VW bb Polo: Luxus-Kleinwagen zum Preis eines Porsche 944

Ein VW Polo zum Preis eines Porsche 944? Das machte Rainer Buchmann von bb-auto 1983 möglich. Im Kleinserien-Kleinwagen traf zeitgeistiger Breitbau auf futuristische Ausstattungsdetails.

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Der VW bb Polo stehend von vorne.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Wer wollte, konnte Anfang der 80er 45.000 Mark für Wolfsburgs Kleinsten ausgeben. So viele technische und optische leckerbissen stecken im VW bb Polo!

Der VW bb Polo stehend von hinten.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Den getunten Winzling bot Buchmann lediglich als Steilheck an. 38 Exemplare entstanden.

Der VW bb Polo stehend seitlich.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Die "Paris"-Variante mit ausladenden Kotflügelverbreiterungen vor passendem Hintergrund.

Der VW bb Polo stehend seitlich.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Auch beim Carat passt der Hintergrund: Seine kantigen Anbauteile sehen aus wie aus Stein gemeißelt.

Blick in den Innenraum des VW bb Polo.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Die Verwegenheit, wie bb-auto fünf Lautsprecher in die Türverkleidung unterbrachte, fasziniert bis heute.

Das Cockpit des VW bb Polo.
VW bb Polo Foto: bb-auto

Optional gabs ein Multifunktionslenkrad sowie eine Variante ohne oberen Kranz, um die Anzeigen des Dinfo-Cockpits noch besser lesen zu können.

Wer die Türen eines VW Polo 86C öffnet, wird in der Regel begrüßt von einer kargen Kunststoffwüste in der die Sonne knallharter Kostenkalkulationen langsam aber sicher die Polster der zweckmäßigen Sitze zersetzt. Nicht so im VW bb Polo: Der mit seinen Regenbogen-Porsche legendär gewordene Tuner bb-auto stopfte Anfang der 80er alles in Wolfsburgs Kleinsten, was schick, technologisch anspruchsvoll und seiner Zeit weit voraus war. Also öffnen wir noch einmal die Tür – jetzt aber am effektlackierten bb-Modell mit Infrarot-Fernbedienung – und staunen.

Allein die Türverkleidung wäre eigentlich einen eigenen Artikel wert, so viel passiert dort zwischen der auf Alcantara gebetteten Fensterkurbel, den kunterbunten Türtafeln und den fünf (!) nebeneinander angeordneten Lautsprechern. Und dann das Lenkrad ... ajajaj. Während Polonormal-Fahrende auf ein zynisch-zweckmäßiges Zweispeichenvolant blicken, gibts beim Betrieb von Rainer Buchmann aus Frankfurt anno 1983 die Wahl zwischen einem ledernen Vierspeichenlenkrad, einer Art Tesla-Yoke-Vorreiter ohne oberen Kranz und einer Multifunktions-Variante.
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Der VW T-Roc (2025) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Vorreiter der Luxus-Kleinwagen: VW bb Polo mit Technik-Feuerwerk und Alcantara-Eskalation

Letztere kostet mit 1950 Mark knapp 20 Prozent eines fabrikneuen Standard-Polos und gehört zu den ersten ihrer Art – wie gesagt, wir schreiben das Jahr 1983. Das elektronische Lenkrad versammelt sechs Bedienknöpfe, die 32 Fahrzeugfunktionen in sich bündeln. Dazu gehören beispielsweise die elektrische Sitzverstellung der Recaros, die Blaupunkt-Hifi-Anlage und das hauseigene digitale Cockpit namens Dinfo. Das Mäusekino begrüßt die Person am Steuer mit einem "Guten Tag", warnt dank integrierter Außentemperaturanzeige gegebenenfalls vor Glatteis und kann auch schon Fahrtzeit, Durchschnittsverbrauch und -geschwindigkeit sowie technische Werte wie Ölstand, Öldruck oder Wassertemperatur anzeigen.

Blick in den Innenraum des VW bb Polo.
Foto: bb-auto

Wer es schafft, sich wieder aus der leuchtenden und blinkenden Alcantara-Kanzel (sogar der Dachhimmel ist entsprechend be- beziehungsweise überzogen) zu lösen, blickt auf das automobile Pendant der damals angesagten Schulterpolster. Rainer Buchmann geht die Extrameile und kreiert gleich zwei Varianten namens "Paris" und "Carat", die sich nicht nur in Sachen Farbgebung und Ausstattung unterscheiden, sondern auch beim Bodykit. Während das hier gezeigte Paris-Modell mit seinem dunkelblau-altgoldenen Effektlack etwas rundlicher daherkommt, tritt der Carat in der Seitenansicht derart geschliffen auf, als hätte Keilmacher Marcello Gandini hier seine Finger im Spiel gehabt.

Polo-Preis vervierfacht, aber maximal 75 PS

Besonders extravagant mutet das herausragende Verbindungsstück zwischen den vorderen und hinteren Kotflügelverbreiterungen Achsen am Carat an. Kultfaktor besitzen außerdem die gemeinsam mit Pirelli entwickelten, geschlossenen Felgen. Weniger eindrucksvoll geht es dagegen im Motorraum zu: Einen Großteil der 38 Steilhecks fassenden Kleinserie treibt ein 1,1-l-Vierzylinder mit 60 PS (44 kW) an, nur 13 Exemplare bekommen den damals fürs Coupé vorgesehenen GT-Motor mit immerhin 75 PS (55 kW). Eine charmante Motorisierung, die zugleich auch der anspruchsvollen Optik und Ausstattung gerecht hätte werden können, folgt mit dem 116 PS (85 kW) starken G40 erst Jahre später. Da sind die Pariser und Carats von Buchmann längst vergriffen.

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Überhaupt fragt man sich unweigerlich, welche Bevölkerungsschicht der 80er den Edel-Polo für etwa 45.000 Mark bestellt. Dynamikfans sind es jedenfalls nicht, denn für das Geld kann man sich damals auch einen vernünftig ausgestatteten Porsche 944 in die Einfahrt stellen. Technikbegeisterte Individualist:innen schon eher, aber da gibts ja auch noch den schrulligen Subaru XT. Der Reiz muss also darin liegen, dass der Kleinwagen knochentrockene Basismobilität und satten Luxus auf nonchalante Weise kombiniert. Auch in diesem Sinne ist der VW bb Polo ein Avantgardist: Heute heißen solche Autos Fiat 500, Mini oder Audi A1.