Reifentest: Vorgehen & Kriterien So testet die AUTO ZEITUNG

von Paul Englert 18.03.2019
Inhalt
  1. Vorgehen & Kriterien beim Reifentest: Einkauf
  2. Dokumentation
  3. Aquaplaning
  4. Bremsen
  5. Fahrsicherheit nass/trocken
  6. Komfort
  7. Rollwiderstand
  8. Geräusch
  9. Reifenfülldruck
  10. Testgelände
  11. Bewertung
  12. Empfehlung

Für unsere Reifen-Test nehmen wir verschiedene Modelle eine Woche lang intensiv unter die Lupe. Hier erklären wir, wie wir vorgehen und welche Kriterien es gibt!

Im Reifentest untersuchen und vergleichen unsere erfahrenen Testprofis Martin Urbanke und Paul Englert objektiv sowie subjektiv die Eigenschaften der verschiedenen Profile bis ins Detail. Dabei legen wir besonderen Wert auf das Thema Sicherheit. Kriterien wie Bremsen bei Nässe, Aquaplaning-Eigenschaften sowie die Beherrschbarkeit eines Fahrzeugs im Grenzbereich sind besonders wichtig – wobei wir standardisierte, reproduzierbare Fahrmanöver durchführen. Aber auch der Rollwiderstand spielt eine große Rolle. Mehr zum Thema: Reifenprofiltiefe prüfen

So testet die AUTO ZEITUNG (Video):​

 
 

Vorgehen & Kriterien beim Reifentest: Einkauf

Alle von uns getesteten Reifen kaufen wir in kleinen Mengen, verdeckt im freien Handel (Händler vor Ort und Online) ein. Deshalb testen wir ausschließlich Produkte, die zum Zeitpunkt des Einkaufs verfügbar sind. Allerdings stellen wir auch sicher, dass wir die gleichen Reifen testen, die Sie später fahren, die also dem Serienstand entsprechen. Sollte ein Reifen zwischen Einkauf und Test-Veröffentlichung seitens des Herstellers verändert worden sein (z.B. Mischung, Karkasse), informieren wir Sie darüber.

Reifen-Test Sommerreifen-Test 2019
Sommerreifen-Test: Größe 235/45 R 18 (2019) Sommer- und Ganzjahresreifen im 2019er-Test

 

Dokumentation

Jeder Reifen wird bei uns nach dem Einkauf überprüft, mit allen relevanten Informationen (z.B. DOT, Produktionsort, Produktionsnummer) in unsere Datenbank aufgenommen und einer Testnummer zugeordnet. Außerdem fahren wir die Reifen auf trockenem Asphalt nach einem bestimmten, reproduzierbaren Prozess ein, sodass die Pneus ihre Eigenschaften beim Reifentest optimal entfalten können.

 

Aquaplaning

Bei den Längs- und Queraquaplaning-Tests fahren wir durch ein speziell dafür vorgesehenes Becken, etwa sieben Millimeter hoch mit Wasser befüllt – Bedingungen, die mit Starkregen oder Pfützen vergleichbar sind. Um die Messungen nicht zu verfälschen, müssen die Testfahrer beim Durchfahren des Beckens – zunächst mit niedrigem, dann mit immer höherem Tempo – Gaspedal und Lenkung konstant halten. Gleichzeitig zeichnet ein Sensor den Rad-Schlupf auf – beim Queraquaplaning auch die Querbeschleunigung – erkennt also ganz exakt, wann ein Profil das Wasser nicht mehr ableiten und verdrängen kann, sondern aufschwimmt und den Kontakt zur Fahrbahn verliert.

 

Bremsen

Auf nasser Fahrbahn: Das EU-Reifenlabel gibt zwar erste Hinweise, doch erst unser Reifentest unter gleichen Bedingungen für alle Reifen zeigt die Sicherheitsreserven bei Notbremsungen aus 100 km/h bis zum Stillstand. Hier kommt es auf eine griffige Gummimischung sowie eine entsprechend gestaltete Reifen-Lauffläche an.

Auf trockener Fahrbahn: Auch hier gilt es, sehr exakt zu fahren und mit allen Reifen die Bremsung in der gleichen Spur und am gleichen Punkt einzuleiten. Um ganz sicher zu sein, werten wir darum nicht eine einzelne Messung des Reifentests aus, sondern wiederholen den Versuch rund zehn Mal und ermitteln einen Durchschnitt.

