Touristenfahrten: Als Rookie auf der Nordschleife
Die Nordschleife des Nürburgrings kann man bei den Touristenfahrten auch als normalsterblicher Neuling ohne Pilotenlizenz unter die Räder nehmen. Wir haben es ausprobiert!
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate Link bzw. mit Symbol) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.
Nordschleifen-Touristenfahrt im Selbst-Experiment
Grün ist es hier, stimmt. Aber höllisch? Malerisch schmiegt sich die Nordschleife in und um die Vulkankrater der Eifel. Schon bei der Anreise kündigt sich die bevorstehende Berg- und Talfahrt mit ständigen Höhenwechseln an. In meinen Ohren klickt es. Die Tachoskala des Cupra Leon, unser Dienstfahrzeug aus dem Dauertest-Pool, reicht bis 300 km/h. Nicht sicher, dass ich das heute mit den 150-Diesel-PS (110 kW) des Kombis bei meiner ersten Touristenfahrt auf der Nürburgring-Nordschleife austesten werde.
Im besten Fall lote ich meine eigenen Grenzen aus, nicht die des Autos und schon gar nicht die der Leitplanken. Meine Begleiterin, Jil, Influencerin mit Nerven aus Kevlar, und Fotograf Zibi, der schneller auslöst als sein Schatten, würden es mir danken. Das Worst-case-Szenario wäre, den Cupra zu zerdeppern und den Nordschleifen-Fail-Fundus auf YouTube zu bereichern.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon
Nürburgring-Rekord des Porsche Taycan Turbo GT (Onboard-Video)

Die Brit:innen sind große Fans des Nürburgrings
BMW M3 vier verschiedener Generationen knistern auf dem Parkplatz vor dem Ticket-Kiosk. Selbst Hochkaräter wie der Porsche 911 GT3 RS genießen hier keinen Exotenstatus. Sie kommen aus Lüdenscheid, Luxemburg, Berlin und Belgien, oder – sehr oft – aus Großbritannien. Wenn Nicht-EU-Bürger:innen an der Nordschleife Hausverbot hätten, wäre es vermutlich nie zum Brexit gekommen.
Die Atmosphäre verdichtet sich zu einem mit heißem Gummi parfümierten Paralleluniversum für PS-Freaks. Brav ziehen wir unser Ticket. Jetzt Anstehen vor der Schranke, die das Tor zur Vorhölle aufstößt. Mit unserem 150-PS-Cupra stehen wir weit unten in der Nahrungskette. Aber der Leon Sportstourer hält etwas auf seinen Namen, zeigt die Zähne und wartet mit personalisierbarem Menü auf Eiltransporte: Lenkung, Gaspedalkennung und die Schaltpunkte des DSG-Getriebes werden im Individualmodus angeschärft. Das ESP nehme ich per Knopfdruck an die längere Leine.
Auch hier gilt die StVO

