Kia EV9 GT: Lohnt sich das PS-Plus? Antwort im Fahrbericht!
Mit dem neuen Kia EV9 GT begeben wir uns mit einem der geräumigsten SUV auf dem Markt auf die erste Testfahrt. Lohnt sich das Plus an Performance und der entsprechende Aufpreis? Wir haben die Antwort!
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Erste Testfahrt mit dem neuen Kia EV9 GT: Ein Plus an Leistung
Für die GT-Version hat Kia den EV9 deutlich nachgeschärft. Der Antrieb basiert zwar auf derselben Technik wie im EV9 GT-Line – mit einer 99,8-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, zwei Elektromotoren und Allradantrieb –, legt bei der Leistung aber kräftig zu. Statt 283 kW (385 PS) und 700 Nm stehen nun 374 kW (508 PS) und 740 Nm bereit. Damit sprintet der EV9 GT in 4,6 s von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.
Doch das Plus an Leistung ist längst nicht alles. Die Funktion Virtual Gear Shift simuliert das Schalten eines manuellen Getriebes, Active Sound Design erzeugt künstliche Motorsounds, und im GT-Modus steht die volle Leistung jederzeit zur Verfügung. Hinzu kommen ein elektronisch geregeltes Fahrwerk sowie ein elektronisches Sperrdifferenzial mit Torque Vectoring, die die stattlichen Ausmaße des EV9 besser kontrollieren sollen.
Auch optisch hebt sich der GT dezent vom Rest der Baureihe ab. Dazu zählen exklusive 21-Zoll-Leichtmetallräder, eine eigenständige Frontpartie mit digitalem Kühlergrill sowie verschiedene neongrüne Akzente im Exterieur und Innenraum.
Der Kia EV9 im Fahrbericht (Video)

Umfangreich und komfortabel ausgestattet
Unser Testwagen ist als Sechssitzer ausgeführt und verfügt in der zweiten Reihe über zwei Einzelsitze im Captains-Chair-Format. Sie bieten nahezu denselben Komfort wie die Vordersitze – lediglich auf die Massagefunktion müssen die Fondpassagier:innen verzichten. Außerdem lassen sich die Sitze zur dritten Sitzreihe drehen oder zur Tür schwenken, um Ein- und Ausstieg zu erleichtern.
Trotz der fast 30 Zoll großen Displaylandschaft wirkt der Innenraum keineswegs von Technik dominiert. Das Infotainmentsystem bietet zahlreiche Funktionen, darunter selbstverständlich Apple CarPlay und Android Auto. Die Meridian-Soundanlage mit 14 Lautsprechern sorgt insbesondere bei Live-Aufnahmen für einen beeindruckend räumlichen Klang. Für alle Passagier:innen stehen Lademöglichkeiten für mobile Geräte zur Verfügung. Die meisten Materialien hinterlassen einen hochwertigen Eindruck und wirken robust genug, um den Belastungen des Familienalltags dauerhaft standzuhalten.
Ganz ohne Kritik kommt der Innenraum allerdings nicht aus. Unterhalb des Infotainment-Displays befindet sich eine Reihe von Direktwahltasten. Sie sehen aus wie berührungsempfindliche Touchflächen, sind tatsächlich jedoch herkömmliche Tasten. Da sie keine klar voneinander abgegrenzten Oberflächen besitzen, lassen sie sich während der Fahrt nicht besonders treffsicher bedienen.
Fahreindruck: Überraschend handlich
Im Grunde fährt der GT genauso wie jeder andere Kia EV9 mit Allradantrieb – und das ist zugleich seine größte Stärke und seine größte Schwäche.
Beginnen wir mit den positiven Seiten. Dank der großen Verstellbereiche von Sitz und Lenksäule finden Fahrer:innen nahezu unabhängig von ihrer Körpergröße schnell eine angenehme Sitzposition. Die Übersicht ist für ein Fahrzeug dieser Größe ebenfalls sehr gut, soweit die mächtigen A-Säulen es zulassen.
Trotz seiner gut fünf Meter Länge und rund zwei Meter Breite wirkt der EV9 im Stadtverkehr überraschend handlich. Dazu trägt auch der vergleichsweise kleine Wendekreis bei. Der Federungskomfort überzeugt auf nahezu allen Straßen, lediglich stark beschädigte Fahrbahnen bringen das Fahrwerk an seine Grenzen. Die Karosserie bleibt meist souverän unter Kontrolle, kann auf schrägen Bodenwellen jedoch etwas unruhig reagieren. Insgesamt vermittelt der EV9 GT bei unserer ersten Testfahrt einen ausgesprochen gelassenen und komfortablen Fahreindruck.

