Ganzjahresreifen-Test: Größe 205/55 R 16 (2017) Ganzjahresreifen auch als Winterpneus?

von AUTO ZEITUNG 03.05.2018
Inhalt
  1. Test: Ganzjahresreifen (205/55 R 16) als Winterreifen
  2. Ein Winterreifen markiert im Test die Referenz
  3. So testen wir die Ganzjahresreifen
  4. Updates für die getesteten Reifen
  5. Testsieger: MICHELIN CROSSCLIMATE+ XL

Wir haben zehn Ganzjahresreifen sowie einen Winterreifen auf Schnee sowie auf nassem und trockenem Asphalt getestet. Eignen sich die Allwetterreifen tatsächlich als Alternative zum klassischen Winterpneu?

Warum wechsle ich eigentlich immer noch zweimal im Jahr die Reifen? Diese Fragen stellen sich vor allem Städter und Bewohner von Ballungsräumen, wo Fahrzeuge oft nur im Kurzstreckenverkehr bewegt werden und die Straßenwacht im Winter meist zuverlässig streut sowie bei Schneefall schnell räumt. Warum also teure Winterreifen kaufen, wenn man im urbanen Verkehr eh nur selten auf deren Potenzial angewiesen ist? Schließlich versprechen die Allseason- Reifen, eine Alternative fürs ganze Jahr zu sein. Was zwei Räderwechsel pro Jahr, ein extra Satz Felgen und – je nach Fahrzeug – vier zusätzliche Luftdrucksensoren kosten, kann man leicht beziffern. Was aber Ganzjahresreifen im Vergleich zu einem echten Winterpneu leisten, kann man nur mit einem aufwändigen und akribischen Test herausfinden – auf Schnee, bewässertem sowie trockenem Asphalt. Um die Tests so verbrauchernah wie möglich durchzuführen und gegen mögliche Manipulationen abzusichern, haben wir die elf verschiedenen Test-Profile im Handel eingekauft – natürlich anonym.

So lässt sich die Reifenprofiltiefe prüfen (Video):

 
 

Test: Ganzjahresreifen (205/55 R 16) als Winterreifen

Weil wir mit den Schnee-Tests bereits im Februar im Norden Schwedens begonnen haben, testen wir nur Reifen, die seinerzeit im Handel verfügbar waren. Einige Hersteller betonen, in der Zwischenzeit weitere Verbesserungen in die Produktion eingebracht zu haben. Das werden wir in einem der nächsten Tests gern überprüfen. Jedoch bleiben die Pneus erfahrungsgemäß ungeachtet der zwischenzeitlich eingeführten Updates häufig noch in mehr oder weniger großen Restbeständen im Handel. Um zu beurteilen, wie hoch die Leistungsfähigkeit der Ganzjahresreifen tatsächlich einzuschätzen ist, haben wir die zehn Testkandidaten am Sieger unseres letzten Winterreifen-Tests gemessen, dem Conti TS 860. Obwohl wir den Allseason-Pneus damit eine extraharte Nuss zu knacken gegeben haben, brillieren der Goodyear und der Uniroyal sowie vor allen Dingen der Nokian mit Schnee-Eigenschaften, wie sie längst nicht von allen Winterreifen erreicht werden. Das Profil von BF Goodrich schneidet auch noch ganz passabel ab, doch die Pneus der Marken Falken, Hankook, Michelin, Pirelli, Toyo und Vredestein zeigen, dass selbst Allseasons mit dem "Schneeflocken-Symbol" auf Schnee keine Höchstleistungen vollbringen. Immerhin genügt die Traktion, um etwa 20-prozentige Steigungen zu erklimmen – der Conti schafft sogar 23 Prozent. Größer wird die Diskrepanz beim Bremsen, wo der Pirelli abfällt. Nokian, Uniroyal und Goodyear schlagen sich noch wacker, doch die übrigen Allseasons umrunden die Teststrecke erheblich instabiler als der Winter-Conti.

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Ein Winterreifen markiert im Test die Referenz

Bei Kurvenfahrt bauen sie viel weniger Seitenführung auf und lassen das Testauto früher ausbrechen. Dennoch: Gegenüber einem Sommerreifen – mit dem die Strecke nicht mehr zu befahren ist –, sorgt selbst der schwächste Allseason im Test für einen deutlichen Sicherheitsgewinn. Auf der anderen Seite sollen Ganzjahresreifen nicht nur über eine gute Schnee-Haftung verfügen, sondern idealerweise auf nasser und trockener Straße den Eigenschaften eines Sommerreifens möglichst nahe kommen. Doch solange die Temperaturen niedrig sind, liefert – zumindest auf Nässe – der Winterreifen die optimalen Resultate: Weil seine Mischung auch um den Gefrierpunkt und darunter elastisch bleibt und die Lamellen im Profil wie ein "Scheibenwischer" über den Wasserfilm auf dem Asphalt streichen, stoppt der Conti bereits nach 54,1 m. Ein aktueller Premium-Sommerreifen benötigt bei gleichen Bedingungen fast zwei Meter mehr. Die konstruktive Nähe zum Winter-Profil sorgt dafür, dass auch der Goodyear in 54,1 m zum Stillstand kommt. Toyo und Nokian benötigen deutlich mehr Weg, beim Hankook messen wir sogar über 65 m– was einer Restgeschwindigkeit von rund 40 km/h gegenüber der des Conti entspricht. Erst auf trockener Straße muss sich der Winterreifen geschlagen geben, wenngleich er sich achtbar hält. Allen voran geben der Michelin und der aus dem gleichen Konzern stammende BF Goodrich das Tempo vor – die Performance eines Sommer-Pneus (100-0 km/h: gut 35 m) erreichen sie allerdings nicht.

 

So testen wir die Ganzjahresreifen

Um eine Einflussnahme durch die Industrie zu verhindern, haben wir alle von uns geprüften Reifen verdeckt im freien Handel gekauft. Deshalb wurden ausschließlich Produkte getestet, die Anfang 2017 verfügbar waren. Im Fahrversuch ermitteln wir viele objektive Daten mithilfe moderner GPS-Messtechnik. Der Rollwiderstand (Trommel-Test) sowie das Vorbeirollgeräusch werden nach EU-Label-Standards geprüft.

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Updates für die getesteten Reifen

Falken ab DOT 1417 geänderte Produktion (Türkei statt Thailand), soll mehr Spurstabilität im Trockenen erlauben. Hankook ab 2017 allgemeine Optimierungen. Michelin ersetzt das Test-Profil durch den
"CrossClimate +", der eine höhere Laufleistung und mehr Schnee-Grip erreichen soll. Nokian ab DOT 0117 mit optimierten Nässe-Eigenschaften. Pirelli ersetzt ab September 2017 das Test-Profil durch den "Cinturato Allseason Plus", der signifikant bessere Schneehaftung sowie optimierten Nass-Grip verspricht.

 

Testsieger: MICHELIN CROSSCLIMATE+ XL

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Gefährliche kleine Luftdruckmesser

Reifen im Format 205/55 R 16 passen auch auf:

• AUDI A3, A4
• BMW 1er, 2er Coupé
• DACIA Sandero
• FIAT 500L, Bravo, Stilo, Croma
• FORD Focus, C-MAX, Mondeo
• HONDA Civic, FR-V, Accord
• HYUNDAI ix20, i30
• KIA cee’d, Soul, Venga
• MAZDA 3, 5, 6
• MERCEDES A-, B-, C-Klasse, CLA
• OPEL Astra, Zafira, Vectra
• PEUGEOT 2008, 307, 308
• RENAULT Mégane, Scénic, Laguna
• SEAT Leon, Toledo, Exeo
• SKODA Octavia, Superb, Yeti
• TOYOTA Auris, Corolla, Avensis
• VOLVO S 40, S 60, V 40, V 50, V 70
• VW Golf, Jetta, Beetle, Scirocco, Eos, Passat, Touran

Weitere Reifentests finden Sie hier:
2017Sommerreifen-Test der Dimension 215/55 R 17
2016Winterreifen-Test der Dimension 205/55 R 16
2016Sommerreifen-Test der Dimension 225/45 R 17
2016SUV-Reifen-Test der Dimension 255/45 R 18
2015Billigreifen-Test der Dimension 205/55 R 16
2015Winterreifen-Test der Dimension 185/65 R 15
2015Ganzjahresreifen-Test der Dimension 185/65 R 15
2015Billigreifen-Test der Dimension 205/55 R 16 91 H
2015Reifen der Dimension 185/65 R 15 (PDF)
2014SUV-Reifentest der Dimension 235/65 R 17

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Unser Fazit

Hier alle Testergebnisse im PDF!

von Paul Englert und Martin Urbanke Die getesteten Allseason-Profile erreichen zwar in einzelnen Kriterien sehr gute Resultate und können zum Teil selbst auf Schnee mit dem derzeit besten Winterreifen konkurrieren. Doch in der Summe ihrer Eigenschaften, entpuppen sie sich einmal mehr als Kompromisslösung. Gleiches gilt für den Sommerbetrieb. Dennoch: Ein guter Ganzjahresreifen ist mehr als nur eine Notlösung und sichert auch im Winter das Weiterkommen. Wer meist Kurzstrecke fährt und sich die saisonale Wechselei – sowie die damit verbundenen Kosten – sparen will, ist auch mit diesen Reifen gut bedient. Jedoch sollte man sich stets bewusst sein, dass nur der Wechsel von Winter- und Sommerreifen das Optimum an Sicherheit ermöglicht.

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