Reifen Reifenwechsel
Reifenwechsel: Von O bis O Wann auf Sommerreifen wechseln?

 

Fahrsicherheit nass/trocken

Unsere routinierten Testfahrer beurteilen das Fahrverhalten in Extremsituationen auf speziellen Rundkursen (trocken und konstant bewässert). Hierbei geht es weniger um die absolute Geschwindigkeit, sondern um eine möglichst intuitive und einfache Beherrschbarkeit des Autos.

 

Komfort

Um zu überprüfen, wie komfortabel ein Reifen abrollt, nutzen wir sogenannte NVH-Strecken (Noise, Vibration Harshness; zu Deutsch: Geräusch, Vibration, Rauigkeit) auf abgesperrtem Gelände, wo wir über Asphalt in verschiedenen Rauigkeitsstufen, Querkanten oder -Fugen (ein- und beidseitig), schlecht eingepasste Gullideckel, wellige Fahrbahnoberflächen, Buckelpisten oder Kopfsteinpflaster fahren und das Abroll- und Ansprechverhalten der Reifen subjektiv bewerten.

 

Rollwiderstand

Der Rollwiderstand, Maßstab für die Energie-Effizienz eines Reifens, ermitteln wir auf zwei verschiedenen, speziell dafür zugelassenen, geeichten Prüfständen ("Trommel-Test") nach EU-Label-Standard.

 

Geräusch

Das Abrollgeräusch oder Vorbeifahrgeräusch ermitteln wir unter identischen Bedingungen, auf einem Fahrzeug und dem vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Reifenfülldruck auf zertifizierten Strecken.

 

Reifenfülldruck

Der Reifenfülldruck oder auch Luftdruck hat einen großen Einfluss auf Fahrverhalten, Komfort, Effizienz und Geräuschentwicklung eines Profils. Deshalb fahren wir sämtliche Reifentests nach Herstellerangabe für das jeweilige Fahrzeug (teilbeladen) und checken den Fülldruck vor jeder Messfahrt.

Reparatur & Wartung Reifendruck überprüfen: Tipps
Reifendruck regelmäßig prüfen: Tipps beachten! Richtiger Reifendruck spart bares Geld

 

Testgelände

Für die Reifentests sind wir auf die Unterstützung der Industrie und die Nutzung spezieller Reifentestgelände angewiesen. Für eine größtmögliche Unabhängigkeit wechseln wir die Gelände nach Möglichkeit von Test zu Test. Zu den am häufigsten genutzten Arealen zählen die von Bridgestone (Italien, Schweden), Continental (Deutschland, USA, Schweden, Schweiz), Goodyear/Dunlop (Deutschland, Luxemburg, Frankreich, USA, Finnland, Brasilien, Österreich), Michelin (Frankreich), Pirelli (Italien, Schweden, Brasilien), Nokian (Finnland) oder Hankook (Finnland).

 

Bewertung

Objektiv: Alle Einzel-Ergebnisse werden ins Verhältnis zu einem sogenannten Referenzreifen gesetzt, dessen Performance wir mit 100 Prozent bewerten. Der Referenzreifen dient allein der Orientierung, er taucht im Testartikel nicht auf. Außerdem können wir durch die wiederholten Fahrten mit dem Referenzreifen erkennen, ob und wie sich die Teststrecke durch äußere Einflüsse (z.B. Luft- und Bodentemperatur oder Niederschlag) verändert, da seine Leistung zu Beginn, mehrfach während und am Ende eines jeden Testkriteriums ermittelt wird. Sollte die Strecke zum Beispiel während der Nassbrems-Tests griffiger oder rutschiger werden, können wir die Leistungen der Testreifen durch einen Trendausgleich korrigieren und so trotz veränderter Bedingungen für eine faire und objektive Bewertung sorgen.

Subjektiv: Die Fahreigenschaften eines Reifens bewerten wir nach dem Schulnotenprinzip (1+ bis 6). Je höher die Note des getesteten Reifens, desto mehr Punkte gibt es.

 

Empfehlung

Wir zeichnen nur solche Reifen mit dem Siegel "Sehr empfehlenswert" aus, die alle sicherheitsrelevanten Tests problemlos absolvieren. So kann es sein, dass ein Reifen keine Empfehlung erhält, obwohl er in der Gesamtbewertung mehr Punkte erhält, als ein mit dem Siegel ausgezeichneter Wettbewerber. Grund: Unterdurchschnittliches Abschneiden zum Beispiel beim Bremsen auf nasser Fahrbahn.

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