Autogas/Erdgas: Technik, Unterschiede & Vorteile Sparsam Gas geben

von Carsten van Zanten 09.11.2018
Inhalt
  1. Unterschiede: Erdgas ist komprimiert, Autogas flüssig
  2. Vorteile: Steuerbegünstigungen für Autogas & Erdgas
  3. Wartung: HU und Reparaturen können teurer sein
  4. Technik: Autogas & Erdgas sind vollkommen sicher

Autogas und Erdgas schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Wer auf einen gasbetriebenen Motor umstellen möchte, sollte aber die Technik verstehen sowie Unterschiede und Vorteile kennen.

Im Rahmen der zunehmenden Elektrifizierung geraten Autogas und Erdgas oft in Vergessenheit. Viele Autofahrer zucken bei der Nennung der Alternative Gas als Kraftstoff immer noch mehr oder weniger stark zusammen. Wegen seiner vergleichsweise geringen Verbreitung herrscht bei diesem Thema nach wie vor eine recht häufig vorkommende Unwissenheit – umso mehr, seit die mediale Konzentration in jüngerer Vergangenheit hauptsächlich auf der E-Mobilität als vermeintlich vielversprechendste Alternative für die Zukunft liegt. Dabei sprechen diverse gute Argumente für den Gasantrieb. Neben der Kostenersparniss bieten die alternativen Antriebe vor allem einen riesigen Vorteil: Sie verbrennen sauberer als Benzin und stoßen damit weniger Kohlendioxid aus. Bevor man sich für eine Variante entscheidet, gilt es allerdings, sich genau zu informieren und Unterschiede zu kennen. Autos mit Gasantrieb rentieren sich nicht für jeden. "Wer nur auf Autobahnen mit Bleifuß unterwegs ist, für den lohnt sich der Gasantrieb kaum. Der Verbrauch steigt anders als beim Benziner bei hohen Geschwindigkeiten exponentiell an", sagt Michael Kruttschnitt vom TÜV Süd. Auch wer nur wenige Tausend Kilometer im Jahr fährt, sei mit einem konventionellen Ottomotor besser beraten.

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Unterschiede: Erdgas ist komprimiert, Autogas flüssig

Erdgas ist ein komprimiertes Gas (Compressed Natural Gas, CNG), Autogas ein Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG). Erdgas besteht vorwiegend aus gasförmigem Methan, bei Autogas handelt es sich um ein Propan- und Butan-Gemisch, das im Tank flüssig ist. Während die Tanks bei Erdgas-Autos viel Platz einnehmen, sind die Autogastanks kleiner und leichter. Dadurch passen sie oft in die Mulde des Reserverads und verringern deshalb kaum den Stauraum – ideal zum Nachrüsten. Behält das Fahrzeug seinen ursprünglichen Benzintank, hat das den Vorteil einer höheren Reichweite – auch abseits eines Gastankstellennetzes. Allerdings gibt Kruttschnitt zu bedenken: "Fahrten mit Benzin sind bei bivalenten Fahrzeugen eine unwirtschaftliche Notlösung." Das Fahren mit Erdgas kostet nämlich nur rund die Hälfte gegenüber Benzin. Autogas ist wiederum rund 35 Prozent teurer als Erdgas. Laut ADAC haben Erdgasfahrzeuge den Vorteil, dass die Hersteller viele serienmäßige Modelle anbieten. So gibt es von Audi, Fiat, Mercedes, Opel, Seat, Skoda und VW verschiedene Erdgas-Modelle ab Werk. Autogasanlagen eignen sich dagegen vorrangig zum nachträglichen Einbau bei Ottomotoren. Es gibt aber auch ein Dutzend Hersteller, die insgesamt 80 Modellvarianten ab Werk als Autogasfahrzeuge verkaufen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind immerhin über eine halbe Millionen Autos mit Gasantrieb auf deutschen Straßen unterwegs, davon rund 80.000 mit Erdgas. Im vergangenen Jahr griffen zudem über 6000 Neuwagenkäufer zu LPG-betriebenen Autos und über 8000 Käufer zu CNG-betriebenen. Dementsprechend häufig sind Gebrauchtfahrzeuge auf dem Markt. Eine nachträgliche Umrüstung auf Autogas kostet zwischen 1800 und 3500 Euro.

Bei Erdgasfahrzeugen kann die Umrüstung je nach Automodell und Anlagentyp 3000 bis 4800 Euro kosten. Dafür fördern viele regionale Erdgasversorger den Kauf eines Erdgasautos. "Eine Empfehlung für oder gegen Autogas und Erdgas sprechen wir nicht aus, da viele Parameter bei einer Entscheidung berücksichtigt werden müssen", sagt Andrea Gärtner von der ADAC Fahrzeugtechnik. Nicht alle Umrüstungen rentieren sich. Der ADAC hat dafür einen Kostenrechner auf seiner Internetseite entwickelt, mit dem Interessierte die Kraftstoffarten miteinander vergleichen können. "Für eine Nachrüstung sollte das Fahrzeug nicht zu alt und in einem guten Zustand sein, damit sich die Investition noch amortisiert", sagt Gärtner. Eine weitere Entscheidungshilfe bietet die Internetseite www.amortisationsrechner.de. "Wichtig ist auch die nächste Tankmöglichkeit im Umkreis. Denn je häufiger man mangels Zapfstation mit Benzin fahren muss, desto unwirtschaftlicher wird ein Gasfahrzeug", sagt Gärtner. So gibt es in Deutschland derzeit rund 6700 Tankstellen mit Autogas-Zapfsäulen, aber nur rund 900 mit Erdgaszapfsäulen. Fährt man viel im Ausland, ist zu beachten, dass dort stellenweise Adapter erforderlich sind. Ist einmal das spezielle Gas im Tank, unterscheiden sich die Gasfahrzeuge im Fahrbetrieb in der Regel nicht von Otto- oder Dieselfahrzeugen.

