Skoda Peaq 90x im Test: Neue Wege für einen Riesen
Mit dem neuen Skoda Peaq kommt erstmals eine China-Auslegung des VW-Elektro-Baukastens zu uns. Was kann der neue Siebensitzer? Erster Test mit dem Topmodell 90x.
- Überzeugt der Skoda Peaq 90x im Einzeltest?
- Unser erster Kontakt mit dem Skoda Peaq im Video
- Innenraum: Wohlfühl-Lounge vorn, viel Flexibilität für sieben
- Fahrkomfort: Exzellenter Abroll- und Geräuschkomfort
- Verbrauch und Laden: 21,4 kWh Testverbrauch, knapp 200 kW Ladeleistung
- Fahrdynamik: Hohes Leergewicht, keine dynamischen Ambitionen
- Preis: Ab 49.900 Euro, als Testwagen über 72.000 Euro
- Fazit
- Technische Daten & Messwerte
Überzeugt der Skoda Peaq 90x im Einzeltest?
Wer bei Elektro-Autos von Skoda an die kantig-funktionale Formensprache eines Enyaq oder die kompakte Pragmatik des Erfolgs-Überfliegers Elroq denkt, reibt sich beim ersten Blick auf den neuen Peaq verwundert die Augen. Denn das Flaggschiff bricht optisch konsequent mit seinen Markengeschwistern. Mit einer stattlichen Länge von 4,87 Metern und einer Höhe von 1,67 Metern gibt der Peaq eine etwas undefinierte Formmischung aus SUV und Van – weder das eine noch das andere ganz, aber von allem reichlich. Viel gefühlte Verwandtschaft mit den bisherigen MEB-Modellen aus dem VW-Konzern schwingt hier nicht mit.
Und doch arbeitet unter dem eigenständigen Blechkleid die solide Baukasten-Technik: Der Skoda Peaq nutzt nur eben eine spezielle China-Ausbaustufe der modularen Elektro-Antriebs-Architektur des Volkswagen-Konzerns, die zuvor ausschließlich auf dem asiatischen Markt zum Einsatz kam. An Bord unseres Testwagens in der sportlich angehauchten Sportline-Ausstattung setzt sich dieser eigenständige Eindruck nahtlos fort. An der Verarbeitung und an der Materialauswahl lässt sich nichts beanstanden: Nett ausgekleidete Details wie die Filzeinlagen in den Türfächern für größere Flaschen oder die Mikrofaser-Bezüge (Sportline) unterstreichen den Wohlfühlanspruch. Doch spätestens beim Sitzen wird klar: Solch weich gepolstertes Gestühl kennt man aus europäischen Konzernmodellen bislang kaum.
Unser erster Kontakt mit dem Skoda Peaq im Video

Innenraum: Wohlfühl-Lounge vorn, viel Flexibilität für sieben
Trotz des Sportline-Trimms mit Mikrofaser-Bezügen erinnern die vorderen Sessel eher an eine Wohlfühl-Lounge als an ein Sportgestühl. Auf Knopfdruck fahren Komfort-Beinauflagen aus und bringen Fahrer wie Beifahrer in eine entspannte Liegeposition – ideal, um Ladepausen tiefenentspannt zu überbrücken. Dazu gibt es für die vorderen Passagiere eine spürbare Massagefunktion per Knopfdruck und vielfältige elektrische Einstellmöglichkeiten.
Dass die Sitzwangen beim Fahren etwas weniger Seitenhalt bieten, als die optische Anmutung vermuten lässt, stört keineswegs. Denn die Grundabstimmung des großen Tschechen ist voll auf Komfort ausgelegt. Genauso variabel zeigt sich das Hinterstübchen: In der Testwagenkonfiguration als Siebensitzer bietet die zweite Reihe stuhltechnisch reichlich Flexibilität, sodass selbst mit vollem Haus bis zu fünf Hinterbänkler ohne Platzprobleme reisen.

In unserem Testwagen ist das Maxx-Paket mit besagten Ergo-Komfortsitzen, Sonos-Soundsystem und adaptivem Fahrwerk eingebaut, das riesige Panoramadach für noch mehr Luftigkeit fehlt allerdings. Ebenso ist die mechanische Drehfunktion für das zentrale Display mechanisch zwar vorhanden – doch die Option, den Screen per Software-Befehl um 90 Grad zu rotieren, soll erst über ein anstehendes Update freigeschaltet werden.
