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VW Golf 2: Von GTI bis GTD – alle Ikonen einer Generation

Sechzehn Ventile, G-Lader, Allradantrieb: Beim Golf II übertraf sich Volkswagen mit immer neuen Variationen für das meistverkaufte Auto des Landes. Wir zeigen die Meilensteine.

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Vier Modelle des Golf 2 in einer Bildcollage zusammengestellt.
Beim Golf 2 übertraf sich VW mit immer neuen Variationen für das meistverkaufte Auto des Landes. Alles zu den Modellen wie GTI, Country, Rallye und G60 sowie den Daten und Hintergründen! Foto: AZ-Archiv/Collage: AUTO ZEITUNG
VW Golf 2 GTI 16V fahrend von schräg vorne fotografiert.
Die starke Seitenneigung des Achtventil-GTI gewöhnte VW dem GTI 16V ab. Das Fahrwerk war zwar härter, aber immer noch komfortabel. Foto: AZ-Archiv
Der Motor des VW Golf II GTI 16V.
Wartungsfrei: Im Zylinderkopf mit zwei oben liegenden Nockenwellen stecken Tassenstößel mit hydraulischem Ventilspielausgleich. Foto: AZ-Archiv
Der innenraum des VW Golf 2 GTI 16V.
Im Cockpit macht der GTI 16V auf dicke Hose. Foto: AZ-Archiv
Das Cockpit des VW Golf 2 GTI 16V
Tacho bis 260 km/h, Drehzahlmesser bis 8000. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 GTI fahrend von schräg vorne fotografiert
Größer, aber auch schwerer als der GTI I. Foto: AZ-Archiv

Größer, aber auch schwerer als der erste GTI, trat Nummer Zwei ab 1984 die Erbfolge an.

VW Golf 2 GTI statisch von schräg vorne fotografiert.
Das Topmodell des Typ 19 hatte es nicht leicht in den Fußstapfen seines Vorgängers. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 GTI G60.
Mit eingeklebter Windschutzscheibe und zum Schluss auch mit Allradantrieb: GTI G60 als letztes Topmodell. Foto: AZ-Archiv
VW Golf II GTI G60 Special.
Der VW Golf 2 GTI G60. Foto: AZ-Archiv

Hoch das Bein! Sieht schlimmer aus, als es ist: In engen Kurven hebt das innere Hinterrad gerne mal ab, wenn man das Gas lupft.

