Vorstellung

Give Me Five: Das Audi Coupé (B3) in der Kaufberatung

Lange fuhr das zweite Audi Coupé unterm Radar, stand allzu sehr im Schatten des ikonischen Vorgängers. Heute begeistert es mit phänomenaler Langzeitqualität und – etwa im Falle des S2 – seinem legendären Fünfzylinder-Turbo.

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Der Audi Coupé (B3) stehend ohne Motorhaube
Das Audi Coupé (B3) ist längst zum Oldtimer gereift. Dennoch fuhr alles, was nicht S2 heißt, lange unterm Radar. Foto: Hardy Mutschler
Der Audi Coupé (B3) fahrend seitlich
Pures Understatement: Die Sportskanone S2 unterscheidet sich im optischen Auftritt kaum von den zivilen Brüdern. Foto: Hardy Mutschler
Der Audi Coupé (B3) fahrend von vorne
Der S2 spielt bei Preis und Teileverfügbarkeit in seiner eigenen Liga – beim Fahrspaß aber auch. Foto: Hardy Mutschler
Der Audi Coupé (B3) fahrend von hinten
Musterknabe: Durch die Vollverzinkung ist Rost im Alter kaum ein Thema. Foto: Hardy Mutschler
Das Cockpit des Audi Coupé (B3)
Die Schaumstoffdichtungen der Lüftungsklappen zerbröseln mit der Zeit. Ein Test bei aufgedrehtem Lüfter klärt ihren Zustand. Zum Tausch muss die Tafel raus. Späte Modelle kamen mit einer Flüssigkristallanzeige für die Klimaautomatik, die im Alter gerne durch ausfallende Segmente auf sich aufmerksam macht. Foto: Hardy Mutschler
Die Sitze des Audi Coupé (B3)
Die Sport-Fauteuils des S2 verbinden Langstreckenkomfort gekonnt mit prima Abstützung. Stoffbezüge neigen im Alter zu verschlissenen Wangen. Foto: Hardy Mutschler
Der Kofferraum des Audi Coupé (B3)
Bei allem Sportsgeist vergisst das Coupé die Alltagstauglichkeit nicht. So kann der Kofferraum (232 l) durch Umlegen der geteilten Lehne auf 522 l erweitert werden. Foto: Hardy Mutschler
Der Hinterachs-Hilfsrahmen des Audi Coupé (B3)
Eines der wenigen wirklich rostgefährdeten Bauteile ist der Hinterachs-Hilfsrahmen des Quattro. Foto: Hardy Mutschler
Der Hilfsrahmen der Vorderachse des Audi Coupé
Hilfsrahmen und Lenker können an der Vorderachse ebenfalls rosten, Buchsen ausschlagen. Foto: Hardy Mutschler
Der Kühler des Audi Coupé (B3)
Weicht das Wabennetz des Kühlers Beschädigungen oder gar feuchte Stellen auf? Foto: Hardy Mutschler
Der Krümmer des Audi Coupé (B3)
Der Krümmer verzieht sich gern – gerade bei den Fünfendern. Die blasen dann unkontrolliert ab. Foto: Hardy Mutschler
Die Gummileiste des Audi Coupé (B3)
Die Gummileiste reißt oft, die Clipse gammeln – auch bei der Scheuerleiste. Die Folge: unschöne Rostspuren. Foto: Hardy Mutschler
Der Außenspiegel des Audi Coupé (B3)
Mit fortschreitendem Alter kann das Glas der Außenspiegel ermatten – meist ausgehend vom Rand. Foto: Hardy Mutschler
Die Heckleuchten des Audi Coupé (B3)
Altersschwache Dichtungen sorgen für Feuchtigkeit in den Heckleuchten. Foto: Hardy Mutschler
Die Heckklappendichtung des Audi Coupé (B3)
Durch Schäden an der Dichtung oder eine fehlerhafte Einstellung der Heckklappe kann auch hier Wasser einbrechen. Foto: Hardy Mutschler
Der Dachhimmel des Audi Coupé (B3)
Hängt im Alter schon mal durch, die Reparatur erfordert Nervenstärke. Foto: Hardy Mutschler
Der Fensterheber des Audi Coupé (B3)
Die Fensterheber sollte man unbedingt prüfen. Nicht selten hemmt ein kaputtes Steuergerät ihre Funktion. Foto: Hardy Mutschler
Der Audi Coupé (B3) stehend ohne Motorhaube
Das flexible Formgummi dichtet die Tür sauber zur Karosserie hin ab, bei Defekten wirds laut. Foto: Hardy Mutschler
Autor Arne Olerth und Besitzer Marin Walter stehend am Audi Coupé (B3)
Neben dem S2 (B3) hat Martin Walter (rechts) auch ein GT 5S-Coupé (B2) für Bergrennen im Fuhrpark. Für die Nutzung im Alltag bevorzugt er aber den S2. Foto: Hardy Mutschler