Fahrkomfort: Exzellenter Abroll- und Geräuschkomfort
Sobald der Peaq rollt, fällt sofort der exzellente Abroll- und Geräuschkomfort auf. Dank der Doppel- und Akustikverglasung der Front- sowie der vorderen Seitenscheiben bleiben Umweltgeräusche angenehm draußen, während das adaptive DCC-Fahrwerk die meisten Straßenunebenheiten souverän glattbügelt.
Erst bei extremen Fahrbahnverwerfungen oder grobem Kopfsteinpflaster büßt der große Skoda etwas von seiner Gediegenheit ein: Die Vorderräder wirken dann phasenweise leicht losgelöst und neigen zu polternden Eigengeräuschen – ein Phänomen, das man auch von anderen komfortorientierten Fahrwerken im Zusammenspiel mit mächtigen Rädern kennt. Schließlich rollt der Testwagen auf 20-Zöllern mit 265er-Bereifung an der Hinterachse. Trotz der üppigen Walzen erweist sich die Aerodynamik-Auslegung im Alltag als effizient.
Verbrauch und Laden: 21,4 kWh Testverbrauch, knapp 200 kW Ladeleistung
Wer es drauf anlegt und sich der ruhigen Ausstrahlung des Skoda hingibt, kommt mit 16,7 kWh pro 100 km im Alltag aus. Bei normaler Fahrt mit zügigen Autobahn-Etappen klettert der Bordcomputer aber schnell über 20 oder gar 25 kWh. Im Test sind es im Schnitt 21,4 kWh, was immerhin 402 km Reichweite entspricht. Von den über 600 km im Prospekt ist das zwar weit entfernt, im Konkurrenzumfeld der großen Stromer aber ein vertretbarer Wert.
Bei der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h steigt der Verbrauch allerdings über 30 kWh – und die Reichweite fällt drastisch. Das Aufladen funktioniert zumindest in der unteren SoC-Hälfte mit knapp 200 kW recht zügig. Ab 50 Prozent Akku-Stand wird es dann aber zäher.
Fahrdynamik: Hohes Leergewicht, keine dynamischen Ambitionen
Dynamisch gibt sich der 2,4 Tonnen schwere Allradler vollkommen unaufgeregt. Die 200 kW / 299 PS leistenden E-Motoren beschleunigen den Peaq 90x zwar in flotten 6,4 Sekunden auf 100 km/h. Übermotorisiert fühlt er sich damit aber keinesfalls an. In Kurven bleibt der Peaq stets neutral und gut kontrollierbar, ohne auffällig stark über die Vorderräder zu schieben oder mit dem Heck einzulenken. Ein präziser Kurvenräuber wird aus ihm dennoch nicht – dafür fehlt es dem Gesamtpaket in allen Ecken an Rückmeldung. Und im Ernstfall drosselt die Elektronik die Fahrt vehement ab.
Spätestens jetzt spürt man die bisher unbekannten Gene: Während Enyaq oder Elroq im Sportmodus auch mal spaßig direkt ums Eck fliegen können, gibt sich die Peaq-Abstimmung unauffällig, unverbindlich – um nicht zu sagen: unemotional. Dazu passt das Lenkgefühl, das ein wenig an das der größeren, ebenso undynamischen SUV aus Amerika erinnert. Was bei uns im Test vielleicht etwas enttäuscht, könnte gediegenen Langzeitbesitzern aber auch recht sein. Schließlich ist man voll beladen mit rund drei Tonnen unterwegs. Und für so viel Auto versprüht der Große im Gegenzug jede Menge Gemütlichkeit.

Preis: Ab 49.900 Euro, als Testwagen über 72.000 Euro
Nur preislich würden sich Großfamilien wegen der China-Verwandtschaft sicher ein etwas günstigeres Niveau erhoffen. Immerhin beginnt die Preisliste bei 49.900 Euro – für den Peaq 60 mit kleinerer 59-kWh-Batterie und 150-kW (204 PS)-Heckantrieb (null auf 100 km/h in 8,4 Sekunden). Auf dem Papier reicht das für 456 Kilometer – realistisch dürften rund 300 km Reichweite sein.
