Dystopischer VW Derby mit Ducati-V4: Hier gibts viel zu erklären!
Einen VW Derby zu tunen ist an sich schon eine verwegene Idee. Vor allem, wenn dabei ausgerechnet einer der kompliziertesten Motorradmotoren überhaupt zum Einsatz kommt.
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Wer einen VW Derby tunt, ist wahrscheinlich irre. Oder Brite
Mantas, Dreier und Gölfe noch und nöcher: Die Klassiker der Tuningszene lassen sich an den Krallen einer Fuchspfote abzählen. Breiter machen, tiefer legen und Motortuning gelten als Allheilmittel, was teils zu einer gewissen Monokultur führt. Dabei ist Diversifizieren so leicht. Zumindest für Dave Custance. Der Mann ist weder Ingenieur noch Mechaniker, doch – natürlich, möchte man meinen – britischer Staatsbürger.
Deshalb hat er auf Basis eines VW Derby I einen Exoten zusammengetunt, der auf jedem Meeting aus dem Rahmen fällt. Und das liegt nicht nur an der seltsamen Modellwahl, am güldenen Lack oder dem nostalgisch anmutenden Bodykit. Denn unter der Haube lauert ein ganz spezieller Motorradmotor.
Im Serientrimm brachte der Derby maximal 60 PS (44 kW) auf die Räder. Custance hat den rachitischen Vierzylinder herausoperiert und zunächst durch einen 900er, der einer Honda CBR entstammte, ersetzt und diesen dann aufgeladen. Doch irgendwie war er mit dem Ergebnis nicht zufrieden.
Also wurde der Swap-Motor wiederum geswapped. Und zwar für einen Hochkaräter, der Motorradfans mit der Zunge schnalzen lässt. Der Brite entschied sich nämlich für einen V4 aus dem Ducati-Fundus. Der 1200er lässt zum Beispiel in der Ducati Panigale V4 S bis zu 234 PS (172 kW) auf die Kette los. Detail am Rande: Das Ding dreht erst bei 15.000 U/min in den Begrenzer. In Worten: bei fünfzehntausend Touren!
Der VW Derby mit Ducati-V4 im Video
Die Desmodromik sorgt für Drehzahlfestigkeit bis zu 15.000 U/min
Die Kraftmühle vereint geringes Gewicht (rund 65 kg samt Getriebe), kompakte Baumaße und Drehfreude mit einer mechanischen Besonderheit namens Desmodromik. Hier wird jedes der 16 Ventile nicht von einer Feder geschlossen, sondern von einem zweiten Nocken auf der Nockenwelle. Das Einstellen des Ventilspiels gerät dadurch zum Albtraum.
Dafür entschädigt Drehzahlfestigkeit ohne Ventilflattern für den mechanischen Kraftakt. Und dieser sägende Sound. Wie ein steroidschwangerer Hornissenschwarm jagt der Vierzylinder die Dezibel durch den hausgemachten Edelstahl-Auspuff. Exakt 0,0 Gramm Dämmmaterial sorgen dafür, dass keine Note dieser Sinfonie ungehört bleibt.
Die Leistung verpufft auch nicht an beherrschungslos durchdrehenden Vorderrädern. In weiser Voraussicht hat Custance den Antrieb nach hinten delegiert. Das unsynchronisierte, sequenzielle Sechsganggetriebe hat er beibehalten. Der Gangwechsel geht so natürlich schneller vonstatten. Parkmanöver erfordern mangels Rückwärtsgang allerdings schiebende Unterstützung.
Richtig praktisch ist der ehemals als Rucksack-Polo gehänselte VW Derby also nicht mehr. Auch die kaum messbaren Federwege, der Überrollkäfig und die extrabreite Spur prädestinieren den dystopischen Derby nicht gerade zum Brötchenholen. Dafür bringt er die Luft und Armbehaarung zum Vibrieren. Und dafür ist gutes Tuning ja da.

