Auf kurvigen Straßen schlägt sich das große Elektro-SUV erstaunlich gut. Obwohl er mehr als 2,5 t wiegt, lässt er seine Masse kaum spüren. Die Lenkung arbeitet präzise, das Fahrwerk setzt Lenkbefehle sauber um und Unebenheiten in Kurven werden von der schieren Fahrzeugmasse regelrecht geglättet. Die Bremsanlage packt kräftig zu, und mit maximaler Rekuperation verzögert der EV9 in den meisten Situationen so stark, dass das Bremspedal nur selten benötigt wird – auch wenn echtes One-Pedal-Driving nicht ganz erreicht wird.
Wie bei vielen Kia-Modellen arbeitet auch hier die Geschwindigkeitswarnung recht aufdringlich. Zudem interpretiert der Spurhalteassistent Straßenränder nicht immer zuverlässig. Beide Systeme lassen sich immerhin schnell deaktivieren. Weniger überzeugend arbeitet der Querverkehrswarner am Heck, der insbesondere in der Nähe von Fußgängern gelegentlich überempfindlich reagiert.
Keine großen Unterschiede zum GT-Line
Alles zusammen ergibt ein erstaunlich souveränes Reisefahrzeug, wobei der GT nochmals etwas mehr Dynamik bietet. Das elektronisch geregelte Fahrwerk, das Sperrdifferenzial und das Torque Vectoring ermöglichen höhere Kurvengeschwindigkeiten, insbesondere beim Herausbeschleunigen. Der GT-Modus schärft die Abstimmung zusätzlich nach – allerdings eher dezent.
Dennoch gibt es einen entscheidenden Haken: Im normalen Fahrbetrieb unterscheidet sich der EV9 GT kaum vom EV9 GT-Line. Beide Modelle vermitteln im Wesentlichen denselben Fahreindruck. Die Änderungen am Fahrwerk sorgen nicht für mehr Interaktion, die simulierten Gangwechsel und Motorsounds wirken eher wie Spielereien. Zwar fühlt sich die angenehm abgestimmte Lenkung keineswegs künstlich an, echtes Fahrerlebnis oder emotionale Einbindung stellt sich jedoch nicht ein.
Ähnlich fällt das Urteil bei den Fahrleistungen aus. Auf dem Papier wirken die Daten beeindruckend. Gegenüber dem GT-Line fällt der Zugewinn allerdings überschaubar aus. Angesichts des hohen Fahrzeuggewichts ergibt sich zudem ein Leistungsgewicht von lediglich rund 200 PS pro Tonne.
Langsam ist der EV9 GT deshalb keineswegs. Beim Anfahren und Überholen beschleunigt er so souverän, dass viele sportliche Kompaktwagen Mühe hätten, mitzuhalten. Wirklich schnell fühlt er sich jedoch selbst im GT-Modus nicht an. Noch entscheidender ist: Wer direkt vom EV9 GT-Line in den GT umsteigt, muss schon sehr genau hinschauen oder die Stoppuhr bemühen, um überhaupt einen Unterschied festzustellen.

Nach WLTP schafft der Kia EV9 GT eine Reichweite von 504 km – genauso viel wie der leistungsschwächere EV9 GT-Line. Im Test erwiesen sich allerdings eher rund 402 km als realistisch. Dank seiner 800-V-Architektur kann der EV9 GT mit bis zu 350 kW Gleichstrom laden – vorausgesetzt, eine entsprechend leistungsfähige Ladesäule ist verfügbar. Laut Kia dauert der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent beim 99,8-kWh-Akku unter Idealbedingungen lediglich 24 min.
Ein anderer wichtiger Punkt ist der Preis. Bereits der reguläre EV9 gehört mit einem Einstiegspreis von 63.690 Euro nicht zu den günstigen Angeboten. Für den EV9 GT verlangt Kia 90.490 Euro (Alle Preise: Stand Juli 2026). Damit bewegt er sich preislich mitten im Premiumsegment und tritt gegen Modelle wie den BMW iX oder den Volvo EX90 an. Die Qualität und das Gesamtpaket reichen durchaus aus, um in dieser Liga mitzuspielen. Dennoch dürfte die Vorstellung, mehr als 90.000 Euro für einen Kia auszugeben, für manche Interessent:innen eine hohe Hürde darstellen.
Von Graham King
Fazit
Als GT kann der Kia EV9 die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Zwar mangelt es ihm keineswegs an Leistung, wirklich schnell wirkt er aber nicht. Und obwohl sich das Fahrwerk überraschend souverän schlägt, kommt kaum echter Fahrspaß auf. Wir hatten uns mehr Charakter und mehr Emotionen erhofft. Stattdessen bleibt der Eindruck, dass der günstigere EV9 GT-Line die bessere Wahl ist – zumal er bereits Fahrleistungen auf Sportwagen-Niveau bietet.
Technische Daten des Kia EV9 GT
AUTO ZEITUNG | Kia EV9 GT |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | zwei Permanenterregte Synchronmaschinen |
Antrieb | Konstantübersetzung; Hinterrad |
Leistung | 374 kW / 508 PS |
Max. Drehmoment | 740x Nm |
Akku-Kapazität | 99,8 kWh |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 50185 / 1980 / 1755 mm |
Leergewicht / Zuladung | 2718 – 2750 / 562 (6-Sitzer: 492) kg |
Kofferraumvolumen | 333 – 2318 (6-Sitzer: 2393) l + 52 l Frunk |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 4,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 220 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 21,7 kWh |
Reichweite | 510 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 90.490 € |
Marktstart | im Handel |
Alle Daten Werksangaben | |





















