Toyota RAV4 PHEV: Dauertest-Fazit nach 30.000 km
Mit 1,2 Mio. Stück war der Toyota RAV4 2024 das meistverkaufte Auto der Welt. Als Plug-in Hybrid-Variante versuchte der Japaner, in unserem Dauertest Sympathien zu sammeln. Das ist unser Fazit nach einem Jahr!
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Dauertest-Abschluss: 29.576 km im Toyota RAV4 PHEV
Man kann trefflich über Lifestyle-Automobile im Allgemeinen und SUV im Besonderen streiten. Wenn eines aber unstrittig ist, dann dass Toyota diese Fahrzeug-Gattung demokratisiert hat. Sieht man vom Jeep Cherokee XJ ab, der hierzulande schon zehn Jahre früher auf den Markt kam und eher Exoten-Status genoss, war der Toyota RAV4 nämlich ab 1994 das erste Kompakt-SUV, das in der breiten Autofahrermasse weltweit nicht nur ankam, sondern auch gern gekauft wurde. Im ersten vollen Verkaufsjahr 1995 entschieden sich weltweit fast 127.000, in Europa 19.000 und hierzulande 4600 Menschen für den Hochbeiner aus dem Land der aufgehenden Sonne. 2024 war er mit fast 1,2 Mio. Exemplaren sogar das meistverkaufte Auto der Welt. Toyotas Absicht, mit dem RAV4 einen Hauch von Lifestyle und Abenteuer in die Reihenhaussiedlungen der Vorstädte zu wehen, ging also auf.
Im zwölfmonatigen Redaktionsdienst musste die fünfte Generation des Allrounders, die übrigens im Frühjahr 2026 vom sechsten RAV4 abgelöst wird, auf insgesamt 29.576 Dauertest-Kilometern zeigen, wie es unterwegs um ihre Alltagsqualitäten bestellt ist. Hierfür war der Nagoyablau-Metallic-farbene Japaner bestens aufgestellt, denn dank der Style-Ausstattung waren bereits Sitzheizung und -belüftung für die Frontsitze, eine 360-Grad-Kamera, Voll-LED-Frontscheinwerfer, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, eine Frontkollisionswarnung inklusive Fußgänger- und Radfahrererkennung sowie ein Rückfahrassistent an Bord. Das alltagstaugliche Kofferraumvolumen von 520 bis 1604 l und die durchgängig ebene Ladefläche nach dem Umklappen der geteilt klappbaren Lehne sammelten ebenso rasch Sympathien wie die bequemen Sitze und die – mit Ausnahme des Zugriffs auf die Assistenzsysteme – weitgehend selbsterklärende Bedienung.
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Der VW Tayron im Fahrbericht (Video):

Eher Reisender statt Rasender
Auch die ersten Fahreindrücke folgten prompt: Die durch unzählige Test- und Messfahrten hochsensibilisierten Sinne von Tester Sebastian Koch registrierten, "… dass es bei Nässe um die Traktion nicht zum Besten steht. Dann bekommen die Assistenzsysteme viel zu tun". In der Tat nahm sich die Elektronik bei rutschiger Fahrbahn stets einen Augenblick Zeit, bis sie den Hinterradantrieb zuschaltete und den Japaner damit zum Allradler machte. "Das typische Allrad-Gefühl von Grip und Fahrstabilität stellt sich erst mit Verzögerung ein", fasste Redakteur Jürgen Voigt diese Auffälligkeiten zusammen.
Bei vollem Leistungseinsatz wurden überdies in der Lenkung deutliche Antriebseinflüsse spürbar. Zusammen mit der bei Kurvenfahrt ausgeprägten Seitenneigung und den Bremswegen aus Tempo 100 (kalt: 40,3 m/warm: 39,7 m), die ruhig ein paar Meter kürzer hätten ausfallen dürfen, möglicherweise aber auf das Konto der Bereifung gingen, machte der Millionenseller schnell klar, dass er sich nicht um die Rolle des Chefdynamikers im Ring bewirbt.