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Vorteile: Steuerbegünstigungen für Autogas & Erdgas

Der Mehrpreis für die Antriebstechnologien mit Autogas und Erdgas amortisiert sich allerdings in beiden Fällen relativ schnell. Dies liegt hauptsächlich an den ausgesprochen günstigen Kraftstoffkosten. So verlängerte der Bundestag die eigentlich 2018 auslaufende Steuerbegünstigung für beide Gasarten. Für LPG gilt jetzt bis einschließlich 2022 eine reduzierte Energiesteuer, für CNG bis 2026. So kostet ein Liter Flüssiggas aktuell rund 60 Cent, ein Kilogramm Erdgas etwas über einen Euro. Für zehn Euro fährt man im Erdgasmobil mit 201 Kilometern mehr als doppelt so weit wie für das gleiche Geld mit einem Benziner. Und der LPG-Fahrer kommt mit 169 Kilometern immer noch weiter, als wenn er mit einem Diesel fahren würde. In den Fahrleistungen fallen beide Antriebskonzepte jeweils etwas hinter leistungsmäßig vergleichbare Benziner- oder Dieselmodelle zurück. Allerdings sind die Unterschiede dabei meist nur gering, sodass sie im automobilen Alltag nicht ins Gewicht fallen. Selbst die aktuell nicht sonderlich dichten Tankstellennetze (LPG: rund 600 Standorte, CNG: rund 900) stellen kein großes Problem dar: Sämtliche in Deutschland im Pkw-Segment angebotenen Gasfahrzeuge sind bivalent ausgelegt – sie können also auch mit Benzin gefahren werden. Das Umschalten zwischen Gas- und Benzinbetrieb erfolgt dabei modellabhängig entweder automatisch, wenn der Gasvorrat aufgebraucht ist, oder manuell per Schalter im Cockpit.

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Wartung: HU und Reparaturen können teurer sein

Bei der Hauptuntersuchung (HU) wird es allerdings etwas teurer. So wird im Rahmen der HU eine Gas-Anlagen-Prüfung (GAP) durchgeführt, die 20 Euro extra kostet. Der Prüfer kann darauf verzichten, wenn die letzte GAP nicht länger als zwölf Monate zurückliegt. Eine GAP ist auch fällig nach jeder Reparatur der Gasanlage und nach einem Unfall, bei dem die Gasanlage beeinträchtigt wurde. Ältere Erdgas-Stahltanks, die gemäß Druckbehälterverordnung genehmigt wurden, müssen alle fünf Jahre vom TÜV geprüft werden. Wenn sie korrosionsgeschützt im Fahrzeug untergebracht sind, beträgt die Frist zehn Jahre. Auch die Inspektionskosten können höher ausfallen als bei Benziner- oder Dieselfahrzeugen. Grund dafür sind spezielle Zündkerzen, eine Ventilspiel-Kontrolle und Additive, die nachgefüllt werden müssen. "Um einen Überblick über die Höhe der möglichen zusätzlichen Inspektionskosten zu haben, sollte man sich diese vor dem Autogas-Umbau oder dem Kauf eines Autogas-Fahrzeuges von der Werkstatt aufzeigen lassen", sagt Gärtner. Doch egal, ob Umbau oder Neukauf eines Autos mit Gasantrieb. Wer sich dafür entscheidet, sollte nicht allzu lange zögern. Denn bei der Kraftfahrzeugsteuer gelten zwar noch die im Vergleich zum Diesel günstigeren Sätze für Benzinmotoren. Allerdings vorerst nur bis 2018.

 

Technik: Autogas & Erdgas sind vollkommen sicher

Die Technik von Autogas und Erdgas wird häufig hinterfragt. Schilder, die Erdgasfahrzeugen die Einfahrt in Parkhäuser verbieten, mögen Sicherheitsbedenken schüren, sind aber ebenso falsch wie unsinnig. Weil Erdgas leichter ist als Luft, würde es sich im Fall der Fälle schlicht verflüchtigen. Dazu kann es aber eigentlich gar nicht kommen, denn moderne Erdgastanks entsprechen höchsten Sicherheitsstandards und würden etwa das Doppelte des eigentlichen Betankungsdrucks aushalten. Außerdem sind sie mit einem Sicherheitsventil inklusive Schmelz- und Crashsicherungen ausgerüstet. Ebenso wie LPG-Fahrzeuge erfüllen sie dieselben Crashtest-Standards wie konventionelle Autos.

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