Fahrbericht

Lotus Emira 420 Sport: Testfahrt im schnellsten Serien-Vierzylinder

Lotus lockt mit dem schnellsten Vierzylinder-Serien-Pkw. Ob nur zwei Liter Hubraum für maximalen Fahrspaß ausreichen, durfte der Lotus Emira 420 Sport auf unserer ersten Testfahrt beweisen.

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Lotus Emira 420 Sport fahrend von schräg vorne fotografiert.
Lotus beansprucht mit dem Emira 420 Sport selbstbewusst den Titel des schnellsten Serien-Vierzylinder-Pkw der Welt. Foto: Lotus
Lotus Emira 420 Sport fahrend von der Seite fotografiert.
Schon nach wenigen Metern wird klar: Dieser Emira meint es ernst. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet schneller und intuitiver, die Leistungsentfaltung wirkt linear, direkt, kontrollierbar. Foto: Lotus
Lotus Emira 420 Sport statisch von schräg hinten fotografiert.
Der 420 Sport liegt zudem fünf Millimeter tiefer als der Standard-Emira. Foto: Lotus
Das Cockpit des Lotus Emira 420 Sport.
Im Innenraum wird man von mit schwarzem Nappaleder und perforiertem Alcantara bezogenen Sportsitzen und reichlich Sichtkarbon begrüßt. Foto: Lotus
Das herausnehmbare Glasdach des Lotus Emira 420 Sport.
Mit dem Emira 420 Sport führt Lotus nun für alle Emira ein herausnehmbares Glasdach ein. Foto: Lotus

Erste Testfahrt mit dem Lotus Emira 420 Sport

Wie viel Motor braucht es, um Supersportwagen in Verlegenheit zu bringen? Offenbar nur vier Zylinder, zumindest dann, wenn man den Entwickler:innen von Lotus und ihrem neuen Lotus Emira 420 Sport glauben mag. Sie beanspruchen in ihrer Pressemeldung selbstbewusst den Titel „schnellster Serien-Vierzylinder-Pkw der Welt“. Die Zahlen dahinter dürften in einem modernen Sportwagen-Quartett zunächst nüchtern klingen. Zwar bietet der Brite „nur“ 1991 cm3 Hubraum, dafür aber 421 PS (310 kW) und 500 Nm Drehmoment, null auf 100 km/h in 3,9 s und eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h.

Der Porsche 718 Spyder RS (2023) im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Anglo-germanische Symbiose: AMG-Power trifft auf Lotus-Software

Grundlage für die beeindruckende Zahlenschlacht liefert niemand geringeres als AMG, deren Turbo-Vierzylinder Lotus mit hauseigener Software verfeinert. Doch wie gut funktioniert das anglogermanische Zusammenspiel?

Um das herauszufinden, geht es ab hinters Steuer! Im Innenraum wird man von mit schwarzem Nappaleder und perforiertem Alcantara bezogenen Sportsitzen und reichlich Sichtkarbon begrüßt. Ein schönes Detail sind die in Wagenfarbe (Tangelo Orange) lackierten Sitzschalen. Die Farbwahl erinnert an die Tradition Lotus' markanter Farbgebungen.

25 kg mehr Abtrieb: Rasiermesserscharf auf dem Track

Ein Druck auf den Startknopf in der Mittelkonsole lässt das AMG-Triebwerk mit vierzylindriger Note grollend erwachen. Schon nach wenigen Metern wird klar: Dieser Emira meint es ernst. Das 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet schneller und intuitiver, die Leistungsentfaltung wirkt linear, direkt, kontrollierbar. Lotus hat jedes Element des Antriebsstrangs auf unmittelbares Ansprechverhalten abgestimmt. Das Ergebnis ist kein brachialer Punch mit Verzögerung, sondern eine präzise dosierbare Kraftentfaltung, die den 1455 kg schweren Keil nach vorne drückt.

Der Autor am Steuer des Lotus Emira 420 Sport sitzend.
Foto: Lotus

Der 420 Sport liegt zudem 5 mm tiefer als der Standard-Emira. Der Schwerpunkt sinkt, das Einlenken wird schärfer, die Karosseriebewegungen wirken straff kontrolliert. Die speziell entwickelte Dämpferabstimmung mit fest definierten Ventilkennlinien verleiht dem Fahrwerk eine neue Ernsthaftigkeit.