Dem Audi Coupé (B3) fehlte der Nimbus des Vorgängers

Es ist das Los etlicher Fahrzeugmodelle: Zu ihren aktuellen Zeiten unterschätzt, erfahren sie erst im fortgeschrittenen Alter das gebotene Maß an Anerkennung und Zuspruch. Der kantige Volvo 850 etwa begeisterte seinerzeit nur biedere Familienoberhäupter mit einem Hang zur Sicherheit – heute ist er Kult.

Oder: Citroëns Oberklassen-Coupé SM verschreckte zu Beginn der 1970er durch seinen Ruf einer kapriziösen Diva – die grandiose Melange aus avantgardistischem Design, faszinierendem Maserati-V6 und Fahrbahn-schmeichelnder Hydropneumatik konnte erst Jahrzehnte später ihr Bouquet voll entfalten.

Vom späten Glanz kann auch die zweite Baureihe des Audi Coupé (B3) ein Lied singen: Wenngleich sauber gezeichnet, technisch fortschrittlich konzipiert und penibel zusammengebaut, löste sie kaum Euphorie aus. Zu wenig Drama im Auftritt, zu rund das Design, zu pummelig das Heck – am Stammtisch hatte der schmucke Youngster damals kaum eine Chance gegen den ikonischen Vorgänger (B2).

Der trat mit messerscharf ins Blech gebügelten Kanten betont sportlich auf. Zudem war er die Basis für jenen Ausnahme-Audi, der die Markenidentität wie kein zweites Modell prägte: den Sport Quattro. Allradantrieb und Turbo-Fünfzylinder – mit diesen bis heute fest in der Marken-DNA verwobenen Technik-Features stellte der Sport Quattro die internationale Rallye-Szene auf den Kopf. Was natürlich auf die zivilen Brüder, den Audi Quattro und das Audi Coupé, ausstrahlte. An seinem Steuer konnte sich jeder ein klein wenig wie Walter Röhrl oder Stig Blomqvist fühlen – auch wenn unter der Motorhaube nur ein braver 1,6 l mit Vorderradantrieb arbeitete.

Der Audi Q7 (2026) im Fahrbericht (Video)

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Langzeitauto statt Röhrl-Rakete

Mit Rallye-Ambitionen hatte der B3 nun wahrlich nichts am Hut. Er spielte vielmehr die Komfort-Karte aus, verwöhnte die Reisenden mit deutlich mehr Platz – gerade im Fond. Diesen Fortschritt merkte die Kundschaft nicht nur anhand der saftig gestiegenen Preise, sondern auch an Serien-Goodies wie Servolenkung und elektrischen Spiegeln. Dazu passte auch die neue Designsprache: Geradlinige Eleganz schickte die Keilform aufs Altenteil.

