Ford GT90 (1994): Fords Höhenflug mit dem 400-km/h-Supercar

Mit dem Ford GT90 führte die US-Marke 1994 ihr berühmt-berüchtigtes New-Edge-Design ein und erinnerte zugleich an den legendären GT40. Ach ja: Ganz nebenbei markiert er mit 407 km/h bis heute den schnellsten Sportwagen der Marke überhaupt.

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Der Ford GT90 stehend von schräg vorne.
Ford GT90 Foto: Ford

Auf GT40 und GT70 folgte 1994 der Ford GT90. Der Supersportwagen war Design-Vorreiter, Topspeed-Traum und Hommage in Einem.

Der Ford GT90 stehend von schräg hinten.
Ford GT90 Foto: Ford

Das scharfkantige Dreiecks-Motiv des New-Edge-Designs wiederholt sich an vielerlei Stelle.

Der Ford GT90 stehend von vorne.
Ford GT90 Foto: Ford

Trotz der schmalen Frontleuchten erinnert gerade der Blick von vorne an den legendären Ahnen, der in Le Mans Ferrari und Porsche bezwang.

Der Ford GT90 stehend seitlich.
Ford GT90 Foto: Ford

Wegen des V12-Mittelmotors weicht die gedrungene Cockpitkanzel weit nach vorne aus. Kaum zu glauben, dass der GT90 eng mit dem langgestreckten Jaguar XJ220 verwandt ist.

Der Ford GT90 stehend von hinten.
Ford GT90 Foto: Ford

Ein ausfahrbarer Heckspoiler sorgte bei 400 km/h für ausreichend Stabilität.

Das Cockpit des Ford GT90.
Ford GT90 Foto: Ford

Der GT90 ist die Mutter der zerklüfteten und doch zweckmäßigen Interieurs, die die New-Edge-Welle Ende der 90er in die Ford-Showrooms spülen sollte.

Der Motor des Ford GT90.
Ford GT90 Foto: Ford

Aus zwei V8 mach einen V12: Der vierfach aufgeladene 5,9-l-Motor hat Frankenstein-Flair.

Was haben Aston Martin, Jaguar, Land Rover und Volvo gemeinsam? Alle Marken waren in den 1990ern, wenige Jahre bevor Ferdinand Piëch auch mit VW auf große Luxusmarken-Einkaufstour ging, im Besitz von Ford. Diese Prestige-Packung, die später als Premier Automotive Group mit viel Anlauf gegen die Wand donnern würde, erlaubte dem US-Konzern Mitte der 90er eine Supersportwagenstudie der Extraklasse: den Ford GT90.

Passendes Zubehör für den Klassiker:

Der im Dezember 1994 präsentierte Überflieger sollte gleich mehrere Aufgaben auf seine aerodynamisch durchtriebenen Schultern nehmen. Die Offensichtlichste betraf das Design, das die New-Edge-Richtung der kommenden Jahre vorwegnahm. Nicht wenige Details des scharfkantigen Auftritts erbten später die erste Generation des Ford Ka sowie der Ford Focus. Dann der Name: Wenn ein Ford "GT" heißt, muss er etwas Besonderes sein. Mit dem GT40 hatte die Marke ab 1964 einen sensationellen Rennwagen erschaffen, der die erdrückende Dominanz von Ferrari in der Langstrecken-WM brechen konnte. Während sich aber die 40 auf die Höhe des Autos in Zoll bezog, sollte die 90 nunmehr das damals aktuelle Jahrzehnt meinen.
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Im Ford GT90 (1994) steckt Technik von Aston Martin, Jaguar und Lincoln

Aus den historischen Presseunterlagen geht hervor, dass sich das Entwicklerteam in gewisser Weise einen GT40 für die 90er-Jahre als Ziel gesetzt hatte. Frei nach dem Motto: "Was für ein Auto würden die Pilot:innen von damals gerne haben, wenn sie heute noch Rennen fahren würden?" Das Ergebnis: Neben deutlich mehr Power und Speed verfügte der Ford GT90 auch über einen Totwinkelwarner (so nachrüsten) in den Außenspiegeln. Wer jemals im chronisch unübersichtlichen GT40 gesessen hat, wird die Fahrassistenz ohne Diskussion einem Motor-Upgrade vorziehen.

Apropos Motor: Hinter der Fahrerkanzel setzte Ford beim GT90 nicht etwa auf einen traditionellen V8, sondern auf gleich zwei: Die beiden Achtzylinder aus dem Lincoln Town Car wurden jeweils um zwei Zylinder beraubt und anschließend aneinandergeschweißt – fertig war der erste Ford-V12 seit 1948. Und da 5,9 l Hubraum für sich genommen offensichtlich noch nicht ausreichten, wurde das Triebwerk nach dem Vorbild des Bugatti EB110 von gleich vier Turboladern zwangsbeatmet und obendrein von Zylinderköpfen des Aston Martin DB7 gekrönt. 

Die Konkurrenten:

Schneller als ein McLaren F1 – zumindest auf der Spielekonsole

Die Leistungsausbeute lässt sich schlichtweg als brutal bezeichnen. 730 PS (537 kW) und 895 Nm Drehmoment generiert der aufgeladene V12. Das damals schnellste Serienauto, der McLaren F1, schaffte mit 627 PS (461 kW) und seinem für Supersportwagen rekordverdächtigen cW-Wert von 0,32 maximal 391 km/h. Da überrascht es kaum, dass der GT90 mit gut 100 PS (74 kW) mehr und vergleichbarer Aerodynamik gar 407 km/h anpeilte. Wer die Fünfgang-Schaltung schnell genug rührte, hatte innerhalb von 3,1 s bereits Landstraßentempo erreicht.

Das Cockpit des Ford GT90.
Foto: Ford

Sowohl das Fünfgang-Getriebe als auch das Monocoque samt Aufhängung übernahm Ford aus dem glücklosen Jaguar XJ220 (Jaguar XJ220 und XJR-15 im Vergleich), während man sich für die Dämmung des Triebwerks Keramikplatten aus dem Space Shuttle borgte. Spacig ging es für damalige Verhältnisse auch im Innenraum zu, auch wenn sich die Kundschaft Ende der 90er schnell an die zerklüfteten Armaturenbretter und Dreieck-Motive gewöhnen sollte.

Nach diversen Auftritten wurde der GT90 selbst irgendwann zum Bermuda-Dreieck, bis er 2010 auf einer Auktion auftauchte – nur um gleich wieder zurückgezogen zu werden. Heute steht das Einzelstück im Hajek Motorsports Museum in Oklahoma (USA). Wer den ultimativen Ford erleben möchte, muss aber nicht unbedingt über den Großen Teich reisen: Ende der 90er wilderte das Supercar in einer ganzen Reihe von Videospielen von "Need For Speed II" bis "Gran Turismo 2".

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Die GT-Geschichte nahm zehn Jahre später ein versöhnliches Ende

Warum aber ging der Ford GT90 nie in Serie? Vielleicht zeichnete sich bereits ab, dass sich der Erfinder der Fließbandproduktion finanziell etwas übernommen hatte mit dem Zukauf diverser Premiummarken. Zum anderen wären gerade letztere Marken prädestiniert für Supersportwagen, während sich Ford lieber auf die breiten Massen konzentrieren wollte. In abgemilderter und doch sehr versöhnlicher Form lebte der GT-Traum dann 2004 noch einmal auf, als Ford den Supersportler mit Retro-Flair neu auflegte. Dann auch konsequenterweise nur mit V8 und völlig ausreichenden 330 km/h Topspeed.