Tracktest

Test: So schnell fährt der Porsche 911 Turbo S die GP-Strecke

Porsche hat den neuen 911 Turbo S in 07:03,92 min über die Nürburgring-Nordschleife gejagt – wir nehmen nun den Grand-Prix-Kurs unter die Räder. Tracktest!

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Der Porsche 911 Turbo S fährt auf der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke, von vorne fotogafiert.
Erbarmungsloser Vortrieb: Nach nur 7,8 s stehen 200 km/h auf dem Tacho. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 911 Turbo S fährt auf der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke, von rechts fotogafiert.
Dass Porsche den Turbo S mit vergleichsweise alltagstauglicher Pirelli 
P Zero R-Bereifung zum Tracktest schickt, überrascht zunächst – bis die 
gemessenen Beschleunigungszeiten sämtliche Bedenken zerstreuen. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 911 Turbo S fährt auf der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke, von hinten fotogafiert.
Der Turbo S definiert Fahrspaß auf seine Weise – mit einem
unglaublichen Talente-Spagat, den nicht viele beherrschen. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Porsche 911 Turbo S.
Die edel ausstaffierte Mensch-Maschine-Schnittstelle, kurz Cockpit, ist im 911 Turbo S ganz nah dran an der Perfektion. Foto: Frank Ratering
Die vorderen Sitze des Porsche 911 Turbo S.
Hier nimmt man sehr gern Platz. Foto: Frank Ratering
Der Fond des Porsche 911 Turbo S.
Notsitze im Heck. Foto: Frank Ratering
Der Frunk des Porsche 911 Turbo S.
Typisch 911: der Frunk. Foto: Frank Ratering
Unter der offenen Heckklappe des Porsche 911 Turbo S sind Ventilatoren zu erkennen.
Die Motoren-Magie passiert, wie immer beim 911, im Verborgenen. Foto: Frank Ratering
Eine Detailaufnahme zeigt den Heckspoiler des Porsche 911 Turbo S.
Ähnliches gilt für die aktive Aerodynamik, die lautlos und dezent, aber sehr effektiv den Luftstrom ums Auto lenkt. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 911 Turbo S steht in der Boxengasse der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke, von links fotografiert.
Wer früher mit Turbo-Motoren un­terwegs war, lernte automatisch, mit Ver­zögerung zu arbeiten. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 911 Turbo S durch die Boxengasse der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke, von hinten fotografiert.
Dieses „Mitdenken“ entfällt beim neuen Turbo S. Die Person am Steuer muss nicht mehr antizipieren, wann die Leistung einsetzt, sondern nur noch ent­scheiden, wann sie unmittelbar gebraucht wird. Foto: Frank Ratering
Eine Grafik zeigt die Segment-Geschwindigkeiten des Porsche 911 Turbo S auf der Nürburgring-Grand-Prix-Strecke.
Der 911 Turbo S beeindruckt mit hohen Geschwindigkeiten. Auf das kompromisslose Tracktool GT3 RS, das Anfang 2024 aufschlug, fehlen am Ende dennoch 3,5 s. Foto: AUTO ZEITUNG

Bye-Bye Turboloch: Der Porsche 911 Turbo S im Tracktest

Es gibt technische Begriffe, die sich tief in das kollektive Gedächtnis sportlich orientierter Fahrer:innen eingebrannt haben. Das Turboloch gehört zweifellos dazu. Über Jahrzehnte hinweg war es nicht nur ein physikalischer Effekt, sondern ein prägendes Element des Fahrerlebnisses: das Durchtreten des Gaspedals, das kurze Innehalten der Maschine, dann das schlagartig einsetzende Drehmoment, das den gesamten Charakter
des Fahrzeugs transformierte. Diese Verzögerung war kalkulierbar, fast schon ritualisiert – und wurde von geübten Menschen bewusst in den Fahrstil integriert.

Für den Tracktest mit dem ganz neuen Porsche 911 Turbo S sind wir auf dem Nürburgring-GP-Kurs bei etwa 18° C Außentemperatur unter bedecktem Himmel – nahezu ideale Bedingungen für neue Bestzeiten.

