Schlagschrauber/Werkzeug (Radwechsel): Test Nützliches Werkzeug für den Reifenwechsel im Test

von Holger Ippen 27.08.2021
Inhalt
  1. Elektrische Schlagbohrer für den Reifenwechsel im Test
  2. Wagenheber, Drehmomentschlüssel & Co.: Weiteres Werkzeug für Reifenwechsel im Test
  3. Reifenwechsel: Nützliches Zubehör
  4. Tipps & Anleitung zum Reifenwechsel

Den saisonalen Reifentausch gibt es nicht zum Nulltarif. Allerdings kann man selbst Hand anlegen und mit geeignetem auf Dauer Kosten sparen. Wir haben elektrische Schlagschrauber und weitere nützliche Utensilien wie Wagenheber, Drehmomentschlüssel oder Markier-Ventilkappen im Test. Und: Unsere Tipps und eine Anleitung zum Reifenwechsel!

 

Elektrische Schlagbohrer für den Reifenwechsel im Test

Testsieger: Makita DTW300

Der kraftvolle, bürstenlose Motor (BL = brushless) lässt eine kleine Baugröße bei längerer Akku-Laufzeit zu. Über drei Leistungsstufen wird das Drehmoment vorgewählt. Beim Schrauben-Lösen packt der elektrische Schlagbohrer mit bis zu 330 Newtonmetern zu. Ein (wählbarer) Modus stoppt die Drehbewegung, sobald die Schraube gelöst ist. So kann sie nicht herunterfallen. Im sogenannten Schraubermodus stoppt die Anzugskraft automatisch nach kurzer Zeit in drei Stufen. So wird ein Beschädigen der empfindlichen Gewinde vermieden. Dank solider Technik und der Extra-Features ist der DTW300 der Testsieger.

PositivKompakt, kraftvoll, staub- und wasserfest,
Elektronik sorgt hier für Zusatz-Modi
NegativFolientasten schlecht bedienbar, klobige
und schwere Akkus, grelle Beleuchtung


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Sehr empfehlenswert: Metabo Schlagschrauber SSW 18 LTX 400 BL

Ein echtes Profi-Gerät mit toller Ausdauer – der elektrische Schlagbohrer wird im soliden Kunststoffkoffer mit Ladegerät und zwei Akkus geliefert. Das relativiert den stolzen Preis. Der effziente Brushless-Motor lässt über einen mechanischen Drehregler sogar zwölf Drehmomentstufen zu. Auch mit  Arbeitshandschuhen funktioniert das komfortabel und punktgenau. Die fein abgestuften Anzugsmomente eignen sich für Pkw, Transporter und Lkw: von 70 über 100, 120, 130 und 140 bis zu 400 Newtonmeter. Das maximale Lösemoment beträgt satte 620 Newtonmeter. Dabei wiegt der Akku-Schlagschrauber auch nur zwei Kilogramm und lärmt nicht mehr als andere.

PositivKraftvoll, ausdauernd und auch für den
rustikalen Werkstatt-Einsatz gut geeignet
NegativKein Leichtgewicht, im Komplett-
Paket hochpreisig

Sehr empfehlenswert: Hazet 921M-1

Der kleinste und kompakteste Kraftprotz im Zubehörtest für den Reifenwechsel wiegt gerade einmal 1,3 Kilogramm und bietet ein Lösemoment von 270 Newtonmetern. Das Anzugsmoment in drei Stufen mit 80, 150 und 220 Newtonmeter passt gut für Arbeiten am Auto. Empfehlenswert sind auch die sogenannten Schon-Nüsse von Hazet, die empfindliche Alu-Räder mit Kunststoffhülsen schützen und zudem zur besseren Handführung drehbar sind. Der elektrische Schlagbohrer liegt im Test perfekt in der Hand und leuchtet mit der integrierten LED den Arbeitsbereich gleichmäßig hell aus. Der Clou: Durch einen besonders langsamen Anlauf wird das Ansetzen der Schrauben erleichtert.

PositivLeicht und handlich, gut dosierbares
Drehmoment, leise auch im Schlagbetrieb
NegativBedienung über Folientasten ist mit
Handschuhen etwas fummelig

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Trotec PIWS 10-20V

Auch der preiswerteste elektrische Schlagschrauber in unserem Zubehörtest verfügt über eine elektronische Drehmomentvorwahl. Das gewünschte Anzugsmoment von 100, 150, 200, 300 oder 400 Newtonmetern wird über eine – recht schwergängige – Taste am Schrauberfuß vorgewählt. Allerdings entpuppen sich diese Zahlenangaben im Test eher als grobe Näherungswerte. Deshalb sollte man hier auf jeden Fall nicht auf eine Abschlusskontrolle mit einem mechanischen oder digitalen Drehmomentschlüssel verzichten. Schlagfeste und erfreulich dünnwandige Stecknüsse gehören genauso wie ein kompakter Kunststoffkoffer zum Lieferumfang.