Das Cockpit des VW Golf 2 GTI G60.
Wer 1990 einen G60 bestellte, bekam dieses wenig aufregende Cockpit zu sehen – wie bereits zwölf Millionen Golf-Kund:innen zuvor. Foto: AZ-Archiv
Der Motor des VW Golf 2 GTI G60.
Zuerst in Corrado und Rallye-Golf, dann im GTI: Achtventiler mit G-Lader und hohem Spritverbrauch. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 16V G60 Limited fahrend von schräg vorne fotografiert.
Mit 1270 kg war der Limited einer der schwersten Golf 2. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 16V G60 Limited fahrend von schräg hinten fotografiert.
In Kurven blieb er aber dank Allradantrieb stets gut in der Spur. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Rallye G60.
Nie zuvor und wohl auch danach ist so ein spektakulärer, leidenschaftlicher, unvernünftiger Golf vom Band gelaufen. Foto: AZ-Archiv
Der Innenraum des VW Golf 2 Rallye G60.
Die Sportsitze bieten ausgezeichneten Seitenhalt für Beine und Oberkörper. Foto: AZ-Archiv
Das Cockpit des VW Golf 2 Rallye G60.
Na gut, im Cockpit hätte es etwas mehr Rallye-Flair sein dürfen. Das Lenkrad ist nicht mal höhenverstellbar. Foto: AZ-Archiv
Der Motor des VW Golf 2 Rallye G60.
GTI-Motor mit G60-Lader und leicht reduzierter Bohrung fürs Rallye-Reglement. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Country fahrend von schräg vorne fotografiert
Um die Seitenneigung durch den hohen Schwer punkt zu reduzieren, bekam das Fahrwerk eine straffe Abstimmung. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Country fahrend von schräg hinten fotografiert.
Augen auf und durch: Mit dem Allradantrieb des Syncro war leichtes Gelände für den Country kein Problem. Foto: AZ-Archiv
Das Cockpit des VW Golf 2 Country.
Das Cockpit des Country entsprach dem der Straßenversion. Eine Geländeuntersetzung gab es nicht. Foto: AZ-Archiv
Der VW Golf 2 Country.
Mit Digifant-Einspritzung und Kat kam der 1,8-l-Motor im Golf Country auf 98 PS (72 kW). Er lag sehr tief unten im Motorraum. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Country Chrom-Edition statisch von schräg vorne fotografiert
Ganz in Schwarz, mit glänzenden Anbauteilen: die Chrom-Edition. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Synchro statisch von schräg vorne fotografiert.
Der Erste seiner Klasse: Der Golf 2 Synchro mit permanentem Allradantrieb. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 Synchro fahrend von schräg vorne fotografiert.
Außer einem dezenten Schriftzug verriet nichts die geniale Allradtechnik unter der millionenfach gebauten Außenhaut. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 GTD fahrend von schräg vorne fotografiert.
Zu Beginn kam der GTD noch ohne Doppelscheinwerfer, aber schon mit den Kotflügelverbreiterungen des GTI. Foto: AZ-Archiv
VW Golf 2 GTD statisch von schräg hinten fotografiert.
1987 bekam man für 22.865 Mark nicht nur einen relativ schnellen, sondern auch sparsamen Diesel. Foto: AZ-Archiv
Das Cockpit des VW Golf 2 GTD.
Vierspeichenlenkrad und eine spezielle Innenausstattung mit Sportsitzen als Zeichen für nagelige Fahrdynamik. Foto: AZ-Archiv
Der Motor des VW Golf 2 GTD.
Kompakt und sehr effizient: Der 1,6-l-Turbodiesel mit 70 PS (51 kW) verbrauchte selten mehr als acht Liter. Foto: AZ-Archiv

Das ist die Geschichte des VW Golf 2

Als der VW Golf im Jahr 1974 erschien, war die große Frage unter Fachleuten, ob dieses Fahrzeug an die Erfolge des legendären Käfer würde anknüpfen können. Er konnte, wie wir inzwischen wissen. Aber es dauerte seine Zeit. Erst mit dem Golf IV überschritt Volkswagen die vom Käfer vorgegebene magische Schwelle von mehr als 21 Mio. Stück. Trotzdem war schon die erste Baureihe mit der internen Bezeichnung Typ 17 ein Riesenerfolg. Das von Giugiaro entworfene Design legte den Grundstein für eine ganz neue Generation von Kompaktwagen und verkaufte sich fast sieben Millionen Mal.

Die auf der Frankfurter IAA im September 1983 vorgestellte zweite Generation übernahm das Konzept mit quer eingebautem Frontmotor, Vorderradantrieb, Einzelradaufhängung, an einer Verbundlenkerachse geführten Hinterrädern und einer Schrägheck-Karosserie, deren Kofferraum sich durch Umklappen der Rücksitze beträchtlich vergrößern ließ. Zusätzlich war der Radstand um 75 mm verlängert worden. Und die zierliche Form des Vorgängers wich einem aerodynamisch verbesserten Design. Letzteres gefiel aber nicht allen. Zum Ende des VW Golf 2 bilanzierte Volkswagen später: „Den einen war der neue zu modern, den anderen ähnelte er zu sehr dem alten Golf.“

