Porsche Cayenne Turbo Electric: Das überzeugt im Test
Der neue Porsche Cayenne Turbo Electric ist nicht nur der stärkste aller bisherigen Serien-Porsche – er setzt auch neue Maßstäbe bei Platzangebot, Fahrdynamik und Ladeperformance. Höchste Zeit also, dem Stuttgarter im Test auf den Zahn zu fühlen.
- Im ausführlichen Test: Porsche Cayenne Turbo Electric
- Fokus aufs Fahren nicht immer selbstverständlich
- Die Physik hat beim Cayenne das Nachsehen
- Die volle Porsche-Dynamik für fünf Passagiere
- Effizient ist der Cayenne nur bei totaler Zügelung
- Fazit
- Technische Daten und Messwerte des Porsche Cayenne Turbo Electric
Im ausführlichen Test: Porsche Cayenne Turbo Electric
Satte 850 kW (1156 PS) und 1500 Nm Drehmoment – so viel Power brachten vor ein paar Jahren noch drei Sportwagen gerade so zusammen. Heute steckt die Leistung in einem einzigen Auto – dem Porsche Cayenne Turbo Electric. Und der basiert technisch wie Macan oder Audi Q6 auf der Premium Plattform Electric (PPE). Zur Wahrheit gehört aber auch: Das komplett neu entwickelte Elektro-SUV bringt schon ohne Insass:innen rund 2,8 t auf die Waage. Doch seinen unbegreifbar dynamischen Ambitionen steht das Gewicht keineswegs im Weg – weder auf der Geraden noch in der ersten Kurve. Aber der Reihe nach.
Steigen wir doch erst einmal ein. Allein das fühlt sich im Test nämlich schon ganz anders an als bei allen anderen Porsche-SUV – vor allem wegen der rahmenlosen Seitenscheiben. Und während man sich bisher in einem Macan oder Cayenne so maßgeschneidert eingepasst fühlte wie in einem Elfer, fällt der Innenraum des elektrischen Riesen ungewohnt luftig aus. Ein ganz neues Porsche-Gefühl also, auch wegen der komplett ungewohnten Cockpitlandschaft. Der Blick fällt zwangsläufig auf das neue „Flow Display“: Porsche hat sein Bedienkonzept für den E-Cayenne komplett umgedacht und setzt auf einen geknickten Touch-Bildschirm. Die Software reagiert schnell, die Darstellung wirkt gestochen scharf, die Menüführung läuft flüssig.
Ganz intuitiv erschließt sich die enorme Funktionsvielfalt allerdings nicht. Zu viele Einstellungen liegen zunächst etwas verschachtelt. Wer sich jedoch die wichtigsten Befehle auf die frei belegbaren Direktzugriffe legt, kommt im Alltag schnell ans Ziel. Immerhin: Die wichtigsten Teile der Klimabedienung sind weiterhin über echte Tasten erreichbar. Erweiterte Klimafunktionen – etwa das Ausrichten der Luftausströmer – erfolgt dann wieder über den großen Screen. Die umständliche Funktion hat uns schon im Taycan zu oft von der Fahrt abgelenkt.
Der Porsche Cayenne Electric (2026) im Fahrbericht (Video)

Fokus aufs Fahren nicht immer selbstverständlich
Erst die adaptiven 18-Wege-Sportsitze (serienmäßig) holen die Person am Steuer wieder zurück ins traditionelle Zuffenhausen. Mit wenigen Handgriffen schmiegen sie sich eng an den Körper, bieten im Test einen hervorragenden Seitenhalt und machen schnell klar, dass dieser Cayenne trotz aller Größe in erster Linie zum Fahren entwickelt wurde. Das Sportlenkrad stammt aus den aktuellen Porsche-Modellen und liegt gewohnt perfekt in der Hand.
Nicht ganz überzeugen kann dagegen die Materialanmutung im Porsche Cayenne Turbo Electric. Verarbeitung und Passgenauigkeit bewegen sich zwar auf gewohnt hohem Niveau. Für einen mindestens 165.500 Euro teuren Porsche hätte man an einigen Stellen allerdings edlere Materialien erwartet. Sowohl auf dem Armaturenträger als auch an Teilen der Mittelkonsole findet sich Hartkunststoff, der in dieser Preisklasse etwas überrascht. Zudem wirkt die Mittelkonsole weniger massiv als bei anderen Porsche-Modellen. Dafür schafft das optionale Panorama-Glasdach, das sich auch weit öffnen lässt, eine recht helle und großzügige Atmosphäre. Doch Vorsicht: Wer die beeindruckende „Tönung per Knopfdruck“ (Sunshine Control) bestellt, zahlt 5236 Euro extra.
