Ranking

Diese Kei Cars wollen wir in Deutschland: Unser Top-10-Ranking

Während die EU noch über neue Kleinstwagen-Klassen debattiert, sind sie auf der anderen Seite des Globus seit Jahrzehnten günstige Mobilmacher – und das mit großer Vielfalt trotz strengem Reglement. Diese zehn Kei Cars wünschen wir uns aus Japan nach Deutschland!

(1/11)
Die Collage zeigt drei Kei Cars: Links Honda Super N, oben rechts Mitsubishi Delica Mini, unten rechts Toyota Copen GR Sport.
Klein, wendig und immer mit 64 PS: Kei-Cars sind in Japan das Mittel zum Zweck, wenn es um bezahlbare Mobilität geht. Dass die strengen Reglementierungen bei Maßen und Leistung aber in Kreativität münden, zeigt unser Überblick! Foto: Hersteller/Collage: AUTO ZEITUNG
Der Honda Super N statisch von schräg vorne rechts.
Honda Super One: Ja, richtig gesehen! Dieses Honda-Kei-Car trägt britische Nummernschilder, denn bei unseren europäischen Nachbar:innen von der Insel gibt es den ausschließlich rechtsgelenkten Stromer-Supermini seit Mitte 2026 offiziell zu kaufen. Und wie soll es anders sein: 64 PS (47 kW) müssen reichen, im Boost-Modus stehen sogar kurzzeitig bis zu 70 kW (95 PS) zur Verfügung. Als etwas konservativere Alternative bietet Honda in Japan auch den regulären N-One als „N-One e:“ an – dann ohne aufgeblasene Kotflügel-Wangen und mit einfacherer Ausstattung. Foto: Honda
Der Toyota Copen GR Sport statisch von schräg vorne rechts.
Daihatsu Copen/Toyota Copen GR Sport: Wie sportlich sich 64 PS (47 kW) verpacken lassen, zeigt der Daihatsu Copen. Die erste Generation des zweisitzigen Roadsters schaffte es auch nach Europa – zunächst nur rechtsgelenkt und mit 0,66-l-Motor, später auch linksgelenkt und mit dem 1,3-l-Vierzylinder aus dem Yaris. Generation zwei bliebt dagegen Japan vorbehalten. Und sogar Toyotas Sportabteilung Gazoo Racing durfte Hand anlegen, ohne dabei die Leistung zu erhöhen. Mit einem Deutschlandstart dürfte es allerdings selbst als Toyota Copen GR Sport nichts mehr werden: Zum August 2026 läuft die Produktion des Micro-Roadsters aus. Foto: Toyota
Der Mitsubishi Delica Mini statisch von schräg vorne links.
Mitsubishi Delica Mini: Wer sich mit japanischen Autos auskennt, wird sicher schon einmal über den Mitsubishi Delica gestolpert sein. Im Grunde ein VW Transporter-Konkurrent, der bei uns als L300 oder L400/Space Gear ein Nischendasein fristete. In Japan hat es die 4x4-Version mit Pajero-Fahrwerk dagegen als Offroad-Minibus zu Ruhm geschafft. Mit dem Delica Mini erschien 2023 eine Miniatur-Version, die zumindest optisch voll auf Geländewagen setzt. Die Basis ist zwar nur der Hochdach-Mini „ek Wagon“, dafür gibts aber Dachreling, angedeutete Unterfahrschutze und optional Allradantrieb. So kraxelt man zwar nicht den Fuji empor, aber immerhin hält den Mini-Delica im Großstadtdschungel nichts auf. Foto: Mitsubishi
Der Suzuki Lapin fahrend von schräg vorne rechts.
