Fahrbericht Ferrari 12Cilindri Manuale: Handarbeits-Kurs
Hand aufs Schaltgetriebe: Wer wünscht sich nicht einen Ferrari mit V12 und offener Sechsgangkulisse? In Maranellos Traumfabrik wird diese Sehnsucht nun wieder ab Werk angeboten, und zwar über ein innovatives wie irrsinnig teures Shift-by-Wire-System. Wir durften den Ferrari 12Cilindri Manuale fahren.
Kann ein handgeschalteter Ferrari auch im Jahr 2026 Sinn ergeben?
Rak-Klonk – was klingt wie die Scharniere eines schweren Geldkoffers, ist in Wahrheit die neueste Erfindung aus dem Hause Ferrari. Ihr Name? Manuale-by-Wire. Ihr Sinn? Das Revival des Handschalters. Ihr Preis? Dazu kommen wir später. So viel vorweg: Es ist kein Pappenstiel, sondern ein Stahlgestänge mit Alu-Kopf. Und dieser soll die Boliden aus Maranello in Sachen Fahrgefühl und Emotion von der übermotorisiert-elektrifizierten Massenware abheben, die zwischen Texas und Shenzhen aus dem Boden sprießt.
Dafür setzt Ferrari auf eine mechanisch agierende Handschaltbox samt Kupplungspedal, die via Shift-by-Wire, also über kabelgeführte elektronische Signale, die Fahrer-Eingaben an die bewährte Achtgang-Doppelkupplung weiterleitet. In Kombination mit ganz vielen Software-Tricks will die Marke so ein völlig authentisches Schaltgefühl simulieren. Als erster und vorerst einziger Ferrari ist es der 12Cilindri, der als limitierter Manuale (1499 Exemplare) der eigenen Vergangenheit die Hand schüttelt, die lineare Kraftentfaltung seines bis 9500 Touren drehenden, 6,5 Liter großen V12-Saugmotors samt 830 PS bildet eine dankbare Basis. Aber Moment: Eine Sechsgang-Box für ein Achtgang-Getriebe? Wo deutsche Autobauer getriebezähneknirschend das gesamte Projekt gekippt hätten, bleibt Ferrari cool und lässt die oberen beiden Fahrstufen für den manuellen Modus einfach weg. Wer Sprit sparen oder vmax fahren will, muss den Ferrari 12Cilindri Manuale auf Automatik stellen, was jederzeit auf Knopfdruck möglich ist. Sonst sind halt nur rund 300 km/h und Verbräuche jenseits von 20 Litern drin. Basta!
Manuelles Schalten als aufwendige Inszenierung
Ob der urtümlichen Schaltkulisse im taufrisch-digitalen Edelkokon kann man schon mal die Stirn runzeln. Ferrari empfiehlt die beleuchtete Alu-Kugel gar als kommode Armablage zur Bildschirmbedienung. Vereinfachtes Fahren dank Handschalter – das hätte dir vor 20 Jahren keiner geglaubt. Aber dieser Metallhebel zwischen den Sitzen macht noch mehr mit dir und dem Auto: Du setzt dich rein und hast direkt diesen selbsterklärenden Fixpunkt in der Hand. Keine Suche nach verstreuten Automatikschaltern und -knöpfen, kein gewöhnungsbedürftiges Losfahren und Parken mit Wippen hinterm Lenkrad. Wie in jedem anderen manuellen Auto reichen der erste Gang sowie das sanfte Lupfen des Kupplungspedals, um den Manuale in Bewegung zu bringen. Die Kupplung verlangt keine durchtrainierten Waden, nur das Gaspedal eben einen verantwortungsvollen rechten Fuß.
Der Ferrari 12Cilindri im Video

Du baust mit jedem Kilometer Selbstvertrauen auf, streichelst dein Ego mit spielend einfach gelingenden Zwischengasmanövern und stürzt dich dann auf abgesperrter Strecke unter Volllast ins Handgemenge mit der offenen Schaltkulisse. Der V12 reißt dich wegen der kurzen Übersetzung der ersten sechs Gänge so brutal schnell in den Drehzahlbegrenzer, dass du mit dem Gangwechsel kaum hinterherkommst. Die kurzen Schubaussetzer reichen für kein Stoßgebet der Welt. Der nächste Gang rastet ein – und du völlig aus. Hier fühlt sich rein gar nichts simuliert an. Selbst der bewusste Versuch, den Motor beim Anfahren abzuwürgen, gelingt wie selbstverständlich. Nur das leichte Nicken üblicher Schaltgestänge beim Gasgeben und Lupfen konnten sie dem Manuale offenbar nicht antrainieren.
Wenn das der Preis dafür ist, dem Handschalter ein zweites Leben einzuhauchen, dann wäre das ein Sonderangebot. Ganz im Gegenteil zum Aufpreis für den Manuale. Der beträgt nämlich 208.000 Euro zuzüglich zum 382.000 Euro teuren Basisauto. Im Preis inkludiert sind ein tiefer Griff ins exklusive Tailormade-Programm sowie eine Editions-Plakette. Hoffentlich wird das Handschalten bei solchen Tarifen nicht zur Fehlzündung.

Fazit
Ferrari ist mit dem 12Cilindri Manuale das Unmögliche gelungen, nämlich die Seele klassischer Ferrari via Handschaltung in die Performance-fokussierte Moderne zu transferieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Innovationen in der Automobilwelt ist das Manuale-by-Wire keine bloße Spielerei, sondern ein echter – allerdings auch ziemlich teurer – Mehrwert. Hoffnungsvoll wenden wir uns deshalb an die preissensibleren Automobilkonzerne: Könnt ihr das bitte, bitte nachbauen?
Technische Daten des Ferrari 12Cilindri Manuale
AUTO ZEITUNG 22/2026 | Ferrari 12Cilindri Manuale (2026) |
|---|---|
Technische Daten | |
Motoren | V12-Zylinder, 4-Ventiler, Direkteinspritzung |
Hubraum | 6496 ccm |
Antrieb | 8-Gang, virtuell manuell; Hinterradantrieb, elektronische Differenzialsperre |
Leistung | 611 kW / 830 PS bei 9250 /min |
Drehmoment | 678 Nm bei 7250 /min |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4733 / 1980 (2176)* / 1292 mm |
Trockengewicht / Zuladung | 1565 / k. A. kg |
Kofferraumvolumen | 270 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 2,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | > 340 km/h |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 15,5 l SP/100 km |
CO2-Ausstoß | 353 g/km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 590.000 € |
Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel | |














