Fahrbericht

Mercedes C400 4Matic elektrisch: Mit der e-C-Klasse auf Testfahrt

Geräumig, komfortabel und sportlich: Die neue vollelektrische Mercedes C-Klasse legt sich gleich mit der nächstgrößeren Fahrzeugkategorie an und düpiert ihre Verbrenner-Brüder.

(1/10)
Der Mercedes C400 4Matic elektrisch fahrend von schräg vorne
Bullige Fronthaube, imposanter Stern-Grill: Hier kommt zweifellos ein Mercedes. Und zwar der C400 4Matic elektrisch. Foto: Mercedes
Der Mercedes C400 4Matic elektrisch fahrend von schräg hinten
Sofort zu erkennen: Die Elektro-C-Klasse kommt mit muskulösem Aero-Heck. Foto: Mercedes
Der Mercedes C400 4Matic elektrisch fahrend von vorne
Stilles Wasser beim Tiefgründen: Diese elegante C-Klasse wird bei Bedarf zum AMG-Peiniger – in nur 4,0 s von 0 auf 100 km/h. Foto: Mercedes
Der Mercedes C400 4Matic elektrisch fahrend seitlich
Tradition wird Moderne: Mercedes setzt wieder auf eine lange Fronthaube und ein knackiges Kurzheck. Foto: Mercedes
Der Mercedes C400 4Matic elektrisch fahrend von hinten
Markiger Auftritt: GT-Heck mit glanzschwarzer Querspange und Mercedes-Stern-LED Heckleuchte. Foto: Mercedes
Das Cockpit des Mercedes C400 4Matic elektrisch
Neue Mercedes-Welt: Imposantes Cockpit mit großem Hyperscreen, beeindruckender Software-Power – und formatfüllendem Bildschirmhintergrund statt Ruhe. Foto: Mercedes
Das Dach des Mercedes C400 4Matic elektrisch
Stars und Sternchen: Serienmäßiges Panorama-Glasdach. Eine Illuminierung und elektrochromatische Dimmung in individuell schaltbaren Segmenten ist ebenfalls verfügbar. Foto: Mercedes
Die Rücksitze des Mercedes C400 4Matic elektrisch
Fitness-Raum: Der lange Radstand sorgt für viel Platz im Fond, hier in der sportiven AMG-Ausstattung mit roten Dekor-Elementen. Foto: Mercedes
Der Kofferraum des Mercedes C400 4Matic elektrisch
Sag mal Ah: 470 l Volumen im klassischen Kofferraum und ... Foto: Mercedes
Der Frunk des Mercedes C400 4Matic elektrisch
... weitere 101 l im Frunk hinter dem beleuchteten „Iconic Grille“. Foto: Mercedes

Jenseits von jedem: So sehr überzeugt der Mercedes C 400 4Matic elektrisch auf der ersten Testfahrt

Wehe, wenn sie losgelassen. Das denkst du, Auge in Auge mit der neuen Elektro-C-Klasse. Die Ingenieursabteilungen durften alles geben, absolute Höchstleistung abrufen – und jetzt hat Mercedes ein Problem: Der C 400 4Matic lässt seine Verbrenner-Brüder nämlich dastehen wie alte Eisen, erklärt den nominell höher positionierten EQE zum Auslaufmodell und könnte – sexy, groß, schnell, wie er ist – sogar noch anderen Markenbrüdern ans Blech fahren.

Mit seinem coupéhaften Heck und der bulligen Front ist der neue C so heiß wie ein CLE. Radstand und Drehmoment der Elektro-C-Klasse liegen auf E-Klassen-Niveau, Hardware und Software lassen selbst eine S-Klasse zittern.

Der Mercedes-AMG GLC 53 im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Willkommen Zuhause? Naja

Gut für Mercedes, dass dabei auch der Wettbewerb deutlich mehr als nur Streifschüsse abbekommt: Ein kompakterer BMW i3 50 xDrive muss zum Beispiel seine größere WLTP-Reichweite (906 km versus 762 km) durch einen Mehrpreis von rund 7600 Euro gegenfinanzieren. Selbst ein deutlich höher positionierter Audi A6 e-tron kostet trotz knapperem Radstand und immerhin 20 kW (27 PS) weniger Leistung 12.000 Euro mehr als die angriffslustige Elektro-C-Klasse.

Um wenigstens ein, zwei griffige Argumente gegen diesen dominanten Auftritt der neuen Über-C-Klasse zu finden, muss man vermutlich im gefühligen Bereich Bedenken tragen: Der pathetisch illuminierte LED-Grill dürfte tendenziell asiatisch-amerikanische Effekt-Geschmäcker bedienen, und auch vom Riesenmonitor-Cockpit könnten sich mitteleuropäische Purist:innen eher digital bedrängt statt Hightech-mäßig euphorisiert fühlen.