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Der Skoda Enyaq, vor weißem Hintergrund von vorne abgebildet. - Foto: Skoda
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Als Bereifung dient dem Porsche der Pirelli P Zero R, ein straßenorientierter Hochleistungsreifen, der den Weg zur Rennstrecke nicht expliziert sucht, aber toleriert. Wir bringen die Pneus auf Temperatur und steigern die Drehzahlen sukzessive gen 6500 bis 7000 Touren, bei denen die maximale Leistung von 711 PS (523 kW) anliegt. Der 3,6-l-Boxer im Heck wird von zwei eTurbos und einer zusätzlichen E-Maschine im PDK-Getriebe unterstützt.

Die beiden in den Abgasturboladern integrierten E-Maschinen bringen die Lader nicht nur blitzartig auf Touren, sondern dienen auch zur flinken, effizienten Ladedruckregelung, etwa indem der Lader per Rekuperation abgebremst wird, während die dabei gewonnene elektrische Energie in der LFP-Batterie gespeichert werden kann.

Der Porsche 911 Turbo S im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Elektro-Zauber trifft Boxer-Talente

Schon aus der Mercedes-Arena heraus, in der heute die Gripverhältnisse nicht gerade ideal sind, wird klar, dass der klassische Übergang zwischen Gasbefehl und Leistungsaufbau verschwindet. Der Antrieb reagiert ohne wahrnehmbare Verzögerung. Kein kurzfristiges Nachdenken des Systems, und auch kein definierter „Turbo-Kick“, wie er früher typisch war. Stattdessen entsteht eine durchgehende, lineare Beschleunigung.

Die Kombination aus 711 PS Systemleistung und elektrifizierter Aufladung verändert dabei nicht nur die Stärke
des Vortriebs, sondern vor allem seine zeitliche Struktur: Leistung ist im Moment der Anforderung bereits verfügbar.Auf dem GP-Kurs bedeutet das eine spürbar andere Herangehensweise an schnelle Runden. In langsamen Passagen wie der engen Rechtskehre vor der Kumho-Kurve oder beim Herausbeschleunigen aus der NGK-Schikane entfällt der sonst übliche mentale Puffer. Früher musste die Person am Steuer den Moment des Ladedruckaufbaus einkalkulieren. Jetzt kann sie unmittelbar am Scheitelpunkt ans Gas gehen. Das verändert den Rhythmus der gesamten Runde.

Die Konstanz der Leistungsbereitschaft ist dabei bemerkenswert. Unabhängig von Gangwahl oder Kurventempo bleibt die Leistungsabgabe gleichmäßig und vorhersehbar. Das gelingt, weil Porsche es schafft, dank intensiver Rekuperation stets genügend elektrische Energie im 1,9-kWh-Akku zu bunkern.

Der Gesamteindruck ist weniger von Emotion im klassischen Sinn geprägt als vielmehr von Konsequenz. Genau daraus entsteht ein hohes Maß an Vertrauen, das sich nahtlos in Speed übersetzt. Geradezu aberwitzig sind die nimmer enden wollenden Kraftreserven selbst bei Tempo 260 auf der Start-und-Ziel-Geraden.

Fahrbarkeit trotz unbändiger Kraft

Als kongenialer Kontrapunkt zum Antrieb kristallisiert sich die Bremsanlage heraus, die mit riesigen (vorn 420, hinten 410 mm) Keramik-Verbundscheiben starke und stabile Negativ-Beschleunigung garantiert – Runde für Runde, inklusive der Bremsbelag-mordende Kehre am Ende der langen Geraden.

Das Fahrwerk und der Allradantrieb unterstützen die entfesselte Charakteristik mit 
großer Stabilität. Lastwechsel bleiben sauber kontrollierbar, die Traktion steht früh zur Verfügung, und die Vorderachse vermittelt auch unter Beschleunigung eine klare Rückmeldung. Dass das herrlich analog anmutende Fahrerlebnis unter anderem auch technischen Finessen wie dem elektrohydraulisch gesteuerten Porsche Dynamic Chassis Control (ehPDCC) zu verdanken ist – geschenkt!

