass er von einer gigantischen Heckenschere zerteilt wurde. Nun müssen Sie sich mit dem Standardmodell  vergnügen.
Machen Sie sich auf einiges gefasst: Der Z8 ist das perfekte Auto, um ein Casino nach dem Sprengen der Bank in adäquater Eile über die Parkplatz-Ausfahrt zu verlassen. Der 4,9-Liter-V8 hat genauso viel Punch im Ärmel wie der Mustang Mach I, doch während der Ami beim Tritt aufs Gas in Buffalo Bill-Manier nur einen Schuss frei hat, feuert der Bayer in einer schnellen Salve sein volles Sechsgang-Paket ab. Die Kupplung schnalzt anerkennend, die Hinterachse setzt einen rechten Haken, und Sie putzen mit triumphierend pfeifenden Reifen die Platte. Als Brite müssen Sie sich den Z8 vorstellen wie eine überraschend bequeme, schnellere und bessere XXL-Version des Austin Healey. Erwarten Sie keine Bewunderung, ignorieren Sie die feindseligen Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer. In diesem Punkt ist der Z8 das genaue Gegenteil des DB5 – auch als Filmauto von James Bond. Ob der Filmsong von Sheryl Crow im CD-Player ausreichen wird, die im Z8 spürbare Einsamkeit an der Spitze der Autowelt zu vertreiben, überlasse ich Ihrer Vorstellungskraft.

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007 fährt wieder Aston Martin – den V12 Vanquish

Kurz vor seiner Abberufung holte sich auch Pierce Brosnan als neuer James Bond noch das Aston Martin Upgrade – und fuhr als Filmauto den V12 Vanquish (2001 bis 2004). Verdient hatte er ihn nicht, denn "Stirb an einem anderen Tag" war ein schwächerer Bond-Film. Für die unbeholfene Jagd durch das Eishotel bauten wir eine Attrappe mit 4x4-Antrieb und Mustang-Motor und ließen das echte Auto in der Garage. Der Vanquish pendelt zwischen großem Kino und B-Movie. Betrachten Sie das starke Design aus der Feder des jetzigen Jaguar-Stylingchefs Ian Callum und dann den mit Großserienteilen aus dem Ford-Regal übersäten Innenraum. Es wirkt wie ein C&A-Label im Futter von Bonds Smoking. Die reizvolle Kombination aus sequenzieller Paddel-Schaltung und automatisierter Kupplung führt zu ru-ru-ruckartigem Anfahren. Erst wenn Sie sich daran gewöhnt haben und das Gaspedal perfekt dosieren, können Sie das Klangspektrum dieses magischen, bärenstarken Zwölfzylinders genießen. Das Fahrwerk setzt auf Härte, die Lenkung hat Biss, fühlt sich aber etwas hölzern und gekünstelt an – wie John Cleese beim Versuch, den einzig wahren "Q", Desmond Llewelyn, zu ersetzen. Und nun habe ich Ihnen genug erzählt. Machen Sie sich selbst von James Bonds berühmten Filmautos ein Bild, und denken Sie daran, was "Q" zu Bond sagte: „Sie haben von uns die Lizenz zum Töten, aber nicht zum Verstoß gegen die Verkehrsregeln.“

von Karsten Rehmann von Karsten Rehmann
Unser Fazit

Vier Dinge braucht ein echter Kino-Bond: den Smoking, den geschüttelten Martini, die Walther PPK und einen Aston Martin. Sagt man. Alle Bond-Darsteller fuhren Aston Martin, bis auf Roger Moore. Vielleicht wusste er, warum. Schon in der Serie „Die Zwei“ war er als Lord Sinclair mit einem Aston Martin DBS unterwegs und wirkte dabei neben Kumpel „Danny“ im Dino 246 GT ein wenig hüftsteif. In „Der Spion, der mich liebte“ und „In tödlicher Mission“ fuhr Moore dann Lotus Esprit. Liegt es am Auto, dass diese Filme als seine Paraderollen angesehen werden? Hätte er im Aston V8 die bessere Figur abgegeben? Ich glaube nicht. Der Lotus passt perfekt zu diesem smarten, trickreichen, auf alles gefassten und auf eigene Faust handelnden Agenten. Abgesehen davon: Als U-Boot wäre ein Aston Martin wohl abgesoffen.
 

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