Die Schranke hebt sich. Noch 50 m durch die Pylonengasse, und ich befinde mich in freier Wildbahn. Leichtfüßig entfleucht mir ein bunter M2. Kurz hinter dem ersten Bremspunkt vor dem Kurvengeschlängel im Hohenrain finde ich ihn im Gedränge wieder. Gibt es hier etwa Leute, die noch langsamer sind als ich, der ich misstrauisch auf (Gleit-)Sicht fahre? Gibt es, aber nicht viele. Man erkennt sie daran, dass sie sich ziemlich stur rechts halten, so wie ich. Denn auch hier gilt die StVO. Gefahren wird folglich rechts, überholt links.
In der ersten Bergabpassage nehme ich Schwung, schnupfe einen MX-5 älteren Datums auf und fahre zu gefühlt 90 Prozent mit den Rückspiegeln. Gerade schnüffelt ein weißer M3 an meiner Anhängerkupplung, bevor er mit Respektabstand überholt. Dankbar denke ich noch, dass Ring-Routiniers offenbar ordentlich Distanz halten, da fetzt ein GT3 RS mit ungefähr Mach 3 an mir vorbei und zieht eine Handbreit vor mir zurück auf die Ideallinie.
Immer Bremsen, wenn alle anderen bremsen
Das Verkehrsaufkommen hat auch sein Gutes: Meist brauche ich mir die Bremspunkte nicht auszudenken, sondern bin im Pulk unterwegs und bremse, wenn alle bremsen. Ausflüge auf die Curbs verkneife ich mir. Die sehen aus wie Abschussrampen, die direkt auf die Leitplanken zielen. Mit dem jugendlichen Übermut eines Mittfünfzigers überhole ich einen Dreier, der mich kampflos vorbeilässt. Ein technisches Problem? Egal, ich habe Blut geleckt und zähle eine Jagdtrophäe mehr.
Mein Euphorieanfall erledigt sich in der nächsten Steigung. Eine ganze Seilschaft von Supersportlern flitzt vorbei, der linke Totwinkelwarner blinkt im Sekundentakt. Fürs nächste Mal nehme ich ein Auto mit 27.000 PS und DRS. Mit viel Elan rein ins Karussell, auf den Spuren von Caracciola, Lauda, Bellof. Viel zu schnell geht der erste Umlauf zu Ende. Aber alles ist heil geblieben, weder Jil noch Zibi ist schlecht geworden. Das ist das Best-case-Szenario!
Der Adrenalinpegel reicht bis Weihnachten

In Runde zwei nutze ich die Paddels hinter dem Lenkrad zum Schalten. Aus manchen Kurven komme ich jetzt mit mehr Schmackes heraus. Ein viermal stärkerer Hyundai Ioniq 5 N eilt mit Weile an mir vorbei. Dann gerät ein Golf 2 GTI aus Spanien in mein Fadenkreuz. Dem Golf-Piloten fehlt es an der Angstfreiheit, die mich auszeichnet, wenn das Wochenende greifbar nahe ist. Dann erstmals Fahren ohne Pulk. Das heißt, ich darf auf der Ideallinie (oder das, was ich dafür halte) herumturnen. Ein aufgeblendetes Scheinwerferpaar, das sich schnell nähert, beendet das Solo-Intermezzo.
Kurz hinter dem Brünnchen blinkt das gelbe Schild: Gas weg. Ich nähere mich wieder meinem Ruhepuls und reihe mich in der Schlange ein, die an einem qualmenden BMW vorbeizuckelt. Erst gegen Ende der Runde ist wieder freie Fahrt, zu spät für den dritten Umlauf. Irgendwo hat es so gekracht, dass die himmlische Touristenfahrt vorzeitig endet. Egal. Mein Adrenalinpegel reicht auch so bis Weihnachten.
Auf der Heimfahrt überlege ich, wie ich dem eigenen Van Beine machen könnte. Chiptuning? Slicks mit extrahoher Tragkraft? Oder vielleicht doch lieber einen Simulator für den PC als Ersatzdroge? Mal sehen. So oder so, ich komme wieder, keine Frage.
Touristenfahrten-ABC
Der Terminkalender mit den möglichen Touristenfahrten steht auf www.nuerburgring.de. 2025 endet die Saison vor der Winterpause spätestens am 30.11. Tickets kann man online oder vor Ort kaufen zu Preisen ab 30 Euro pro Runde, für Vielfahrer:innen gibt es Rabatt und Saisonkarten. Es besteht auch die Möglichkeit, Guthaben zu verschenken, um diese auf der GP-Strecke oder der Nordschleife zu verwenden. Fahrberechtigt sind alle Führerscheininhaber:innen mit einem zugelassenen Pkw mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 130 km/h und einem zulässigen Gewicht von maximal 3,5 t.
Auf der Strecke gilt das Rechtsfahrgebot, überholt werden darf nur links. Driften, grundloses Anhalten oder Rekordfahrten sind verboten, ähnlich wie Zeitnahme oder das Filmen während der Fahrt. Unfall- und Gefahrenstellen darf man nur mit maximal 50 km/h passieren. Bei Unfällen, schlechtem Wetter oder anderen Ereignissen können die Touristenfahrten auch kurzfristig abgesagt oder abgebrochen werden.