Gelassenes Reisen liegt ihm eher, wie die Kollegen im Dauertest bemerkten. Jürgen Voigt: "Bis circa 50 km/h registriert man ein etwas bockiges Anfedern, oberhalb dieses Tempos gefällt der RAV4 aber mit gutem Federungskomfort." "Auf Reisen reicht die Power des Antriebs voll aus“, bemerkte auch Redakteur Martin Urbanke ohne zu unterschlagen, "dass die konstant hohe Drehzahl bei voller Beschleunigung nerven kann".
Für Vortrieb sorgt im RAV4 ein ziemlich komplexer Hybridantrieb mit einer durchaus respektablen Systemleistung von 306 PS (225 kW). Er besteht aus einem unter Last etwas rau laufenden 2,5-l-Benziner mit 185 PS (136 kW), der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet. Diese Technik sorgt dafür, dass sich die Einlassventile je nach Lastzustand später schließen, durch Ladungswechselverluste und Stickoxid-Emissionen verringert werden, aber auch eine geringe Leistung im unteren Drehzahlbereich in Kauf genommen werden muss. Das kompensiert jedoch die E-Maschine mit 134 kW (182 PS) und 270 Nm. Im Heck arbeitet ebenfalls ein E-Motor (40 kW/54 PS), der bei Bedarf die Hinterräder direkt antreibt. Die Kraftübertragung übernimmt ein automatisches Planetengetriebe, das den Kraftschluss des Verbrenners und des E-Motors vorn zu den Vorderrädern regelt und mit einer variablen Übersetzung arbeitet, was die konstant hohe Drehzahl bei voller Beschleunigung erklärt.
Komplexer & sparsamer Hybridantrieb
Derart gerüstet, dürfen vom Toyota RAV4 entsprechende Fahrleistungen erwartet werden. "Von null auf 100 km/h vergehen gerade einmal 6,2 s", zitierte Kollege Koch aus dem Datenblatt, was durchaus als respektabel zu bewerten ist. Auch wenn dieser Wert im Alltag eher akademischer Natur ist, gibt er doch einen Hinweis darauf, dass der RAV4 mit den Fahrwiderständen relativ leichtes Spiel hat.
Im Dauertest macht sich das vor allem durch einen prächtigen Durchzug bemerkbar, wenn E-Motoren und Verbrenner etwa beim Überholen kraftvoll und gemeinsam ans Werk gehen. Die bei 180 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit gab im Fahrtenbuch allerdings niemandem zum Anlass zur Klage. Vielmehr erntete der "gut ansprechende Antrieb", wie Mitarbeiter Jarno Schwarze protokollierte, ähnlich viel Lob wie der Kraftstoff- beziehungsweise Stromverbrauch. Die Batteriekapazität von 15,5 kWh reichte auf der Verbrauchstour für 60 km rein elektrisches Fahren. Das ist fast doppelt so viel wie die 34 km, die Otto Normalfahrer durchschnittlich pro Tag zurücklegt. Wer also in der glücklichen Lage ist, auf dem Firmenparkplatz an der Wallbox laden zu dürfen oder über die heimische Photovoltaik-Anlage Strom zu zapfen, kann in Ruhe beobachten, wie die Stammtankstelle Spinnweben ansetzt.
Gemittelt aus je einer Verbrauchsfahrt mit voller und leerer Batterie ergab sich im Dauertest ein Verbrauch von 5,1 l Super und 7,5 kWh pro 100 km. Angesichts eines Leergewichts von 1997 kg ist das ausgesprochen sparsam. Für die Strom-"Betankung" hätten wir uns allerdings zusätzlich eine Schnellladefunktion gewünscht. Aber selbst mit leerer Batterie sind je nach Topographie und Verkehrslage Werte zwischen 5,5 und 6,0 l auf 100 km möglich, wie der Toyota zum Beispiel auf der Deutschland-Tour durch den Deutsch-Belgischen Naturpark Hohes Venn – Eifel zeigte. Der Grund: Wann immer es möglich ist, schaltet die Elektronik den Verbrenner ab und lässt den Toyota RAV4 im Schiebebetrieb kräftig rekuperieren. Die streckenweise akustische Abwesenheit des Verbrenners wirkt sich dabei wohltuend auf den Geräuschkomfort aus.