PositivPreiswertes Produkt mit komplettem
Ausstattungsumfang
NegativRecht schwer, riecht unangenehm, laut,
Bürstenmotor mit starker Funkenbildung

Güde ESS 350

Viel Leistung zum kleinen Preis bekommt man beim Werkstatt-Ausrüster Güde. Der netzgebundene 230-Volt-Schlagschrauber ist eine gute Alternative für Garagen-Schrauber. Hier gibt es keine Drehmoment-Vorwahl. Deshalb sollte nur kurzzeitig maschinell geschraubt und anschließend mit einem Drehmomentschlüssel korrekt festgezogen werden. Das Anzugsmoment beträgt 160 bis 350 Newtonmeter. Mit 3,6 Kilogramm ist der Schrauber recht schwer, dank Mittelhandgriff beim Test aber gut austariert. Die mitgelieferten Stecknüsse wirken billig und sind für viele Alu-Felgen viel zu kurz.

PositivSolide Technik, günstiger Preis, drei
Meter langes Kabel, Betriebsanzeige-LED
NegativRecht schwer, Stromanschluss notwendig,
Stecknüsse dickwandig und kurz

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Wagenheber, Drehmomentschlüssel & Co.: Weiteres Werkzeug für Reifenwechsel im Test

Sehr empfehlenswert: Rangierwagenheber BGS 2889 2,5 t

Als besonders solide und universell entpuppt sich im Test für Reifenwechsel-Werkzeug der hydraulische Rangierwagenheber von BGS. Der mit 28 Kilogramm recht schwere Werkstattheber lässt sich dank vier massiver Metallrollen und seitlicher Alu-Griffe gut manövrieren. Mit der Mindesthöhe von zehn Zentimetern können auch Sportwagen angehoben werden. Die maximale Hubhöhe von 46 Zentimeter reicht dagegen, um sogar große SUV aufzubocken. Dank Doppelhubkolben-Mechanik und langem, solidem Stahlhebel ist das Fahrzeug mit wenigen Pump-Hüben für den Radwechsel vorbereitet. Die Gummi-Auflage ist angenehm groß, das Ablassen schnell und sensibel möglich.

PositivSehr solide, Metallrollen laufen leichtgängig,
sehr gute hydraulische Übersetzung
NegativHohes Gewicht, Gerät benötigt viel
Platz in der Garage

Heyner Scherenheber UltraLift M

Der kompakte Premium-Scherenwagenheber wird in einer Stofftasche mit Kurbel und Ratsche geliefert. Mit dem 2,2-Kilogramm-Leichtgewicht lassen sich bis zu 1,5 Tonnen heben, also Autos mit bis zu 2,1 Tonnen Leergewicht. Als freie Mindesthöhe unterm Schweller benötigt man hier zehn Zentimeter, der größte Hub beträgt 38 Zentimeter. Allerdings wird die nutzbare Hubkraft – prinzipbedingt – im Test nur zwischen 25 und 38 Zentimetern erreicht. Die drehbare Sattelaufnahme besteht aus einem Vollgummiblock, um den Unterboden vor Verletzungen zu schützen. Wichtig: Hier darf eine Absicherung mit Keilen und Unterstellblock nicht fehlen.

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PositivPreiswert, leicht zu verstauen,
Leichtgewicht, auch elektromechanisch nutzbar
NegativRecht wackelig, deshalb
sind solide Absicherungen unbedingt notwendig

12 Volt E-Wagenheber Ejoyous

Komfort im Kompakt-Format: Der Kunststoffkoffer enthält einen Scherenwagenheber, der mit Bordspannung betrieben wird, dazu gibt es für den Reifenwechsel Handschuhe, Notfall-Kurbel und lange Anschlusskabel via Batterie-Klemmen oder Steckdose. Die Hubarbeit (bis zu drei Tonnen) verrichtet der Ejoyous im Test sehr langsam. Für Autos mit großer Bodenfreiheit wird eine Stempel-Verlängerung mitgeliefert. Somit lassen sich auch SUV aufbocken. Auch hier ist zumindest eine Absicherung des Autos wichtig, sonst droht Kipp-Gefahr.

PositivBequeme Möglichkeit, das Fahrzeug aufzubocken,
preiswert, guter Korrosionsschutz
NegativAuflagen aus Stahl können das Bodenblech beschädigen,
wackelig, langsam, Stromfresser

Alca Stempel-Wagenheber 5t

Preiswert und kraftvoll gehen hydraulische Stempel-Wagenheber ans Werk. Das von uns getestete Modell hebt bis zu fünf Tonnen. Damit lassen sich nicht nur Pkw, sondern auch Pick-ups, Transporter und Wohnmobile anheben. Allerdings patzt dieses Modell bei Sportwagen und Kleinwagen. Denn mit einer Mindesthöhe von 20 Zentimetern reicht die Bodenfreiheit im Schwellerbereich vieler Fahrzeuge nicht aus. Für höhere Autos besteht dagegen die Möglichkeit, die Gewindespindel um 7,5 Zentimeter herauszudrehen, was dann zu einer maximalen Hubhöhe von 40 Zentimetern führt. Ein Druckverlust birgt Gefahren, also unbedingt einen Unterstellbock nutzen!

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PositivGünstig, kraftvoll, gut verstaubar,
breite Aufstandsfläche, Öl nachfüllbar
NegativHohes Gewicht, flüssigkeitsgefüllt,
Dichtungen können altern

BGS Drehmomentschlüssel-Satz

Beim Reifenwechsel erleichtert der lange Hebel (54 cm) das Lösen festsitzender Radbolzen. Das Anziehen der Schrauben mit dem korrekten Drehmoment geschieht hier durch Vorwahl der erforderlichen Kraft am Griffende. Der exakte Zahlenwert erscheint unter einem Lupenglas im Handgriff. Der automatische Anzugsstopp wird mit akustischer und haptischer Rückmeldung (knacken) signalisiert. Das funktioniert im Test perfekt. Mitgelieferte Stecknüsse tragen einen festsitzenden Kunststoffschutz, um Alu-Felgen nicht zu beschädigen.

PositivSolide und präzise, ermöglicht exaktes Arbeiten,
Fein-Skala 0,5 Nm, mit Koffer
NegativZusätzlich muss ein kurzer Ratschenschlüssel
oder ein Radkreuz genutzt werden

 

Reifenwechsel: Nützliches Zubehör

Unterlegkeile

Gegen ein Wegrollen sollte das Auto vor dem Aufbocken gesichert werden, zum Beispiel mit klappbaren Stahlkeilen von Heyner. Sie lassen sich zusammengeklappt gut verstauen und bieten durch das Hemmschuh-Prinzip viel Sicherheit.

Unterstellböcke

Zur Absicherung bei Arbeiten am aufgebockten Auto eignen sich etwa Heyner UltraSafe "Pro" Premium-Böcke im Test hervorragend. Sie sind standsicher, tragen bis zu zwei Tonnen und lassen sich in der Höhe durch einfaches Ausziehen mit Ratschensicherung auf die richtige Größe einstellen. Die Gummi-Auflage verhindert die Beschädigung des Unterbodenschutzes.

Markier-Ventilkappen

Für nur fünf Euro lohnt es, beschriftete Ventilkappen an den Rädern anzubringen. Vorteil: Wenn die Radposition beibehalten wird, kann man am Laufprofil eventuellen Verschleiß von Stoßdämpfern und Radführung frühzeitig erkennen. Eine Dichtung in der Ventilkappe verhindert zudem Schmutzablagerungen bei der Lagerung.

Drehmomentmesser

Eine Drehmomentanzeige, hier von KKmoon, misst sehr genau im Bereich von zwei bis 200 Newtonmeter und zeigt die Ergebnisse auf einem großen Display an. Damit lassen sich die optimalen Einstellungen der Drehschlagschrauber finden und die realen Anzugsmomente exakt feststellen. Das Mess-Kästchen wird dazu am Ratschenschlüssel genutzt.

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Tipps & Anleitung zum Reifenwechsel

  • Stets festen, ebenen Untergrund wählen.
  • Auto gut sichern: Gang einlegen, Handbremse anziehen, Unterlegkeile an der nicht angehobenen Fahrzeugseite nutzen.
  • Auto mit Unterstellbock absichern.
  • Radposition am Fahrzeug mit Kreide oder spezieller Ventilkappe kennzeichnen.
  • Vor dem Aufbocken alle Türen und Klappen schließen (Verwindungsgefahr)
  • Radbolzen nur mit geeignetem Werkzeug lösen (Radkreuz, Impact- oder Felgenschonnuss).
  • Sitzt das Rad durch Rost an der Nabenaufl age fest, nur wenig Rostlöser oder Kriechöl verwenden, danach gründlich reinigen.
  • Beim Radaufstecken auf korrekte Rotationsrichtung achten.
  • Gewinde des Radbolzens nicht ölen, falls es "vergammelt" ist – nur mit einer Messingbürste reinigen oder neue Radbolzen (auf richtige Länge achten) verwenden.
  • Mit korrektem Drehmoment anziehen – wenn manuell, dann vorher das Auto ablassen.
  • Radschrauben-Reihenfolge: grundsätzlich diagonal festziehen.
  • Wird kein professioneller Drehschlagschrauber eingesetzt, dann muss der feste Sitz aller Schrauben nach 50 Kilometern überprüft werden.
  • Räder vor dem Einlagern (an dunklem, trockenem Ort) gründlich reinigen.
  • Keine Kunststofftüten als Schutz nutzen, denn hier besteht die Gefahr, dass sich Kondenswasser bildet.

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