Der VW Golf R (2023) im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

VW Golf 2 GTI 16V: Der kluge Kopf

Dann gab es da noch ein weiteres Problem: Die Konkurrenz hatte den GTI inzwischen voll im Visier. Mehr noch, Konkurrenten wie der Erzrivale Opel Kadett GSI waren fahrdynamisch sogar an ihm vorbeigezogen. Also musste eine stärkere Version her. Überlegungen, hierfür einen Turbolader zu verwenden, wurden jedoch wieder verworfen angesichts des zu erwartenden hohen Spritverbrauchs. Die kluge Lösung fand man schließlich am Zylinderkopf: Durch 16 statt bisher acht Ventile, angetrieben von zwei Nockenwellen statt bisher einer, ließ sich der Gasdurchsatz um gut 20 Prozent steigern und den Namen auf VW Golf 2 GTI 16V erweitern. Am Ende standen so 139 PS (102 kW), ab 1986 mit Kat, immerhin noch 129 PS (95 kW) zur Verfügung.

VW Golf 2 GTI 16V fahrend von schräg vorne fotografiert
Foto: AZ-Archiv

Im Test der AUTO ZEITUNG reichte das für eine Spitzengeschwindigkeit von 206 km/h und eine Beschleunigung von null auf 100 in 8,2 s. Werte, mit denen der GTI von 1985 an wieder standesgemäß motorisiert war. Und das, obwohl der Mehrverbrauch des VW Golf 2 GTI 16V gegenüber dem Acht-Ventil-GTI nicht mal einen Liter ausmachte. Die Konkurrenz aus Rüsselsheim war fürs Erste geschlagen, denn der 150 PS (110 kW) starke GSI 16V kam erst deutlich später. Die Aufkleber mit der Zeile „Tschüß GTI“ verschwanden wieder. In der Praxis spürte man zunächst gar nicht so viel von den 27 Mehr-PS (20 kW), jedenfalls unterhalb von 3000 Umdrehungen. Bei Überholvorgängen aus 60 km/h im vierten Gang war sogar der schwächere Bruder schneller. Wer die Drehzahlnadel allerdings bis 6400 trieb, war der King. Aufpreis für den Spaß: 2380 Mark.

VW Golf 2 GTI: Der Erbfolger

Wie beim Golf I hieß auch beim VW Golf 2 das Topmodell GTI. Als es 1984 kam, war sein Triebwerk schon bekannt. Denn bereits ein Jahr zuvor, im Frühjahr 1983, hatte die Maschine im ersten GTI Premiere gefeiert: ein 1,8 l großer Vierzylinder mit 112 PS (82 kW) bei 5500 Umdrehungen. Auf dem Papier besaß der Motor nur zwei PS (1,5 kW) mehr gegenüber dem alten 1,6er. Und weil das Fahrzeuggewicht mit vier Türen um hundert Kilo über dem des ersten GTI lag, war die Beschleunigung nicht besser – in den Augen der Fans eine Enttäuschung. Auch die Höchstgeschwindigkeit stieg nicht nennenswert an.

VW Golf 2 GTI fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

Dafür bot der VW Golf 2 GTI deutlich mehr Innenraum und mehr Komfort, zum Beispiel durch ein niedrigeres Geräuschniveau. Das Fahrwerk lag zehn Millimeter tiefer als beim Vorgänger, dazu kamen vorn und hinten Stabilisatoren. Und dank des aufwändig geformten Kunststofftanks stieg sein Fassungsvermögen von mageren 40 auf 55 l. Die größte Leistung des 2er GTI war es vielleicht, dass er mit seiner rundum viel moderneren Konstruktion den Weg bereitete für die folgenden stärkeren Modelle dieser Baureihe. Erst mit ihnen kam später die alte GTI-Fahrfreude wieder spürbar auf die Straße.

VW Golf 2 GTI G60 (Syncro): Klassenkampf gegen Opel

Der Schmerz saß tief. Seit Opel seinen Kadett GSI 16V ins Rennen geschickt hatte, war der Golf entthront: Selbst in der stärksten Ausführung VW Golf 2 GTI 16V hatte er das Nachsehen in der Vollgasabteilung der Kompaktklasse. Mit 224 km/h Spitze zeigte ihm der Opel die eckigen Heckrohre seines Auspufftopfes, ehe er auf der Autobahn uneinholbar entschwand. Das sollte sich ändern, als VW 1989 auf der IAA ein neues Spitzenmodell vorstellte: den VW Golf 2 GTI G60.

Die Zusatzbezeichnung stand für ein neues Kapitel in der Geschichte aufgeladener Ottomotoren. Mittels eines mechanisch angetriebenen Spiralladers schafften es die VW-Ingenieur:innen, einem 1800-cm3-Triebwerk die Durchzugskraft eines 2,5-l-Motors zu entlocken. Bereits nach 0,4 s, nachdem Gas gegeben wurde, baute dieser schneckenförmige Lader seinen vollen Druck auf. Also praktisch verzögerungsfrei. Die Zahl 60 stand übrigens für den Lader-Durchmesser in Millimetern. Vor dem VW Golf 2 GTI G60 kam bereits der Corrado in den Genuss dieser neuen Technik.

Mehr Elastizität dank G-Lader

Zwar war der Opel auch ohne Lader im Topspeed dank besserer Aerodynamik immer noch fünf km/h schneller als der Golf, aber im direkten Vergleich punktete der Wolfsburger mit der kultivierteren Leistungsentfaltung. Gegenüber dem GTI 16V begeisterte er zudem mit einer deutlich besseren Elastizität, denn das maximale Drehmoment lag nun schon bei 3800 Umdrehungen an (statt bei 4000). Erfreulich auch, dass sich zusammen mit stärkeren Stabilisatoren, härteren Federn und einer daran angepassten Stoßdämpferabstimmung ein vorbildliches Handling ergab.

Der Golf hob zwar nach wie vor in engen Kurven gerne spektakulär das kurveninnere Rad an, wenn man das Gas lupfte, doch das blieb meist gut beherrschbar und sah schlimmer aus, als es sich anfühlte. Gute Nerven brauchte man dagegen an der Tankstelle. Denn selbst wenn Volkswagen sich zuvor den Turbo verkniffen hatte, um Sprit zu sparen, so war doch auch der G-Lader-GTI alles andere als ein Kostverächter. Drei Liter mehr als der 16V-Sauger genehmigte sich die G60-Variante, unterm Strich 12,8 l, so ermittelte 1990 die AUTO ZEITUNG.

VW Golf 2 GTI G60 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

Das war happig, wurde aber noch übertroffen, wie der Rückblick auf den Golf Limited beweist. Im Innenraum dagegen blieb weitgehend alles beim Alten. Soll heißen: gepflegte Langeweile. Das Cockpit: gut bedienbar, aber nicht sehr ansehnlich. Die Sitze: komfortabel, aber mit ihrem Achtziger-Jahre-Karo irgendwie nicht mehr frech, sondern bemüht jugendlich. Einen Akzent setzten dagegen die hübschen BBS-Alu-Räder, die es ab 1990 sogar serienmäßig gab. Derweil verwirrten immer neue Sondereditionen die Käufer:innen der schwächeren Golf-Varianten mit Namen wie Atlanta, Bistro, Boston, Flash, Flair oder Function, um nur einige wenige zu nennen.

So wäre es beinahe untergegangen, dass zum Ende der Bauzeit des Golf 2 noch einmal ein neues Topmodell herauskam: der Golf GTI G60 Syncro mit Allradantrieb. Die logische Konsequenz nach der Erfindung des G-Laders hingegen – nämlich die Kombination mit der 16-Ventil-Technik – blieb eigenartigerweise aus. Zumindest in der Großserie. Apropos, zwischenzeitlich hatte es VW geschafft, weit mehr als 6,3 Mio. Golf 2 zu bauen. Längst führte man die Zulassungsstatistik souverän an. Nicht weniger erstaunlich ist die Tatsache, dass 1990 bereits über eine Million GTI verkauft waren. Damit hatte der Golf einer ganzen Generation seinen Stempel aufgedrückt.