Suzuki Lapin: Ach nein, was ist der süß! Der Lapin ist seit mittlerweile drei Generationen und 24 Jahren der „Frauenversteher“ im Suzuki-Angebot. Das sagt nicht der Autor dieses Rankings, sondern Suzukis Marketingabteilung selbst über den Mini auf Alto-Basis. In Pastellfarben wird der Kleinstwagen mit Kulleraugen angeboten, im Cockpit gibt es genügend Ablagen oder Schubladen für alles, was die moderne, japanische Frau im Auto benötigt. Zahllose Häschen – Lapin ist französisch für Kaninchen – zieren nicht nur Interieur und Exterieur, sondern auch das LCD-Tachodisplay – ja, auch 2026 noch so –, das neben Animationen von Blümchen und Tee trinkenden Hasen kleine Botschaften wie „Happy New Year“, „Happy Valentines Day“, „Happy Birthday“ oder „Hello“ anzeigt. So viel Mut zur wunderlichen Schrulligkeit vermissen wir bei europäischen Herstellern schmerzlichst! Foto: Suzuki
Das Bild zeigt drei Modelle des Honda N-Box in einer Studioumgebung.
Honda N-Box: Natürlich darf auch Japans aktuell meistverkauftes Auto nicht fehlen. Der N-Box vereint alles, was die Klasse so beliebt macht unter einem sehr hohen Dach: Viel Platz für vier Personen zu vergleichsweise günstigen Einstiegspreisen, aber mit vielen Individualisierungsmöglichkeiten. Im Juni 2026 erschien ein Facelift der dritten Generation des knapp 1,80 m hohen Mikrovans, das ihm leichte optische Retuschen verschaffte. Es bleibt aber bei den drei „Styles“: N-Box als einfaches Einstiegsmodell, N-Box Joy als Retro-inpirierter Lifestyle-Kasten und N-Box Custom als „sportliches“ Topmodell mit eleganterem Gesicht ohne Kawaii-Kulleraugen. Zur Wahl steht ein 0,66-l-Dreizylinder ohne sowie einer mit Turboaufladung, die 58 und 64 PS (43 und 47 kW) leisten. Allrad ist für beide optional verfügbar. Foto: Honda
Der Nissan Sakura statisch von schräg vorne links.
Nissan Sakura: Mit dem Elektro-Floh startet Nissan die Elektrifizierung der steuerlich begünstigten Minis in Japan. Zwar gab es mit dem Mitsubishi i-Miev bereits 2009 einen Elektro-Pionier unter den Kei Cars, der aber selbst in Japan nicht gerade Bestseller-Status erreichte. Mit dem Sakura – benannt nach der Kirschblüte, einem der Nationalsymbole Japans – möchte die Marke mit Sitz in Yokohama das ändern. Der Stromer hält sich an die Kei-Car-Reglemente, ist also unter 3,40 m lang und leistet 64 PS (47 kW). Die winzigen Maße schränken aber auch die Batteriegröße ein: Der 20-kWh-Akku ermöglicht eine WLTC-Reichweite von maximal 180 km. Für den dichten Großstadtverkehr und Japans Autobahnen mit strengen 100-km/h-Tempolimits aber durchaus ausreichend. Beim Frontdesign stand übrigens der große SUV-Bruder Ariya Pate. Foto: Nissan
Der Suzuki Every statisch von schräg vorne rechts mit einem Wald im Hintergrund.