Ein ebenfalls anwesender BMW M2 CS präzisiert den Charakter des Turbo S: Im Vergleich zum quirlig aufspielenden Bajuwaren arbeitet sich der Zuffenhausener mit größtmöglicher Seriosität und regelrecht humorlos durch die schnellen Kurvenfolgen. Gerade im Vergleich zu früheren Turbo-Generationen wird deutlich, wie stark sich das Konzept verändert hat.

Das klassische Turboloch war über Jahrzehnte kein Fehler, sondern ein Teil des Erlebnisses. Es erzeugte Spannung, Erwartung und einen klar definierten Moment im Beschleunigungsprozess. Dieser Moment ist passé. Am Ende der Turns bleibt der Eindruck eines Autos, das eine ganze Motorenkategorie neu definiert hat. Nicht durch mehr Aggressivität, sondern durch die Eliminierung einer Verzögerung, die einst selbstverständlich war.

Seriosität statt Spieltrieb

Der neue 911 Turbo S beschleunigt nicht nur schneller. Er beschleunigt anders. Und genau darin liegt der eigentliche Bruch. Nicht als Verlust im klassischen Sinn, sondern als konsequente Weiterentwicklung eines Prinzips. Schneller als 1:33,4 min werden wir heute nicht – eine sehr gute Zeit, die wohl mit kompromissloseren Reifen noch besser gewesen wäre. Wir verlassen den Ring wie im Rausch, haben einen ausgeprägten Tunnelblick, aber keine schweißnassen Hände.

Das 911 Turbo S-Erlebnis komplettiert die Rückfahrt. Während die Turbos im Teillastbereich abkühlen dürfen und das Fahrwerk in der komfortableren Abstimmung die öffentlichen Straßen lässig unter die Räder nimmt, entspannen wir in den hervorragend konturierten, adaptiven Sportsitzen.

Es ist zwar alles andere als eine neue Erkenntnis, doch der 911 Turbo S ist ein ausgesprochen komplettes Fahrzeug, das die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten nahezu perfekt abdeckt. Die Mühelosigkeit, wie er Geschwindigkeit aus dem Ärmel schüttelt und dabei die Ruhe selbst bleibt, erfahren wir ein letztes Mal auf der A1 Richtung Köln. Während wir dem typischen, wenig aufdringlichen Turbo-Klang lauschen, rauscht der digitale Tacho fast schon unheimlich unbemerkt gen 300 km/h. Ein Fakt, der allerdings ebenfalls im Gedächtnis bleibt, ist der Einstiegspreis von 271.000 Euro. Von den Unterhaltskosten ganz zu schweigen.

Fazit

Wer früher mit Turbo-Motoren un­terwegs war, lernte automatisch, mit Ver­zögerung zu arbeiten. Dieses „Mitdenken“ entfällt beim neuen Turbo S. Die Person am Steuer muss nicht mehr antizipieren, wann die Leistung einsetzt, sondern nur noch ent­scheiden, wann sie unmittelbar gebraucht wird.

Technische Daten & Messwerte des Porsche 911 Turbo S

AUTO ZEITUNG 13/2026

Porsche 911 Turbo S

Technik

Motor

6-Zylinder-Boxer, 4-Ventiler, 2 Abgasturbolader m. integr. E-Maschine, E-Maschine im Getriebe

Hubraum

3591 cm³

Systemleistung

523 kW / 711 PS

Max. Drehmoment

800 Nm

Antrieb

8-Gang, Doppelkupplung; Allradantrieb

Gewicht

Leergewicht/Zuladung

1730 / 395 kg

Abmessungen

Gesamtmaße (L / B / H)

551 / 1900 (2046)* / 1305 mm

Radstand

2450 mm

Kofferraumvolumen

128 – 373 l

Fahrleistung

0 – 100 km/h

2,4 s

Höchstgeschwindigkeit

322 km/h

Bremsweg

100 – 0 km/h (kalt / warm)

32,1 / 31,1 m

50 – 0 km/h / 150 – 0 km/h

8,7 / 67,9 m

Verbrauch

WLTP-Verbrauch auf 100 km

11,6 l SP

Testverbrauch auf 100 km

12,8 l SP

CO2-Emission

261 g/km

Preis

Grundpreis

271.000 €

*Breite mit Außenspiegeln