VW Golf 16V G60 Limited: Kracher in Kleinserie

Ein echter VW Golf 2, der nicht aus Wolfsburg stammt? Doch, so was gibt es. Wenn auch nur 71 Mal. Sein Name: VW Golf 2 G60 Limited. Jedes einzelne Exemplar ist in Handarbeit zusammengebaut worden – in der Ikarusallee in Hannover. Dort residiert seit Langem die VW-Tochtergesellschaft Volkswagen Motorsport GmbH. Deren Leiter hieß in den Achtzigern Klaus-Peter Rosorius, und er wollte zeigen, was sich aus dem 1,8-l-Motor des GTI 16V rausholen lässt. Dazu baute er den neuen G-Lader an plus Ladeluftkühler. Aus Sorge, es könnte an Traktion mangeln, ergänzte er noch den Allradantrieb aus dem Syncro.

VW Golf 16V G60 Limited fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

Schließlich galt es, 210 PS (154 kW) und 247 Nm auf die Straße zu bringen. Am Ende ging das Ding ging wie die Hölle: 6,7 s auf 100. Mit Äußerlichkeiten hingegen hielt sich Rosorius nicht lange auf. Außer einer tiefen Spoilerlippe und einer eigenartigen blauen Umrandung im Kühlergrill hatte der VW Golf 2 G60 Limited nicht viel zu bieten. Auf den ersten Blick sah er aus wie ein schlecht gepimpter CL. Dafür gab es innen gediegenes Leder. Schade, dass dieser Super-VW Golf 2 so selten blieb.

VW Golf 2 Rallye G60: Peinliche Tuning-Optik?

Kaum ein VW Golf 2 wurde in Vergleichstests so gebügelt wie dieser. Dabei war vermutlich alles nur ein riesengroßes Missverständnis. Doch der Reihe nach. Da fasst sich Volkswagen ein Herz und motzt den nach 14 Jahren Bauzeit vom Image eines Biedermanns bedrohten VW Golf GTI mal so richtig auf. Kotflügel, so breit wie die vom BMW M3. Bullige Front mit eckigen (!) Spezialscheinwerfern. Für den Einsatz im Rallyesport gibt es permanenten Allradantrieb und am Heck den passenden Schriftzug dazu.

Der VW Golf 2 Rallye G60 war fett! Doch was passiert dann? Die Fachpresse faselt was von bescheidenen Fahrleistungen. Von zu hohem Spritverbrauch. Und von peinlicher Tuning-Optik. Dann meckern die Tester:innen auch noch über das Getriebe, mit dem man schlecht vom zweiten in den dritten Gang schalten kann. Über den erschütternden Doppelschlag beim Gaswechsel. Und außerdem sei der Kofferraum viel zu klein für Familienausflüge.

Als ob die angepeilte Zielgruppe regelmäßig mit einem Auge auf der Tankanzeige und dem anderen bei den Kids auf der Rückbank zum Picknick ins Grüne gefahren wäre. In Wirklichkeit hätte der VW Golf 2 Rallye G60 mehr Respekt, wenn nicht gar Riesenapplaus verdient. Nie zuvor und wohl auch danach ist so ein spektakulärer, leidenschaftlicher, unvernünftiger Golf vom Band gelaufen. Klar hat der Motor mit dem G-Lader gesoffen. 13 l und mehr, wenn man ihn artgerecht bewegte.

VW Golf 2 Rallye fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

Klar, machten sich die 100 kg extra für den Allradantrieb auch beim Sprint bemerkbar. Aber wer sich auskannte, konnte doch locker 50 PS (37 kW) zusätzlich aus dem Motor rauskitzeln. Dafür genügten ein anderes Antriebsrad für den G-Lader, mehr Ladedruck, sagen wir 0,85 bar, und eine Anpassung des Kennfeldes von Zündung und Einspritzung. Dazu noch Zündkerzen mit erhöhtem Wärmewert, eine Spezialnockenwelle und eine kleine Strömungsoptimierung des Zylinderkopfes. Quasi ein Klacks.