Suzuki Every J Limited: Unter „kei-jidōsha“ fallen nicht nur leichte Pkw, sondern auch einige Nutzfahrzeuge – auch wenn dank Badge-Engineering mittlerweile ausnahmslos alle japanischen Hersteller mittlerweile entweder den Daihatsu Hijet (Toyota, Suzuki Elektro-Every) oder diesen Suzuki Every (Nissan, Mitsubishi, Mazda) als geschlossenen Van im Programm führen. Sich selbst behält Suzuki aber die Freizeitversion J Limited vor, die aber nicht auf der „Every Wagon“ genannten Pkw-Version basiert, sondern auf den schnöden Handwerker- und Zusteller-Van setzt. Wie in Japan en vogue kommt auch der J Limited mit grünem Unilack, Offroad-inspirierter Folierung und Anbauteilen wie einem soliden Dachgepäckträger. Das Bedürfnis nach Outdoor-Abenteuer scheint im stark urbanisierten Japan der schieren Anzahl an anlassbezogenen Sondermodellen nach sehr groß zu sein. Foto: Suzuki
Der Daihatsu Taft statisch von schräg vorne links.
Daihatsu Taft: In den 1970ern hieß ein kleiner Geländewagen im Jimny-Format bereits so, 2020 wühlte die Toyota-Tochter den Namen aus der Grabbelkiste hervor und packte ihn auf ein Mikro-SUV mit Retro-Design. Statt Leiterrahmen gibt es nun eine Konzern-Plattform für Kei Cars, auf der auch Hijet, Tanto & Co. fußen. Ins Gelände kommt die Neuauflage so zwar nicht mehr, sieht aber insbesondere mit den optionalen Optik-Paketen wie ein ganz Großer aus. Auch hier fällt die Motorenwahl natürlich überschaubar aus: 0,66 l Hubraum gibt es immer, zur Wahl als Sauger mit 52 PS (38 kW) oder dank Turbo mit 64 PS (47 kW). Typisch Japan: Allrad gibts optional – dem schneereichen Norden sei Dank! Foto: Daihatsu
Der BYD Racco statisch von schräg vorne rechts.
BYD Racco: Auch wenn Kei Cars eine rein japanische Fahrzeugklasse sind, versuchen sich doch ab und an auch ausländische Anbieter auf dem Inselstaat. So auch BYD mit dem exklusiv für Japan entwickelten Racco. Er bringt alles mit, was ein Kei Car braucht: hohes Dach, 3,40 m Länge und Schiebetüren für den leichteren Einstieg. Der Chinese ist damit das erste elektrische Kei Car aus nicht-japanischer Herstellung – und erst das vierte insgesamt. Zuvor konnten nur der Caterham 7 160, der Polski Fiat 126p sowie eine speziell für Japan aufgebaute Smart-Citycoupé-Variante mit schmalerer Spur hinten als ausländische Fabrikate in Japan mit den charakteristischen gelben Kei-Kennzeichen zugelassen werden. Foto: BYD
Der Suzuki Super Carry X-Limited statisch von schräg vorne links vor weißem Hintergrund.
Suzuki Super Carry X-Limited: Eine Kei-Car-Liste ist natürlich nicht vollständig, solange ein Kei Truck fehlt. Dass die oft nur weiß lackierten und insbesondere bei Landwirt:innen beliebten Mini-Lkw aber auch zum Lifestyle-Fahrzeug taugen, hat zum Beispiel Suzuki erkannt: Aus dem Carry wird mit Zusatz „Super“ ein Extended-Cab-Modell mit mehr Stauraum in der Kabine, als „X-Limited“ kommt allerlei Offroad-Dekor hinzu. Die Zielgruppe: Angelfans, Mountainbiker:innen oder Wintersportler:innen. Dass die Ausstattung dabei stark an ein Nutzfahrzeug erinnert und der 660-ccm-Dreizylinder mit lediglich 50 PS (37 kW) auskommen muss, soll die Outdoor-affine Kundschaft nicht abschrecken. Immerhin: Allradantrieb gibt es optional. Foto: Suzuki

