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Die feine englische Art? E-Auto-Steuer pro Strecke kommt

Ein britisches Gesetz sorgt für Aufsehen: Auf der Insel werden Besitzer:innen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden bald pro Meile zur Kasse gebeten. So sollen ab 2028 E-Mobilist:innen stärker an den Kosten für Straßen, Brücken und Co. beteiligt werden. Ein Modell, das Schule machen könnte? Wir werfen einen genauen Blick auf die Insel.

Die abendliche Aufnahme zeigt die Lichtsignaturen von Autos in der Nähe des Piccadelly Circus in London.Auf Pinterest merken
Jede Meile zählt: Wer in Großbritannien mit dem Elektroauto unterwegs ist, wie hier am Londoner Piccadelly Circus, wird künftig für jede zurückgelegte Meile zur Kasse gebeten. Foto: Imago

Dass die Brit:innen in Sachen Straßenverkehr etwas anders ticken als der Rest Europas, weiß man nicht erst seit Einführung des Linksverkehrs und der City-Maut in London, die die Einfahrt in die britische Hauptstadt ab 18 Pfund (umgerechnet rund 21 Euro) pro „Tagesticket“ zu einem teuren Vergnügen macht (Preise: Stand Juli 2026). Für reine E-Autos wurde die Steuerbefreiung bereits 2025 abgeschafft. Das hindert die Behörden aber nicht daran, ab 2028 zusätzlich zur Kasse zu bitten.

Wer kann am längsten? Acht E-Autos im Reichweiten-Test der AUTO ZEITUNG (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Kurios: Reine E-Autos kosten mehr Steuern

Denn ab 1. April 2028 müssen Fahrer:innen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden in Großbritannien eine Meilensteuer zahlen. Je nach Antriebsart und Elektrifizierungsgrad gelten dann unterschiedliche Steuertarife. Für Plug-in-Hybride wird ab 2028 eine Gebühr von 1,5 Pence pro gefahrene Meile fällig – das entspricht derzeit rund 1,76 Euro-Cent. Deutlich teurer wird es für reine Elektrofahrzeuge. Für sie setzt die Regierung drei Pence pro Meile (3,53 Euro-Cent) an. In den folgenden Jahren soll dieser Satz an die Inflation angepasst werden. Der Grund: Wer weniger oder gar keinen fossilen Treibstoff kauft, bezahlt auch keine Kraftstoffsteuer und beteiligt sich somit zu wenig an der Finanzierung des Straßennetzes. Die verschiedenen Maut-Modelle innerhalb Europas haben wir hier gegenübergestellt.

Beispielrechnung: Mehrbelastung von mehreren Hundert Euro

Bei dieser auf den ersten Blick etwas windschief wirkenden Rechnung gehen die Behörden davon aus, dass PHEV einen Teil der Strecke weiterhin mit Benzin oder Diesel zurücklegen und somit parallel bereits über die Kraftstoffsteuer zur Kasse gebeten werden. Legt man eine durchschnittliche jährliche Laufleistung von 10.000 km (6214 Meilen) zugrunde, entspräche dies einer zusätzlichen Belastung von umgerechnet 219 Euro für reine E-Autos und 110 Euro pro Jahr für Plug-in-Hybride.

Klar, dass die nun von der Regierung bestätigte Umsetzung dieses schon länger geplanten Schrittes bei britischen E-Mobilist:innen auf wenig Gegenliebe stößt. Viele Medien wie die Webseite kritisieren, dass es der „grundfalsche Zeitpunkt für die Einführung eines solchen Modells“ sei, da die E-Mobilität auf der Insel gerade erst so richtig Fahrt aufnehme. Andere, wie der Industrieverband Intelligent Transport Systems UK (ITS UK), sehen in dem Beschluss eine „verpasste Chance“. Sie mahnen „mehr Fairness und Transparenz“ sowie „weniger bürokratische Hürden bei der Umsetzung“ an

So funktioniert die "Electric Vehicle Excise Duty" (eVED)

Die neue Abgabe firmiert auf der Insel unter der Bezeichnung „Electric Vehicle Excise Duty“ (eVED). Sie orientiert sich ausschließlich an der Laufleistung des jeweiligen Fahrzeugs. Konkret soll die Erhebung der Abgabe wie folgt ablaufen:

  • Tachostand: Halter:innen müssen den aktuellen Meilenstand ihres Fahrzeugs angeben.

  • Schätzung: Zusätzlich wird eine Schätzung der zu erwartenden Jahresfahrleistung verlangt.

  • Zahlungsweise: Gezahlt werden kann wahlweise im Voraus oder in monatlichen Raten.

  • Abrechnung: Zum Jahressende erfolgt eine Endabrechnung auf Basis der tatsächlich gefahrenen Meilen.

Die dafür notwendigen Daten werden im Rahmen des sogenannten „MOT-Test“ (Ministry of Transport-Test), dem britischen Gegenstück zur Hauptuntersuchung (HU) in Deutschland erfasst, und anschließend an die zuständige Behörde übermittelt. Auf dieser Grundlage wird dann die fällige eVED berechnet oder mit bereits gezahlten Beträgen verrechnet.

Weniger E-Autos, mehr Staatseinnahmen? Mögliche Folgen der Steuer

Die britische Regierung hat versucht, anhand einer Modellrechnung mögliche Folgen der neuen Abgabe im Vorfeld abzuschätzen. Diese sind:

  • Weniger Neuzulassungen von E-Autos: Demnach könnten durch die eVED und die begleitenden Maßnahmen des Haushalts zwischen den Finanzjahren 2025/26 und 2030/31 rund 120.000 Elektroautos weniger im Vereinigten Königreich neu zugelassen werden, was allerdings nur rund zwei Prozent des insgesamt prognostizierten britischen E-Auto-Absatzes ausmacht.

  • Unklare Umweltfolgen: Bei den Umweltauswirkungen rechnet die Behörde indes mit erheblichen Unsicherheiten. Ein denkbares Szenario: Besitzer:innen von Verbrennerfahrzeugen behalten ihre Autos länger als geplant, um der neuen Abgabe auf E-Fahrzeuge zu entgehen. Das könnte langfristig zu höheren CO2-Emissionen führen, wenn ältere Verbrenner länger auf der Straße bleiben.

  • Mehreinnahmen in Milliardenhöhe: Auch auf den Staatshaushalt soll die neue E-Auto-Steuer spürbare Folgen haben. Konkret rechnet die britische Steerbehörde für das Finanzjahr 2028/2029 mit zusätzlichen Einnahmen von rund 1,1 Milliarden Pfund (ca. 1,3 Milliarden Euro) und für 2030/2031 bereits mit etwa 1,87 Milliarden Pfund an Mehreinnahmen (ca. 2,2 Milliarden Euro).

  • Und hierzulande? In Deutschland sind bis 2030 neu zugelassene E-Autos bis zu zehn Jahre oder bis maximal 31. Dezember 2035 von der Kfz-Steuer befreit. Was danach kommt, weiß derzeit noch niemand.

Fazit

Die neue, entfernungsbasierte Steuer für alternativ angetriebene Autos bedeutet einen klaren Kurswechsel auf der Insel: Während der britische Staat in der Anfangsphase der E-Mobilität auf Steuerbefreiungen setzte, sollen nun auch Fahrer:innen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden einen „angemessenen Anteil“ an der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur leisten, argumentiert die Regierung. Noch ist offen, wie stark dies das reale Fahrverhalten und die Kaufentscheidungen beeinflussen wird. Klar ist aber schon jetzt: Die europaweite Debatte um eine nutzungsabhängige Straßenfinanzierung – auch für E-Autos – dürfte mit dem britischen Vorstoß neue Dynamik bekommen. Vermutlich auch hierzulande.

Quellen

  • Bekanntmachung der britischen Finanzbehörde HM Revenue & Customs

  • Positionspapier des Technologieverbandes Intelligent Transport System UK (ITS UK)

  • Eigene Recherchen und Berechnungen