Alle Auto News

Assistenzsysteme

Immer schnellere Elektronik und ständig verbesserte Sensoren ziehen unter das Blechkleid moderner Autos – um das Fahren einfacher, komfortabler und sicherer zu machen. Doch welche Assistenzsysteme gibt es? Wir erklären die wichtigsten!

 

Assistenzsysteme für Komfort & Fahren

Die wohl komplexesten Assistenzsysteme in modernen Autos, die beispielsweise "Drive Pilot" (Mercedes) oder "Driving Assistant Professional" (BMW) heißen, sind eigentlich eine Kombination aus vielen Techniken. Eine wichtige Rolle übernimmt bei solchen Systemen der Abstandsregeltempomat. Der greift wie viele andere Assistenzsysteme auch auf unterschiedliche Sensoren des Fahrzeugs wie Kameras, Radar- oder Lidar-Einrichtungen zurück, um den genauen Abstand zum Vordermann zu ermitteln und zu halten. Das geht bei manchen Systemen übrigens auch im Stop-and-go-Verkehr. Hier übernimmt der sogenannte Stauassistent sogar das komfortable Abbremsen bis zum Stillstand sowie das anschließende Wiederanfahren. Zusammen mit dem Lenk- und Spurhalteassistenten (Lane Assist) kann das vor allem bei längeren Autobahnfahrten für eine erhebliche Entlastung des Fahrers sorgen –bei gleichzeitiger Steigerung der Fahrsicherheit. Denn vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Und wie müde der Fahrer ist, erkennen ausgereifte Müdigkeitswarner sofort. Apropos sehen: Auch der von Fahrern oft vernachlässigte „Tote Winkel“ wird auf Wunsch von modernen Fahrzeugen überwacht. Hier behält der Spurwechselassistent (Toter-Winkel-Assistent) mit Radar- und Ultraschallsensoren den Bereich rechts und links neben und hinter dem Auto im Blick. Als Erweiterung dieses Systems gibt es mittlerweile auch einen Seitenkollisionsvermeidungsassistenten. Bei einigen Fahrzeugen der Oberklasse erkennt die Radar-Sensorik sogar aus der Ferne herannahende Fahrzeuge, sodass Überholvorgänge nahezu vollständig dem Überholassistenten überlassen werden können. Ähnlich funktioniert der Ausweichassistent, der den Blick aber vor allem nach vorn richtet, um beispielsweise rechtzeitig ein Stauende zu identifizieren. Dieses kennen gut vernetzte Autos ohnehin schon, bevor es am Horizont auftaucht. Denn durch Echtzeit-Navidaten und Live-Kartendienste wie die von „Here“ und deren Vernetzung mit der Bordelektronik wird auch die Verkehrszeichenerkennung immer genauer. Manche adaptiven Geschwindigkeitsregler übernehmen schon heute Tempolimits, drosseln vor scharfen Kurven automatisch das Tempo oder reagieren auf etwaige Falschfahrermeldungen. Dieses Echtzeitwissen über das Verkehrsgeschehen rund herummacht auch einen Effizienzassistenten möglich. Dadurch können beispielsweise Rekuperationsphasen von Hybriden oder Elektroautos auf die nahende Bergabstrecke oder die auf Rot wechselnde Ampel hin optimiert werden. Für Kreuzungs- und Querverkehrswarner, die gerade im Stadtverkehr hellwach bleiben, sind trotzdem noch zahlreiche weitere Sensoren im Auto notwendig.

 

Licht & Sicht – eine Übersicht der Assistenzsysteme

Mittlerweile kümmert sich bei vielen Fahrzeugen die automatische Fahrlichtsteuerung um das passende Licht zur richtigen Zeit. Ebenso angenehm: der Regensensor, der die Scheibenwischer bei den ersten Tropfen auf der Frontscheibe aktiviert. Immer häufiger wird auch der Fernlichtassistent verbaut, der sich außerhalb geschlossener Ortschaften automatisch um die Aktivierung der vollen Ausleuchtung kümmert. Gerät ein anderer Verkehrsteilnehmer in den Lichtkegel, wird sofort auf Abblendlicht umgeschaltet. Nur Fahrzeuge mit adaptiven High-End-Scheinwerfern wie dem Matrix-Licht (Audi) oder dem Selective Beam (BMW) können auch bei Gegenverkehr noch mit aufgeblendetem Fernlicht fahren. Denn andere Verkehrsteilnehmer werden hier via Kameraabgleich pixelgenau ausgeblendet. Noch mehr von der nächtlichen Umgebung erkennt man mit einem Nachtsichtassistenten. Der ist bei manchen Premium-Modellen optional zu haben und arbeitet wie eine Nachtsichtkamera mit Infrarot-Technik. So können Wärmequellen wie Fußgänger oder wilde Tiere selbst bei dunkelster Nacht oder im Nebel eindeutig identifiziert Systems gibt es mittlerweile auch und gekennzeichnet werden.

