Testfahrt im überarbeiteten Mercedes GLE: Reifer Jahrgang
Eine tiefgehende Modellpflege verlängert die Karriere des aktuellen Mercedes GLE. Wie fährt sich das große SUV in der Version mit starkem V8?
Der Mercedes GLE 580 4Matic im Fahrbericht
Haben die ein Glück: Anders als einige Wettbewerber hat Mercedes in Schlüssel-Fahrzeugklassen immer noch gut laufende, technisch herzeigbare Modelle mit Verbrennermotoren im Programm. Als klar wurde, dass die Kundschaft vielleicht doch nicht so begeistert wie erhofft auf Elektro-Antriebe wechselt, konnte man diese Klassiker gesichtswahrend reaktivieren – die GLE- und GLS-Modelle sind ein Paradebeispiel. Mit überschaubarem Aufwand große Wirkung erzielen und so die Laufzeit gekonnt verlängern, das ist Mercedes gelungen.
Die Modellpflege für Mercedes GLE und GLS im Video

Infotainment: Leistungsstarker Rechner und serienmäßiger Superscreen
Am schnellsten geht das ja bei der Software – die großen SUV-Brüder machen also mit der neuesten Generation von Assistenzsystemen den ersten Sprung: Eine leistungsstarke Rechnerarchitektur und zehn Außenkameras sowie bis zu fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren liefern State-of-the-art-Leistung. Natürlich gab es auch einen KI-Supercomputer, auf dem das aktuelle Mercedes-Betriebssystem reibungslos sowie schnell läuft – hier werden sämtliche Fahrzeugfunktionen gesteuert. Und selbstverständlich bleibt die ganze Sache dank Over-the-air-Updates aktuell.
Der serienmäßige MBUX Superscreen vereint drei 31,2 Zentimeter große Displays zu einer digitalen Cockpit-Landschaft – auf diese Weise nähern sich die GLE- und GLS-Modelle in Optik und Haptik ihren vollelektrischen Markenbrüdern weiter an. Übrigens: Unter der bekannten Benutzeroberfläche navigiert das bordeigene Navigationssystem nun mit Google‑Maps-Technik, Mercedes gibt damit bisherige Eigenentwicklungen auf.

Design: Stern-Signets in den Scheinwerfern und Heckleuchten
Neben diesen digitalen Ergänzungen hat man bei Mercedes aber auch entschlossen das Design angefasst, schließlich soll die neue Fahrzeuggeneration auch als solche erkannt werden: Horizontal angeordnete Stern‑Signets prägen die Scheinwerfer und Heckleuchten, ein beleuchteter Zentralstern und die Konturbeleuchtung des deutlich gewachsenen Kühlergrills sorgen für eine Anpassung an die aktuelle Mercedes-Designsprache. Dass die neuen Digital-Leuchten ein rund 40 Prozent größeres und hoch aufgelöstes Beleuchtungsfeld realisieren sowie bis zu 50 Prozent weniger Energie benötigen, zeigt, dass man sich nicht nur auf optische Retuschen beschränkt hat.
Für den ersten Fahreindruck besonders spannend sind aber Neuheiten im Maschinenraum: Die Steuergeräte des optionalen „E Active Body Control“-Fahrwerks sollen jede Fahrsituation 1000 Mal pro Sekunde analysieren und die Federung dann radindividuell anpassen. Hinzu kommt eine neue, cloudbasierte Airmatic-Dämpferregelung, die Informationen anderer Fahrzeuge komfortsteigernd verarbeiten kann. Merkt man das? Klare Antwort: jein. Der von uns gefahrene GLE 580 4Matic war beeindruckend souverän und komfortabel unterwegs, mangels direkter Vergleichbarkeit konnten wir aber keine dramatischen Verbesserungssprünge entdecken. Nur im ersten Vergleichstest werden aus Gefühlen Fakten – wir sind bereits gespannt.
Antrieb: V8 mit Macht, dem Verbrenner alle Ehre machen
Mit zwei Dieselmotoren, einem Sechszylinder-Benziner sowie einem Plug-in-Hybrid-Antrieb führt Mercedes den GLE auf die Zielgerade, besonderes Augenmerk haben wir aber dem Vierliter-V8 des Mercedes GLE 580 4Matic gewidmet. Er erzählt die Philosophie hinter der Modellpflege besonders gut: aktuelle Abgasgrenzwerte schaffen und aus bekannter Technologie das Maximum herausholen. Im Fall des V8 stellen die Stuttgarter sogar auf eine „Flatplane“-Kurbelwelle um, deren tendenziell unruhiger Lauf durch zwei Lanchester-Ausgleichswellen abgefangen wird. Hinzu kommen ein optimiertes Einspritzsystem, geänderte Ein- und Auslasskanäle, neue Einlassnockenwelle und ein nachgearbeiteter Turbolader – viel Detailarbeit, um die bewährte Technik zukunftsfest zu machen. Das Resultat ist ein in jeder Hinsicht überzeugender Antrieb: kraftvoll und spontan ansprechend, effizient und laufruhig. Ein Abschied mit Würde – haben die ein Glück.

Fazit
Der bisherige GLE war geräumig, modern, charakterstark und damit alles andere als angeschlagen oder verblasst. Mit der tiefgreifenden Modellpflege verlängert Mercedes die Laufzeit dieses souveränen Autos noch einmal deutlich. Wer den GLE bereits jetzt schon mag, wird vom Facelift viele Gründe geliefert bekommen, noch einmal GLE zu fahren. Nur eines könnte ihn noch besser machen: ein moderner Elektro-Antrieb.
Technische Daten des Mercedes GLE 580 4Matic (2026)
AUTO ZEITUNG 22/2026 | Mercedes GLE 580 4Matic (2026) |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, Mild-Hybrid |
Antrieb | 9-Stufen-Automatik; Allradantrieb |
Leistung | 395 kW + 17 kW / 537 PS + 23 PS bei 5500 /min |
Max. Drehmoment | 750 Nm bei 2500 – 4500 /min |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4923 / 2010 (2164)* / 1782 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2515 / 670 kg |
Kofferraumvolumen | 630 – 2055 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 4,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 13,3 l S/100 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 113.378 € |
Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel | |


















