Einzeltest

Erster Test: Wir fühlen dem neuen Nissan Micra auf den Zahn

Der Nissan Micra ist zurück: komplett neu, vollelektrisch und mit französischem Akzent: Die Technik und den spritzigen Charakter teilt er sich mit dem kultigen Renault 5 E-Tech. So schlägt er sich im Test!

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Blick von schräg vorne auf den fahrenden Nissan Micra (2026).
Das Design greift den Micra-Look der Generation K12 auf (2003 bis 2010). Foto: Daniela Loof
Blick von schräg hinten auf den fahrenden Nissan Micra (2026).
326 bis 1106 l Laderaum – mehr als beim Vorgänger. Foto: Daniela Loof
Blick auf die Armaturen im Innenraum des Nissan Micra (2026).
Die leicht handhabbare Funktionalität im Cockpit teilt sich der Nissan Micra mit dem Renault 5. Foto: Daniela Loof
Blick auf die Vordersitze im Innenraum des Nissan Micra (2026).
Die bequemen und langstreckentauglichen Sitze sind in der Topausstattung mit Kunstleder bezogen. Foto: Daniela Loof
Blick in den Fond des Nissan Micra (2026).
Genügend Kopffreiheit im ansonsten engen Fond. Foto: Daniela Loof
Detailansicht auf den Ladeanschluss des Nissan Micra (2026).
Am DC-Schnelllader sind nicht mehr als 100 kW Ladeleistung drin. Foto: Daniela Loof
Detailansicht auf das Vorderrad des Nissan Micra (2026).
Die griffigen 18-Zoll-Reifen sind Serie ab Basis, die Alu-Felgen nicht. Foto: Daniela Loof

Der neue Nissan Micra im Test

Den Nissan Micra haben wir irgendwie schnell vergessen, seit seine Produktion Ende 2022 im französischen Renault-Standort Flins bei Paris eingestellt wurde. Dabei galt der klassische Kleinwagen, zuletzt in der Generation K14, bereits ab 1982 als günstiger Einstieg in die Nissan-Welt.

Nach vier Jahren kehrt der Micra nun zurück, um 25 mm in der Länge geschrumpft und unter komplett anderen Vorzeichen. Der aktuelle Nissan Micra der Generation K15 ist nämlich ein sehr, sehr enger Verwandter des Renault 5 – und damit vollelektrisch. Er kommt aus demselben nordfranzösischen Renault-Werk in Douai wie der R5, und obwohl er sich im Look stark unterscheidet, ist der Nissan Micra im Grunde ein technischer Zwilling des Renault.

Das wird spätestens bei der ersten Sitzprobe im neuen City-Floh deutlich, der hier mit dem stärkeren der beiden angebotenen E-Antriebe (110 kW/150 PS, 52-kWh-Akku) und in der Topausstattung Evolve zum Test antritt, womit sich der recht günstige Basispreis von 27.990 Euro für den Micra Engage mit 90 kW (122 PS) und 40-kWh-Batterie stramm aufpumpt auf 34.900 Euro für den Testwagen. Die bequemen, gut dimensionierten und mit hochwertig wirkendem, blau-grauem Kunstleder bezogenen Sportsitze kennen wir so ähnlich bereits aus dem Renault 5, ebenso wie die komplette Funktionalität im Cockpit.

Sogar der seit Jahrzehnten bekannte Renault-Radio-Bediensatellit am Lenkrad hat es hier in den Nissan geschafft. Einziger funktionaler Unterschied zum R5 sind die Plus- und Minus-Paddel am Volant, mit denen sich die Rekuperationsbremswirkung in mehreren Stufen variieren lässt – bis hin zum One-Pedal-Stop, also Bremsen, Anhalten und Beschleunigen nur über das rechte Pedal.

Der Renault 5 (2024) im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Leicht bedienbar, schnell reagierender Touchscreen

Der hohe Nissan-/Renault-Bedienkomfort im Micra erschließt sich flink und unkompliziert.
Inhalte und Grafik des Cockpit-Displays lassen sich schnell und logisch im Dialog über die Lenkradtasten variieren, etwa die Fahrmoduswahl (Comfort, Sport, Eco, Perso) per fein rastendem Drehregler im Lenkrad. Positiv fällt auch die Schalterleiste unter den beiden mittigen Lüftungsdüsen auf für die wichtigsten Heizungs- und Klimafunktionen.

So muss man dafür nicht unbedingt auf den mittigen Touchscreen zurückgreifen. Dabei gefällt das große, sehr gut erreichbare und verzögerungsfrei reagierende Display mit einer logisch gestaffelten Menüstruktur einschließlich der permanent eingeblendeten Schnellzugriffstasten. Wie im Renault läuft der digitale Online-Datenverkehr im Nissan Micra per Google. Auch wenn nicht jeder den Kontakt mit dem Datengiganten schätzt, ist der Umgang zum Beispiel mit Google Maps für die Navigation einschließlich blitzschneller Ladestopp-Planung gelernt und funktioniert schnell sowie zuverlässig. Das gilt auch für weitere integrierte Dienste wie die Sprachsteuerung Google Assistant und Google Play.

Die kompakten Maße des Nissan Micra werden spätestens im Fond deutlich

So fühlt man sich im Cockpit des Nissan Micra auf Anhieb wohl und entspannt. Sehr großgewachsene Menschen rücken allerdings mit dem Sitz weit nach hinten und sitzen dann auf Höhe der B-Säule, was die Bewegungsfreiheit zur Seite einschränkt. Auch ein größerer Einstellbereich des Lenkrads in Längsrichtung wäre wünschenswert. Was den Qualitätseindruck betrifft, wirkt die Karosserie sehr verwindungssteif, nichts knarzt oder quietscht. Klassenüblich kommt im Innenraum zwar reichlich Hartplastik zu Einsatz, hier allerdings mit stylisch wirkenden Oberflächenstrukturen, ergänzt durch eine schmale Kunstleder-Aufschäumung im Armaturenträger.

Dass der Micra eher zu den kurzen unter Kleinwagen zählt, macht sich dann auf der Rückbank bemerkbar – nachdem man durch die recht enge Türöffnung den Zustieg erledigt hat. Über dem Kopf bleibt zwar genügend Raum, für Beine und Füße wird es jedoch eng, selbst wenn die Vornsitzenden ihre Sessel nicht in der hintersten Position arretieren. Dahinter liegt dann noch ein ordentlicher Kofferraum von 326 l Größe.

Die Reichweite ist für einen Kleinwagen mehr als ausreichend

Im Fahrbetrieb bewähren sich meist die Fahrmodi Comfort oder Eco, die die Geschwindigkeit auf 110 km/h limitieren, wobei man per Kickdown-Befehl auch hier die maximal möglichen 150 km/h (laut Tacho 155 km/h) erreichen kann. Das Antriebsmoment sowie die Bremswirkung lassen sich gut dosieren, und mit stabiler Traktion und dem ordentlichen Grip der serienmäßigen 18-Zoll-Bereifung stellt sich fast automatisch ein beherzter Fahrstil ein. Der spurstabile Micra unterstützt dies durch dezente ESP-Eingriffe in schnellen Kurven und einem guten Gefühl in der Lenkung.

Das recht straffe, aber nicht zu harte Fahrwerk sowie die gute Geräuschdämmung erlauben auch entspanntes Langstrecken-Cruisen – bei einem Testverbrauch von 16,3 kWh/100 km maximal 319 km am Stück bis zum nächsten Nachladen. Hier erreicht der Micra schnell die maximale Ladeleistung von 100 kW (siehe oben), die dann aber stetig abfällt, sodass der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent 30 min in Anspruch nimmt. Für einen Kleinwagen ist das in Ordnung, und es schränkt das Einsatzgebiet des Nissan längst nicht nur auf die City ein. Das gilt auch für die – in der Topausstattung – nahezu komplette Assistenzausstattung einschließlich der intelligenten Ausbaustufe ProPilot für die automatisierte Längs- und Querführung.

Fazit

Der Nissan Micra ist ein intelligent gemachter Elektro-Kleinwagen, der viel Fahrfreude bereitet. Das erwachsene Fahrverhalten sowie die umfangreiche Digital- und Assistenzausstattung begrenzen das Einsatzgebiet des knackigen Flitzers nicht nur auf die City.

Technische Daten & Messwerte des Nissan Micra 52 kWh

Elektro

AUTO ZEITUNG 12/2026

Nissan Micra 52 kWh

Technik

Motor

Fremderregte Synchronmaschine (vorn)

Systemleistung

110 kW / 150 PS

Max. Drehmoment

245 Nm

Antrieb

Konstantübersetzung, Vorderrad

Akku

Lithium-Ionen (NMC)

Spannung

400 V

Kapazität brutto / netto

55 / 52 kWh

Ladeleistung AC / DC (Werk)

k.A. / 100 kW

Gewicht

Leergewicht

1475 kg

Zulässiges Gesamtgewicht

1930 kg

Effektive Zuladung

455 kg

Abmessungen

Gesamtmaße (L / B / H)

3974 / 1774 (2020)* / 1490 mm

Radstand

2541 mm

Kofferraumvolumen

326 – 1106 l

Fahrleistung

0 – 100 km/h

8,2 s

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

34,0 / 34,4 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h

8,9 / 79,4 m

Verbrauch & Reichweite

WLTP-Reichweite

416 km

WLTP-Verbrauch auf 100 km

14,7 kWh

Test-Reichweite

319 km

Test-Verbrauch auf 100 km

16,3 kWh

Preis

Grundpreis

32.990 € (52 kWh); 27.990 € (40 kWh Basis)

Testwagenpreis

32.990 €

Rabatt

-

Steuer & Versicherung

Kfz-Steuer pro Jahr

0 €

KH / VK / TK Typklassen

15 / 21 / 17

KH / VK / TK Versicherung

-