Alpine A110/Toyota Supra 2.0: Vergleichstest Alpine und Supra im Schlagabtausch

von Markus Schönfeld 17.11.2020
Inhalt
  1. Alpine A110 und Toyota GR Supra 2.0 im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Überraschend hoher Komfort in beiden Kontrahenten
  3. Motor/Getriebe: Alpine A110 in unter fünf Sekunden auf Tempo 100
  4. Fahrdynamik: Toyota GR Supra 2.0 hat in der Slalomgasse das Nachsehen
  5. Umwelt/Kosten: Weniger Auto für mehr Geld beim Alpine A110
  6. Messwerte & technische Daten Alpine A110 und Toyota GR Supra 2.0

Im Vergleichstest steigen die auferstandenen Sportler-Ikonen Toyota Supra GR 2.0 und Alpine A110 in den Ring. Wer gewinnt den Schlagabtausch?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Alpine A110Toyota GR Supra 2.0
Karosserie (1000)368446
Fahrkomfort (1000)574606
Motor/Getriebe (1000)652670
Fahrdynamik (1000)758730
Eigenschaftswertung (4000)23522452
Kosten/Umwelt (1000)264284
Gesamtwertung (5000)26162736
Platzierung21

In der Eifel treffen Toyota GR Supra 2.0 und Alpine A110 zum Vergleichstest aufeinander. Prächtiger hätte man den Kontrast dieser zwei Sportwagen-Legenden an diesem sonnigen Spätsommertag auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings nicht inszenieren können. In strahlendem Rot setzt sich der durchtrainierte Japaner in Szene, der dank exzellenter BMW-Technik im Toyota-Kleid das Beste aus zwei Welten vereint. Und in der blauen Ecke steht ihm die feinsinnige Französin gegenüber – extravagant, zierlich und mit einer beneidenswerten Leichtfüßigkeit gesegnet. Supra und Alpine holen in der Moderne unmissverständlich die Werte ihrer Vorfahren zurück auf die Rennstrecke. Aufregender kann es auch in der Vergangenheit nicht gewesen sein.

Der Toyota Supra im Fahrbericht (Video):

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Alpine A110 und Toyota GR Supra 2.0 im Vergleichstest

Zwei Sitze. Und eigentlich wäre das Kapitel damit schon beendet. Doch tatsächlich zeigen sich auch bei einem solch reduzierten Konzept noch deutliche Unterschiede im Vergleichstest. Denn der Toyota GR Supra 2.0 lässt durch sein klassisches Antriebslayout (Motor vorn, Antrieb hinten) den Bereich hinter Fahrer und Beifahrer für das Gepäck übrig. Auch wenn man schon nah an den Hinterrädern sitzt und die flache Silhouette nicht allzu viel Luft unter der Heckklappe lässt – es bleibt doch ein anständiges Ladevolumen von 290 Litern übrig. Zudem lassen sich sogar längere Gegenstände für alle Fahrsituationen von hinten bis zur Frontscheibe durchschieben. Bei der Alpine A110 mit Mittelmotor gibt es zwei kleine Verstecke fürs Gepäck: eines unter der vorderen Haube (96 Liter) sowie eines hinter dem Motor (100 Liter). Ein Bier- oder Wasserkasten bekommt man aber nur auf dem Beifahrersitz transportiert. Trotzdem bietet die nur 1,25 Meter hohe Französin selbst Zweimeter-Riesen erstaunlich viel Bewegungsfreiheit. Und in adäquater Manier fein eingerichtet ist sie ohnehin. Mehr Luft in alle Richtungen offeriert erwartungsgemäß der Toyota Supra. Er läuft als technisch fast identisches Pendant zusammen mit dem BMW Z4 bei Magna Steyr im österreichischen Graz vom Band. Und weil nicht nur Motor und Antriebsstrang, sondern auch Onboard-Elektronik und Cockpit-Layout samt iDrive-System von BMW stammen, kann man sich bei der Bedienung auf lang trainierte Instinkte und eine klar gegliederte Menüstruktur verlassen. Die Alpine folgt dagegen hier und da einer eigenen Logik. Und der Fokus auf Leichtbau verhindert in der A110 auch den Einzug von Assistenzsystemen. Dagegen sind beim Toyota sogar Spurhalteassistent, Verkehrsschilderkennung und eine Rückfahrkamera serienmäßig an Bord.

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Fahrkomfort: Überraschend hoher Komfort in beiden Kontrahenten

Auch wenn es sich bei Alpine A110 und Toyota GR Supra 2.0 um reinrassige Sportwagen handelt, bieten beide doch einen überraschend hohen Fahrkomfort. Dass lange Strecken keinesfalls zur Tortur werden, liegt zunächst einmal an den hervorragenden Sportsitzen. Diese lassen sich im Toyota sogar noch vielfältig einstellen, in der Alpine dagegen nicht. Auch der Federungskomfort geht bei Rot und Blau in Ordnung. Natürlich spürt man hier wie da Querfugen und Spurrillen. Doch grobe Stöße oder heftige Vertikalbewegungen bleiben selbst auf schlechten Untergründen aus. Die Dämpferkraft der adaptiven Dämpfer im Supra 2.0 (ab Dynamic-Modell) lässt sich über die Sport-Taste noch erhöhen. So deutlich wie bei manch anderem Sportwagen zeigt sich der Unterschied zwischen beiden Einstellungen im Vergleichstest allerdings nicht.