Bei einem so großen Auto und einer so hohen Investition würden wir ohne Frage zum großen Akku mit fast 30 zusätzlichen Kilowattstunden greifen. Doch dafür verlangt Skoda gleich 8000 Euro mehr. Und schon rutscht man in die Preisregion charakterstärkerer Konkurrenten wie VW ID. Buzz, Mercedes EQB, Kia EV9 oder Hyundai Ioniq 9. Vom kleineren Tesla Model Y mit der Option auf sieben Sitze ganz zu schweigen.
Unser Skoda-Testwagen mit 86 kWh, Allradantrieb und Sportline-Ausstattung kostet über 72.000 Euro. Klar – voll ausgestattet. Aber man wüsste kaum, worauf man verzichten sollte: Auf die sieben Sitze für knapp 1000 Euro? Dann kann man auch zum Enyaq ab 43.490 Euro greifen. Auf das Maxx-Paket für 3410 Euro? Das ist schon wegen des Komfort-Fahrwerks, des beheizbaren Sportlenkrads samt Rekuperationswippen, der Ergo-Komfortsitze mit Liegefunktion, des Sonos-Soundsystems und des Schlafpakets absolut empfehlenswert. Einzig der Allradantrieb muss nicht zwingend sein, was 2500 Euro in der Anschaffung spart – und im Alltag sicher die eine oder andere Kilowattstunde ebenfalls. Doch das macht den Peaq am Ende auch nicht schlanker.

Fazit
Super komfortabel, leise und für bis zu sieben Personen hochgradig variabel – der ausladende Peaq beschreitet im Modellprogramm der Tschechen optisch wie konzeptionell völlig neue Pfade. Das lässt sich Skoda zumindest in der Topausstattung allerdings auch entsprechend bezahlen.
Technische Daten & Messwerte
AUTO ZEITUNG 22/2026 | Skoda Peaq 90x Sportline (7-Sitzer) |
|---|---|
Technik | |
Motor | fremderregte Asynchronmaschine (vorn) / permanenterregte Synchronmaschine (hinten) |
Systemleistung | 200 kW / 299 PS |
Max. Drehmoment | 484 Nm |
Antrieb | Konstantübersetzung, Allrad |
Akku | Lithium-Ionen |
Spannung | 400 Volt |
Kapazität brutto / netto | 91 / 86 kWh |
Ladeleistung AC / DC (Werk) | 11 / 199 kW |
Gewicht | |
Leergewicht (Werk / Test) | 2332 / 2391 kg |
Zulässiges Gesamtgewicht | 2990 kg |
Effektive Zuladung | 599 kg |
Gewichtsverteilung (v / h) | 49,7 / 50,3 % |
Anhängelast (gebr. / ungebr.) | 2000 / 750 kg |
Dachlast / Stützlast | 75 / 80 kg |
Abmessungen | |
Gesamtmaße (L / B / H) | 4874 / 1867 (2122**) / 1674 mm |
Radstand | 2965 mm |
Kofferraumvolumen | 299 – 2075 l (Siebensitzer) |
Fahrleistung | |
0 – 50 km/h | 2,7 s |
0 – 100 km/h | 6,4 s |
0 – 150 km/h | 13,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h* |
Bremsweg | |
100 – 0 km/h (kalt / warm) | 32,9 / 32,2 m |
50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h | 8,8 / 72,1 m |
Verbrauch & Reichweite | |
WLTP-Reichweite | 580 km |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 16,7 kWh |
Test-Reichweite min / max. | 402 / 515 km |
Test-Verbrauch auf 100 km | 21,4 kWh |
Ladevorgang 10 – 80 % SoC*** | |
Ladedauer | 28 Minuten |
Ladeleistung Ø | 129 kW |
Nachgeladene Energie | 60,2 kWh |
Nachgeladene Reichweite | 281 km |
Preis | |
Grundpreis (90x Sportline) | 66.290 € |
Testwagenpreis | 72.480 € |
Rabatt | 11.597 € |
Steuer & Versicherung | |
Kfz-Steuer pro Jahr | 0 € |
KH / VK / TK Typklassen | 14 / 25 / 21 |
KH / VK / TK Versicherung | 591 / 1757 / 755 € |
Wartung & Garantie | |
Serviceintervall | 24 Monate / lt. Anzeige |
Garantie Gesamtfahrzeug | 2 Jahre |
Garantie Hochvolt-Akku | 8 Jahre (160.000 km) |
Garantie Lack / Rost | 3 / 12 Jahre |
Mobilitätsgarantie | 1 Jahr / lebenslang |


