Heute wird die zweite Generation nicht mehr nur an den Maßstäben des Vorgängers gemessen. Souverän aus dessen Schatten herausgetreten, trägt sie stolz ein stimmiges Design zur Schau. Und begeistert mit beeindruckender Langzeitqualität: Als typisches Kind der Piëch-Ära musste die Verarbeitung höchsten Qualitätsansprüchen genügen – schließlich hatte der damalige Audi-Chef das Premium-Segment fest im Blick. Und das merkt man heute besonders deutlich. So wurde etwa die Karosserie verzinkt. „Korrosion ist eigentlich nur bei schlecht reparierten Unfallschäden ein Thema“, erklärt Martin Walter, Audi-Kenner und Besitzer des S2 auf unseren Fotos. Auch gerissene Armaturenbretter, ein typisches Leiden vieler Autos jener Ära, findet man beim B3 kaum.

Der Audi Coupé (B3) fahrend von vorne
Foto: Hardy Mutschler

Noch ein Pluspunkt: Die Antriebe gelten durch die Bank als standfest. Der Vierzylinder-Sauger ab 113 PS (83 kW) etwa markiert den pragmatischen Einstieg, der V6 den komfortablen Souverän. Wahre Audi-Fans freilich konzentrierten sich auf den emotional aufspielenden Fünfzylinder. Den gab es ab 130 PS (96 kW) oder – als Fünfventiler – ab 160 PS (118 kW).

Die Krönung der Baureihe freilich ist der S2 mit seinem Fünfzylinder-Turbo mit 220 bis 230 PS (162 bis 169 kW) und Allradantrieb. Mit seiner Nomenklatur suchte er bewusst die Nähe zum Rallye-Boliden der Gruppe B, dem Audi S1 mit mindestens 450 PS (331 kW). Walter Röhrl fuhr damit 1987 am Pikes Peak in die Geschichtsbücher des Motorsports. Für die meisten zivilen Brüder des S2 war der Quattro-Antrieb optional, ein Automatikgetriebe ebenso.

In Sachen Fahrwerk eifert das Coupé seinen Limousinen-Brüdern Audi 80 und 90 nach: mit McPherson-Federbeinen und Querlenkern rundum respektive einer Verbundlenker–Hinterachse bei den Fronttrieblern. Dem Anspruch entsprechend fiel die Bodenfreiheit im Vergleich zu den Limousinen 15 mm niedriger aus und die Federbeine wurden etwas straffer abgestimmt. Mehr davon? Bitteschön: Martin Walter hat seinem S2 ein KW-Gewindefahrwerk spendiert. „Eine sinnvolle Investition“, die zu einem sicher-modernen Fahrverhalten führe.

Mit seinem eleganten Auftritt, dem Anspruch unerschütterlicher Qualität und dem hohen Alltagsnutzen rückt das flotte Audi Coupé zunehmend in den Fokus etlicher Klassiker-Fans – zumal die Preise in Anbetracht des Gebotenen aktuell sehr verlockend sind. Noch.

Das Audi Coupé (B3) in der Kaufberatung

Das immer noch vergleichsweise moderate Preisniveau – S2- und vielleicht auch 20V-Modelle seien hier einmal ausgenommen – sowie ein durchaus umfangreiches Angebot rechtfertigen in der Regel kaum den günstigen Kauf eines schlechten Autos zum „Einmal-Durchreparieren“. Dazu sind Coupé-spezifische Teile dann doch zu rar. Lassen Sie sich Zeit bei der Wahl, achten Sie auf Unfallschäden und Rempler. Stehen alle Zeichen auf Grün, so ist der Weg frei für einen stilsicheren, dynamischen Klassiker mit Daily-Driver- und ausgewiesenen Langzeit-Qualitäten.

Karosserie

Rost ist kaum ein Thema, schließlich hatte Audi eine Vollverzinkung spendiert – so macht Oldtimer-Fahren Freude. Allenfalls Unfallschäden oder Blechrempler können zu Korrosion führen. Spaltmaße checken – die sind von Hause aus superb. Dafür ist Rost an den unverzinkten Achsteilen wie Hilfsrahmen und Querlenker normal. Die Gummileisten unten an den Türen können reißen. So wenig die Sonneneinstrahlung der Armaturentafel anhaben kann, so sehr setzt sie einer stoffbezogenen Rückbank-Lehne zu.