Störanfälliges Infotainment
Überhaupt nervte das Infotainment im Dauertest immer wieder: etwa mit der bei jedem Neustart erforderlich Zustimmung zur Datenübertragung an den Toyota-Server, mit Naviausfällen oder schleppend aktualisierten Verkehrsmeldungen. Immerhin: Per Sprachbedienung navigierte der Toyota RAV4 sogar zum Lieblingsbäcker des Autors dieser Zeilen problemlos. In diesem Zusammenhang ein kleines Kuriosum am Rande, über das sich Frank Ratering, Fotograf der Tour, wunderte: "Bei der Rückkehr aus Belgien meldete die Anzeige auf dem Touchscreen beim Grenzübertritt auf deutsche Autobahnen eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 999 km/h".
Hoher Preis, aber üppige Garantie
Obwohl der Antrieb während des gesamten Dauertests sparsam mit Kraftstoff und Strom umging, dazu vergleichsweise überschaubare Steuer- und Versicherungskosten anfielen und der 15.000-km-Service mit 315 Euro eher moderat war, ist der Unterhalt eines Toyota RAV4 Plug-in Hybrid nicht unbedingt günstig. Das liegt einerseits am heftigen Anschaffungspreis, der zu Beginn des Tests 2024 mit immerhin 63.790 Euro (Grundpreis: 52.790 Euro) zu Buche schlug, und andererseits am Wertverlust, der pro Jahr mit über 5800 Euro bei 10.000 km beziehungsweise fast 6700 Euro bei 20.000 km die Haushaltskasse belastet. Daraus ergibt sich in Summe ein Kilometerpreis von 90 beziehungsweise 58 Cent.
Tröstlich darf in diesem Zusammenhang allerdings gelten, dass Toyota bei der Einhaltung der Wartungsvorschriften mit vollen 15 Jahren Garantie eine Fehlerfreiheit für den RAV4 Plug-in-Hybrid garantiert und damit kostenseitig vor zusätzlichen bösen Überraschungen schützt.
Der aktuelle Dauertest-Fuhrpark:
Technische Daten des Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid
| AUTO ZEITUNG 25/2024 | Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid |
| Technik | |
| Motor | 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo; 2487 cm³ zwei Elektromotoren (je einer vorne und hinten) |
| Antrieb | Automatik-Getriebe, stufenlos; Allradantrieb |
| Systemleistung | 225 kW/306 PS |
| Systemdrehmoment | k.A. |
| Kapazität | 18,1 kWh |
| Karosserie | |
| Außenmaße (L/B/H) | 4600/1855 (2160)*/1690 mm |
| Leergewicht | 1930 kg |
| Kofferraumvolumen | 520-1604 l |
| Fahrleistungen | |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 6,0 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| Verbrauch auf 100 km | 1,0 l S + 19,9 kWh/100 km |
| Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel | |
Fazit
Die Bilanz fällt eindeutig aus: Der Toyota RAV4 Plug-in Hybrid taugt eher für die Praxis als zum Posen. Geräumig, kräftig, technisch komplex, dafür aber sehr genügsam konnte er sich im Dauertest zahlreiche Sympathien erwerben. Auffällig waren in erster Linie die gewöhnungsbedürftig Akustik des Antriebs und das nicht immer störungsfrei arbeitende Infotainment-System. Mittlerweile ist das Produktionsende des ausgereiften Teilzeitstromers in Sicht – da dürften die Chancen auf Schnäppchen steigen.