„Willkommen Zuhause“ soll man sich laut Mercedes-Selbstverständnis fühlen – wer im Wohnzimmer eine XXL-Glotze dauerlaufen hat, sich lieber mit einer KI statt humanoiden Mitfahrenden unterhält und das Schlafzimmer gern in ein schillerndes LED-Ambiente taucht, dürfte das genauso sehen. Sonst eher nicht.

Nebeneffekte des formatfüllenden Hyperscreens: Seine Touch-Bedienung ist in Fahrt jeder Analog-Bedienung unterlegen, darüber hinaus wirkt die Riesen-Glasfläche wie ein Schwarzes Loch fürs Interieur-Design. Statt großzügiger Räumlichkeit, sinnlicher Anfassqualität und durchweg hochwertiger Materialanmutung gibt es Bildschirm-Hintergründe im Sci-Fi-Kitsch-Look von 80er-Jahre-Foto-Tapeten.

Exzellentes Paket aus Fahrdynamik und Komfort

Wettbewerber, die angesichts solch polarisierender Perspektiven erleichtert durchatmen, sollten aber eines wissen: Man kann das Volldigitale auch mögen, ignorieren oder abschalten, sich dann aufs Fahren konzentrieren – und genau hier, bei den harten automobilen Fakten, hat der neue Mercedes C 400 4Matic jedes Argument auf seiner Seite. Der 360 kW (489 PS) und 800 Nm starke Doppelmaschinen-Antrieb haut rein wie eine Abrissbirne, lässt sich dabei aber Skalpell-feinfühlig dosieren. Da wirken stattliche Dieselmotoren beinahe schwindsüchtig und hypernervöse Hochdrehzahl-Sportaggregate fast schon wie Grobmotoriker.

Dank automatisch schaltendem Zweigang-Getriebe garantiert die hintere Antriebseinheit des C 400 bei niedrigem Tempo sattes Sprintvermögen und beim Schnellfahren erhöhte Effizienz. Die PSM-Einheit vorn wird beim Cruisen mechanisch entkoppelt und erst bei erhöhter Traktionsanforderung innerhalb von Millisekunden zugeschaltet. Mit seiner 94-kW-Batterie fährt der C 400 stattliche 700 km (oder mehr) weit – und braucht diese Reichweiten-Protzerei eigentlich gar nicht: Dank hochentwickelter 800-V-Architektur und State of-the-Art-Batterietechnologie lädt die Elektro-C-Klasse innerhalb von zehn Minuten Strom für bis zu 325 km nach.

Welche Strecken dann absolviert werden, ist dem C 400 völlig egal: Dank adaptiver Airmatic-Luftfederung mit Over-the-Air-Vorahnung (Informationen vorherfahrender Mercedes-Geschwister können punktgenau verarbeitet werden) rollt die C-Klasse souverän ab, schluckt lange Bodenwellen mit höchster Kontrolle und filtert kurze Schläge äußerst elegant. Dass sie dabei dennoch flink und wendig bleibt, hat sie ihrer gut abgestimmten Lenkung und in engen Ecken oder beim Wenden einer Hinterachslenkung zu verdanken.

Sportlich kann der C 400 4Matic aber auch: Im entsprechenden Fahrmodus wird das Auto sehr fokussiert, das Handling ist gleichermaßen stabil wie herrlich animierend, die Reaktionen des Autos auf Lenkbefehle lösen pure Fahrfreude aus. Und weil größtenteils gar nicht per Scheiben, sondern über die Rekuperation gebremst wird, lässt das Auto auch in dieser Hinsicht nichts anbrennen.

Fazit

Anscheinend ist Mercedes die bisherige EQ-Nomenklatur abhanden gekommen, denn der Neuling im Modellprogramm heißt nun ganz offiziell „C 400 4Matic elektrisch“. Mehr ist an diesem anspruchsvollen Vorzeige-Automobil aber nicht sperrig oder unentschlossen. Die neue vollelektrische C-Klasse setzt Maßstäbe: Sie ist ausgesprochen komfortabel und beeindruckend sportlich – Mercedes liefert mit ihr einen sehr ambitionierten Leistungsnachweis.

Technische Daten des Mercedes C 400 4Matic elektrisch

AUTO ZEITUNG 16/2026

Mercedes C 400 4Matic elektrisch

Technische Daten

Motor

zwei Permanenterregte Synchronmaschinen

Antrieb

Konstantübersetzung; Hinterrad

Leistung

360 kW / 489 PS

Max. Drehmoment

800 Nm

Kapazität / Spannung

94,0 kWh (netto) / 800 V

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4883 / 1892 (2066)* / 1503 mm

Leergewicht / Zuladung

2460 / 505 kg

Kofferraumvolumen

470 l + 101 l (Frunk)

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

4,0 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h

Verbrauch auf 100 km

14,1 kWh

Reichweite

762 km

Kaufinformationen

Grundpreis

67.711 €

Marktstart

Juli 2026

Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel