Stille Krise: Warum immer weniger Kleinwagen verkauft werden

Die Verkäufe kleiner Neuwagen sind in Deutschland drastisch eingebrochen. Wir verraten die Gründe und sagen, warum es trotzdem Hoffnung gibt!

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Kleinwagen unter Druck: Symbolbild zeigt VW Polo in einer Armpresse.
Kleinwagen unter Druck Foto: Imago/VW/Collage: AUTO ZEITUNG

32 Prozent weniger Neuwagen verkauft in nur sechs Jahren – mit Fug und Recht darf man sagen: Die Fahrzeugklassen der Kleinst- und Kleinwagen stehen unter Druck!

Kleinwagen-Neuzulassungen in Deutschland: Balkendiagramm zeigt die rückläufige Entwicklung in den Jahren 2014 bis 2024.
Kleinwagen-Neuzulassungen in Deutschland (2014-2024) Foto: AUTO ZEITUNG

Um die Hälfte geschrumpft: die Neuzulassungen von Kleinst- und Kleinwagen in Deutschland im Zeitraum 2014 bis 2024.

Einstiegspreise von neuen Kleinst- und Kleinwagen: Kreisdiagramme zeigt steigende Entwicklung in den Jahren 2015 bis 2025.
Einstiegspreise von neuen Kleinst- und Kleinwagen (2015-2025) Foto: AUTO ZEITUNG

Fast doppelt so teuer: Einstiegspreise aller Neuwagen im Durchschnitt nach Kleinst- und Kleinwagen sowie den Jahren 2015, 2020 und 2025.

Der Ford Fiesta in Weiß stehend von schräg vorne fotografiert.
Ford Fiesta Foto: Ford

Ford Fiesta: Seit 1976 gehörte er zu den erfolgreichsten Kleinwagen. 2023 beendete Ford die Produktion.

Der VW Up in Gold-Gelb stehend von schräg vorne fotografiert.
VW Up Foto: VW

VW Up: Auch für den kleinsten Wolfsburger war 2023 Schluss. Zuvor lag er über Jahre an der Spitze der Kleinstwagen in Deutschland.

Der Fiat Punto in Türkis-Blau stehend von schräg vorne fotografiert.
Fiat Punto Foto: Fiat

Fiat Punto: Einst das meistverkaufte Auto in Europa, stellte Fiat den Italiener 2018 nach drei Modellgenerationen ein.

Der Smart Fortwo in Silber stehend von schräg vorne fotografiert.
Smart Fortwo Foto: Smart

Smart Fortwo: Zuletzt gab es den Zweisitzer nur noch rein elektrisch. Im März 2024 lief die Produktion aus.

32 Prozent weniger Neuwagen verkauft in nur sechs Jahren

Kleinwagen gehören seit Jahrzehnten fest zum Automarkt in Deutschland. Ob als Zweitwagen, platzsparender City-Flitzer oder erstes eigenes Auto – VW Polo, Opel Corsa & Co. haben uns mobil gehalten. Doch in den vergangenen Jahren ist der Absatz der kleinen Autos dramatisch geschrumpft. 2018 wurden bei uns noch eine halbe Million Kleinwagen neu zugelassen. Dazu kamen über 240.000 Kleinstwagen wie der VW Up. Jedes fünfte neue Auto entfiel auf diese beiden Segmente. Nur sechs Jahre später zeigt sich ein ganz anderes Bild: 2024 wurden lediglich 337.045 Kleinwagen verkauft – ein Rückgang um satte 32 Prozent. Die Neuzulassungen der Kleinstwagen brachen sogar um zwei Drittel auf nur noch 80.319 Fahrzeuge ein. 

Von der AUTO ZEITUNG getestet und empfohlen:

Der drastische Rückgang geht auch an den Bestsellern nicht spurlos vorbei: 2018 war der VW Polo mit 70.488 Neuzulassungen noch das dritterfolgreichste Auto hinter VW Golf und VW Tiguan. Im Vorjahr rangierte der beste Kleinwagen, der Opel Corsa, dagegen nur noch auf Platz sieben – vom Polo wurden lediglich 36.757 Exemplare abgesetzt.
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Der Renault 5 (2024) im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Grund: der radikale Preisanstieg

Wer nach den Gründen für die Zurückhaltung der Deutschen beim Kleinwagenkauf sucht, wird beim Blick in die Preislisten fündig: Lag der Einstieg für Kleinwagen 2015 im Durchschnitt aller Modelle noch bei 12.682 Euro, müssen dafür heute mindestens 23.499 Euro ausgegeben werden – happige 85 Prozent mehr. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts im gleichen Zeitraum "nur" um 26 Prozent gestiegen. Auch bei den Kleinstwagen gab es einen überdurchschnittlich hohen Anstieg um 76 Prozent: War ein City-Car 2015 im Schnitt noch ab 11.438 Euro zu haben, sind dafür aktuell 20.106 Euro fällig. 

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Preistreiber: Umweltvorgaben und Assistenzsysteme

Die Ursachen für die Preisexplosion liegen unter anderem in den verschärften Umweltvorgaben für Verbrenner: Verbräuche und Abgase stets weiter zu reduzieren, erfordert eine immer komplexere Spritspartechnik. Deren Kosten schätzen Branchen-Insider auf rund 3500 Euro pro Fahrzeug – unabhängig vom Segment. Auch der Umstieg auf die E-Mobilität bietet hier keinen Ausweg: Bei Kleinst- und Kleinwagen fallen die anteiligen Kosten für die Transformation deutlich höher aus als in größeren Segmenten. Das verstärkt den Teuerungssprung: Den Fiat 500 etwa gab als Verbrenner ab 17.490 Euro, für den Stromer müssen Käufer:innen mindestens 26.990 Euro ausgeben. 

Ein weiterer Faktor für die Preissteigerungen sind immer mehr Sicherheits- und Assistenzsysteme, die für Neuwagen in der EU vorgeschrieben sind. Waren diese in den größeren Segmenten oftmals schon Serie, verteuern sie die Kleinst- und Kleinwagen weiter. Diese Kostenexplosion führt auch dazu, dass viele Hersteller ihre Modelle in den unteren Segmenten einstellen (Übersicht aller aktuellen Auslaufmodelle). Aus diesem Grund sind mit dem Ford Fiesta und dem VW Up 2023 sogar zwei einstige Bestseller verschwunden. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dagegen von Fiat: Der elektrische 500 wird künftig um einen Mildhybrid-Benziner ergänzt, der ab 17.000 Euro kosten soll.

Fazit

Veränderungen treffen die Kleinsten oft am härtesten. Verschärfte Umwelt- und Sicherheitsvorgaben und die Einführung der Elektromobilität haben die Kleinst- und Kleinwagen stark verteuert und ihre Kundschaft verschreckt. Diese greift lieber zu kleinen SUV, wenn der Preisunterschied nur noch marginal ist. Erst allmählich steuern einige Hersteller um. Hoffnung machen auch kommende elektrische Kleinstwagen wie der Renault Twingo oder der VW ID.1, die von sinkenden Batteriepreisen profitieren sollten.