Kleinstwagen, so scheint es, sind ein Relikt vergangener Tage. Citroën C1, Opel Karl, VW Up – das Segment hat in den vergangenen Jahren viele Verluste zu verzeichnen. Auf der anderen Seite des Globus erfreuen sich automobile Minis aber noch bester Gesundheit. Kei Cars, kurz für „kei-jidōsha“(„Leichtautomobil“), nennt man in Japan die Klasse der „kleinsten autobahntauglichen Fahrzeuge“, wie es im Amtsjapanischen heißt. Und klein ist dabei wörtlich gemeint: maximal 3,40 m Länge, 1,48 m Breite und 2,00 m Höhe sind zulässig. Auch Hubraum und Leistung sind gedeckelt, maximal 660 cm³ und 64 PS (47 kW) dürfen in den Papieren der Kleinstfahrzeuge stehen.

Also durchaus spannend für Stadtbewohner:innen? Und nun kommt tatsächlich ein waschechtes Kei Car nach Europa: Der vollelektrische Honda Super N ist ab Mitte 2026 in Großbritannien erhältlich und vorerst auch nur dort, denn der kleine Stromer wird ausschließlich als Rechtslenker verkauft. Trotzdem lädt das zum Träumen ein. In der Bildergalerie zeigen wir daher unsere Top-10 Kei Cars, die einen Marktstart in Europa verdient hätten!

Der Hyundai Inster im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Kei Cars: Kann das Konzept auch in Europa funktionieren?

Die Geburt der Kei Cars ist zunächst eine politisch motivierte Nachkriegs-Entscheidung: Mit günstigen Kleinstwagen sollte die eigene Wirtschaft angekurbelt werden und das Auto in der breiten Bevölkerung ankommen. Vorgegeben waren seit Tag eins bereits Hubraum und Maße, die aber von anfänglich 150 cm³ und 2,80 m Fahrzeuglänge im Jahr 1949 auf 660 cm³ und 3,40 m im Jahr 1998 anwuchsen. Auch moderne Kei Cars halten sich noch an die Regulationen aus dem späten 20. Jahrhundert.

Übrigens: Die PS-Zahl wird nicht nur von der Regierung vorgegeben, sondern auch von den Herstellern selbst. Die Obergrenze von 64 PS (47 kW) wurde nämlich in einem „Gentlemen’s Agreement“ zwischen den großen Autobauern und den Behörden festgelegt, um Leistungsschlachten mit immer besseren und hochentwickelteren Turboladern, Einspritzungssystemen und mittlerweile auch Hybrid- oder E-Antrieben vorzubeugen.

In Japan funktionieren die Kleinsten – ob mit Verbrenner, Hybrid- oder E-Antrieb – vor allem über Steuervergünstigungen. So fallen die Kfz-Steuer, die Autokaufsteuer – zusätzlich zur Mehrwertsteuer fällig – und Gewichtssteuer deutlich günstiger aus. Zudem entfällt vielerorts die strenge und komplizierte Parkplatzanmeldung „shako shōmeisho“. Normalerweise muss zum Autokauf ein passender und von der Polizei vermessener Parkplatz in der Nähe der Meldeadresse vorhanden sein, öffentliche Parkplätze und „Laternenparken“ gibt es in Japan so gut wie nicht. Bei Kei Cars entfällt diese Pflicht zumindest in ländlichen Regionen, in Großstädten wie Tokyo und Osaka ist die Nachweispflicht zumindest vereinfacht.

Nun überlegt die EU, nach japanischem Vorbild eine Kleinstauto-Klasse ins Leben zu rufen. Auslöser ist das vollständige Verbrenner-Verbot 2035, das die EU-Kommission nach viel Druck von Politik und Industrie doch noch gekippt hat. Alternativ soll daher nun die Klasse „M1E“ ins Leben gerufen werden, die die Kundschaft mit günstigen und in Europa produzierten Elektro-Kleinwagen vom Schlage eines Renault Twingo E-Tech durch Vergünstigungen auch ohne Verbrenner-Aus in den Stromer bringen soll.

Fazit

Mit Steuervergünstigungen gegen den SUV-Trend: Japan zeigt, wie kreativ man trotz strengen Regularien spannende Kleinstwagen bauen kann. Vom Mikro-Lkw bis zum Roadster reichen Kei Cars und sind daher nicht ohne Grund beliebt und ein gutes Vorbild für die geplante EU-Regelung. Bleibt nur zu hoffen, dass sich hiesige Autobauer auch eine Scheibe des Einfallsreichtums ihrer japanischen Kolleg:innen abscheiden.