Fahrbericht

Renault 5 (2024): Licht & Schatten bei der ersten Testfahrt

Nach fast 30 Jahren Abwesenheit kehrt der Renault 5 2024 elektrisch aus der Versenkung zurück. Wir haben den Franzosen mit dem erfrischenden Auftritt auf eine erste Testfahrt geführt.

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Erste Testfahrt im neuen Renault 5 (2024) mit 110 kW

Renault gleitet auf der Retrowelle und bringt sukzessive den R5, den R4 und eine neue Generation des Twingo als stadtaffine Stromer auf den Markt. Als erster surft der neue Renault 5 (2024) zu den Händlern. Ab Januar 2025 liefern diese den Wiedergänger des Bestsellers aus den 1970er und 80er Jahren als batterieelektrisches Stadtvehikel aus, das damit etwas verspätet auch den Zoé ablöst. Technisch gesehen haben Zoé und R5 zwar ein paar gemeinsame Eckdaten. Aber der R5 unserer Testfahrt ist nicht nur optisch neu. Er hat mit nur 3,92 m Länge auch ein um 16 cm kürzeres Format und bringt sich damit in Stellung gegen den Fiat 500e, den Mini Cooper Electric und den Hyundai Inster.

Vom R5 gibt es zunächst die höher positionierten Versionen Techno und Iconic Five mit 110 kW (150 PS) zu kaufen, und zwar mit der größeren von zwei Batterien, mit einer Kapazität von 52 kWh. Das soll zyklusgemäß dank des sehr sparsamen Motors für 410 km reichen. Kurz nach dem Marktstart werden weitere Ausstattungsvarianten (Five, Evolution und Roland Garros) nachgereicht. Auch schwächere E-Motoren soll es ab 2025 zu bestellen geben, mit 70 oder 90 kW beziehungsweise 95 oder 122 PS. Die meisten Versionen können dann auch mit einer kleineren Batterie mit 40 kWh Energieinhalt verkuppelt werden, die einen Aktionsradius von 312 km verspricht. Am Ende soll der Einstiegspreis auf unter 25.000 Euro sinken. Das ist eine Ansage. Die von uns getestete Version heißt R5 Iconic Five und ist deutlich teurer: 34.400 Euro (Stand: Oktober 2024). Auch interessant: Unsere Produkttipps bei Amazon 

(1/12)
Renault 5 E-Tech (2024): Frontansicht schräg
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Mit lachenden Augen, einem knackig-sportlichen Auftritt und E-Motor wirbt der R5 um Zuneigung.

Renault 5 E-Tech (2024): Heckansicht dynamisch
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Die ausgestellten hinteren Kotflügel des Franzosen erinnern an den R5 Turbo der 1980er Jahre, ein V6-Macho mit Mittelmotor und Heckantrieb.

Renault 5 E-Tech (2024): Frontansicht
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Im R5 E-Tech treibt der E-Motor hingegen ausschließlich die Vorderräder an.

Renault 5 E-Tech (2024): Seitenansicht
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

In der Länge misst der R5 nur 3,92 m und ist damit überaus stadttauglich, zumal auch der Wendekreis mit 10,3 m sehr klein ist. Der Radstand beträgt 2,54 m.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht Ladestandsanzeige
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Die als Lufteinlass getarnte Ladestandsanzeige in der Motorhaube bleibt der Version Iconic Five vorbehalten.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht Detail Rad
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Die 18-Zoll-Reifen haften wie Hölle und bieten dank hoher Flanken einen angenehmen Abrollkomfort.

Renault 5 E-Tech (2024): Cockpit
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Das Cockpit steckt voller Retroanklänge an den ersten R5. Der Qualitätseindruck und die Sitzposition haben sich natürlich enorm verbessert.

Renault 5 E-Tech (2024): Rückbank
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Auf der Rückbank des R5 ist der Beinraum knapp. Schade, dass sie nicht in der Länge verstellbar ist.

