Sportliche Speerspitze: Erste Testfahrt im Opel Corsa GSE
Seit 2019 dreht die aktuelle Corsa-Generation bereits ihre Runden – höchste Zeit für eine sportliche Speerspitze: erste Testfahrt im Opel Corsa GSE.
Erste Testfahrt im Opel Corsa GSE: Opel motzt seinen Kleinsten zum E-Sportler auf
Bislang ist der kleine Rüsselsheimer, der in Spanien vom Band läuft, vor allem durch seine sehr guten Verkaufszahlen aufgefallen – ein besonders sportliches oder gar aufregendes Auto war die Generation F jedoch zu keiner Zeit. Das soll sich nachhaltig ändern. Parallel zum Einstieg in die Formel E motzt Opel seinen Kleinsten zum E-Sportler auf. Reichten 1988 noch 100 PS, um 820 kg sportlich in Fahrt zubringen, braucht es nun allerdings deutlich mehr Wums – und mit bis zu 207 kW (281 PS) toppt der GSE alles, worauf in der Vergangenheit „GSi“ oder „OPC“ prangte.
Der Opel Corsa Electric im Fahrbericht (Video)

Nicht nur Kraftkur: Auch Fahrwerk, Lenkung und Bremsen neu
Aber die Opelaner:innen belassen es nicht bei einer simplen Kraftkur, sondern werten auch Fahrwerk, Lenkung und Bremsen des Corsa auf – ganz im sportlichen Geiste des einstigen Opel Performance Center. So vertraut das Cockpit mittlerweile auch ist: Es braucht nur wenige Meter, um zu spüren, dass die umfangreichen Maßnahmen ihre Wirkung haben.
Der neue Opel Corsa GSE liegt auf der ersten Testfahrt ausgesprochen satt auf der Fahrbahn, ist steifer und fokussierter. Stellt man den Fahrmodus auf „Sport“, spricht die Lenkung direkter an, die Bremse wird komplett von der Rekuperation entkoppelt, und der E-Motor an der Vorderachse darf mit der vollen Leistung und 345 Nm Drehmoment die Michelin Pilot Sport 4S-Bereifung einem Traktionstest unterziehen.
Und siehe da: Der Corsa GSE bekommt seine Leistung unerwartet gefühlvoll und verlustfrei auf den Asphalt. Das ändert sich auch bei forcierter Kurvenhatz nicht – hier bewirkt das mechanische Sperrdifferenzial an der Vorderachse wahre Wunder. Enge Kehren werden mit hoher Geschwindigkeit und einem feinen Einlenkverhalten durcheilt, während selbst grobe Fahrbahnversätze den Corsa nicht aus der Ruhe bringen.
Das ESP ist zwar nicht komplett deaktivierbar, das Ingenieursteam hat aber eine erfreulich lange Leine einprogrammiert, die genügend Mitspracherecht seitens der Person am Steuer zulässt – ohne den Fahrspaß schon im Keim zu ersticken. Auch Leistungseinbrüche können wir nicht vermelden.
Der Corsa GSE ist nicht überall schnell
Wer akustisches Feedback braucht, bekommt dieses mit aktiviertem „Sport-Sound“ – ein nicht aufdringlicher und stimmig komponierter Mix mit Klängen aus der Corsa GSi- und OPC-Historie.
Lobenswert sind auch die mit reichlich Seitenhalt gesegneten Sitze. Je nach Körperfülle könnten sie allerdings etwas knapp bemessen sein. Sie sind mit ihrem Karo-Design jedoch deutlich schicker als das Armaturenbrett mit kleinem Digital-Cockpit und nicht ideal positioniertem Touchscreen. Hier nagt deutlich der Zahn der Zeit am Corsa. Das griffige Lenkrad liegt dagegen gut in der Hand – schade, dass die handschmeichelnden Alcantara-Einsätze genau dort sind, wo man das Volant selten anfasst: oben und unten.
Wer den Corsa fliegen lässt, muss allerdings mit eingeschränkten Elektroauto-Eigenschaften leben. Die Reichweite beträgt nach WLTP rund 350 km – in der Realität dürften es weniger sein. Auf der ersten Testrunde mit gemischtem Fahrprofil standen 17,2 kWh im Bordcomputer – was rund 300 km Reichweite entspricht. An der Ladesäule zählt der GSE zudem mit maximal 100 kW DC-Ladeleistung nicht zu den Schnellsten – auf der Straße mit abgeregelten 180 km/h auch nicht.
Was dagegen gefällt, ist der ordentliche Federungskomfort. Der Opel Corsa GSE verkneift sich eine übertriebene Härte, und die hydraulischen Anstöße halten grobe Schläge kompetent von den Passagier:innen fern. Man muss allerdings mit den recht lauten Abrollgeräuschen der Michelin-Pneus leben – selbst auf ordentlichem Asphalt.
Bei einem kommunizierten Preis von unter 40.000 Euro nimmt man die wenigen Nachteile aber wohl gern in Kauf – denn der nahezu baugleiche Peugeot E-208 GTi kostet glatte 5000 Euro mehr. Die Ausstattung des GSE ist dabei erfreulich umfangreich. Sogar die Performance-Upgrades wie die mechanische Sperre und die sportliche Michelin-Bereifung sind serienmäßig – optional gibt es eine Hankook-Bereifung der Effizienzklasse A.
Fazit
Opel hat seinen Kleinsten erfrischend fahraktiv aufgerüstet – der Corsa GSE fährt deutlich direkter und launiger als seine bodenständigen Brüder, ohne beim Preis komplett abzuheben. Kann man mit den Einschränkungen in Sachen Reichweite, Ladeleistung und Höchstgeschwindigkeit leben, dann ist der GSE tatsächlich eine Empfehlung – und auf jeden Fall eine Probefahrt wert.
Technische Daten des Opel Corsa GSE
AUTO ZEITUNG 19/2026 | Opel Corsa GSE |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | permanenterregte Synchronmaschine |
Antrieb | Konstantübersetzung; Vorderradantrieb |
Leistung | 207 kW / 281 PS |
Max. Drehmoment | 345 Nm |
Kapazität / Spannung | 52,0 kWh netto, 400 V |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4082 / 1773 (1952)* / 1426 mm |
Leergewicht / Zuladung | 1479 / k. A. kg |
Kofferraumvolumen | 267 – 1042 l |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 5,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 17,0 – 16,0 kWh |
Reichweite | 354 – 374 km |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 39.900 € |
Marktstart | Ende 2026 |
Alle Daten Werksangaben; *Breite inklusive Außenspiegel | |
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