Wer wollte, konnte auch noch deutlich breitere Reifen aufziehen als die serienmäßigen 205er-Schlappen. Platz genug war ja da in den Radkästen. Damit hätte man dann locker die Konkurrenz stehen gelassen. Parkend vor der Disco und erst recht über alle viere driftend auf den Schotterpisten der letzten Wertungsprüfung zur Deutschen Rallye-Meisterschaft. Dann wäre es der holden Copilotin auf dem Beifahrersitz auch nicht langweilig geworden, angesichts des nüchternen Serienarmaturenbretts. Aber wie gesagt, am Ende lief es leider doch auf ein riesengroßes Missverständnis hinaus. Schwamm drüber, für die Homologation wurden ja eh nur 5000 Stück gebaut, damals, im Brüsseler Werk. Heute dagegen ist jeder Rallye-Golf ein Blickfang.

VW Golf 2 Country: Der Kuriose

Ein bisschen sieht dieser VW Golf 2 aus, als bestünde er aus zwei getrennten Ebenen. Unten rollt ein 15-Zoll-Fahrwerk mit Speedline-Leichtmetallrädern, langen Federbeinen mit spezieller Feder-Dämpfer-Abstimmung, schützenden Rutschplatten und Rohrrahmen. Ein ganzes Stück darüber thront die Karosserie, von Distanzstücken angehoben für 18 cm mehr Sitzhöhe. Weil aber eben nur die Karosserie angehoben wurde und nicht der Fahrzeugboden, ist die Bodenfreiheit des VW Golf 2 Country nach wie vor nicht wirklich geländetauglich. Und auch mit dem Seriengetriebe ohne zusätzlichen Geländegang sollte man nicht gleich auf den Rubicon Trail abbiegen. Besonders kurios wird es, wenn man einen Blick in den Motorraum wirft: Irgendwo weit unten liegt der 1,8-l-Motor wie ein Unantastbarer, dem der Kontakt zur höheren Kaste verwehrt wurde.

Diese kleinen technischen Schönheitsfehler konnte man 1990 aber getrost ignorieren, wenn man einfach ein allradgetriebenes Kompaktauto mit kerniger Geländewagen-Optik suchte. Für gelegentliche Ausritte auf losem Untergrund war der Feld-, Wald- und Wiesen-Golf allemal geeignet. Die erhöhte Sitzposition schließlich konnte man auch im Gewühl des Großstadtverkehrs genießen.

VW Golf 2 Country fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: VW

Dabei signalisierte das demonstrativ am hinteren Rammschutz montierte Reserverrad den nachfolgenden Personen: Komm mir nicht zu nahe! Aus heutiger Sicht mutet die Ästhetik des VW Golf 2 Country etwas skurril an. Das gilt erst recht für die 558 Stück der Chrom-Edition. Kuhfänger vorne, Trittbretter seitlich, Steinschlagschutzgitter für alle Scheinwerfer: Alles war in glänzendem Chrom gehalten und hob sich deutlich ab vom schwarz lackierten Blech. Innen nahm man auf hellbeigen Ledersportsitzen Platz und ließ sich den Wind um die Nase wehen, wenn sich das elektrische Webasto-Faltdach auf Knopfdruck öffnete.

Auf ganz andere Weise exklusiv kam der nur 160 Mal gebaute VW Golf 2 Country Allround daher, nämlich als Schlicht-Ausstattung mit Kunstleder innen und Lackierung in schickem Waldgrün außen. Dank des Allradantriebs hatten Country-Fahrer:innen gegenüber stärker motorisierten Markenkollegen mit Vorderradantrieb auf rutschigem Untergrund die Nase vorn. Und das, obwohl der 98 PS (72 kW) starke Vierzylinder-Einspritzer mit Katalysator nicht gerade ein Temperamentsbündel war. Beim Bremsen wiederum konnte man sich im Country auf sein Antiblockiersystem verlassen. Im Freilauf wurde die Hinterachse sofort vom Antriebsstrang entkoppelt, was ein vorzeitiges Blockieren der Hinterräder wirkungsvoll vermied.

