Isdera Commendatore 112i: Herausragender Flügeltürer

Was tun, wenn kein Hersteller den Sportwagen baut, den man wirklich möchte? Richtig, man baut sich einen eigenen Supersportler! Das ist die imposante Geschichte des Isdera Commendatore 112i!

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Der Isdera Commendatore 112i fahrend in der Frontansicht.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

1993 stellt das kleine Ingenieursbüro Isdera den wohl extremsten und exklusivsten Flügeltürer vor: den Isdera Commendatore 112i.

Der Isdera Commendatore 112i fahrend in der Heckansicht.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Firmengründer Eberhard Schulz baute bereits seit den späten 60er-Jahren schnittige Sportwagen in Eigenregie. 

Das Cockpit des Isdera Commendatore 112i.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Für den Bau des Commendatore 112i bediente sich Isdera aus den Regalen anderer Hersteller. Nicht nur der Tacho stammte von Mercedes.

Die Sitze des Isdera Commendatore 112i im Detail.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Das Porsche Arktissilber außen wird innen von schwarz-blauen Recaros kontrastiert.

Der Isdera Commendatore 112i stehend in der Frontansicht.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Eberhard Schulz war unter anderem an der Entwicklung des Porsche 928 beteiligt, von dem er sich für den 112i die Scheinwerfer entlieh.

Der Isdera Commendatore 112i stehend in der Seitenansicht.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

4655 mm lang und 1075 mm hoch, bringt der Commendatore 1480 kg auf die Waage.

Der Isdera Commendatore 112i stehend in der Heckansicht.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Seit der Restaurierung im Jahr 2016 trägt der Sportler wieder die originalen BBS-Räder und den typischen Periskop-Außenspiegel.

Isdera Commendatore 112i in der Frontansicht. Die Motorhaube und die Türen sind offen.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Mit Türkonzepten kennt sich Isdera aus. Koenigsegg ließ sich später von ihm beraten.

Der Isdera Commendatore 112i in der Heckansicht. Die Motorhaube und die Türen sind offen.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Die Karosserie besteht aus Gründen der Gewichtsersparnis aus GfK.

Blick in den Motorraum des Isdera Commendatore 112i.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Den 6,0-l-V12 mit 408 PS (300 kW) entstammt ebenfalls aus den Mercedes-Regalen und wurde auch im Pagani Zonda genutzt. 

Das Tacho des Isdera Commendatore 112i.
Isdera Commendatore 112i Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Der Tacho lügt nicht. 342 km/h schafft der Commendatore als Spitzengeschwindigkeit. 

Isdera, das steht für Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing. Hinter dem eher trocken klingenden Akronym versteckt sich allerdings eine der spannendsten Geschichten des deutschen Automobilbaus. Geschichten, die sich in Form ganz besonderer Sportwagen namens Erator, Imperator und auch des hier behandelten Isdera Commendatore 112i in den Köpfen von Fans ungehörig schneller Exoten eingebrannt haben. Doch um zu verstehen, was diese straßentauglichen Rennwagen so besonders macht, muss man sich auf eine kleine Zeitreise einlassen. Im Jahr 1970 fährt Firmengründer Eberhard Schulz mit seinem ersten Eigenbau, dem quietschgelben "Erator" zu Porsche. Angelehnt an den Ford GT40, montierte der damals 20-Jährige in der heimischen Waschküche sein erstes selbst entworfenes Auto. Zwei Monate später tritt er dort, ohne Studiums-Abschluss, seine Stelle an. Hier lernt er den Prototypenbau und ist unter anderem an der Entwicklung von Porsche 924, 928 und 930 Turbo beteiligt. 
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Isdera Commendatore 112i: Ein Supersportwagen der Extraklasse

Doch Eberhard Schulz trieben seine eigenen Projekte um, ihm fehlte die Freiheit. 1982 gründet er seine eigene Firma. Sein erster Streich verkörperte der 1984 vorgestellte Isdera Imperator 108i, der auf seiner Studie des Mercedes CW311 basierte und in Kleinserie ging. Der 350 PS (257 kW) starke Bolide begeisterte nicht zuletzt durch seinen 5,6-l-V8. Auch das aerodynamische Design samt Scherenschlag-Türen sorgte für Furore. 1992 setzt Isdera schließlich zum Sprung ins neue Jahrzehnt an und beginnt mit der Entwicklung des Isdera Commendatore 112i.