Technik

Auch hier herrscht Entwarnung: Alle Triebwerke sind für hohe Laufleistungen gut – das Einhalten des Zahnriemen-Wechselintervalls einmal vorausgesetzt. Etwas Ölschwitzen ist genauso normal wie verschlissene Buchsen beim Fahrwerk. Ein leichtes Rasseln bei einem Schaltgetriebe ist kein Grund zu großer Sorge. Achtung: Der Kühler erweist sich im Alter mitunter als inkontinent. Ein feuchter Fußraum ist meist auf einen defekten Heizungswärmetauscher zurückzuführen. Unbedingt alle Elektro-Gimmicks kontrollieren, gerade die Fensterheber. Die Flüssigkristallanzeige der Klimaanlage neigt im Alter zu Ausfällen.

Ersatzteile

Durch seine konstruktive Nähe zur massenhaft gefertigten Audi 80-Limousine ist die Verfügbarkeit vieler Teile gesichert – gerade bei typischen Verschleißteilen. Schwieriger wird es bei manchen Karosserie- und Innenausstattungsteilen. Erst recht problematisch sind S2-spezifische Komponenten. Es gilt: Lieber das bessere Auto kaufen als ein schlechtes zu restaurieren.

Kosten

Hier spiegelt sich die Verfügbarkeit der Teile wider: Reguläre Verschleißteile sind erstaunlich günstig zu haben, Karosserie- und Innenausstattungselemente können auch ein gehobenes Preisniveau aufweisen. Teuer: 20V- und besonders S2-Teile.

Fazit

Ende 2026 wird auch das jüngste Audi Coupé bereit für das H-Kennzeichen sein, die ältesten Exemplare marschieren schon stramm auf ihren 40. Geburtstag zu – wer hätte das gedacht? Der schmucke Audi fuhr lange unter dem Radar, steht heute stellvertretend für Audis Aufbruch in die Moderne. Und überzeugt nach wie vor mit einem sehr zeitgemäßen Fahrverhalten. Sein Raumangebot und Features wie ABS und Klimaanlage adeln ihn heute zum angenehmen Begleiter, mit dem man überall gut angezogen ist. Zudem stellt der B3 durch sein breites Motoren-Portfolio alle Fahrertypen zufrieden. Dazu verkörpert er perfekt das Image eines Langzeitautos und ist zudem (außer als S2) noch erstaunlich günstig.

Technische Daten des Audi Coupé (B3)

Classic Cars 08/2026

Audi Coupé

Audi Coupé 2.3 E

Audi S2

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 2

5 / 2

5 / 4; Turbo

Hubraum

1984 cm³

2309 cm³

2226 cm³

Leistung

85 kW/115 PS bei 5400 U/min

100 kW/136 PS bei 5700 U/min

162 kW/220 PS bei 5900 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

165 Nm bei 3200 U/min

190 Nm bei 4500 U/min

309 Nm bei 1950 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Allrad

L / B / H

4365 / 1715 / 1370 mm

4365 / 1715 / 1370 mm

4400 / 1715 / 1375 mm

Leergewicht

1130 kg

1170 kg

1420 kg

Bauzeit

1989 – 1996

1988 – 1996

1990 – 1995

Stückzahl

ca. 174.000

ca. 174.000

ca. 174.000

Beschleunigung null auf 100 km/h

10,9 s (Werk)

9,2 s (Werk)

6,1 s (Werk)

Höchstgeschwindigkeit

196 km/h (Werk)

206 km/h (Werk)

248 km/h (Werk)

Verbrauch auf 100 km

7,5 l S (Werk)

9,4 l S (Werk)

10,4 l S (Werk)

Grundpreis (Jahr)

41.880 Mark (1991)

44.880 Mark (1971)

74.550 Mark (1987)