VW Golf 2 Syncro: Der Erste seiner Klasse

Er war der Erste seiner Klasse: der Golf mit permanentem Allradantrieb, genannt VW Golf 2 Syncro. Denn bis 1985 war die Kraftverteilung auf alle vier Räder bei Autos dieser Größe üblicherweise nur manuell zuschaltbar. Im Syncro nun sorgte die Technik dafür, dass die Motorkraft automatisch immer so auf die Vorder- und Hinterachse verteilt wurde, dass in jeder Situation maximaler Vortrieb gesichert war. Möglich machte dies nicht etwa eine aufwändige Elektronik, sondern ein trommelförmiges Gehäuse, das mit dem Hinterachsdifferential verschraubt war. Im Inneren befanden sich 59 eng aneinanderliegende Stahllamellen. Zwischen diesen Lamellen gab es keine reibschlüssige Verbindung. Der Kraftschluss zwischen Kardanwelle und Differenzial wurde durch ein dickflüssiges Silikonöl hergestellt.

VW Golf 2 Synchro statisch von schräg vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

Der Name für diese Technik: Visco-Kupplung. Durch den permanenten Allradantrieb hatte der VW Golf 2 Syncro ein noch ausgewogeneres Fahrverhalten als seine vorderradgetriebenen Brüder. Das Untersteuern fiel etwas geringer aus. Korrekturen am Lenkrad waren kaum erforderlich, selbst auf Fahrbahnen mit wechselnden Reibwerten, zum Beispiel im Winter. Passend dazu wählte man am besten die Farbe Alpinweiß in Kombination mit der Polstervariante Alpintweed in Schwarz-Weiß. Unter der Haube steckte der 1,8er-Benziner mit 90 PS (66 kW) und 145 Nm bei 3300 Umdrehungen. Damit konnte man zur Not 172 km/h schnell fahren und in gar nicht so langsamen 12,5 s auf Tempo 100 beschleunigen, versprach VW. Auf Wunsch sogar mit Kat.

VW Golf 2 GTD: Der sportliche Diesel

In einem Rückblick auf den VW Golf 2 darf der GTD nicht fehlen. Äußerlich kaum von den echten Sportmodellen mit GTI-Kürzel im Kühlergrill zu unterscheiden, beflügelte das Topmodell mit dem D das zu Beginn der Achtziger gerade frisch aufkeimende Selbstbewusstsein der Dieselfahrer:innen. Die Zeiten, als Selbstzünder mit wandernden Dünen verglichen wurden, gehörten endgültig der Vergangenheit an. 161 km/h, null auf 100 in 14,9 s, das waren zwar keine Werte für Duelle mit potenten Benzinern – aber ausreichende Fahrleistungen, um mit viel größeren Limousinen gleicher Antriebsart mitzuhalten. Es kommt eben darauf an, mit wem man sich misst. Doch wie in der GTI-Klasse auch, machten dem VW Golf 2 GTD bald ehrgeizige Wettbewerber das Leben schwer.

VW Golf 2 GTD fahrend von vorne fotografiert.
Foto: AZ-Archiv

So war der schnellste Diesel-Golf einem Fiat Ritmo mit Zwei-Liter-Turbomotor beispielsweise hoffnungslos unterlegen, zumindest fahrdynamisch. Denn der Italiener hatte schon früh einen Ladeluftkühler an Bord – auf den der Golf noch bis 1989 warten musste. Erst dann erhielt auch er jenen 80-PS-Motor (59 kW), der damals längst im Audi 80 zum Einsatz kam. Glänzen konnte der VW Golf 2 GTD immer mit der Summe seiner Eigenschaften: Er war komfortabler und besser verarbeitet als die meisten anderen Autos seiner Klasse.

Volkswagen ließ sich diese Qualität ordentlich bezahlen und rief für den GTD 1987 einen Preis von 22.865 Mark auf. Dafür bekam man übrigens nicht nur einen relativ schnellen, sondern auch sparsamen Diesel: Selbst im Stadtzyklus lag der Verbrauch bei rund sieben Litern. Wer es auf Langstrecken darauf anlegte, konnte sich sogar eine fünf vor dem Komma ertrödeln.