Ein Jahr später war es soweit. Benannt nach Enzo Ferrari, stellte der Commendatore den Imperator in jeder Hinsicht in den Schatten. Unter den hinteren Flügeltür-Motorhauben lauerte ein 408 PS (300 kW) starker 6,0-l-V12 von Mercedes, gekoppelt an ein manuelles 6-Gang-Getriebe, der den in Porsche Arktissilber lackierten Supersportler auf 342 km/h beschleunigte. Die Karosserie fertigte Schulz aus GfK, während das Chassis wie bereits bei den Vorgängern aus einer Gitterrohrrahmen-Konstruktion bestand. Das Ergebnis auf der Waage waren 1480 kg.

Isdera Commendatore 112i in der Frontansicht. Die Motorhaube und die Türen sind offen.
Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Fahrwerksseitig setzte der Isdera Commendatore 112i auf die Möglichkeiten moderner Elektronik. In Zusammenarbeit mit BBS und Bilstein entstand eine Aufhängung, die das Fahrzeug bei hoher Geschwindigkeit um rund acht Zentimeter absenken konnte. Im Windkanal ergab sich so unter anderem in Verbindung mit dem Periskop-Außenspiegel auf dem Dach ein cw-Wert von 0,306. Es war ein offenes Geheimnis, dass der Isdera für die 24 h in Le Mans konzipiert war. Zum Einsatz im Rennsport sollte es jedoch nie kommen.

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Der Commendatore blieb ein Einzelstück

Bei der Premiere des Isdera Commendatore 112i im Jahr 1993 standen die Zeichen gegen das aufstrebende Unternehmen. Ein Großteil der finanziellen Unterstützung erreichte Isdera aus Japan, das sich in einem wirtschaftlichen Umschwung befand. Das Ingenieurbüro musste sich restrukturieren, der Commendatore blieb ein Einzelstück. Das Projekt wurde von einem Schweizer Konsortium übernommen, das den Rennwagen 1999 zur IAA in Frankfurt erneut ausrollte. Unter dem Namen "Silberpfeil" präsentierte sich der Commendatore nun ohne die BBS-Felgen und den ikonischen Periskop-Außenspiegel.

Das Cockpit des Isdera Commendatore 112i.
Foto: RM Sotheby's/Rémi Dargegen

Kultstatus hatte der Isdera Commendatore 112i trotzdem erreicht. Auch das Erscheinen des Autos in Need for Speed II (1997) verhalf ihm zur Berühmtheit in jüngeren Kreisen. Ende 2016 gelang es Eberhard Schulz schließlich, den Commendatore aus der Schweiz zurückzukaufen. In den folgenden Jahren ließ Isdera das Einzelstück wieder in den Originalzustand von 1993 zurückversetzen. Die Fünf-Doppelspeichen-Felgen und herkömmlichen Außenspiegel wichen den neu angefertigten BBS-Rädern und dem typischen Periskop-Spiegel.

2021 trennte sich Isdera schließlich vom Commendatore 112i und bot den Supersportwagen auf der Paris-Auktion von RM Sotheby's an. Der Hammer fiel bei 1.113.125 Euro. In Anbetracht dessen, dass es sich um ein Supersportwagen-Unikat handelt, das direkt vom originalen Hersteller angeboten wurde, ein durchaus angemessener Preis. Apropos: Schulz baute nicht nur Autos. Aus seiner Feder stammte neben Möbeln auch die ikonische "Pirelli"-Felge, die zur Serienausstattung der gleichnamigen Golf GTI-Sonderserie avancierte.