Corvette ZR1X: Erste Testfahrt im Hybrid-Hypercar
Amerikas neuer Superheld trägt kein Sternenbanner, sondern ein Corvette-Emblem. Mit 1267 PS (932 kW) fordert die ZR1X Europas Hypercars heraus. Aber das Ende ihrer Regentschaft ist bereits in Sicht.
Erste Testfahrt in der Corvette ZR1X
Die ZR1X ist mit ihren 1267 PS (932 kW) nicht einfach nur die stärkste Corvette aller Zeiten. Sie ist der schärfste, schnellste und technisch aufwendigste Straßen-Sportwagen, den Chevrolet jemals gebaut hat. Ausgerechnet in einem Land, das sich mit der Elektro-Mobilität schwerer tut als jedes andere, entsteht plötzlich ein Hybrid, der Europas Hypercars das Fürchten lehren soll. Allerdings nicht, weil das Ingenieursteam in Bowling Green grün geworden wären. Sondern weil Strom hier nur einem Zweck dient: noch mehr Performance.
Mit dem Umstieg ab der C8-Generation von Front- auf Mittelmotor wurde die Corvette vom grobschlächtigen Kraftprotz zum Präzisionsgerät. Die ZR1 setzte dem Ganzen mit dem ersten Biturbo-V8 und 1079 PS (794 kW) die Krone auf. Jetzt steckt Chevrolet dieser Krone auch noch einen Diamanten auf.
Das Corvette C8 Stingray Cabrio im Video

1267 PS aus Biturbo-V8 und E-Motor: Die kräftigste Corvette aller Zeiten
Der zusätzliche E-Motor vorn, den wir bei uns nur aus der Corvette E-Ray kennen, liefert weitere 139 kW (189 PS). Zusammen stehen 1267 PS (932 kW) und 1320 Nm Drehmoment bereit. Das reicht für weniger als zwei Sekunden auf Tempo 100, eine Viertelmeile in unter neun Sekunden und mehr als 375 km/h Spitze.
Doch das Beeindruckendste sind nicht einmal die nackten Zahlen. Frühere Corvette-Generationen konnten vor allem eines: brutal geradeaus fahren. In schnellen Kurven war dagegen stets reichlich Mut, hinreichend Talent und manchmal auch ein Stoßgebet gefragt. Genau dort zeigt die neue Corvette ZR1X jetzt aber ihren eigentlichen Fortschritt. Denn der Elektro-Motor zieht die Vorderachse förmlich um die Kurve, verteilt die Kräfte unmerklich und macht aus dem früheren Holzhammer plötzlich ein erstaunlich präzises Skalpell.
Dank Allradantrieb wird die ZR1X zum präzisen Skalpell auf der Rennstrecke
Wo früher die Hinterräder verzweifelt nach Traktion suchten, katapultiert sich die ZR1X auf unserer ersten Testfahrt mit vier angetriebenen Rädern aus der Kurve. Nicht die zusätzliche Leistung verändert das Auto entscheidend, sondern die neue Gelassenheit, mit der sie ihre Kraft auf den Asphalt bringt. Das Erstaunliche dabei: Chevrolet macht aus der Elektrifizierung überhaupt keine Glaubensfrage. Einen Stecker gibt es nicht. Rein elektrisch fährt die ZR1X keinen einzigen Meter. Die 1,9-kWh-Batterie ist ausschließlich dafür da, den E-Motor immer wieder mit maximaler Leistung zu versorgen, die sich jederzeit und ohne jegliche Verzögerung abrufen lässt.
Auch optisch ist die Corvette auf Angriff programmiert: riesige Lufteinlässe, messerscharfe Karbon-Splitter und ein Heckflügel, der auch als Esstisch für eine Football-Mannschaft durchgehen würde. Darunter arbeitet ein V8, dessen Bass selbst im Zeitalter synthetischer Sounds noch ehrlichen Respekt einflößt. Innen ist die Corvette dagegen erwachsener geworden. Das Cockpit wirkt endlich hochwertig und die Bedienung deutlich aufgeräumter. Nur bequem ist die ZR1X deshalb noch lange nicht. Die Sitze packen zu wie ein Schraubstock, das aktive Fahrwerk kennt selbst im Tour-Modus wenig Gnade und erinnert die Person am Steuer ständig daran, dass diese Corvette Rennstrecken statt Route 66 bevorzugt.
Fast noch spektakulärer als die Fahrleistungen ist aber der Preis. Rund 207.000 US-Dollar für das Coupé oder gut 217.000 US-Dollar für das Cabrio sind für Corvette-Verhältnisse zwar beinahe obszön teuer. Im Vergleich mit Ferrari, Lamborghini oder Aston Martin bleibt die ZR1X aber fast schon ein Sonderangebot.
Nirgendwo sonst gibt es derzeit so viel Fahrdynamik für vergleichsweise wenig Geld. Doch jeder Superheld weiß: Der größte Gegner wartet meist im eigenen Hauptquartier. Während die ZR1X gerade erst den Titel der stärksten Straßen-Corvette aller Zeiten übernimmt, arbeiten das Ingenieursbüro im Hintergrund bereits an ihrer – leichteren, schnelleren und intelligenteren – Nachfolgerin. Der Ruhm der Corvette ZR1X könnte daher also erstaunlich kurz sein.
Fazit
Die Corvette ZR1X dringt mit ihrer atemberaubenden Performance in Sphären vor, die bislang den Hypersportlern italienischer oder britischer Herkunft vorbehalten waren, ohne dabei nur entfernt deren Preisniveau zu erreichen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Chevrolet möglichst bald entschließt, die ZR1X auch nach Europa zu bringen, bevor bereits die nächste Corvette-Generation vor der Tür steht.
Technische Daten der Corvette ZR1X
AUTO ZEITUNG 16/2026 | Corvette ZR1X |
|---|---|
Technische Daten | |
Motoren | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo; 5463 cm³; E-Motor (v.) |
Antrieb | 8-Gang, Doppelkupplung; Allrad |
Systemleistung | 932 kW / 1267 PS |
Max. Systemdrehmoment | 1320 Nm |
Akkukapazität | 1,9 kWh (netto) |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4742 / 1913 / 1234 mm |
Leergewicht / Zuladung | 1877 / k. A. kg |
Kofferraumvolumen | 255 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 2,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | über 375 km/h |
Verbrauch auf 100 km | k. A. |
Elektr. Reichweite | – |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | ca. 207.000 US-$ |
Marktstart | Frühjahr 2026 |
Alle Daten Werksangaben | |
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