Die Physik hat beim Cayenne das Nachsehen
Nach wenigen Kilometern rückt der Innenraum in den Hintergrund. Schon der erste Kreisverkehr zeigt, dass der Porsche Cayenne Turbo Electric völlig anders fährt, als es seine Dimensionen vermuten lassen. Wo sich ein fast drei Tonnen schweres SUV normalerweise sichtbar zur Kurvenaußenseite neigen würde, bleibt der Porsche im Test nahezu in Waage. Mit jeder Kurve steigt das Tempo, doch den Koloss bringt nichts aus der Ruhe. Einen wesentlichen Anteil daran hat das optionale Aktiv-Fahrwerk (Porsche Active Ride: 8324 Euro). Es eliminiert in Sekundenbruchteilen Nick- und Wankbewegungen.
Wer jetzt allerdings eine schwebende Sänfte erwartet, wird eines Besseren belehrt. Unebenheiten filtert das Luftfeder-Fahrwerk zwar souverän heraus, gleichzeitig wirkt der Turbo aber permanent hellwach. Man merkt der Abstimmung an, dass sie auf die volle Leistungsfähigkeit ausgelegt ist. Das unterscheidet den Cayenne von anderen luxuriösen Elektro-SUV, die vor allem auf größtmögliche Gelassenheit setzen.
Dazu passt die direkte Lenkung. Sie meldet selbst im Comfort-Modus die wichtigsten Eindrücke von der Straße an die Person am Steuer zurück, auch wenn sie nicht ganz die natürliche Sportlichkeit der Taycan- oder Panamera-Pendants besitzt. Dennoch schrumpft der fast fünf Meter lange Cayenne damit subjektiv um mehrere Fahrzeugklassen – auch wegen der optionalen Hinterachslenkung. Man vergisst recht schnell, dass hier knapp drei Tonnen um die Kurven zirkeln.
Die volle Porsche-Dynamik für fünf Passagiere
Wie weit Porsche die Fahrdynamik tatsächlich getrieben hat, zeigt sich erst auf abgesperrter Strecke. Hier lässt einen der Porsche Cayenne Turbo Electric dann endgültig an den eigenen Sinnen zweifeln. Das große SUV schiebt im Test mit einer Vehemenz und Traktion aus den Kurven, verzögert mit enormer Konsequenz (in 31,4 m aus Tempo 100 bis zum Stand) und lenkt so präzise ein, dass nur noch die hartgesottensten Beifahrenden überhaupt an Bord bleiben. Bei deaktiviertem Schleuderschutz lässt sich sogar das Heck mit den 325er-Reifen spielerisch zum Quertanz überreden – allerdings legt man selbst im Drift extrem schnell an Geschwindigkeit zu.
In nur 2,4 s schießt der Turbo aus dem Stand auf Tempo 100. Nochmal bis viereinhalb gezählt, und die 200er-Marke fällt. Bei 260 km/h endet die Beschleunigung plötzlich. Für den brachialen Vortrieb braucht es nicht einmal die Launch Control. Schon ein kräftiger Tritt aufs Fahrpedal genügt, um den Cayenne mit einer Wucht nach vorn zu katapultieren, die selbst routinierte Sportwagenfahrende beeindruckt. Der optionale Push-to-Pass-Knopf legt für kurze Zeit noch einmal zusätzliche Leistung frei und macht Überholmanöver zur Nebensache – übrigens untermalt per Tastendruck ein künstlich erzeugter V8-Sound das Geschehen.
Effizient ist der Cayenne nur bei totaler Zügelung
Die Kehrseite dieser Performance zeigt sich beim Energiebedarf. Der Cayenne Turbo animiert zum Schnellfahren. Wer sich nicht beherrscht, muss mit 30 kWh pro 100 km und deutlich mehr rechnen. Unser Testverbrauch von 25,9 kWh ist realistisch. Nur bei voller Geißelung schafft man 20 kWh. Dafür verliert das Thema Reichweite seinen Schrecken, denn der Cayenne ist ein echtes Lademonster. Bei leerem Akku hält er am Schnelllader mehr als 300 kW über einen langen Zeitraum. Selbst bei 80 Prozent Akkustand fließen noch 200 kW. Nach nur 16 min ist der Akku wieder von zehn auf 80 Prozent geladen. Danach fällt die Ladekurve ab. Kaum Zeit also für einen Blick in die Preisliste.
165.500 Euro wirken angesichts der gebotenen Technik fast nachvollziehbar. Doch das Wunschkonzert beginnt erst danach. Active Ride, Hinterachslenkung, Carbon-Keramik-Bremsanlage, 22-Zoll-Performance-Sommerreifen oder das große Panorama-Glasdach kosten jeweils vierstellige Beträge. Hinzu kommen Komfort- und Individualisierungs-Optionen bis hin zum 22-kW-Onboard-Lader. Die meisten Turbo-Modelle dürften mit langer Aufpreisliste ausgeliefert werden – so wie unser Testwagen, an dem ein Preisschild von üppigen 210.910 Euro klebt.
Fazit
Der Porsche überwältigt mit einer Fahrdynamik, die man bei seiner Größe und seinem Gewicht nicht erwartet. Das Active-Ride-Fahrwerk und die hohe Ladeleistung setzen Maßstäbe. Der Verbrauch, eine teure Optionsliste und kleine Schwächen bei der Materialanmutung trüben den Eindruck etwas.
Technische Daten und Messwerte des Porsche Cayenne Turbo Electric
AUTO ZEITUNG 17/2026 | Porsche Cayenne Turbo Electric |
|---|---|
Technik | |
Motor | Zwei permanenterregte Synchronmaschinen |
Systemleistung | 850 kW / 1156 PS (bei Launch-Control) |
Max. Drehmoment | 1500 Nm |
Antrieb | 2-Stufen-Automatik, Allrad |
Akku | Lithium-Ionen (NMC) |
Spannung | 800 V |
Kapazität brutto / netto | 113 / 107,9 kWh |
Ladeleistung AC / DC (Werk) | 11 (22 opt.) / 400 kW |
Gewicht | |
Leergewicht (Werk / Test) | 2740 / 2748 kg |
Zulässiges Gesamtgewicht | 3270 kg |
Effektive Zuladung | 522 kg |
Gewichtsverteilung (v / h) | 47 / 53 % |
Anhängelast (gebr. / ungebr.) | 3000 / 750 kg |
Dachlast / Stützlast | 100 / 120 kg |
Abmessungen | |
Gesamtmaße (L / B / H) | 4985 / 1980 (2200)* / 1674 mm |
Radstand | 3023 mm |
Kofferraumvolumen | 747–1588 l |
Fahrleistung | |
0 – 50 km/h | 1,2 s |
0 – 100 km/h | 2,4 s |
0 – 150 km/h | 4,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 260 km/h |
Bremsweg | |
100 – 0 km/h (kalt / warm) | 32,4 / 31,4 m |
50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h | 8,8 / 71,3 m |
Verbrauch & Reichweite | |
WLTP-Reichweite | 563–623 km |
WLTP-Verbrauch auf 100 km | 20,4–22,4 kWh |
Test-Reichweite | 416 / 547 km (min / max) |
Test-Verbrauch auf 100 km | 25,9 kWh / 100 km |
Ladevorgang 10 – 80 % SoC | |
Ladedauer | 16 min |
Ladeleistung Ø | 305 kW |
Nachgeladene Energie | 82,7 kWh |
Nachgeladene Reichweite | 319 km |
Preis | |
Grundpreis | 165.500 € |
Testwagenpreis | 210.910 € |
Rabatt | 8.468 € |
Steuer & Versicherung | |
Kfz-Steuer pro Jahr | befreit |
KH / VK / TK Typklassen | 23 / 32 / 29 |
KH / VK / TK Versicherung | 935 / 4648 / 1494 € |
Wartung & Garantie | |
Serviceintervall | 24 Monate / 30.000 km (lt. Anzeige) |
Garantie Gesamtfahrzeug | 2 Jahre |
Garantie Hochvolt-Akku | 8 Jahre / 160.000 km |
Garantie Lack / Rost | 3 Jahre / 12 Jahre |
Mobilitätsgarantie | 15 Jahre |
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