Vorstellung

Isdera Imperator 108i: Das deutsche Supercar der 80er

Der Isdera Imperator 108i trieb einst einen Keil zwischen seine Erfinder und ebnete gleichzeitig den Weg für Supercars made in Germany. In den 80ern gabs hierzulande kein Auto mit einem dramatischeren Auftritt als den 30 Mal gebauten Isdera.

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Der Isdera Imperator 108i stehend von schräg vorne.
Flugsaurier: Die Idee des Isdera Imperator 108i entstand bereits in den frühen 70ern. Gebaut wurde der Supersportler zwischen 1984 und 2001. Foto: RM Sotheby's
Der Isdera Imperator 108i stehend von schräg hinten.
Keilformen dieses dramatischen Ausmaßes kannte man sonst nur von Lamborghini Countach und Co. Foto: RM Sotheby's
Der Isdera Imperator 108i stehend von vorne.
Mit der zweiten Serie 1991 hielten eine etwas rundlichere Karosserie sowie Klappscheinwerfer Einzug. Damit entfernte sich der Imperator optisch etwas vom Vorbild Mercedes C111. Foto: RM Sotheby's
Der Isdera Imperator 108i stehend seitlich.
Felgendesigns waren eines der Spezialgebiete von Eberhard Schulze. Der Isdera-Gründer entwickelte unter anderem die kultige Pirelli-Felge für den VW Golf GTI. Foto: RM Sotheby's
Der Isdera Imperator 108i stehend von hinten.
Die geriffelten Hecklichter sprechen ganz klar die Mercedes-Designsprache. Teile der Kundschaft ließen sich augenzwinkernd sogar den dreizackigen Stern aufs Auto montieren. Foto: RM Sotheby's
Das Cockpit des Isdera Imperator 108i.
Das stark zum Fahrersitz hin geneigte Cockpit erinnert an BMW, während das Zündschloss Porsche-typisch links sitzt. Foto: RM Sotheby's
Die Sitze des Isdera Imperator 108i.
Bei einem Neupreis von mindestens 350.000 Mark machte Isdera keine halben Sachen: Sowohl innen als auch außen wirkt der Supersportler wie aus einem Guss. Foto: RM Sotheby's
Der Isdera Imperator 108i stehend von schräg hinten mit geöffneter Motorhaube.
Den Zugang zum Mercedes-Mittelmotor erleichert das komplett aufklappende Heck. Man beachte auch die stilsicher in den Schweller eingearbeiteten Sidepipes. Foto: RM Sotheby's
Der Motor des Isdera Imperator 108i.
In Isderas selbst konstruiertem Gitterrohrrahmen durften während der 17-jährigen Bauzeit einige Benz-V8 Platz nehmen. Dieser hier stammt ursprünglich aus dem 500 SL (R129). Foto: RM Sotheby's

Der Imperator-Vorgänger CW311 stahl einst dem BMW M1 die Show

In keinem anderen Land der Welt gibt es mit rund 9000 km Tempolimit-freier Autobahnstrecke mehr Platz für das artgerechte Ausfahren von Supersportwagen wie in Deutschland. Und doch fremdelte die Auto-Nation schlechthin viele Jahrzehnte mit der Fertigung straßenzugelassener Hochleistungsmaschinen.

Bei Mercedes folgte auf den 300 SL, der auch nur halb-freiwillig auf das Flehen der US-amerikanischen Kundschaft hin entstand, nur das Bekenntnis zum Träumen in Form der Studie C111. Porsche hatte die klaffende Lücke zwischen dem 911 und seinen Langstreckenwaffen wie 917, 956 und 962 zwar mit dem 959 gefüllt, aber selbst der wirkte am Ende des Tages wie ein Elfer auf Anabolika. Und BMW? Die haarsträubende Entwicklungsphase mit Lamborghini konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der M1 mit seinem Reihensechser maximal auf Porsche Turbo-Niveau fuhr.

Zumal der bb-Mercedes CW311, entwickelt von einem gewissen Eberhard Schulz, dem BMW M1 bei dessen Debüt 1978 regelrecht die Show stahl. Schulz kam aus der Porsche-Entwicklungsabteilung und teilte mit bb-Chef Rainer Buchmann die Vision, einen würdigen Nachfolger für den Mercedes 300 SL auf die Räder zu stellen. Der CW311 wirkte mit seiner radikalen Keilform, den Flügeltüren und nicht zuletzt mit dem unerlaubt an der Front montierten Mercedes-Stern wie eine dramatische Evolution des C111. Die Auto-Welt war sich einig: Das ist der ultimative deutsche Supersportwagen!

Und dann folgte: nichts. Nach dem gefeierten Messedebüt auf der IAA begannen zwischen Konstrukteur Schulz und Finanzier Buchmann die Querelen darüber, wer die Urheberschaft am perlglänzenden Faustkeil innehat. Der Konflikt schwappte bis ins Zivilgericht und bedeutete sowohl den Ausstieg von Schulz als auch das Ende des CW311. Die Idee aber lebte weiter – und sollte in den 1980ern mit Schulz' neuer Firma Isdera endlich serienreif entwickelt werden.

Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Mächtige Mercedes-V8 als Mittelmotor, ZF-Getriebe wie beim Ford GT40

Das Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing hatte Eberhard Schulz 1982 aus der Taufe gehoben, zwei Jahre später folgte mit dem Imperator 108i die Kleinserienfertigung der CW311-Adaption. Nach wie vor bildete ein Gitterrohrrahmen das konzeptionelle Grundgerüst, während die aerodynamisch enorm effiziente Karosserie aus GfK gefertigt wurde.

Aus Gründen der Fahrbarkeit verzichtete Isdera auf den gut 400 kg schweren 6,9-l-V8 aus dem 450 SEL 6.9 und setzte stattdessen den fünf Liter großen Alu-Achtzylinder des 500 SEL mit 231 PS (170 kW) in die Fahrzeugmitte. Unverändert ließ Schulz hingegen das ZF-Fünfganggetriebe, das auch schon im Ford GT40 seine Standfestigkeit unter Beweis gestellt hatte. Bereits in dieser anfänglichen Ausbaustufe erreichte der Imperator weit mehr als 260 km/h Spitze.

Mit der Entwicklung neuer Triebwerke vonseiten Mercedes entfesselte sich auch das Leistungspotenzial bei Isdera. So folgten der V8 aus dem 560 SEC sowie der Vierventil-V8 aus dem 500 SL mit jeweils rund 300 PS (221 kW) und später sogar AMG-Triebwerke mit mehr als 400 PS und bis zu 310 km/h Vmax.

Die 30 zwischen 1984 und 2001 gefertigten Exemplare werden gemeinhin in zwei Serien unterteilt: Ab 1991 rundete Isdera die ärgsten Karosseriekanten ab und ersetzte die feststehenden Lichter entgegen dem allgemeinen Trend gegen Klappscheinwerfer. Die benzigen Riffelrücklichter blieben hingegen gesetzt. Zu dieser zweiten Serie gehört der hier gezeigte Imperator, den RM Sotheby's Anfang 2026 für umgerechnet gut 800.000 Euro versteigert hat. Dieser Preis überrascht wenig, kosteten Isdera bereits neu mindestens 350.000 Mark – rund doppelt so viel wie ein 911 Turbo. Ein echter Supersportwagen eben.