Technische Daten von VW Golf 2 GTI 16V, GTI, GTI G60, Rallye, Limited, Country, Syncro, GTD

Classic Cars 11/2013

VW Golf 2 GTI 16V

VW Golf 2 GTI

VW Golf 2 GTI G60

VW Golf 2 Rallye

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 4

4 / 2

4 / 2

4 / 2

Hubraum

1781 cm³

1781 cm³

1781 cm³

1763 cm³

Leistung

102 kW/139 PS bei 6100 U/min

82 kW/112 PS bei 5500 U/min

118 kW/160 PS bei 5800 U/min

118 kW/160 PS bei 5600 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

168 Nm bei 4600 U/min

155 Nm bei 3100 U/min

225 Nm bei 3800 U/min

225 Nm bei 4000 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Allrad

L / B / H

3980 / 1680 / 1405 mm

3980 / 1680 / 1405 mm

4040 / 1700 / 1415 mm

4035 / 1700 / 1400 mm

Leergewicht

1030 kg

980 kg

1080 kg

1250 kg

Bauzeit

1985 – 1991

1984 – 1991

1989 – 1991

1988 – 1991

Stückzahl

186.549

415.170

19.455

5.000

Beschleunigung null auf 100 km/h

8,2 s (AZ 7/1986)

9,2 s (AZ 14/1984)

8,3 s (AZ 7/1990)

9,0 s (AZ 14/1989)

Höchstgeschwindigkeit

206 km/h (AZ 7/1986)

189 km/h (AZ 14/1984)

219 km/h (AZ 7/1990)

208 km/h (AZ 14/1989)

Verbrauch auf 100 km

9,8 l S (AZ 7/1986)

9,1 l S (AZ 14/1984)

12,8 l S (AZ 7/1990)

12,9 l S (AZ 14/1989)

Grundpreis (Jahr)

25.595 Mark (1986)

21.525 Mark (1984)

35.650 Mark (1989)

44.500 Mark (1989)

Classic Cars 11/2013

VW Golf 2 16V G60 Limited

VW Golf 2 Country

VW Golf 2 Syncro

VW Golf 2 GTD

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 4

4 / 2

4 / 2

4 / 2

Hubraum

1781 cm³

1781 cm³

1781 cm³

1588 cm³

Leistung

153 kW/210 PS bei 6400 U/min

72 kW/98 PS bei 5400 U/min

66 kW/90 PS bei 5200 U/min

51 kW/70 PS bei 4500 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

247 Nm bei 5000 U/min

143 Nm bei 3000 U/min

145 Nm bei 3300 U/min

133 Nm bei 2600 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Allrad

5-Gang-Getriebe / Allrad

5-Gang-Getriebe / Allrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

L / B / H

3985 / 1680 / 1395 mm

4255 / 1704 / 1550 mm

3985 / 1665 / 1415 mm

3985 / 1680 / 1415 mm

Leergewicht

1270 kg

1255 kg

1070 kg

920 kg

Bauzeit

1989

1990 – 1991

1985 – 1991

1984 – 1991

Stückzahl

71

8000

k. A.

k. A.

Beschleunigung null auf 100 km/h

6,7 s (AZ 9/1990)

11,0 s (AZ 2/1990)

12,5 s (AZ 2/1987)

14,9 s (AZ 5/1987)

Höchstgeschwindigkeit

230 km/h (AZ 9/1990)

165 km/h (AZ 2/1990)

172 km/h (AZ 2/1987)

161 km/h (AZ 5/1987)

Verbrauch auf 100 km

14,6 l S (AZ 9/1990)

k. A. (AZ 2/1990)

9,4 l S (AZ 2/1987)

8,8 l D (AZ 5/1987)

Grundpreis (Jahr)

68.500 Mark (1989)

31.700 Mark (1990)

22.620 Mark (1987)

22.865 Mark (1987)