 

Helfer für Parken & Rangieren

Weil moderne Fahrzeuge immer größer und unübersichtlicher werden, sind ultraschallbasierte Einparkhilfen in den vorderen und hinteren Stoßfängern bei vielen Modellen mittlerweile obligatorisch. Besser noch helfen beim Rangieren aber Rückfahrkamera oder gar 360-Grad-Kameras. Über eine animierte Grafik kann damit oft sogar übersichtlich aus der Vogelperspektive eingeparkt werden. Wer sich die Lenkarbeit in engen Parklücken nicht zutraut, kann dafür selbst schon in der Kompaktklasse auf sogenannte Parkassistenten zurückgreifen. Die erkennen Parkplätze am Straßenrand ebenfalls per Ultraschall und Kamera automatisch – und das sowohl in Quer- als auch Längsrichtung. Einmal erkannt, übernimmt die Elektronik das Lenken und zwängt sich selbst in engste Lücken. Der Fahrer muss hier nur mit Gas und Bremse die Kommandos der Elektronik befolgen – und nach drei Zügen steht das Schmuckstück passgenau eingeparkt. Selbst das Rückwärtsfahren mit unübersichtlichen Anhängern ist in modernen Autos ein Kinderspiel. Denn Anhängerrangierassistenten übernehmen hier das Lenken in die vorher definierte Richtung. Das komplizierte Umdenken beim Rückwärtsfahren im Gespann kann man sich also sparen. Und solche Manöver sind sogar am Hang möglich – vorausgesetzt, eine Berganfahrhilfe und Bergabfahrhilfe ist an Bord. Das Highlight auf jedem Parkplatz sind dagegen immer noch Autos, die ohne Fahrer aus der oder in die Parklücke rollen. Dieses Remote Parking lässt sich wie viele andere Fernfunktionen per Smartphone oder Display-Schlüssel steuern. Selbst an das Aussteigen haben die Hersteller moderner High-Tech-Schlitten gedacht: Nähern sich nämlich andere Fahrzeuge oder Radfahrer von hinten, bewertet die Ausstiegswarnung die jeweilige Situation genau und warnt die Insassen notfalls rechtzeitig vor dem Öffnen der Tür.

 

Assistenzsysteme zur Crashvermeidung und im Crash

Auch wenn viele der vorher genannten Assistenzsysteme Unfälle vermeiden sollen – ein Crash kann nicht in jedem Fall verhindert werden. Und dann entscheiden oft noch die letzten Sekundenbruchteile vor dem Zusammenstoß über schwere oder leichte Verletzungen beziehungsweise Leben und Tod. Genau in diesem kurzen Zeitraum werden nämlich die sogenannten präventiven Insassenschutzsysteme aktiv. Die Pionierarbeit für diese Technik hat wie einst schon beim ESP Mercedes-Benz geleistet. Schon im Jahr 2002 leiteten nämlich erste Modelle mit sogenanntem
Pre-Safe direkt vor einem drohenden Crash Schutzmaßnahmen für die Passagiere wie Gurtstraffung oder automatisches Schließen der Fenster ein. Bis heute wurden solche Systeme umfangreich erweitert. Es kam beispielsweise die automatische Multikollisionsbremse hinzu, die Folgeunfälle mit einem losrollenden Unfallauto verhindern soll. Auch drohende Heckkollisionen des Folgeverkehrs können erkannt werden. Mit automatisch erhöhter Warnblink- und Bremssignalfrequenz kann ein im Gefahrenbereich stehendes Auto dann auf sich aufmerksam machen. Einige Fahrzeuge erkennen sogar einen nahenden Seitenaufprall und heben die Karosserie an, damit der stabile Schwellerbereich besser schützt. Zudem können aktive Sitzsysteme die Insassen weg von der Türverkleidung in Richtung Fahrzeugmitte bewegen. Der Bereich vorm Auto wird immer umfangreicher von Kamera- und Radartechnik überwacht. Notbremsassistent mit Fußgängererkennung gibt es mittlerweile bei fast allen Fahrzeugen und müssen bei neuen Typzulassungen in der EU ohnehin ab 2022 an Bord sein. Tatsächlich können Notbremsassistenten vor allem im Geschwindigkeitsbereich unterhalb von 60 km/h Unfälle durch eine automatische Vollbremsung gänzlich verhindern oder extrem abmildern. Übrigens muss ebenfalls ab 2022 auch der Abbiegeassistent bei allen neuen Typen von schwereren Fahrzeugen und Lkw an Bord sein, der vor allem Unfälle mit Radfahrern an Kreuzungen verhindern kann. Jedes Jahr sterben auf deutschen Straßen durchschnittlich rund 30 Radfahrer, weil sie von Lastwagenfahrern beim Rechtsabbiegen übersehen wurden. Nicht nur Radfahrer dürften sich zudem über moderne Ausparkassistenten freuen, die vor allem dann aktiv werden, wenn beim Ausparken plötzlich ein Hindernis im Fahrbereich auftaucht oder vom Fahrer übersehen wurde. Auch hier leitet das Auto dann eine schnelle Notbremsung ein. Bei schwereren Unfällen, wenn beispielsweise die Airbags ausgelöst wurden oder die Schutzeinrichtungen des Autos greifen (Benzinpumpe abgestellt, Stromkreise unterbrochen), setzen moderne Fahrzeuge einen automatischen Notruf an die 112 ab. Der Vorteil: Positionsdaten und Unfallschwere werden unmittelbar nach dem Crash übermittelt. Ein solcher Notruf lässt sich obendrein auch manuell auslösen.

Copyright 2021 autozeitung.de. All rights reserved.