CO2-Grenzwerte: Kleinstwagen droht das Aus Das Ende der Kleinstwagen

von Markus Bach 16.04.2019

Die CO2-Grenzwerte der EU können nur mit teurer Spritspartechnik erreicht werden. Für günstige Kleinstwagen, auch City-Cars genannt, bedeutet dies das wirtschaftliche Aus!

Bedrohen die CO2-Grenzwerte die Existenz der Kleinstwagen? Einst wurden sie erfunden, um die Mobilität preiswerter und umweltfreundlicher zu gestalten: In den 1990er-Jahren entstand unterhalb der Kleinwagen wie VW Polo und Opel Corsa eine ganz neue Fahrzeugklasse, die der City-Cars. Ford Ka, VW Lupo und Co. sollten in den Städten weniger Platz benötigen und an der Tankstelle Geldbeutel und Umwelt entlasten. Schnell stiegen die sogenannten Kleinstwagen zu bevorzugten Ge­fährten von Pizzalieferanten und Pflegediensten auf. Doch schon in wenigen Jahren könnte das derzeit noch beliebte Fahrzeugsegment der Vergangenheit angehören. Der Grund: die strengen Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen. So hat die EU-Kommission der Autoindustrie für 2020 ehrgeizige Ziele gesetzt: Der durchschnittliche CO2-Ausstoß eines Neuwagens soll auf 95 g/km reduziert werden. Für jedes Gramm darüber fallen 95 Euro Strafe an – pro Fahrzeug. Die Hersteller konnten jedoch einige Sonderregelungen durchsetzen: Autos mit einem Ausstoß von weniger als 50 g/km werden bis 2022 mehrfach angerechnet. Auch Öko-Innovationen – etwa Solardächer – senken die Flottenwerte. Kleinere Hersteller wie Ferrari und Co. bekommen individuelle Ziele, unter 1000 Neuzulassungen müssen sie keine Strafen zahlen. Mehr zum Thema: Die Diskussion um Diesel und Fahrverbote

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Kleinstwagen droht wegen CO2-Grenzwerten das Aus

Trotzdem werden die meisten Hersteller die EU-Vorgaben nicht einhalten können: Insgesamt drohen 2021 Strafzahlungen in Höhe von rund 3,9 Mrd. Euro. Allein auf den VW-Konzern kommen 1,4 Mrd. Euro zu. Und ab 2030 zieht die EU die Daumenschrauben weiter an: Dann sinkt der CO2-Flottengrenzwert um 37,5 Prozent auf nur noch 59 g/km. Zum Vergleich: In den USA ist bereits das Ziel von 113 g/km für 2020 hoch umstritten, Japan hat seine Autoindustrie auf 117 g/km eingeschworen. Wenn die Autokonzerne die Strafen nicht an ihre Aktionäre weiterreichen wollen, werden die Hersteller die Bußen auf den Kaufpreis der Neuwagen aufschlagen. Bei großen Fahrzeugen und SUV wird das funktionieren, nicht jedoch bei den City-Cars: Allein die ab 2020 geltenden Grenzwerte würden bei einem Fiat Panda zu einem Bußgeld von 3800 Euro pro Auto führen. Dabei ist die Gewinnmarge der Autohersteller bei den spitz auf Knopf gerechneten Kleinstwagen ohnehin gering.

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Teure Spritspartechnik macht Kleinstwagen unwirtschaftlich

Bleibt noch die Möglichkeit, die Kleinstwagen mit moderner Spritspartechnik unter die CO2- Vorgaben zu drücken. Doch das ist bei den bereits verbrauchsoptimierten, leichten Fahrzeugen aufwendiger als bei größeren und schwereren Modellen. So schätzt VW-Chef Herbert Diess die Mehrkosten für die notwendige Technik auf rund 3500 Euro pro Fahrzeug – fast ein Drittel des Listenpreises. Sein Fazit: Das Einstiegsmodell hat in Europa keine Zukunft mehr. Der VW Up und die baugleichen Skoda Citigo und Seat Mii werden wohl 2022 ohne Nachfolger auslaufen. Konkurrent Opel stellt seine Kleinsten sogar noch früher ein: Opel Adam und Karl, die beide noch unter dem Dach von General Motors entstanden, gehen 2019 in ihr letztes Jahr. Nachfolger unter PSA-Regie wird es nicht geben: Der französische Konzern hat sein Kleinstwagenwerk in Tschechien bereits im Dezember komplett an Toyota verkauft. Smart verfolgt dagegen eine andere, radikalere Strategie: Die Daimler-Marke wagt als erster Großserienhersteller den vollständigen Umstieg zur Elektromobilität: Schon 2020 will man in Europa komplett auf Verbrennungsmotoren verzichten. Damit setzt Smart alles auf eine Karte: Zu Beginn wird die Umstellung auf die deutlich teureren E-Mobile zu Verkaufsrückgängen führen. Immerhin bleiben Smart dann die Strafzahlungen erspart. Und was machen die Autokäufer, die künftig auf im Unterhalt günstige und platzsparende Neuwagen um 10.000 Euro verzichten müssen? Sie werden nur auf Gebrauchtwagen ausweichen können, die noch wesentlich höhere CO2-Abgaswerte haben ...

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