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Motor/Getriebe: Alpine A110 in unter fünf Sekunden auf Tempo 100

Unter Supra-Fans hört man immer wieder die gleiche Frage: Reicht der Zweiliter-Vierzylinder aus? Spätestens nach diesem Vergleichstest ist die Antwort klar. Ja, absolut! Immerhin wirft das von BMW stammende Triebwerk satte 400 Newtonmeter in den Ring und schiebt die Fuhre in nur 5,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Und Tempo 250 sind auf der Autobahn auch mal drin. Beim deutlich teureren Sechszylinder-Supra (ab 61.314 Euro) sind es übrigens 500 Newtonmeter und 4,5 Sekunden. Allerdings liegt der gemessene Gewichtsvorteil zwischen beiden Varianten bei gerade mal rund 20 Kilogramm. An die Fabelwerte der Alpine kommt der Toyota GR Supra 2.0 ohnehin nicht heran. Die Französin bringt 1115 Kilogramm auf die Waage und beschleunigt mit etwas weniger Leistung in 4,7 Sekunden auf Tempo 100. Dass der Motor nur 1,8 Liter Hubraum hat und mit 320 Newtonmetern auskommen muss, fällt an keiner Stelle auf. Viel direkter und deutlich spürbar schaltet das Doppelkupplungsgetriebe in der Alpine A110, das im Vergleich zur Achtstufen-Automatik des Toyota Supra fast ein wenig schroff wirkt. Dass der Verbrauch des Fliegengewichts trotz schmaler Reifen, kleiner Stirnfläche und top cW-Wert (0,32) allerdings nicht niedriger ausfällt, enttäuscht – beide Rivalen genehmigen sich auf der Testrunde rund 8,5 Liter Super Plus auf 100 km.

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Fahrdynamik: Toyota GR Supra 2.0 hat in der Slalomgasse das Nachsehen

Gleich vorweg: Diese Runde geht an Blau. Denn schon in der engen Slalomgasse brennt die nur 1,78 Meter schmale Alpine A110 mit mehr als 70 km/h absolute Bestwerte auf den Asphalt. Dabei wirkt ihr Handling so spielerisch, als kenne sie überhaupt keine physikalische Trägheit. Auf dem Handlingkurs die richtige Linie am Limit zu finden, ist dennoch ein etwas wilderes Unterfangen als im Toyota, weil der Grenzbereich sehr hoch liegt. Und wer zu schnell in die Kurve biegt, schiebt schnell über die schmalen 205er-Vorderreifen zum Kurvenäußeren. Der Toyota räubert aber keinesfalls behäbig über die Kurbs. Das beweist schon die annähernd gleiche Rundenzeit auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings. Den umrundet der Toyota GR Supra 2.0 nämlich extrem souverän und sicher. Mit nahezu bis aufs Gramm austarierter Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse ist er ein Lehrstück an Neutralität. Doch mit der einmaligen Quirligkeit der Alpine dank ihres niedrigeren Gewichts kann der Japaner mit seinen 364 Kilogramm mehr einfach nicht mithalten. Weil auch die Bremswerte vom Gewichtsvorteil der Alpine profitieren, gewinnt sie dieses Kapitel des Vergleichstests. Falls wir es vergessen haben: Das Fahrspaß-Level ist in beiden Kontrahenten auf jedem gefahrenen Meter extrem hoch – nicht nur auf der Rennstrecke.

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Umwelt/Kosten: Weniger Auto für mehr Geld beim Alpine A110

Dass aufwendiger Leichtbau teuer ist, zeigt das Preisschild der Alpine A110. Selbst die Einstiegsvariante Pure beginnt erst bei 55.100 Euro. Das stärkere S-Modell mit 292 PS kostet in der Basis sogar stolze 65.700 Euro. Hinzu kommen die hohen Versicherungseinstufungen. Immerhin sind ein Navigationssystem und eine hintere Einparkhilfe serienmäßig an Bord. Das bringt im Vergleichstest Punkte bei der Ausstattung. Mehr Auto für weniger Geld bekommt man freilich bei Toyota. Von Haus aus ebenso gut ausgestattet, gibt es den Toyota GR Supra 2.0 nämlich schon für 47.667 Euro. Sportlichen Fahrern empfiehlt sich aber die hier getestete Version Dynamic für mindestens 52.054 Euro samt aktivem Sperrdifferenzial und adaptiven Dämpfern.

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Messwerte & technische Daten Alpine A110 und Toyota GR Supra 2.0

AUTO ZEITUNG 24/2020Alpine A110Toyota GR Supra 2.0
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1798 cm³1998 cm³
Leistung185 kW/252 PS
6000 /min
190 kW/258 PS
5000 - 6500 /min
Max. Drehmoment320 Nm,
2000 - 5000 /min
400 Nm,
1550 - 4400 /min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung/
Hinterrad
8-Stufen-Automatik/
Hinterrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1103/1115 kg1395/1479 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)4,7 s5,2 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)250 km/h250 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
33,4/33,5 m34,6/34,9 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,5/6,6 l SP /100km8,4/7,1 l SP /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)202/156 g/km200/170 g/km
Preise
Grundpreis55.100 €47.667 €
Testwagenpreis58.788 €52.054 €

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

Die extravagante Alpine A110 wurde wohl kaum in die Moderne zurückgeholt, um Vergleichstests zu gewinnen. Dafür macht die schöne Französin zu wenig Kompromisse im Alltag. Doch der konsequente Leichtbau, das kräftige Antriebspaket und das extrem quirlige Handling sichern ihr einen besonders hellen Stern am Fahrspaß-Himmel. Als Gewinner kann nach diesem Duell aber nur der günstigere Toyota GR Supra von der Strecke rollen. Und das gilt explizit für die Version mit dem Zweiliter-Turbovierzylinder und 258 PS. Ausreichend kräftig liefert der Japaner mit deutschen Genen auf der Rennstrecke nämlich eine messerscharfe Präzision ab. Dazu taugt er obendrein als vollwertiger Alltagswagen für zwei und entpuppt sich auf langer Strecke noch als bequemer GT.

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