Renault 5 E-Tech (2024): Kofferraum
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Der Kofferraum bietet zwischen 326 und 1106 Liter Stauvolumen. Die Ladekante ist mit 80 cm allerdings hoch und allein die Rücklehne lässt sich im Verhältnis 60/40 umklappen. Zum Trost gibt es im Unterboden ein großes Fach zum Verstauen des Ladekabels.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht Google Maps
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Das Infotainmentsystem ist weitgehend intuitiv bedienbar und reaktiv. Die Navigation per Google Maps plant jetzt auch notwendige Ladestopps ein. Für die Klimaanlage gibt es weiter physische Tasten.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht schräg vorne dynamisch
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Der R5 kommt zunächst mit einem 110 kW (150 PS) starken Motor, der die Vorderräder antreibt und von einer 52 kWh fassenden Batterie genährt wird. Ab 2025 soll es auch Motoren mit 70 beziehungsweise 90 kW (95 und 122 PS) sowie eine 40-kWh-Batterie zu kaufen geben.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht Kurve
Renault 5 E-Tech (2024) Foto: Renault

Der elektrische R5 fährt nicht nur in der Stadt kompetent. Auf Landstraßen gefallen seine direkte Lenkung und die gute Fahrwerksabstimmung, die Sportlichkeit nicht mit Härte erkauft.

Ausstattung: Die Version Iconic Five hat es in sich

Dafür hat die Ausstattung es in sich. Sie beinhaltet serienmäßig eine programmierbare Wärmepumpe, mit der man das Auto vorheizen oder -kühlen kann. Keyless Go ist mit im Paket, eine Rückfahrkamera, Full-LED-Scheinwerfer mit Fernlichtautomatik, Sitz- und Lenkradheizung, ein Parkassistent und die zweifarbige Lackierung. Dazu gibt es noch über 100 Zubehörteile und Accessoires, die teils aus dem 3D-Drucker kommen, gegen Aufpreis. So ausstaffiert wird der neue Renault 5 (2024) glatt zum Luxusschlittchen. Und originell ist er auch noch: Es gibt sogar einen Baguettehalter für frankophile Brotesser:innen. Damit fehlt eigentlich nur noch der Haken zum Aufhängen eines Berets oder eine Schatulle für die goldene Sichel.

Was bekommt man fürs Geld? Zunächst einmal viel Liebe zum Detail. Die Renault-Designabteilung hat sich ausgetobt mit lauter kleinen Nettigkeiten, wie etwa der digitalen Ladestandsanzeige auf der Motorhaube, kleinen Tricolore in den Scheinwerfern und dem stolzen gallischen Hahn, der gefühlt noch öfter an der schnittig-pfiffigen Karosserie auftaucht als die Zahl 5. Die Begrüßungsmelodie beim Öffnen der Türen wurde von der Elektropop-Ikone Jean-Michel Jarre komponiert. Der ist in Frankreich weltberühmt. Der ganze Innenraum ist in den Retrotopf gefallen. Wer den alten R5 kannte, wird sich im neuen gleich heimisch fühlen. Der viele Stoff, das Design des Armaturenbretts und die poppigen Sitze erinnern ohne Umwege an die schaukeligen Stadtmobile von damals.

Der Qualitätseindruck hat sich natürlich enorm verbessert und im Cockpit des R5 (2024) geht es viel moderner zu. Das Multimediasystem OpenR Link basiert auf Android Automotive und integriert zahlreiche Google-Dienste und Apps. Aber die Bildschirmlandschaft ist hier nicht L-förmig wie bei den größeren Renault. Zwei Bildschirme mit je zehn Zoll Diagonale (sieben beim Touchdisplay des künftigen Einstiegsmodells) müssen hier genügen. Positiv: Google Maps bezieht jetzt auch Ladestopps in die Routenplanung mit ein. Dazu gibt es jetzt erstmals einen digitalen Avatar namens Reno, der die vokale Interaktion mit dem R5 (2024) erquicklicher gestalten soll.

Im ersten Praxistest funktioniert das schon ganz gut. Insgesamt ist das Infotainment-System reaktiv und intuitiv bedienbar, eines der besten auf dem Markt. Android-Smartphones und iPhones lassen sich serienmäßig per Kabel oder auch ohne einbinden. Und die gängigsten Apps zieht man aus dem Google Play Store. Die Funktion Multi-Sense erlaubt das Konfigurieren der Modi Comfort, Sport, Eco und Perso. Wer möchte, kann sich sogar coachen lassen für mehr Fahrsicherheit. Bis zu 26 Fahrassistenten sind im R5 an Bord, darunter auch ein Ausstiegsassistent und der Active Driver Assist, eine Kombination aus adaptivem Tempopilot und Spurhaltesystem. Letztere funktioniert überdurchschnittlich gut und weckt Fernreisegelüste, für die der R5 eigentlich nicht prädestiniert scheint. Auch der Schalter links neben dem Lenkrad, mit dem man bis zu fünf Assistenten schnell aktivieren oder deaktivieren kann, gefällt uns ungemein.

Die Konkurrenten:

Auf der Rückbank ist der Platz knapp bemessen

Was im neuen Renault 5 (2024) am meisten fehlt, ist Platz. Vorne gibt es bei der ersten Testfahrt keine Probleme. Die sportlichen Sitze sind bequem und haben einen großen Verstellbereich, bieten sehr ordentlichen Seitenhalt und eine gute Sitzposition. Auch der Stauraum geht vorne in Ordnung, selbst wenn die Türtaschen etwas großzügiger ausfallen dürften. Hinten dagegen wird es kritisch. Trotz der fünf Türen hätte Obelix keine Chance, die Rückbank zu entern. Der Beinraum genügt gerade so eben für mittelgroße Passagier:innen. Sitzriesen müssen vorne Platz nehmen oder draußen bleiben, auch wenn die Innenhöhe eigentlich genügen würde. Der mittlere Platz wird mangels Breite zur Strafbank, trotz des topfebenen Wagenbodens. Der Stauraum beschränkt sich auf die Taschen in den Rücklehnen der Vordersitze.

Der Kofferraum ist schon eher klassengemäß. Er offeriert zwischen 326 und 1106 l Stauvolumen. Die Ladekante ist mit 80 cm allerdings hoch und allein die Rücklehne lässt sich im Verhältnis 60/40 umklappen. Da ist es wirklich schade, dass die Rücksitzbank nicht auch in der Länge verschiebbar ist, so wie in einigen anderen Renault. So könnte man den knappen Raum bedarfsgerecht aufteilen.

Renault 5 E-Tech (2024): Ansicht Google Maps
Foto: Renault

Der beste Platz im neuen R5 (2024) ist der hinter dem abgeflachten, griffigen Lenkrad. Denn der kleine Franzose fährt sich fast wie ein großer, mit citytauglicher Quirligkeit als Bonus. Nur 2,6 Umdrehungen benötigt das Volant von Anschlag zu Anschlag. Der R5 zirkelt sich in 10,3 m einmal um die eigene Hochachse. Auch außerhalb der Stadt gibt er eine gute Figur ab. Auf holprigem oder auf nassem Terrain hält der R5 sauber die Spur. Die Haftung der Conti-Sommerreifen im Format 18 Zoll ist sehr gut, die Lenkung mitteilsam und verbindlich. Beim flotten Fahren spürt man, wann die Haftung abzureißen droht und die Traktion ist ordentlich, selbst wenn das Drehmoment von maximal 245 Nm beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren manchmal am Lenkrad zerrt. Aus dem Stand hechtet der Kleine hurtig los. In nur acht Sekunden schnellt der R5 von 0 auf 100 km/h.

Dabei erkauft er diese Sportlichkeit nicht mit Härte, sondern federt geschmeidig, trotz der 18-Zöller, die jedoch nur 195 mm breit sind und hohe, komfortfördernde Flanken haben. Noch dazu ist er leise. Erst ab rund 120 km/h säuseln erste Windgeräusche um die A-Säulen. Auch die Bremsdosierung geht leicht vom Fuß. Der Modus B erhöht gegenüber Drive die Rekuperation. Das funktioniert bei der ersten Testfahrt gut, allerdings muss man bis zum völligen Stillstand auch das Bremspedal bemühen. Einfach Gas- oder eher Stromwegnehmen genügt nicht zum Anhalten und selbst die stärkste Rekuperation dürfte noch eine Spur stärker ausfallen, um die Batterie mit zurückgewonnener Energie zu versorgen. Überhaupt ist der R5 kein ausgesprochener Schnelllader. Mit dem 52 kWh fassenden Akku saugt er mit maximal elf (Wechselstrom) beziehungsweise 100 kW (Gleichstrom) an Ladesäulen. Das ist Klassenstandard, mehr nicht.

Der R5 E-Tech lädt nicht unbedingt schnell, aber bidirektional

Dafür bringt er zwei innovative Zusatzfunktionen mit, die seine Batterie anzapfen. Zum einen kann er dank V2L (Vehicle to Load) elektrische Verbraucher mit bis zu 3,7 kW ernähren, etwa ein E-Bike oder einen Staubsauger. Dafür braucht es einen Adapter, der mit 200 Euro zu Buche schlägt. Zum anderen schnürt Renault mit seiner Elektromobilitätstochter Mobilize gerade ein Kombi-Angebot aus Stromtarif und Powerbox. Mit dieser bidirektional genannten Wallbox kann der R5 billiger laden und im Zweifel sogar die Stromrechnung eines ganzen Haushalts reduzieren, indem er seine Batterie dem Stromnetz als Puffer zur Verfügung stellt (Hier alles zum bidirektionalen Laden nachlesen). 

Dieses V2G (Vehicle to Grid) genannte Feature funktioniert im Prinzip einfach. Einmal an die Powerbox angeschlossen, lädt der Wagen, sobald der Stromtarif günstig ist. Sollte die Batterie aber voll sein, während das öffentliche Stromnetz mit hoher Nachfrage zu kämpfen hat, wird die Batterie in gewissen Grenzen wieder entladen, wofür der Netzbetreiber wiederum einen vergleichsweise hohen Preis zahlt. Im Ergebnis wird das Netz stabilisiert, die Stromrechnung niedriger, und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung kann weiter wachsen. Ein pfiffiges Konzept, so interessant und zukunftsweisend wie der neue Renault 5 (2024) insgesamt.

Technische Daten des neuen R5 (2024)

AUTO ZEITUNG

Renault 5 E-Tech Iconic Five Comfort Range

Technische Daten

Motor

1 fremderregte Synchronmaschine

Antrieb

Konstantübersetzung; Frontantrieb

Systemleistung

110 kW/150 PS

Max. Drehmoment

245 Nm

Kapazität/Spannung

52 kWh (netto)/400 V

Karosserie

Außenmaße (L/B/H)

3922/1744(2020)*/1498 mm

Leergewicht/Zuladung

1524/394 kg

Kofferraumvolumen

326-1106 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0-100 km/h)

8,0 s

Höchstgeschwindigkeit

150 km/h (abgeregelt)

Verbrauch auf 100 km

15,2 kWh

Reichweite

410-569 km

Kaufinformationen

Grundpreis

34.400 €

Marktstart

Im Handel

Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel

Fazit

Sein Stil mag gefallen oder nicht, ganz objektiv zeigt sich der R5 als kompetenter und fahraktiver Stromer, der auch außerhalb der Stadt nicht gleich an seine Grenzen stößt. Kritikwürdig ist vor allem der knappe Raum auf der Rückbank. Auch die Ladegeschwindigkeit wäre ausbaufähig. Das sind keine Details, aber der R5 ist eben auch ein Kleinwagen, kein Luxuslangstrecken-Mobil, und seine Konkurrenten müssten das erstmal besser machen.