Vor allem auf der Rennstrecke zeigt sich, was das bedeutet. Die zweifach verstellbaren Multimatic-Dämpfer mit Spool-Valve-Technologie erlauben eine unabhängige Abstimmung von Druck- und Zugstufe. Das Resultat ist eine außergewöhnlich konstante Dämpferleistung selbst unter anhaltender Hochbelastung. Der Emira bleibt stets stoisch präzise. Lenkgefühl, Fahrwerksrückmeldung, Reaktionen auf kleinste Inputs, alles wirkt geschärft, aber nie nervös und gibt dem:der Pilot:in auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten das nötige Sicherheitsgefühl.

Lotus Emira 420 Sport fahrend von der Seite fotografiert.
Foto: Lotus

25 kg zusätzlicher Abtrieb gegenüber dem Standard-Emira wurde ohne erhöhten Luftwiderstand ermöglicht. Dafür sorgen der neu gestaltete Frontsplitter, größere Lufteinlässe, verlängerte Seitenschweller, die Carbon-Heckklappe mit Lamellen und eine verlängerte Heckspoilerlippe. Das Resultat: mehr Stabilität bei hohem Tempo und mehr Vertrauen, auch für Fahrer:innen mit weniger Streckenerfahrung.

Auch die Kühlung wurde angepasst. Der Luftstrom zu den Kühlern steigt um 15 Prozent, im Bereich der Abgasklappe sogar um 30 Prozent. Wer es ernst meint mit Trackdays, kann mit demontierten Kennzeichen vorne den Luftstrom weiter erhöhen und die Bremskühlung verbessern. Der Emira 420 Sport glänzt auch nach wiederholt harten und extrem schnellen Runden in den Händen der Lotus-Werkstester:innen mit toller Leistung.

Alltags-Check in Norfolk: Wie viel Restkomfort bleibt auf rauer Landstraße?

Trotz alldem soll die Straßentauglichkeit uneingeschränkt bleiben. Auf den ruppigen Landstraßen Norfolks kann der Emira 420 Sport seinen sportiven Charakter in Sachen Fahrwerk nicht verbergen, doch das überrascht wenig. Darüber hinwegtrösten mag vielleicht das herausnehmbare Glasdach, das sich hinter den Sitzen verstauen lässt, leider aufgrund einer fehlenden Jalousie je nach Sonnenstand im eingebauten Zustand den:die Fahrer:in unangenehm blenden kann.

Am Ende der ersten Testfahrt bleibt ein Gedanke hängen: Leistung allein definiert keinen guten Sportwagen. Es ist das Zusammenspiel aus Gewicht, Balance, Aerodynamik und Rückmeldung. Der Emira 420 Sport verkörpert dieses Prinzip wie von Lotus gewohnt in Reinform. Wer sich von dem Gedanken frei machen kann, „nur“ einen Vierzylinder zu fahren, wird mit fantastischem Turbozischen und dem Gefühl belohnt, in jeder Kurve ein Stück näher an die Essenz dessen zu kommen, wofür Lotus seit 1948 steht: weniger Masse, mehr Magie.

Fazit

129.900 Euro kostet der schnellste Vierzylinder-Serien-Pkw der Welt in Deutschland. Ein hoher Preis, keine Frage. Doch wer ihn fährt, versteht schnell: Die Zylinderzahl ist unwichtig. Eine Mordsgaudi kann man auch mit zwei Litern Hubraum haben, zumal hier keine schwere Hybrid-Technik mitgeschleppt werden muss.

Technische Daten des Lotus Emira 420 Sport

AUTO ZEITUNG

Lotus Emira 420 Sport

Technische Daten

Motor

4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo; 1991 cm³

Antrieb

8-Gang, Doppelkupp.; Hinterrad

Leistung

310 kW / 420 PS

Max. Drehmoment

500 Nm

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4413 / 1895 (2092)* / 1230 mm

Leergewicht / Zuladung

1455 / 270 kg

Kofferraumvolumen

151 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

3,9 s

Höchstgeschwindigkeit

300 km/h

Verbrauch auf 100 km

9,2 l S

Kaufinformationen

Grundpreis

129.900 €

Marktstart

2026

Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel